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09.02.2015

Abgeschnürt und krank gewickelt: So schädlich sind Stallbandagen

Für viele ReiterInnen gehören sie zum Pferd wie Halfter und Strick: Stallbandagen sollen die Beine schlank und gesund halten. Dabei richten sie in der Regel deutlich mehr Schaden an als sie nutzen.

Stall- bzw. Wollbandagen gehören beim Umgang mit dem Pferd zu den am häufigsten genutzten Hilfsmitteln. Doch der erhoffte positive Effekt ist nur optischer Natur. © Jari Hindström - fotolia.com
Stall- bzw. Wollbandagen gehören beim Umgang mit dem Pferd zu den am häufigsten genutzten Hilfsmitteln. Doch der erhoffte positive Effekt ist nur optischer Natur. Tatsächlich behindern sie das Lymphsystem massiv in seiner Arbeit, sodass bei langfristigem Einsatz chronische Schädigungen wahrscheinlich sind.
© Jari Hindström - fotolia.com
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover*. Pferde haben von Natur aus eine starke Neigung zu Wassereinlagerungen im Gewebe. Besonders an den Pferdebeinen sind häufig lymphödematöse Veränderungen zu beobachten. Doch die sogenannten „angelaufenen“ Beine sind in vielen Fällen harmlos. Neben mangelnder Bewegung haben sie vor allem in einer geringen Dichte an Lymphkollektoren ihren Ursprung. Diese Gefäße nehmen Flüssigkeit von den Lymphkapillaren auf, sammeln sie und sorgen zusätzlich dafür, dass sie mit dem nötigen Druck weitertransportiert wird. Sind sie in geringerem Maß vorhanden, kommt es schneller zu Wasseransammlungen – die Beine laufen an.

Unter Druck läuft nichts mehr

Aufgrund ihrer speziellen Bauweise sind Lymphgefäße besonders druckempfindlich. Mangels einer polsternden Skelettmuskel- und Fettschicht in den unteren Gliedmaßen des Pferdes wirkt sich dort jede Form von Kompression unmittelbar auf das Lymphsystem aus und behindert es in seiner Funktion.

Dies bestätigte sich im Rahmen eines Versuches an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Um die Auswirkungen von Stallbandagen auf den Lymphfluss zu ermitteln, wurden zehn Versuchspferde unterschiedlicher Rassen im Alter zwischen 5 und 13 Jahren auf die in Reiterkreisen übliche Weise bandagiert: Erst eine handelsübliche wattierte Unterlage und darüber eine unelastische Stallbandage aus Wolle. Dabei wurde streng darauf geachtet, keinen Zug auf die Bandage auszuüben sondern sie gerade nur soweit unter Spannung zu setzen, dass Bandage und Unterleger nicht ins Rutschen geraten konnten.

Bereits zehn Minuten nach dem vollständigen Anbringen lieferten die durchgeführten Kontrollröntgten ein eindeutiges Ergebnis: Bei allen untersuchten Pferden war unter Bandagierung eine Unterbrechung des Lymphflusses ab Höhe des Fesselgelenkes festzustellen. Unmittelbar nach Entfernen der Bandage wiesen alle Pferde wieder einen durchgängigen Lymphfluss in den Kollektoren auf.

Langzeitschäden vorprogrammiert

„Wenn man davon ausgeht, dass bei Pferden mit angelaufenen Beinen bereits eine partielle Insuffizienz des Lymphgefäßsystems vorliegt, welche zu den sichtbar ödematösen Beinen führt, so hat eine zusätzliche Behinderung bzw. Unterbindung des Lymphtransportes durch Bandagierung negative Auswirkungen auf das Krankheitsbild“, so das Fazit der Studie. Die scheinbare, optisch positive Wirkung der Bandagierunge erkläre sich dadurch, dass in dem komprimierten Gewebe keine Wassereinlagerung mehr stattfinden kann. Das Lymphgefäßsystem, welches das natürliche „Entsorgungssystem“ für Plasmaproteine darstellt, werde jedoch in seiner Arbeit massiv behindert und auf längere Sicht wahrscheinlich chronisch geschädigt. Hierdurch schlage die gewünschte Wirkung in das genaue Gegenteil um. „Pferde mit starker Neigung zu angelaufenen Beinen entwickeln unter regelmäßigem Bandagieren eine deutliche Prädisposition zu der Ausbildung von akuten Phlegmonen und längerfristig zur Elephantiasis, obwohl aus der Literatur kein solcher Zusammenhang bekannt ist“, weiß Dr. Christina Fedele.

Elastikbandagen „noch schlechter“

Noch schlechter als ihre Kollegen aus Wolle schneiden Elastikbandagen ab, wenn es um den Erhalt des Lymphflusses geht. Durch ihre große Dehnbarkeit verstärkt sich der Druck derart, dass sogar Blutgefäße komprimiert werden.

Wer angelaufene Beine verhindern will, sollte demnach vor allem auf darauf achten, dass sein Pferd ausreichend Möglichkeit erhält sich zu bewegen. Kontinuierliche Bewegung sorgt für einen verbesserten Lymphfluss – mit ein Grund, warum vor allem Boxenpferde mit langen Stehzeiten zu Wassereinlagerungen an den Beinen neigen. Lassen sich diese nicht vermeiden, sollte ein elastischer Kompressionsstrumpf das Mittel der Wahl sein. Der im Test verwendete DEBO®-Strumpf ergab bei allen untersuchten Pferden keine Beeinträchtigung des Lymphflusses.

* Auswirkungen und klinische Relevanz von Woll(Stall)bandagen mit wattierten Unterlegern und Strickstrümpfen auf den Lymphfluss im Pferdebein
Christina Fedele, Bianka Brandhorst, Andrè Hecker und Dirk Berens von Rautenfeld
Zentrum für Anatomie der Medizinischen Hochschule Hannover und Klinik für Pferde der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Jänner 2006
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