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24.02.2017

Das Geschäft mit Beistellpferden

Als Beistellpferd verschenkt, als Reitpferd weiterverkauft – Betrugsfälle rund um ausgediente Sport- und Freizeitpferde führen bei Tier und Mensch zu viel Leid. Ein eigenes Netzwerk soll künftig helfen Betrüger zu entlarven und vermisste Tiere aufzuspüren.

Den perfekten Lebensplatz - das ist es, was sich viele Besitzer bei der Suche nach einem Beistellplatz für ihren in die Jahre gekommenen oder gesundheitlich angeschlagenen Sportpartner wünschen. © StudioLaMagica
Den perfekten Lebensplatz - das ist es, was sich viele Besitzer bei der Suche nach einem Beistellplatz für ihren in die Jahre gekommenen oder gesundheitlich angeschlagenen Sportpartner wünschen. Die Realität sieht oft ganz anders aus.
© StudioLaMagica
Wenn Pferde älter werden oder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr die gewohnte Leistung bringen können, werden sie oftmals für ihre Besitzer zur Last. Denn egal ob der Vierbeiner fit ist oder  nicht mehr geritten werden kann – die Kosten für seine Unterbringung unterscheiden sich nur unwesentlich. Grund genug für zahlreiche Halter, einen Lebensstellung für ihr Pferd zu suchen, die sie ihm nicht bieten können – oder wollen.

Besonders beliebt sind in diesem Zusammenhang Beistellplätze. Sie versprechen die klassische Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Der Käufer kommt günstig an ein Pferd, das seinen Ansprüchen noch genügt, der Verkäufer weiß seinen Liebling gut untergebracht und das Pferd darf seinen Lebensabend angepasst an seine körperliche Verfassung bei guter Pflege genießen.

Doch die vermeintliche Ideallösung entpuppt sich nicht selten als genaues Gegenteil. Etwa, wenn das Pferd anders eingesetzt wird, als ursprünglich abgemacht und viel stärker beansprucht wird, als es sein Gesundheitszustand es erlaubt. Oder aber das Pferd verschwindet kurze Zeit nach der Übergabe wie vom Erdboden. Ist Letzteres der Fall, liegt die Vermutung nahe, dass es sich beim Käufer in Wahrheit um einen Pferdehändler handelt. Was danach mit dem ausgemusterten Tier passiert, lässt sich vielfach nicht mehr nachvollziehen. In manchen Fällen taucht es in Online-Inseraten wieder auf. Dort wird aus einem lahmen Oldie schnell ein top fittes Pferd im besten Alter, wie ein aktueller Beitrag des Westdeutschen Rundfunks WDR zeigt: „Den Filou haben wir als 23-Jährigen Wallach mit Handicap am Huf verkauft. Bei ebay-Kleinanzeigen haben wir ihn dann als 13-jährigen, gesunden, gerittenen und gefahrenen Wallach wiederentdeckt. Er wurde um zehn Jahre jünger gemacht und als gesund beschrieben, was definitiv nicht den Tatsachen entsprach“, schildert ein Pferdebesitzer seine Erlebnisse mit unlauteren Käufern. Für Filou ging die Sache gut aus. Er kam über Umwege am Ende doch wieder nach Hause.

Dieses Glück haben nicht alle. Werden kranke Pferde als gesund weitervermittelt, bringt das meist viel Leid mit sich - bei Mensch und Pferd. Erstere plagt die Ungewissheit über den Verbleib der Pferde und die Wut, Betrügern aufgesessen zu sein. Den kranken oder nicht mehr voll belastbaren Vierbeinern wird aus Unwissenheit Schmerzen zugefügt. Erfüllen sie die Anforderungen ihrer neuen Besitzer nicht, droht der Weiterverkauf oder der letzte Weg zum Schlachter. So oder so ein gänzlich anderes Szenario als die ursprünglich erhoffte Lebensstellung bei guter Pflege.

Netzwerk für vermisste Pferde

Erschweren soll denn Betrug mit Beistellpferden künftig ein eigenes Netzwerk. Ins Leben gerufen hat es der deutsche Pferdebuchautor Ingo Schmidt, der auf seiner Online-Plattform Fotos von abgängigen Tieren veröffentlichen und diese über die sozialen Netzwerke möglichst großflächig innerhalb der Reitercommunity verbreiten will. Viehhändler, Reitställe, Hobbyreiter, Pferdegeschäfte, Tierärzte und Schlachtbetriebe sollen auf diese Weise miteinander verknüpft werden. Noch befindet sich das Projekt im Aufbau, doch schon bald soll es helfen skrupellose Betrüger leichter zu entlarven und vermisste Tiere aufzuspüren.

Weitere Informationen gibt es unter www.pferdekult.de.
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