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19.08.2015

EM-Auftakt für Springen und Fahren

Gar nicht nach Wunsch verlief der erste Wettkampftag für die österreichischen Springreiter und die Vierergespann-Mannschaft. Als ehesten durfte Markus Saurugg zufrieden sein, der im Einzelklassement nach der ersten Zeitspringprüfung bei 94 Startern an 46. Stelle liegt, Max Kühner folgt mit Rang 54.

Markus Saurugg ließ sich auch durch einen Eisenverlust nicht aus der Ruhe bringen und braust mit Texas I durch die Soers. © Tomas Holcbecher
Markus Saurugg ließ sich auch durch einen Eisenverlust nicht aus der Ruhe bringen und braust mit Texas I durch die Soers.
© Tomas Holcbecher
Der Beginn der EM hätte für unsere vier Springreit-Musketiere nicht schlimmer kommen können. Dieter Köfler hatte auf Emir vh Moleneind nach zwei Hindernissen waren bereits acht Fehlerpunkte angesammelt, das war am Ende das Streichresultat für die Mannschaft. Team-Trainer Hugo Simon analysierte gleich nach dem Ritt: "Der Anfang war zu brav. Aber wir wollten beim Abreiten nicht, dass er zu heiß wird!" Köfler selbst meinte später: "Leider war er beim Einritt demotiviert, das habe ich gleich gemerkt!" Wesentlich besser schlug sich dann Markus Saurugg, der mit seiner Texas I durch die riesige Arena flitzte. Davor hatte eine Eisenverlust bei seiner Stute die Startreihenfolge ein wenig durcheinander gebracht, dann aber folgte ein couragierter und flotter Ritt, bei dem nur zwei Abwürfe am Ende einen Platz ganz vorne verhinderten. Mit 5,08 Punkten Rückstand auf die führende Penelope Leprevost liegt er nach Tag 1 auf Platz 46.
Penelope Leprevost führt nach Tag 1 der Springreit-EM auf Flora de Mariposa. © Tomas Holcbecher
Penelope Leprevost führt nach Tag 1 der Springreit-EM auf Flora de Mariposa.
© Tomas Holcbecher
Auch für Roland Englbrecht gab es auf seinem Oldenburger Mevisto's Poorboy eine eine durchwachsene Runde. Zwei Abwürfe, das war nicht das, was sich der Oberösterreicher erwartet hatte: "Dabei sprang er in der Vorbereitung so gut. Ich traue es mir gar nicht zu sagen, aber vor dem ersten Fehler ist mir was ins Auge gekommen, das soll aber keine Ausrede sein!" Nun ruhten die Hoffnungen auf Max Kühner, aber auch bei seinem Coeur de Lion fiel eine Stange ("Die erste Hälfte hat er nicht so gezogen und wir hatten Kreuzgalopp, daraus ist vielleicht auch der Fehler entstanden."). Damit liegt Österreich in der Zwischenwertung auf Rang 16, der Rückstand auf den 10. Platz (der für das Nationenpreisfinale am Freitagabend notwendig wäre) beträgt 7,14 Punkte, also zwei Abwürfe - ein hartes Stück Arbeit für Donnerstag!
Durfte als erster im Training ins Aachener Stadion: Roland Englbrecht und Poorboy. Im Zeitspringen gab es leider zwei Abwürfe. © Ernst Kopica
Durfte als erster im Training ins Aachener Stadion: Roland Englbrecht und Poorboy. Im Zeitspringen gab es leider zwei Abwürfe.
© Ernst Kopica
Nüchtern betrachtete Equipechef Marcus Wallishauser die Auftritte der Österreicher in Hinblick auf die hochkarätige Konkurrenz: "Das ist manchmal, wie wann man mit einem Golf in der Formel 1 fahren will!" Im Rahmenprogramm zeigte immerhin Kühners Schimmel Chardonnay, dass er ein Pferd für die Zukunft ist. Der Achtjährige blieb im Eröffnungsspringen (30.000 Euro) fehlerfrei und klassierte sich auf Rang 14.

