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09.08.2012

Drittes Reitergold für Großbritannien, Augustin auf Rang 13

Die 27-jährige Charlotte Dujardin gewann am Schlusstag der Reitsportbewerbe im Londoner Greenwich Park mit Valegro auch die Einzel-Goldmedaille in der Dressur. Sehr zufrieden konnte Victoria Max-Theurer mit ihrem Augustin sein, das österreichische Paar steigerte sich im Finale nochmals und belegte in der Einzelwertung den 13. Platz.

Olympia 2012: Vici Max-Theurer und Augustin in der Kür © Tomas Holcbecher
Olympia 2012: Vici Max-Theurer und Augustin in der Kür.
© Tomas Holcbecher
Die äußeren Bedingungen konnten nicht besser sein beim Highlight der Olympiadressur: Sonnenschein, ausverkauftes Haus und beste Stimmung. Als die Italienerin Valentina Truppa pünktlich um 12.30 mit Eremo del Castegno einritt, passte die Musik perfekt zu dieser Kulisse: O sole mio! Nicht ganz so perfekt war aber dann ihre Leistung und Bewertung. Der durch eine Grippe leicht gehandicapte Patrick Kittel (SWE) rockte dann mit Scandic los: Depeche Mode (Stripped) und Billy Idol passten ideal zu den Bewegungen des Fuchshengstes. Für Anna Kasprzak (DEN) und ihren im Vorjahr von Christoph Koschel gekauften Donnperignon standen die Galoppwechsel im Mittelpunkt, am Zirkel und in allen möglichen Varianten. Zum Publikumsliebling entwickelte sich in London der Lusitanerhengst Rubi unter Goncalo Carvalho (POR). Zu einer Black Eyed Peas-Fassung von „Mas Que Nada“ beeindruckten die beiden mit Taktreinheit, aber doch wenig Schwierigkeiten.
Verdientes Lob für Augustin. © Pferderevue
Verdientes Lob für Augustin.
© Pferderevue
Dann ritt Victoria Max-Theurer mit Augustin OLD ein. Wesentlich frischer und gelöster als an den ersten beiden Tagen präsentierte sich der Hengst und auch im Viereck selbst hatte er seinen Respekt vor der gewaltigen Kulisse endlich abgelegt. Die Galoppwechsel sollten auch heute wieder nicht so besonders toll ausfallen, aber die übrigen Lektionen waren wirklich vom Feinsten. Besonders der Übergang aus der Pirouette in die Piaffe gelang wunderschön, der Schritt sah vorteilhafter aus als bisher und wurde durch die Musik (Phil Collins und Genesis) ideal unterstützt. Vici übernahm mit 79,053 % zu diesem Zeitpunkt auch die Führung in der Wertung. Wer weiß, was da noch drin gewesen wäre, wenn die Einer- und Zweierwechsel auch noch zu 100 % gelungen wären. „Das waren richtige Netzroller,“ bemühte Trainer Wolfram Wittig die Tennissprache, war aber sonst mit seinem Schützling mehr als zufrieden. Besonders die Pirouetten hatten es ihm heute angetan: „Es hat eine Riesengaudi gemacht! Wenn Augustin im Trab noch ein Schipperl drauf legen kann, ist noch mehr Potential drinnen. Ein Kompliment jedenfalls nach den drei Tagen an Augustin und Victoria.“ Und auch Vici selbst war nach ihrem Ritt happy: „Ich bin sehr zufrieden, die Galopptour war irrsinnig gut. Die Musik passt zu ihm und das Feeling war toll. Allein das Einreiten war super: So viele Leute vor dir, wow, cool im Finale! Ich bin sehr stolz auf Augustin und mein Team.“
"Geschafft, das Stadion war cool!" © Pferderevue
"Geschafft, das Stadion war cool!"
© Pferderevue
Tinne Vilhelmson Silfven (SWE) und Don Auriello schoben sich dann vor der ersten Pause noch knapp vor Österreichs Dressur-Championesse. Als in der zweiten Gruppe Steffen Peters’ (USA) Ravel doch einige entscheidende Fehler unterliefen, stand für Augustin am Ende der 13. Platz zu Buche: Eine feine Verbesserung und bemerkenswerte Leistung in diesem Klassefeld der 18 weltbesten Dressurpferde nur 0,268 % von den Top-Ten entfernt!
Vici und ihr zufriedener Trainer Wolfram Wittig. © Pferderevue
Vici und ihr zufriedener Trainer Wolfram Wittig.
© Pferderevue
