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26.04.2018

Ab wann ist Heu schlecht?

Ohne Heu geht in der Pferdefütterung nichts. Umso wichtiger ist es, dass die Qualität stimmt. Doch gerade da hapert es immer häufiger. Was gutes Pferdeheu ausmacht, welche Nährwerte es haben soll und welche Belastungsparameter nicht überschritten werden dürfen, erklärt der Futtermittelexperte DI Gerald Stögmüller von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich.

Heu ist das wichtigste Nahrungsmittel für Pferde. Schon alleine deshalb sollte stets in einwandfreier Qualität zur Verfügung stehen. © www.slawik.com
Heu ist das wichtigste Nahrungsmittel für Pferde. Schon alleine deshalb sollte stets in einwandfreier Qualität zur Verfügung stehen.
© www.slawik.com
Die Qualität eines Futtermittels ergibt sich einerseits aus den Gehalten an Nährstoffen, Mineralstoffen und Vitaminen und andererseits durch die mikrobiologische Belastung. Das ist auch bei Pferdeheu so.

Die Nährstoffgehalt werden durch Faktoren wie Pflanzenbestand, Düngung und Erntezeitpunkt bestimmet. Zwar wünscht man sich gutes Pferdeheu langfasrig, damit die Pferde ordentlich kauen  anstatt hastig zu schlingen. Davon, überständiges Mähgut für die Heugewinnung zu verwenden, rät Gerald Stögmüller aber dringend ab: „Wird mit der Ernte zu lange gewartet, sterben Blätter und Pflanzenteile bereits am Feld ab. Auf diesem abgestorbenen Pflanzenmaterial entwickeln sich dann viele Keime, welche die Schmackhaftigkeit deutlich beeinträchtigen. Daneben ist überreifes Heu deutlich schwieriger zu trocknen, da die stark lignifizierten Zellen das Wasser lange nicht abgeben können.“ Der ideale Schnittzeitpunkt sei deshalb, wenn die Leitgräser in Blüte stehen, so der Experte.
Heu Nährstoffgehalt © Archiv
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Problemquelle Keimbelastung

An Futtermitteln haften - wie an allen anderen Stoffen - Bakterien, Pilze und Hefen. Bis zu einer bestimmten Menge gelten sie noch als harmlos. Werden die Gehalte aufgrund verschiedener Ursachen jedoch zu hoch, kommt es zu körperlicher Belastung. Die äußert sich dann in Symptomen wie Futterverweigerung, Husten, Kolik, Kotwasser und allergischen Reaktionen.

„Die Entwicklung von unerwünschten Keimen auf Graspflanzen am Feld wird vor allem bei ungünstiger Witterung, bei Verschmutzung mit Erde sowie durch tierische Schädlinge gefördert“, erklärt Stögmüller. Aber auch Fehler in der Lagerung können für eine deutliche Qualitätsminderung des Heus sorgen. „Später entwickeln sich unerwünschte Keime beispielsweise dann, wenn das Heu bei der Ernte nicht trocken genug war oder die Trocknung durch falsche Lagerung behindert wird. Auch Kondenswasser oder tierische Exkremente, etwa von Katzen, beeinflussen die Qualität negativ."

Problematisch, leider aber weit verbreitet, sind Schimmelpilze. Verpilztes Heu reizt die Schleimhäute in Lunge und Verdauungstrakt was langfristig Allergien begünstigt. Nicht nur beim Pferd, sondern auch beim Menschen, die sich viel im Stall aufhalten und die Keime mit der Atemluft aufnehmen. Beim Pferd können Toxine oder biogene Amine als Stoffwechselprodukte von bestimmten Pilzen obendrein zu Entzündungen, hormoneller Beeinträchtigung und sogar zu schweren Vergiftungen führen.