Sehr überzeugend unterwegs war die deutsche Mannschaft mit drei fehlerlosen schnellen Ritten von Meredith Michaels-Beerbaum, Cristian Ahlmann und Ludger Beerbaum, nur Daniel Deusser patzte. Sie liegen damit auf Goldkurs vor Frankreich und Großbritannien.
Hugo Simon war mit Training zufrieden, im Bewerb lief es nicht so gut. © Ernst Kopica
Hugo Simon war mit Training zufrieden, im Bewerb lief es nicht so gut.
© Ernst Kopica

Auch im Fahren kein Grund zum Jubel

Ebenfalls ihren ersten Auftritt in Aachen hatte das österreichische Vierspänner-Team, das nach dem Ausfall von Josef Leibetseder sen. (sh. unten) nur mehr aus zwei Fahrern besteht. Am Vormittag zeigte Leibetseder jun. eine sehr brave Vorstellung ohne allzu großer Schnitzer, leider hat er bei den Richtern noch nicht so einen Namen, sodass am Ende 67,08 Fehlerpunkte in die Wertung kamen. "Ich war mit den Pferden sehr zufrieden, auch wenn das Resultat vielleicht nicht so gut aussieht. Vielleicht war ich anfangs ein wenig zu nervös," gab er später zu. Über das Drumherum zeigte er sich begeistert: "Das war ganz was Cooles, wie wenn man schwebt, so fühlt sich das an."

Leider mit einigen Patzern behaftet war dann die Dressur von Christian Schlögelhofer ("Die Fahrt ist hinter meinen Erwartungen geblieben!"), die ihm einen Score von 74,10 % einbrachte. Auch wenn sich unsere Mannschaft vielleicht etwas mehr erwartet hatte, durfte man nicht unzufrieden sein. Mit den Top-Nationen wie den Niederlanden, Deutschland, Ungarn oder die Schweiz ist ein Vergleich ohnedies unzulässig, aber auch Länder wie Großbritannien treiben einen gewaltigen Aufwand in dieser Sportart. So ist etwa Fahr-Superstar Boyd Exell aus Australien Trainer des britischen Teams. Für die beiden Österreicher steht am Freitag das Kegelfahren und am Samstag der abschließende Marathon auf dem Programm.

Pepi, alles Gute!

Dramatisch gestaltete sich die Anreise der österreichischen Vierspänner-Mannschaft. Die Familie Leibetseder (Senior und Junior hatten die Qualifikation geschafft) befand sich am Samstagabend gerade in den letzten Vorbereitungen für die Fahrt nach Aachen, als Papa Josef über Atembeschwerden klagte. Schon am vergangenen Wochenende bei einem Vorbereitungsturnier in Piber und die ganze Woche über war es ihm nicht besonders gut gegangen. Nun wurde es aber so arg, dass er ins Krankenhaus nach Rohrbach gebracht werden musste: Verdacht auf Lungeninfarkt. Dort wurde er komplett durchgecheckt und Gott sei Dank war die Lebensgefahr bald gebannt. Aber die Ärzte sprachen natürlich ein rigoroses "Nein" für eine Reise zur EM aus. So gerne wäre Pepi mit seinem Sohn und mit Christian Schlögelhofer hier an den Start gegangen. Aber die Gesundheit geht natürlich vor, Wertigkeiten verschieben sich dramatisch. Die Frage nach Platzierungen in der Königsklasse des Fahrsports erübrigt sich wohl nach so einem Vorfall.

Eine schwierige Situation in der sich die österreichische Vierspännermannschaft damit befindet, besonders für Josef Leibetseder jun., der mit seinen 23 Jahren ein absoluter Youngster bei diesem Championat ist (genaugenommen der zweitjüngste Teilnehmer, nur Jozsef Doborvitz jun. aus Ungarn ist um 42 Tage später geboren!). Auch seine Grooms sind in dieser Altersklasse zu Hause und das in einer Sportart, in der Erfahrung nicht mit Gold aufzuwiegen ist. Ein emotionales Wechselbad der Gefühle für Josef: Sein erster Start in Aachen, das erste Mal mit so einer jungen Mannschaft (Durchschnittsalter 22 Jahre!) international allein unterwegs, für den Oberösterreicher ein gewaltige Herausforderung, die ihn innerlich sicher mehr beschäftigt als äußerlich zu erkennen ist. Im ersten Pressegespräch meinte er dazu: "Schade, denn die Möglichkeit, dass man mit dem Vater einmal in Aachen fahren darf, ist doch sehr selten. Das wäre eine coole Sache gewesen. Aber er hat gesagt: Reisst's euch z'samm, jetzt müsst's es allein schaffen!"

