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30.07.2012

Bitteres Olympiaende für Harald Ambros

Es hat einfach nicht sein wollen für Harald Ambros und O-Feltiz. Das österreichische Vielseitigkeitspaar stürzte im Hindernis 5 „The Chestnut Logs“ und musste damit leider disqualifiziert werden. Gott sei Dank blieben die beiden bei dem Sturz unverletzt.

Bei Sprung 1 war für Ambros und O-Feltiz noch alles in Ordnung. © Pferderevue
Bei Sprung 1 war für Ambros und O-Feltiz noch alles in Ordnung.
© Pferderevue
Nerven wie Stahlseile brauchte man heute bei prächtigem Sonnenschein und rappelvoller Kulisse (über 50.000 Besucher) im prachtvollen Greenwich Park. Denn zahlreiche Stürze machten Unterbrechungen nötig und sorgten auch dafür, dass Reiter unmittelbar vor ihrem Start ihre Vorbereitungen nochmals unterbrechen mussten. Davon war leider auch unser Harald Ambros betroffen, der sogar zweimal eine neue Startzeit bekam. Insgesamt ging er dann 45 Minuten später als geplant auf die mit 28 Hindernissen gespickte 5.728 Meter lange Bergab-Bergauf-Strecke. Und bereits beim 5. Komplex (drei zick-zack angeordnete Baustämme) erwischte es ihn. „Felix“ rutschte weg und Ambros flog mit dem Steigbügel aus dem Sattel.
Endloses Warten auf den Start. © Pferderevue
Endloses Warten auf den Start.
© Pferderevue
Ambros selbst konnte sich den Sturz überhaupt nicht erklären: „Mit der Verzögerung hat das aber nichts zu tun gehabt. Felix ist nichts passiert, er war nicht einmal dreckig und auch ich bin o.k. Wir sind es auch nicht übermäßig schnell angegangen.“
Konzentriert ging das österreichische Paar auf den Kurs. © Pferderevue
Konzentriert ging das österreichische Paar auf den Kurs.
© Pferderevue
Natürlich stand ihm die Enttäuschung trotzdem ins Gesicht geschrieben, aber er suchte keine Ausreden, obwohl er schon mit dem Schicksal hadern konnte: „Vor dem Sturz musste ich auch meine Ideallinie ändern, da noch Besucher beim Überqueren der Strecke waren. Da schmiss es mir auch einen Ast mitten ins Gesicht!“ Bei einem fehlerfreien Ritt (es gab derer neun) hätte er sich etwa auf Rang 35 bis 40 vorschieben können. Und auch die Tatsache, dass am Ende des Tages zahlreiche Reiter über das rutschige Terrain klagten, soll keine Ausrede sein. Es wollte einfach nicht sein, ebenso wie vor vier Jahren als er ja mit Quick wegen einer Verletzung erst gar nicht an den Start gehen konnte.
Traurig: Der Weg zurück in den Stall. © Pferderevue
Traurig: Der Weg zurück in den Stall.
© Pferderevue
Vor diesem Sprung passierte Ambros der Sturz, hier sieht man Sandra Auffahrt. © Pferderevue
Vor diesem Sprung passierte Ambros der Sturz, hier sieht man Sandra Auffahrt.
© Pferderevue
Wie anspruchsvoll das Gelände war, zeigen die insgesamt 15 Stürze bei 74 Startern (die prominentesten waren Dressurgewinner Yoshiaki Oiwa und der Australier Clayton Fredericks). Um die Medaillen wird es einen wahren Krimi geben, denn derzeit führen ex aequo die Schwedin Sara Algotsson-Ostholt (deren Wega auf der Strecke die beiden vorderen Hufeisen verlor) und die Deutsche Ingrid Klimke (mit ihrem unverwüstlichen Butts Abraxxas) mit 39,30 Punkten. Auf Bronzemedaillenkurs liegt der zweifache neuseeländische Olympiasieger Mark Todd (Campino), der sich über den letzten Sprung mühte, eine Sekunde Zeitüberschreitung einfing und bei 39,40 Punkte hält. In Lauerstellung Weltmeister Michael Jung (40,60) und die Britinnen Tina Cook (42,00) und Mary King (42,10). Die Mannschaftswertung führt Deutschland klar vor Großbritannien und den sensationellen Schweden an.
Sensationell an der Spitze: Sara Algotsson-Ostholt und Wega. © Pferderevue
Sensationell an der Spitze: Sara Algotsson-Ostholt und Wega.
© Pferderevue
Das prächtige Wetter nutzte auch die königliche Familie zu einem Besuch auf der Geländestrecke: Prinz Harry, Prinzessin Eugenie und Prinzessin Beatrice drückten Zara Phillips (mit Erfolg) die Daumen. Ihr High Kingdom war nämlich eines von insgesamt acht Pferden, das heute innerhalb der erlaubten Zeit blieb: „Und das an meinem Hochzeitstag,“ jubelte Phillips im Ziel! Das Publikum jubelte auch, leider zumeist nur patriotisch bei den eigenen Reitern - das ist man von englischen Zusehern anders gewohnt.

