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23.08.2015

Auch Lisa Wild holt Bronze

Mit einer weiteren Bronzemedaille für Österreich endete die Voltigier-EM in Aachen. Lisa Wild hielt der nervlichen Anspannung stand und holte die erste österreichische Damen-Einzelmedaille seit 2008, als Sissy Jarz zu WM-Silber kam. Das Team RC Wildegg hatte bei seiner Kür hingegen weniger Glück und musste sich mit Rang vier begnügen.

So jubelte unser Team nach der dritten Medaille! © Tomas Holcbecher
So jubelte unser Team nach der dritten Medaille!
© Tomas Holcbecher
Als letzte Voltigiererin der Konkurrenz bezauberte die Salzburgerin Lisa Wild gemeinsam mit Nina Rossin und dem unverwüstlichen Robin das Publikum. Dabei hatte Wild sogar die Hand knapp an Gold dran, aber ihr spektakulärer Salto am Ende der Übung gelang nicht ganz nach Wunsch, Gott sei Dank konnte sie mit viel Geschick einen Sturz vermeiden. "Ich wusste, es wird schwer werden eine Medaille zu gewinnen. Da dachte ich mir, mach doch irgendwie den Salto. Jetzt bin ich aber glücklich, dass es vorbei ist. Ich war so nervös, konnte nicht schlafen, dachte an die Kürmusik und jetzt ist der Stress endlich vorüber," entschuldigte sie ihre Tränen danach.
Tränen und Jubel über Bronze nach vier Tagen Stress für Lisa Wild! © Ernst Kopica
Tränen und Jubel über Bronze nach vier Tagen Stress für Lisa Wild!
© Ernst Kopica
Lisa Wild begeisterte 6.000 Zuseher! © Tomas Holcbecher
Lisa Wild begeisterte 6.000 Zuseher!
© Tomas Holcbecher
Der Lisa Wild-Salto in voller Größe! © Tomas Holcbecher
Der Lisa Wild-Salto in voller Größe!
© Tomas Holcbecher
"Ich muss ehrlich sagen, der Salto wäre sogar gegangen, wenn ich nicht so nervös gewesen wäre. Es war ein doofer Fehler, aber ich bin froh, dass ich oben geblieben bin. Jetzt bin ich einmal sehr, sehr glücklich," strahlte sie emotional aufgewühlt in der Interviewzone. Für Equipechef Manfred Rebel war es ganz klar: "Wir haben Bronze gewonnen und nicht Gold verloren." Dieses holte sich verdientermaßen die Schweizerin Simone Jäiser und Silber ging an die Deutsche Corinna Knauf. Hochzufrieden durften auch Daniela Fritz und Kathi Luschin mit ihren Rängen 5 und 6 sein!
Das österreichische Team hatte hingegen bei seiner mit Schwierigkeiten gespickten und toll choreographierten Kür bereits zu Beginn Pech. Zwei schwere Fehler brachten teure Abzüge, sodass der Traum von einer vierten rot-weiß-roten Medaille bald ausgeträumt war. Aber mit welchem Ehrgeiz die sechs zu Ende turnten, da musste man einfach den Hut ziehen. Kathi Luschin brachte es auf den Punkt: "Wenn man am Anfang patzt muss man am Ende besser sein!" Um Gold war Deutschland ungefährdet, Silber blieb den ebenfalls mit Stürzen behafteten Schweizerinnen und Frankreich schob sich noch auf den dritten Rang vor.
Tapfere Wildegger nach Anfangspech! © Andrea Fuchshumer
Tapfere Wildegger nach Anfangspech!
© Andrea Fuchshumer
Volles Haus bei den Voltigierern: Mehr als 6.000 Fans jubelten über dritte österreichische Medaille. © Ernst Kopica
Volles Haus bei den Voltigierern: Mehr als 6.000 Fans jubelten über dritte österreichische Medaille.
© Ernst Kopica

Eine erfolgreiche EM?