Besonderes Interesse galt den Niederländern Edward Gal und Anky van Grunsven. Gal, der Undercover zu dieser Musik das allererste Mal ritt („Die Musik wurde erst vor zwei Wochen geschrieben und ich bekam die DVD erst vor wenigen Tagen!“) bekam für einen effektvollen Ritt die erste Wertung über 80 %. Und auch Anky entlockte dem doch schon 18-jährigen Salinero nochmals eine tolle Kür: 82,000 %: Emotion pur beim bei seinem letzten Auftreten im großen Sport.
Bevor es zum großen Finale kam bestätigten Natalie zu Sayn Wittgenstein (DEN) auf Digby sowie Juan Manuel Munoz Diaz (ESP) auf Fuego wie dicht die Spitze im Dressursport heute beisammen liegt. Die beiden Deutschen Kristina Sprehe (Desperados) und Dorothee Schneider (Diva Royal) konnten sich heute leider nicht mehr steigern und um die Medaillen mitreiten. Aber ihre Mannschaftskollegin Helen Langehanenberg, die mit Damon Hill die letzte Gruppe eröffnete, legte zu den Melodien von Michael Erdmann eine Kür vom Feinsten hin, die Fehler in den ersten beiden Pirouetten sollten aber am Ende die Bronzemedaille kosten. Aber mit welchem Schwung sie in die Einerwechsel ging, das hatte wirklich was. Insgesamt verdienen die deutschen Mädels, die trotz des Wirbels um Totilas hier die Nerven behielten und feinen Dressursport boten, ein Pauschallob.
Was Reit-KUNST ist zeigte dann Laura Bechtolsheimer. Obwohl ihr Mistral Hojris gegen Ende auch schon müde wurde, gab es hohe Noten und sie schob sich um gerade einmal 0,036 % vor Langehanenberg. Noch müder präsentierte sich dann Carl Hesters Uthopia. Bei seinem Reiter spürte man auch Nervosität, die aber wohl eher seinem Schützling Dujardin galt und nicht seinem eigenen Ritt („Im Gegensatz zu Charlotte, die wie ein Baby schläft, werde ich um ½ 2 in der Früh wach und denke aufgeregt darüber nach, was am nächsten Tag kommen wird!“). Dann reitet die Weltcupsiegerin Adelinde Cornelissen mit ihrem vollfitten Parzival ein. Kraftvoll und voller Selbstvertrauen. Die bekannte Kürmusik, keine Fehler, ein wenig eng geht ihr Fuchs, wie immer, aber eine tolle Kür, die am Ende 88,196 % bekommt.
Die niederländische Silbermedaillengewinnerin Adelinde Cornelissen beim Weg zur Siegerehrung. © Pferderevue
Die niederländische Silbermedaillengewinnerin Adelinde Cornelissen beim Weg zur Siegerehrung.
© Pferderevue
Das Stadion wartet auf Charlotte Dujardin, die letzte Reiterin dieser Olympischen Spiele von London. Marschmusik ertönt, Valegro scheint seine Piaffen im Gleichschritt zu genießen, die Trabverstärkungen auf der Mittellinie hat man vielleicht noch nie in dieser Qualität gesehen. Dann ein kurzes Nachgreifen beim Übergang vom Schritt in den Galopp, Big Bens Glocken ertönen und die Pirouetten sind ebenso perfekt, dann fehlen nur noch die Einerwechsel, auch hier kein Makel. Aber vor der letzten Linie eine Schrecksekunde und ein Fehler. Später sagt die Olympiasiegerin: „Zum Ende war er schon etwas müde und es gab ein kleines Missverständnis zwischen Valegro und mir!“ Als die Note von 90,089 % aufschien gab es im Stadion kein Halten mehr – das dritte Olympiagold in Greenwich für die Gastgeber!
Die drei Medaillenpferde: Parzival, Valegro, Mistral Hojris (v.l.n.r.) © Pferderevue
Die drei Medaillenpferde: Parzival, Valegro, Mistral Hojris (v.l.n.r.)
© Pferderevue
Die drei Medaillenmädels: Adelinde Cornelissen, Charlotte Dujardin, Laura Bechtolsheimer (v.l.n.r.) © Tomas Holcbecher
Die drei Medaillenmädels: Adelinde Cornelissen, Charlotte Dujardin, Laura Bechtolsheimer (v.l.n.r.)
© Tomas Holcbecher
Kontrovers diskutiert wurde später die Medaillen-Entscheidung der Richter. Ihr Chef Stephen Clarke klärte auf: „Die ersten beiden Pferde waren wirklich dicht beisammen, die Harmonienoten bei Adelinde waren etwas niedriger, bei Valegro fehlte dagegen etwas die Power. Wir haben uns für die Harmonie entschieden!“