Die vier Kladruberschimmel sind prächtig in Schuss, seine Frankfurter Sponsorin Rita Maria Walter (selbst im Fahrsport aktiv) wird vor Ort dabei sein. Ihr streut Josef Blumen: "Ohne sie wäre ich nicht hier. Normalerweise bin ich ihr Beifahrer, ein paar Turniere darf ich selber fahren!" Natürlich fehlt damit noch die Erfahrung und der Bekanntheitsgrad ist auch noch nicht allzu groß (vor allem im Dressurbewerb ein Nachteil). Aber sonst wird von Leibetseder jun. (der beim Weltklassemann Chester Webber in den USA in die Lehre ging) nichts dem Zufall überlassen, sogar der Chiropraktiker für die Pferde war nach Aachen gekommen. Selbstkritisch hält er aber den Ball flach: "Der Marathon ist meine Stärke und Schwäche zugleich. Manchmal bin ich einfach zu schnell und fahre am Hindernis vorbei!" Dass er in die Fußstapfen seines Vaters treten kann, bewies er heuer bei den Staatsmeisterschaften, als er seinen Mentor und Trainer ("Das wichtigste habe ich beim Papa gelernt!") schlug und sich den Titel holte.

Auch der zweite österreichische Viererzug hat 2015 ein ambitioniertes Programm: Christian Schlögelhofer hatte sich im "Vierer" für die EM in Aachen und im "Zweier" für die WM im ungarischen Fábiánsebestyén qualifiziert. "Das war schon eine gewaltige Herausforderung, die ich nur durch mein starkes Team meistern konnte," bekannte Schlögelhofer, der auf ein "EU-Gespann" vertraut - mit Pferden aus den Niederlanden, Deutschland und Österreich. Auch er bedauert natürlich das Fehlen von Papa Leibetseder: "Schade, dass Pepi nicht mit kommen konnte, weil er unser Teamleader ist und jahrzehntelange Turniererfahrung hat, aber nichtsdestotrotz halten wir als Mannschaft zusammen."

Streichresultat darf sich Österreich nunmehr keines mehr leisten. Es wurden zwar am Sonntag noch alle Anstrengungen unternommen ein drittes Gespann nach Aachen zu bekommen, aber der logistische Aufwand war leider nicht mehr zu bewältigen. Eine Top-10-Platzierung wäre ein wunderbares Geschenk für Pepi, der sich die Fahrbewerbe im Internet oder TV ansehen wird.
Voll motiviertes Fahrer-Team trotz widriger Umstände. © Tomas Holcbecher
Voll motiviertes Fahrer-Team trotz widriger Umstände.
© Tomas Holcbecher
Links das Team Schlögelhofer, rechts die Mannschaft von Josef Leibetseder jun. © Frank Spadinger
Links das Team Schlögelhofer, rechts die Mannschaft von Josef Leibetseder jun.
© Frank Spadinger
Josef Leibetseder jun. mit seinem Vierspänner beim Einfahren zur Dressur. © Ernst Kopica
Josef Leibetseder jun. mit seinem Vierspänner beim Einfahren zur Dressur.
© Ernst Kopica
Hochkonzentriert am Kutschbock: Josef Leibetseder jun. © Ernst Kopica
Hochkonzentriert am Kutschbock: Josef Leibetseder jun.
© Ernst Kopica
"Wie wenn man schwebt!" Josef Leibtseder jun. über die Stadionatmosphäre. © Ernst Kopica
"Wie wenn man schwebt!" Josef Leibtseder jun. über die Stadionatmosphäre.
© Ernst Kopica
Gebisskontrolle nach der Dressur. © Ernst Kopica
Gebisskontrolle nach der Dressur.
© Ernst Kopica
Weltmeister und Weltcupsieger Boyd Exell als britischer Trainer mit am Kutschbock von Wilf Bowman-Ripley. © Ernst Kopica
Weltmeister und Weltcupsieger Boyd Exell als britischer Trainer mit am Kutschbock von Wilf Bowman-Ripley.
© Ernst Kopica
Beeindruckende Kulisse im Fahrstadion für Christian Schlögelhofer. © Ernst Kopica
Beeindruckende Kulisse im Fahrstadion für Christian Schlögelhofer.
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Leider mit Fehlern in der Dressur: Christian Schlögelhofer und sein EU-Gespann. © Ernst Kopica
Leider mit Fehlern in der Dressur: Christian Schlögelhofer und sein EU-Gespann.
© Ernst Kopica
Elegant vom Scheitel bis zur Sohle: Christian Schlögelhofer. © Ernst Kopica
Elegant vom Scheitel bis zur Sohle: Christian Schlögelhofer.
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