Doch ab wann muss die Pilzbelastung im Heu als problematisch angesehen werden? Der Verband Deutscher Landwirtschaftlicher Forschungs- und Untersuchungsanstalten (VDLUFA) führt dazu Tabellen mit Richtwerten zur Interpretation der mikrobiologischen Gehalte. In sieben Keimzahlstufen werden die Gehalte an Bakterien-, Schimmelpilz- und Hefekeimgehalt eingestuft und damit die Futtereignung interpretiert.
Heu Orientierungswerte Keimgehalt © Archiv
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In der Praxis ist Pferdeheu aufgrund des meist späten Schnittzeitpunkts und dem damit verbunden hohen Holzanteil sehr stark anfällig für Lagerpilze. Zusätzlich begünstigt wird die Keimentwicklung, wenn das heu zu fest in Rund- oder Kleinballen gepresst wird und nicht luftig am Heuboden gelagert wird sondern aus Platzspargründen dicht an dicht zusammengezwängt wird.
In der Petrischale kommt ans Licht, was sich an Keimen im Heu verbirgt. © Landwirtschaftskammer Niederösterreich
In der Petrischale kommt ans Licht, was sich an Keimen im Heu verbirgt.
© Landwirtschaftskammer Niederösterreich
„Man soll bei Rundballen die Hand in den Ballen stecken können. Bei der Lagerung ist zu beachten, dass unter die Rundballen Paletten oder andere luftdurchlässige Holzkonstruktionen gelegt werden, um das sogenannte Nachlüften zu gewährleisten. Außerdem sollen die ersten Wochen im Lager die Rundballen nicht übereinander gestapelt werden. Wenn notwendig, ist hier zumindest wieder eine Palette dazwischen zu legen, um den Austritt der Restfeuchte zu ermöglichen. Kleinballen sollen ebenfalls luftig gelagert werden, dass die Restfeuchte entweichen kann“, rät Gerald Stögmüller.

Wer auf Nummer Sicher gehen will, lässt sein Heu in einem Labor analysieren. Im Idealfall freilich vor der Verfütterung. Allerdings sei das nicht die Regel, bedauert Stögmüller. „Leider werden viele Proben erst nach Erkrankungen eingesandt. Da die Analyse doch sieben bis zehn Tage dauert, herrscht oft Verzweiflung bis das Ergebnis eintrifft.“

Für eine aussagekräftige Analyse benötigt ein Labor etwa ein halbes Kilogramm Heu, das aus mehreren Ballen entnommen und zusammengemischt werden soll. Verpackt wird das Heu danach am besten in eine Kartonbox oder Schuhschachtel. Nicht geeignet sind Plastiksäcke oder -behälter, weil dsa Heu darin unter Luftabschluss verdirbt.

In Rosenau werden jährlich viele Hunderte solcher Heuproben auf deren Nährstoffgehalte und Keimbelastung hin untersucht. Häufig mit ernüchternden Ergebnissen. „Als Fütterungsberater der Landwirtschaftskammer Niederösterreich werde ich immer wieder mit sehr schlechten Heuqualitäten konfrontiert, die an Pferde verfüttert werden.“ Die größten Defizite gäbe es vor allem bei der Hygiene, so Stögmüller.
Die Rohnährstoffanalyse gibt Rückmeldung zur Nährstoffversorgung, zum Schnittzeitpunkt sowie zur Lagereignung. Hier werden die Parameter Trockenmasse, Rohfaser, Rohprotein, Rohfett, Rohasche und Energie ausgewertet. In Rosenau werden hierfür mit der Nah-Infrarot-Reflexionsspektroskopie (NIRS) eine günstige Bestimmungsmethode sowie eine genaue nasschemische Methode angeboten. "Meist reicht die günstige Methode, bei gesundheitlichen Problemen sowie extremen Qualitäten (z.B. sehr überständig) ist die genaue Methode zu empfehlen.", erklärt Gerald Stögmüller.

Die Mineralstoffanalyse dient der Ermittlung des Mineralstoffergänzungsbedarfs und sollte durchgeführt werden, wenn die Fütterung in diesem Bereich optimiert werden soll oder es bereits gesundheitliche Probleme gibt, die eine genaue Bestimmung der Mineralstoffversorgung über das Grundfutter erforderlich machen.
KBE: Koloniebildende Einheiten (=Keime) - logarithmische Skalierung © Landwirtschaftskammer Niederösterreich
KBE: Koloniebildende Einheiten (=Keime) - logarithmische Skalierung
© Landwirtschaftskammer Niederösterreich
Mithilfe der mikrobiologischen Analyse wird schließlich die Belastung mit Bakterien-, Hefe- und Schimmelpilzkeimen ermittelt. Husten die Pferde bei der Fütterung, gibt es mehrfach Verdauungsprobleme im Stall oder wird das Heu nicht gerne gefressen, rät der Futtermittelexperte dringend in diesem Bereich genauere Nachforschungen anzustellen. Letztendlich ist das Geld für eine Analyse gut investiert, wenn dadurch Pferdeleid verhindert werden kann und hohe Tierarztkosten ausbleiben.

Nähere Informationen zur Probenziehung und zum Versand sowie den Probenbegleitschein gibt es auf der Homepage des Futtermittellabors Rosenau unter www.futtermittellabor.at.

DI Gerald Stögmüller/ps
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