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11.11.2016

Elf pferdegereche Maßnahmen gegen Kotwasser

Warum Kotwasser entsteht – und offenbar immer häufiger auftritt – darüber ist sich die Fachwelt nicht recht einig. Fest steht, dass es viele Auslöser gibt. Aber auch eine ganze Reihe pferdegerechter Maßnahmen, die helfen, das Problem in den Griff zu bekommen.

Das Kotwasserproblem wird durch verschmutzte Schenkel und Hinterbeine sichtbar. © Romo Schmidt
Das Kotwasserproblem wird durch verschmutzte Schenkel und Hinterbeine sichtbar.
© Romo Schmidt
Kotwasser ist eine schwarz-bräunlich gefärbte, nicht gebundene Flüssigkeit, die meist getrennt von den Pferdeäpfeln abgesetzt wird. Je nach Schweregrad sind es zwischen einem Viertelliter und anderthalb Litern pro Tag, die die Pferdebeine hinunterlaufen und unansehnliche Spuren an Schenkeln, Sprunggelenken und Schweif hinterlassen. Reinigt man diese Bereiche nicht regelmäßig gründlich mit lauwarmem Wasser, können schmerzhafte Hautentzündungen auftreten.

Die Ursache für das Auftreten von Kotwasser beim Pferd scheint sehr vielschichtig zu sein und ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Entsprechend schwierig gestaltet sich deshalb sowohl Prophylaxe als auch Therapie. Betroffene Pferde sollten zunächst immer von einem Tierarzt untersucht werden. Zusätzlich gibt es einige Maßnahmen, die  in vielen Fällen Erleichterung und sogar Abhilfe schaffen können.

1. Sozialstress vermeiden

Studien haben ergeben, dass insbesondere rangniedrige Pferde vermehrt von Kotwasser betroffen sind. Sozialstress innerhalb der Gruppe gilt deshalb als eine der möglichen Ursachen. Neigt ein Pferd zu Kotwasser, sollte verstärkt Augenmerk auf eine harmonische Gruppenzusammenstellung gelegt werden. Eine günstige Anordnung von Ruhe- und Fressplätzen sowie genügend Ausweichmöglichkeiten entspannen die Herdensituation zusätzlich und helfen, dass auch rangniedrigere Pferde nicht permanent unter Druck geraten.

2. Entspannt Fressen

Stellen Sie sicher, dass ihr Pferd nicht schlingt und Ruhe bei der Futteraufnahme hat. Hastiges Fressen, begleitet von ungenügendem Kauen und Einspeicheln kann gravierende Auswirkungen auf den anschließenden Verdauungsprozess haben, ein unverträglicher Boxennachbar und übermäßiger Futterneid können während der Fütterungszeit eine erhebliche Stressbelastung darstellen – alles Faktoren, die Entstehung von Kotwasser begünstigen.

3. Genügend Bewegung

Ausreichend Bewegung ist für die Gesunderhaltung des Pferdes ein entscheidender Faktor, sie bringt die Verdauung in Schwung und den Organismus auf Touren. Eine 2009 durchgeführte Feldstudie hat gezeigt, dass ein Mangel an Bewegung und Beschäftigung insbesondere im Winter bei vielen der betroffenen Pferde eine Rolle zu spielen scheint. Sorgen Sie deshalb auch und gerade in der kalten Jahreszeit dafür, dass Ihr Pferd genügend Auslauf bekommt.

4. Auf gute Qualität achten

Hochwertiges, qualitätsvolles Grundfutter sollte eigentlich selbstverständlich sein – ist es aber nicht, wie der Blick in zahlreiche Ställe verrät. Und auch die Tatsache, dass Verdauungs- und Stoffwechselproblemen stetig im Steigen begriffen sind, legt die Vermutung nahe, dass eine einwandfreie Futterqualität längst nicht überall gegeben ist. Liegt ein Kotwasserproblem vor, sollten Sie Kraft- und Raufutter sowie Stroh durch Laboranalysen auf ihre mikrobiologische Qualität hin überprüfen lassen. Vor allem Schimmelpilze, Hefen und Mykotoxine begünstigen die Entstehung von Kotwasser. Bei schlechter Strohqualität empfiehlt sich der Einsatz einer Alternativeinstreu.

