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14.09.2017

Bandwürmer: Hochsaison für Pferdeparasiten

Bandwürmer sind unangenehme Gesellen. Sie siedeln sich im Darm an, machen den Pferden die Nahrung streitig und können heftige Koliken bis hin zu lebensbedrohlichen Darmverstopfungen auslösen. Und gerade im Herbst haben sie wieder Hochsaison.

grasen Weide © www.slawik.com
© www.slawik.com
Untersuchungen zufolge leben rund zwei Drittel der Pferde mit Bandwürmern. Zwar besteht das Risiko, sich den unangenehmen Untermieter einzufangen, grundsätzlich für jedes Pferd, dennoch gelten Jungtiere als besonders gefährdet.

Die Parasiten heften sich an der Darmschleimhaut fest, wo sie nicht nur fleißig Nährstoffe aus dem Nahrungsbrei abzapfen, sondern auch Entzündungen hervorrufen können. Im schlimmsten Fall führen diese zum Durchbruch des Darms. Für das betroffene Tier gleichsam ein Todesurteil.

Derart schwere Fälle sind in der Praxis eher die Ausnahme. Die meisten Pferde werden nur von einem leichten Bandwurmbefall heimgesucht. Was nicht heißt, dass nicht auch der unangenehme Begleiterscheinungen mit sich bringen kann. Abmagerung und stumpfes Fell sind zwei davon, aber auch Durchfall und immer wiederkehrende leichte Koliken gelten als typische Symptome, wenn der Pferdeorganismus von Bandwürmern geplagt wird.
Als häufigste Bandwurmart gilt in unseren Breiten der Anoplocephala perfoliata. Dieser Plattwurm mit einer Länge von bis zu 8 cm siedelt sich vorwiegend im Übergang zwischen Dünn- und Dickdarm an. Weil es dort verhältnismäßig eng ist, kann es trotz der geringen Größe auch bei leichten Befallzahlen zu einer Verstopfung der Passage kommen. Eine solche kann für das Pferd lebensbedrohlich sein.

Deutlich seltener ist Anoplocephala magna. Bei diesem Parasiten ist der Name Programm. Mit bis zu 50 cm Länge überragt er seinen „kleinen Bruder“ um Längen. Richtige Probleme macht Anoplocephala aufgrund seiner Ansiedelung im vorderen Dünndarm vornehmlich bei Massenbefall. Darmrupturen/Darmriss sind dann die möglichen Folgen. Bei geringem Befall bleiben die Pferde hingegen oft symptomlos.

Laut Angaben US-amerikanischen Tiergesundheitsunternehmens Zoetis erhöht sich die Kolikwahrscheinlichkeit in Folge einer Verstopfung im Bereich des sehr engen Hüftdarms bei Pferden mit Bandwurmbefall auf das 26-fache, die Gefahr eine Krampfkolik (spastische Kolik) zu erleiden ist immerhin noch acht Mal so hoch.
Damit der Bandwurm überhaupt ins Pferd kommt, braucht es einen Zwischenwirt. In den meisten Fällen ist das die Moosmilbe. Die winzigen kugelförmigen Spinnentiere leben im Boden und werden beim Grasen auf der Weide vom Pferd aufgenommen. Sind sie mit Bandwurmlarven infiziert, entwickeln sich diese im Pferdedarm innerhalb on sechs bis zehn Wochen zu ausgewachsenen Tieren, deren Eier über den Pferdekot abgesetzt werden. Der Kreislauf beginnt von Neuem. Weil die Zahl der Moosmilben im Spätsommer und Frühherbst zunimmt, ist die Ansteckungsgefahr in dieser Zeit besonders hoch.
Bandwürmer heften sich mit vier Saugnäpfen an die Darmwand der Pferde, wo sie schwere Entzündungen hervorrufen können. © Zoetis
Bandwürmer heften sich mit vier Saugnäpfen an die Darmwand der Pferde, wo sie schwere Entzündungen hervorrufen können.
© Zoetis

Dem Bandwurm auf der Spur

Im Gegensatz zu anderen Darmparasiten gibt der Bandwurm seine Gegenwart nicht ganz so leicht preis. Grund dafür ist, dass der Schmarotzer seine Eier nur in Abständen von mehreren Wochen abgibt. Einen Haufen mit Bandwurmeiern zu erwischen, ist deshalb vor allem an den Zufall gebunden, weshalb der Nachweis über eine Kotuntersuchung (Flotationsverfahren) nur selten gelingt und es häufig zu falsch-negativen Befunden kommt. Im Klartext heißt das: Obwohl der Tierarzt bei der Kotuntersuchung keine Bandwurm-Eier findet, kann das Pferd dennoch hochgradig verwurmt sein.

Doch es gibt Verfahren, die den Parasiten zuverlässiger aufspüren. „Wenn ein Pferd unter starkem Bandwurmbefall leidet, produziert es eine große Zahl an Antikörpern, die im Blut oder im Speichel nachgewiesen werden kann. Je nachdem, wie die Ergebnisse ausfallen, wird man dann entscheiden, ob eine Entwurmung nötig ist, oder nicht“, erklärt Dr. Wendy Talbot, Spezialistin für Pferdemedizin und Parasitologie aus Großbritannien. Doch auch Blutanalysen und der seit einiger Zeit verfügbare Speicheltest haben ihre Tücken, wie Talbot weiter ausführt: „Bandwurm-Antikörper können selbst nach einer erfolgreichen Behandlung noch über Monate hinweg nachgewiesen werden. Deshalb sind Testergebnisse stets mit Bedacht zu bewerten und können nicht unmittelbar nach einer Entwurmung zur Wirksamkeitsüberprüfung herangezogen werden.“ Liefert ein Tier ein positives Ergebnis, ist der gesamte Bestand aufgrund der Wahrscheinlichkeit einer hohen Durchseuchung zu behandeln. Die besten Ergebnisse erzielen hier Präparate mit dem Wirkstoff Praziquantel.

Von einer Entwurmung rein auf Verdacht hin, etwa routinemäßig immer am Ende der Weidezeit, raten Experten heute aber entschieden ab. Ein solches Vorgehen würde nicht nur Resistenzen fördern, sondern auch den Pferdeorganismus und die Umwelt unnötig belasten.

ps
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