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02.07.2015

Empfinden Pferde Klopfen als Lob?

Das Klopfen des Pferdehalses als lobende Geste hat in der Reiterwelt eine lange Tradition. Doch wie sinnvoll ist diese Form des Lobes und wird es von den Pferden überhaupt als solches empfunden? Diesen Fragen ging eine britische Studie nach.

Das Abklopfen des Pferdehalses ist in Reiterkreisen weit verbreitet. Lieber mögen Pferdejedoch ein Kraulen am Widerrist. © Tomas Holcbecher
Das Abklopfen des Pferdehalses ist in Reiterkreisen weit verbreitet. Lieber mögen Pferdejedoch ein Kraulen am Widerrist.
© Tomas Holcbecher
Fast jeder macht’s und keiner weiß, warum eigentlich. Gemeint ist das Abklopfen, das rhythmische Tätscheln des Pferdehalses, dass – je nach Situation – sogar in ein regelrechtes „Abwatschen“ ausufern kann. Vor allem dann, wenn sich der Reiter ganz besonders freut. Doch taugt diese Form des Lobes überhaupt als Belohnung?

Schon lange wird diese Frage in Reiterkreisen recht kontrovers diskutiert. Während die einen strikt am gewohnten Abklopfen festhalten, weil sie der Meinung sind, ihr Pferd wisse schon ganz genau, wie’s gemeint ist, sind andere überzeugt, dass die Vierbeiner ein sanftes Streicheln oder Kraulen deutlich mehr schätzen.

Der Frage, inwieweit Pferde das traditionelle Klopfen des Halses als Lob wahrnehmen, ging die Pferdewissenschaftlerin Emily Hancock in einer Studie nach. Zu diesem Zweck nahm die Britin in einem ersten Schritt die unmittelbare Reaktion auf das Reiterlob unter die Lupe. Als Studienobjekt hierfür dienten 16 Pferd-Reiter-Paare im Grand-Prix-Spécial der Olympischen Spiele in London 2012. Am meisten wurde nach dem Bewerb geklopft, 15 von 16 Reitern lobten auf diese Weise ihr Pferd, zwölf von ihnen klopften sogar über eine Minute lang. Gestreichelt wurde indes kaum. Hancock stellte fest, dass gut ein Drittel der Pferde deutliche Reaktionen auf das Klopfen zeigte, meist in Form eines schnelleren Tempos. Die Forscher räumten jedoch ein, dass dies womöglich auch durch das Vorbeugen des Reiters im Sattel ausgelöst wurde.

Im zweiten Schritt untersuchte das Team der Nottingham Trent University die Auswirkungen des Klopfens im täglichen Umgang. Zehn Pferde (fünf Schulpferde sowie weiter fünf Tiere einer Animal Rescue Organisation) wurden dazu viermal für je 30 Sekunden lang am Hals geklopft, jeweils unterbrochen durch eine 15 Sekunden andauernde Pause. Dabei wurde die Herzfrequenz und Verhalten der Tiere aufgezeichnet.

Während die Auswertung der Herzfrequenzen keine nennenswerten Ergebnisse brachte, ergab die Beobachtung der Pferde eine ganz eindeutige Präferenz. Anders als das Kraulen am Widerrist, das ein Absenken des Halses und bisweilen sogar Fellpflege-imitierende Bewegungen mit der Oberlippe hervorrief, reagierten die Pferde auf das Klopfen mit einem gesteigerten Ohrenspiel und vermehrter Unruhe. Am deutlichsten fiel die Reaktion eines vierjährigen Pferdes aus der Tierrettung aus, das bisher zwar keine Gewalteinwirkung erfahren hatte, aber sehr isoliert gehalten worden war. Es riss auf das Klopfen den Kopf hoch und stürmte rückwärts.

„Das Kraulen des Widerrists kann das Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier stärken und ist die effektivere Belohnung“, bringt Emily Hancock die Ergebnisse ihrer Studie auf den Punkt. Die Wissenschaftlerin sieht dies darin begründet, dass auch Pferde einander gerne an dieser Stelle kraulen, wohingegen das Klopfen auf den Hals kein natürliches Verhalten zwischen befreundeten Pferden sei. Reiter und Pferdebesitzer sollten deshalb dazu ermutigt werden, ihr Pferd lobend zu kraulen denn zu klopfen, so Hancock.

Die Studie "The effects of patting and wither scratching on behaviour and heart rate of domestic horses" wurde anlässlich der 10. International Equitation Sciense Conference in Dänemark im August 2014 vorgestellt.
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