Aus österreichischer Sicht auf alle Fälle. Wie so oft haben die Voltigierer für die erhofften Medaillen gesorgt, im Reining schrammten wir mit einem vierten Platz an Edelmetall nur haarscharf vorbei. Insgesamt schafften wir mit einer Gold- und zwei Bronzemedaillen den sechsten Platz im Medaillenspiegel. Die Teambewerbe liefen aus rot-weiß-roter Sicht ein wenig durchwachsen: Kein Reining-Team am Start, die Dressurmannschaft verpasste die Olympiaqualifikation knapp, das Springreiterquartett musste dem Turnierplatz Aachen Tribut zollen. Aber die einzelnen Sportler haben allesamt ihr Bestes gegeben, im Gegensatz zu manch anderen Nationen bedeutete es für unsere Teilnehmer eine Ehre in Aachen dabei zu sein. Das in den Medien immer wieder hervorgeholte Schlagwort von den "Olympia"- oder "Championatstouristen" ist im österreichischen Reitsport einfach Nonsens! Ob es sich um die debütierende Dressurreiterin Alexandra Slanec, den noch jungen Vierspänner-Fahrer Josef Leibetseder jun., den ebenfalls noch unerfahrenen Klaus Lechner im Reining oder die immer noch bis in die Haarspitzen motivierte Vici Max-Theurer handelt, Einstellung, Vorbereitung und Professionalität passte bei allen angetretenen Sportlern. Von den immer ehrgeizigen Voltigierern braucht man ja erst gar nicht reden, die stehen sowieso immer unter Strom, wenn es um Medaillen geht.

Dennoch ist in gewissen Sparten Handlungsbedarf angesagt. Bei den Springreitern brachte es Max Kühner, der sich als neue Leitfigur des Teams herauskristallisieren dürfte, auf den Punkt: "Wir brauchen einen strategischen Plan, was Championate anbelangt, das Potential wäre vorhanden!" Gerade im Springen wird es aber ohne immer teurer werdende Spitzenpferde sehr schwierig werden den Anschluss zur Spitze nicht zu verlieren. So muss Österreich vielleicht gar um einen Weltcup-Startplatz bangen, sollten die Weltranglistenplatzierungen schlechter werden.

In der Dressur blickt Vici mit Blind Date zwar zuversichtlich Richtung Rio, aber die übrigen ReiterInnen müssen in ihren Leistungen konstanter bleiben, damit auch die Mannschaft reüssieren kann. Schade, dass gewisse Umstände eine komplette Reining-Mannschaft verhinderten, hier hat der Team-Spirit doch ein wenig gefehlt. Bei den Vierspännerfahrern ist dagegen zu hoffen, dass Josef Leibetseder sen. bald wieder voll gesund sein wird, sein 23jähriger Sohn zahlte hier noch Lehrgeld, aber auch ein Ijsbrand Chardon nahm bereits mit 21 an einer WM teil – man kann hoffen, dass dieser Weg weiter beschritten wird. Für Manfred Rebels Volti-Team lässt sich hingegen kaum ein Kritikpunkt anbringen, im Gegenteil - die Erwartungen hier in Aachen wurden weit übertroffen.

Was nun die Veranstaltung selbst anbelangt, so überwogen zwar die positiven Erlebnisse, denn es ist immer noch eine Freude einem Valegro oder einem Desperados bei ihren Dressurauftritten zuzusehen und auch die Eröffnungsshow mit einer Riesenquadrille von 64 Pferden war vom Feinsten. Was aber die übrige Abwicklung der Bewerbe betraf, da gab es schon einige Minuspunkte, Kollegen bezeichneten diese EM auch schon als "Europameisterschaft der Pannen". Proteste, Gegenproteste, überforderte Dressur- und Hindernisrichter, Fehler bei den Ergebnissen, so was hat man in der Soers in dieser Konzentration noch nie erlebt. Und auch das Publikum strömte im Vergleich zu den jährlichen CHIO's nicht in so großer Zahl ins Stadion. Vielleicht lag es auch an den Eintrittspreisen, denn Kinder und Jugendliche mussten ab 7 Jahren voll bezahlen, beim sonst eintrittsfreien Marathon kostete die Karte immerhin 25 Euro!

Fazit: Aachen besitzt das Know-How und die Kapazität für eine Fünf-Disziplinen-EM, keine Frage. Wie es aber nächstes Jahr bei Olympia in Rio oder 2018 bei den Weltreiterspielen in Bromont aussehen wird, das steht noch in den Sternen, Horror-Geschichten über beide Veranstaltungsorte beleben schon die Gerüchteküche. Zum Abschluss sang man aber wie jedes Jahr in Aachen "Muss i denn zum Städtele hinaus!" und die weißen Taschentücher wurden geschwenkt!
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