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23.02.2018

Ausgestorben: Es gibt keine Wildpferde mehr

Bislang galt das Przewalski-Pferd als letztes noch lebendes Wildpferd. Diese Annahme muss revidiert werden. Neueste Forschungen zeigen, dass es sich auch bei den Pferden der mongolischen Steppe nur um Nachkommen domestizierter Tiere handelt.

Przewalski-Pferde sind nicht die, wie bislang angenommen, letzten noch lebenden Wildpferde, sondern die einzigen Nachfahren der ersten vom Menschen domestizierten Pferde. © Ludovic Orlando
Przewalski-Pferde sind nicht die, wie bislang angenommen, letzten noch lebenden Wildpferde, sondern die einzigen Nachfahren der ersten vom Menschen domestizierten Pferde.
© Ludovic Orlando
„Laut unseren Ergebnissen scheinen die Przewalski Pferde wilde Abkömmlinge der ersten domestizierten Pferde zu sein. Das stellt natürlich ihre bisherige Bezeichnung als die letzten lebenden Wildpferde in Frage. Die Tiere müssen stattdessen dem Druck der Menschen entkommen und über die Jahrtausende verwildert sein“, erklärt Ludovic Orlando von der Universität Kopenhagen, Leiter einer internationalen Forschungsgruppe, zu der auch Barbara Wallner und Gottfried Brem vom Institut für Tierzucht und Genetik der Vetmeduni Vienna zählten. Gemeinsam untersuchten die Wissenschaftler Genomsequenzierung fossiler DNA-Proben. Dabei stießen sie auf neue und völlig überraschende Erkenntnisse.

Bislang galten die vor über 5000 Jahren von der Botai-Kultur gehaltenen Pferde als Ursprung aller heutigen, domestizierten Tiere. Ein Irrglaube, wie sich während der Forschungsarbeit herausstellte. Entgegen aller bisherigen Modelle und Theorien, zeigte die Sequenzierergebnisse, dass die Botai-Pferde nicht die „Ahntiere“ der modernen domestizierten Pferde sind. Dafür sind sie die Vorfahren der letzten, lebenden Wildpferdeart der Erde, der Przewalski Pferde. Dieses Ergebnis stellt alle Thesen rund um die Domestikation des Pferdes völlig auf den Kopf.

Auch weiterhin schützenswert

Die Przewalski-Pferde, die 1969 in freier Wildbahn als ausgestorben galten und deren Wiederansiedlung in der Wüste Gobi Vetmeduni-Forscher seit 20 Jahren wissenschaftlich begleiten, dürften also „wilde Abkömmlinge der ersten domestizierten Pferde“ sein. Auf die Schutzmaßnahmen für diese Tiere sollte sich das jedoch nicht auswirken. „Bislang haben wir sie als die letzten Wildpferde der Erde geschützt. Nun gilt es sie als die nahesten Verwandten der ersten, domestizierten Pferde zu schützen“, sagt Orlando.

Angesichts der neuen Erkenntnisse bleibt die Frage nach den Ursprüngen unserer modernen domestizierten Pferde weiterhin offen. Mit den archäologischen Funden im Zentralasiatischen Raum dürfte sich die Domestikationsfrage jedenfalls nicht lösen lassen. Wahrscheinlich ist, dass die damaligen Menschen andernorts auf einen neuen, womöglich besser geeigneten Pferdetyps gestoßen sind und diesen dann weiter züchteten. Erste Forschungen in diese Richtung zeigen, dass die Vorfahren der modernen Pferdezucht möglicherweise im heutigen Ungarn und Rumänien zu finden sind.

Die Studie "Ancient genomes revisit the ancestry of domestic and Przewalski’s horses" wurde im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht und kann hier nachgelesen werden.

PM/ps
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