Die Endergebnisse gibt es hier
Verstärkter Trab auf der Ehrenrunde für die Goldene. © Pferderevue
Verstärkter Trab auf der Ehrenrunde für die Goldene.
© Pferderevue
Da dürfen auch die Tränen fließen: Charlotte Dujardin. © Pferderevue
Da dürfen auch die Tränen fließen: Charlotte Dujardin.
© Pferderevue

Time to say goodbye

Die letzten Reitermedaillen sind vergeben, das große Zusammenpacken beginnt. „London 2012“, wie die Spiele hier überall genannt werden, war für mich ein außerordentliches Erlebnis: Werbung für den Pferdesport, tolle Bilder, beste Bedingungen für Pferde und Reiter - alle haben sich wohlgefühlt in dieser wunderschönen gepflegten Gartenanlage an der Themse in unmittelbarer Nähe zum königlichen Observatorium. Allen Unkenrufen zum Trotz bestätigte sich der Greenwich Park als idealer Austragungsort. Was mich aber am stärksten beeindruckt hat, das waren die vielen, vielen Helfer und Freiwillige, die sich in den Dienst der Sache gestellt hatte. Sei es als Wegweiser bei den Bahn- und Busstationen, als Mädchen für Alles auf den Pressetribünen, die mir sogar die Bananenschalen in den Papierkorb warfen, als ich gestresst meine Fotos bearbeitete. Und wenn die hier diensthabenden Soldaten bei den Sicherheitskontrollen auch auf allen Flughäfen der Welt zum Einsatz gelangen könnten, dann würde das Fliegen auch wieder mehr Spass breiten.


In sportlicher Hinsicht habe ich bei Olympia ebenfalls viel Neues erfahren und dazugelernt: Die internationale Spitze ist so breit und dicht geworden, die knappen Entscheidungen in der Vielseitigkeit und im Springen beweisen dies eindrücklich. Aber auch das Dressurreiten wird immer spannender und es wird auch wieder weniger über Rollkur oder Hyperflexion diskutiert, seitdem die Briten in dieser Disziplin gezeigt haben, wo der Bartl den Most holt. Dafür ist Carl Hester und Charlotte Dujardin zu danken, auch wenn für die beiden Goldmedaillengewinner die nächste Zeit nicht leicht wird. Denn Uthopia und Valegro stehen zum Verkauf, die „Expedition Olympia“ ist abgeschlossen. Strahlemann Hester gibt im Interview zu, dass auch er ökonomisch denken muss. Ich bin jedenfalls gespannt, ob die beiden wunderbaren Pferde auf den Spuren von Totilas wandern. Aber auch die jugendliche Frische der deutschen Dressurladies soll erwähnt werden oder das Engagement so mancher exotischen Länder. Etwa der japanischen Equipe oder des kolumbianischen Springreiters Daniel Bluman, der gestern noch mit seiner erst neunjährigen Stute Sancha 20. wurde – ex aequo mit Global Champions-Gewinnerin Edwina Tops-Alexander!


Ich würde mir nur wünschen, dass bei den nächsten Großereignissen noch mehr österreichische Pferde und Reiter zu sehen sein werden. Apropos Pferde, da sah man ja mit Undercover und Parizival zwei in österreichischem Besitz stehende. Schade, dass bei uns der Prophet im eigenen Land nur wenig zählt und so gute Pferde ins Ausland gehen müssen. Die Briten habe es vorgemacht, wie es auch anders funktionieren kann. Mit den drei rot-weiß-roten OlympiareiterInnen machte es mir jedenfalls viel Freude für sie zu berichten. In diesem Sinne verabschiede ich mich aus London mit einem herzlichen Goodbye!
Das Heer der Freiwilligen - thank you very much! © Ernst Kopica
Das Heer der Freiwilligen - thank you very much!
© Ernst Kopica
Es berichtete für sie live aus London: Ernst Kopica © Ernst Kopica
Es berichtete für sie live aus London: Ernst Kopica.
© Ernst Kopica
DSC_9566Finish.jpg © Ernst Kopica
© Ernst Kopica
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