Zwischenwertung nach dem zweiten Tag
Britischer Jubel um Mary King. © Pferderevue
Britischer Jubel um Mary King.
© Pferderevue

Kleine und große Sorgen

Dass alltägliche Sorgen auch zu so einem Großereignis dazu gehören, zeigte ein Zwischenfall im Österreicher-Quartier des Olympischen Dorfes. Dort platzte nämlich am Sonntag ein Heißwasser-Ventil und es kam zu einem massiven Wasserschaden. Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei waren aber binnen weniger Minuten zur Stelle, ein Appartement musste geräumt werden und ist bis auf weiteres nicht mehr benutzbar. Gott sei Dank war Harald Ambros von diesem Vorfall nicht betroffen. Ganz begeistert vom bunten Durcheinander im Dorf zeigen sich die deutschen Dressurreiterinnen. Dressurreiterin Dorothee Schneider schwärmte: „In der Mensa ist das einfach unglaublich, wenn die Sportler mit ihren Sixpacks an einem hünenhaft vorbeilaufen!"

Wesentlich schlimmer als ein Wasserschaden dürfte aber für die Veranstalter das Problem der vielen leeren Plätze in den Stadien sein. Derzeit ist man auf der Suche nach der Ursache. Eine dürfte sein, dass viele Ticketbüros ihre zugeteilten Karten zurückhalten, um sie in letzter Minute an ihre wohlbetuchte Klientel abzugeben, die jeden Preis bezahlt, um gerade bei diesem oder jenen Wettkampf dabei sein zu können. Um auch den nötigen Profit zu erzielen, bedienen sich die Kartenbüros eines Tricks: Das IOC gestattet nämlich den Ticketverkauf nur zu Originalpreisen mit einem handelsüblichen Aufschlag. Um also richtig Geld zu verdienen, werden die Karten daher nur als sogenannte „Packages“ mit Hotelübernachtung abgegeben. Und da kostet so manches Zimmer dann eben 1.000 Pfund oder mehr! Das zweite Problem, das sich gerade im Greenwich Park der Reiter zeigte, ist das Leerbleiben der Plätze, die für die sogenannte „Olympische Familie“ reserviert sind. Also für Funktionäre und ehemalige Olympiateilnehmer. Und die dritte Erklärung ist die bürokratische Schwierigkeit um die vor einem Jahr ordnungsgemäß gekauften Tickets offiziell zurückzugeben. Das dauert nämlich für jede einzelne Karte mindestens fünf Minuten und viele Besucher lassen nunmehr nicht benötigte Plätze lieber verfallen, als sich endlos anzustellen.
Rot-weiß-rot im Olympischen Dorf. © Ernst Kopica
Rot-weiß-rot im Olympischen Dorf.
© Ernst Kopica