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21.06.2017

Borna in Oberösterreich: Infizierte Mäuse verantwortlich für ungewöhnliche Häufung

Bornaviren verursachen bei Pferden und Schafen eine tödliche Hirnentzündung, die Bornasche Krankheit. In Österreich gab es bislang nur wenige Fälle. Nun erkrankten erstmals innerhalb von nur zwei Jahren vier Pferde in der gleichen oberösterreichischen Region. Inzwischen ist auch geklärt warum.

Die Viren, die die Bornasche Krankheit, eine Hirnentzündung, beim Pferd auslösen, werden von infizierten Feldspitzmäusen übertragen. © www.slawik.com
Die Viren, die die Bornasche Krankheit, eine Hirnentzündung, beim Pferd auslösen, werden von infizierten Feldspitzmäusen übertragen.
© www.slawik.com
Verhaltensstörungen und Desorientierung sind bei Pferden und auch bei Schafen Anzeichen der sogenannten Bornaschen Krankheit. Dabei lösen für den Menschen ungefährliche Erreger, die Bornaviren, eine für die Tiere tödliche Entzündung des Gehirns und Rückenmarks aus. Übertragen werden die Viren ausschließlich über einen Zwischenwirt, der unter Artenschutz stehenden Feldspitzmaus. Infizierte Spitzmäuse sind ihr Leben lang Träger des Bornavirus, zeigen aber keinerlei Symptome.

Trotz rückläufiger Zahlen kommt es bis auf Österreich in Mitteleuropa gelegentlich zum sporadischen Auftreten dieser Krankheit. Nun bestätigten Forschende der Vetmeduni Vienna und der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) erstmals einen Ausbruch der Bornaschen Krankheit in einem bisher nicht betroffenen Gebiet. In Oberösterreicher erkrankten in nur zwei Jahren vier Pferde an der mysteriösen Krankheit - alle innerhalb eines umkreises von 17 Kilometern.

Virus von lokalen Tierärzten entlarvt

Den Hinweis auf einen möglichen Ausbruch der Bornaschen Krankheit gaben zwei aufmerksame TiermedizinerInnen aus der Region. Sie diagnostizierten bei vier oberösterreichischen Pferden eine neurologische Erkrankung und vermuteten, dass Bornaviren dafür verantwortlich sein könnten. Eine Untersuchung der erkrankten Pferde bestätigte die Diagnose und die Vermutung.

„Parallel dazu testeten wir auch die möglichen lokalen Überträger, Spitzmäuse, um die mehrfachen Krankheitsfälle dem lokalen Aspekt zuordnen zu können “, so Herbert Weissenböck vom Institut für Pathologie und Gerichtliche Veterinärmedizin. Mehr als fünfzig Prozent der gefangenen Feldspitzmäuse wurden in diesen Tests als Träger des Virus bestätigt. Dazu kam unerwartet ein positiver Befund für eine andere in Oberösterreich ansässige Spitzmausart.

Virenstamm erstmals auch in Waldspitzmäusen entdeckt

Unter den Tieren, die in der betroffenen Region gefunden wurden, waren auch Waldspitzmäuse. Bislang galt diese Art nicht als möglicher Träger der Bornaviren. „Nun wurde von uns erstmals auch eine hochgradig infizierte Waldspitzmaus identifiziert. Ob diese Art auch einen Zwischenwirt darstellt oder ob es sich um einen Einzelfall handelt, müssen weitere Studien zeigen“, sagt Norbert Nowotny vom Institut für Virologie.

Die Forschenden verglichen die nachgewiesenen Bornaviren außerdem mit den bisher in Mitteleuropa erfassten Stämmen. „Anders als man aufgrund der räumlichen Nähe vermuten könnte, waren die oberösterreichischen Bornaviren genetisch nicht mit jenen aus Bayern am nächsten verwandt, sondern mit einem Virusstamm aus Rheinland-Pfalz. Dieser Stamm ist seit seiner Beschreibung auch in anderen Gebieten Deutschlands und nun auch in Österreich aufgetaucht“, erklärt Nowotny. „Dadurch zeigt sich, dass uns noch wichtige Erkenntnisse zur Verbreitung der verschiedenen Bornavirus-Stämme fehlen. Die Identifizierung eines bisher unbekannten Bornavirus-Endemiegebietes in Oberösterreich war jedenfalls für uns Alle überraschend.“

Prävention fängt bei Stallhygiene an

Eine frühere Studie des Teams bestätigte, dass die Feldspitzmaus ein sogenanntes Reservoir für Bornaviren darstellt. Die Erreger sind hochgradig in allen Organen nachweisbar, ohne dass die Spitzmäuse selbst irgendwelche Symptome zeigen. „Nach einer Infektion bleiben Spitzmäuse lebenslang mit dem Virus infiziert und scheiden dieses auch aus“, sagt Nowotny.  Bei einem geschützten Tier stellt sich allerdings die Frage, wie man zukünftig gegen Bornavirus-Infektionen vorgehen kann. Es gilt die Spitzmäuse von den Stallungen fernzuhalten, etwa durch selbstschließende Türen oder Barrieren. Hygienestandards und regelmäßige Kontrollen spielen auch eine wesentliche Rolle.

„Die Studie hat gezeigt, dass am Beginn einer wissenschaftlichen Studie die aufmerksame diagnostische Tätigkeit von praktizierenden Tierärzten steht. Dieses Bewusstsein gilt es weiter zu stärken. Die gute Zusammenarbeit mit der AGES hat gezeigt, dass wir schnell gemeinsam vorgehen können. Der gleichzeitige Nachweis der Bornaviren in Pferd und Spitzmaus bestätigte nicht nur die Diagnose der TiermedizinerInnen, sondern hilft uns auch zukünftige Strategien zu entwickeln“, so Weissenböck.

PM/ps