5. Schwer verdauliches Futter meiden

Spät geschnittenes, überständiges Heu weist einen hohen Gehalt an Lignin auf. Dieser Holzstoff verleiht dem länger gewordenen Halm mehr Widerstandskraft und sorgt dafür, dass er nicht abknickt. Für die Dickdarmsymbionten im Pferdedarm stellt Lignin ein Problem dar, wenn es in großer Menge auftritt. Denn der Stoff ist unempfindlich gegen Säuren und bakterielle Zersetzung und kann nur in geringem Maß abgebaut werden. Besteht ein dauerhaftes Überangebot an Lignin kommt es zu einer Verschiebung des Darmmilieus kommen, das bei empfindlichen Pferden neben Kotwasser auch Koliken auslösen kann. Dasselbe gilt für Stroh, das einen besonders hohen Ligningehalt aufweist. Kotwasserpatienten sollten deshalb nur Heu von erstklassiger Güte und wenig Stroh erhalten.

6. Keine abrupten oder häufigen Futterwechsel

Futterwechsel stellen immer eine Belastung für den Verdauungsapparat dar, das gilt ganz besonders dann, wenn sie schlagartig und/oder im häufigen Wechsel erfolgen. Vermeiden Sie deshalb oftmalige Änderungen im Speiseplan und schleichen Sie neues Futter nur allmählich ein. Das gilt auch für Wechsel von einer Heusorte zur nächsten. Und natürlich sollte auch das An- und Abweiden nicht von einem Tag auf den anderen erfolgen sondern langsam und behutsam.

7. Sandaufnahme vermeiden

Sand im Verdauungskanal kann zahlreiche Probleme verursachen – Kotwasser ist eines davon. In der Regel fressen Pferde ihn nicht gezielt, zur Aufnahme kann es jedoch kommen, wenn auf dem Sandpaddock Heu vom Boden gefüttert wird, oder Weiden so kurz abgefressen sind, dass die Pferde zum Teil Graswurzeln fressen, an denen Sand haftet.

8. Vorsicht bei siliertem Futter

Studien haben gezeigt, dass eine Fütterung von Heulage oder Silage das Auftreten von Kotwasser begünstigen kann. Tritt das Problem bei Ihrem Pferd auf, verzichten Sie für einige Zeit auf siliertes Futter und ersetzen Sie es durch qualitativ hochwertiges, im Stadium Blüte geschnittenes Pferdeheu.

9. Heucobs zufüttern

Manchmal bringt es Erleichterung, einen Teil der Heuration durch Heucobs zu ersetzen. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn die Qualität des Raufutters nicht optimal ist.

10. Zahnkontrolle

Bei Pferden mit Zahnproblemen kann es durch die unzureichende Zerkleinerung und Einspeichelung des Futters zu Störungen im Darm kommen, die die Entstehung von Kotwasser begünstigen. Lassen Sie deshalb – ganz besonders bei älteren Pferden – regelmäßig die Zähne Ihres Pferdes durch einen Fachmann/eine Fachfrau kontrollieren.

11. Zusätze

Eine gezielte Fütterung verschiedener Zusätzen kann Abhilfe bei Kotwasser schaffen - ist oftmals aber nicht mehr, als ein bloßes Kaschieren der Symptome. So sorgen etwa Kleie, Rübenschnitzel oder Flohsamen durch ihre Quellfähigkeit dafür, dass freies Wasser im Darm gebunden wird. Zudem wirken sie darmanregend und -reinigend. Ein unbedachter Einsatz kann jedoch auch zu Verstopfungen und Darmreizungen führen.

Das Füttern von Leinsamen ist vor allem dann hilfreich, wenn die Ursache für das Kotwasser im Magen begründet liegt. Magengeschwüre oder Entzündungen der Magenschleimhaut verursachen Schmerzen und Stress. Die im Leinsamen enthaltenen Schleimstoffe legen sich wie ein schützender Film über die gereizte Magenwand und unterstützen damit den Heilungsprozess.

Bierhefe ist ein brauchbares Ergänzungsfuttermittel, da sie sich positiv auf das Bakterienmilieu im Darm auswirkt. Sie sollte jedoch nur in Absprache mit dem Tierarzt verabreicht werden.
Das Absetzen freien Kotwassers weist immer auf eine Störungen im Verdauungsvorgang hin - und die Ursache dafür sollte möglichst zeitnah ermittelt werden. Denn Kotwasser ist in vielen Fällen mehr als eine lästige Nebensache, sondern vielmehr ein Hinweis auf ein Problem, das man ernst nehmen sollte.

ps
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