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30.04.2014

FAQ zur Umsatzsteuer neu

Das Thema Umsatzsteuer neu für landwirtschaftliche Pensionspferdebetriebe wurde in den vergangenen Monaten umfassend diskutiert, dennoch gibt es immer noch viele verunsicherte Pferdehalter. Das weiß auch Dr. Rainer Gehringer von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, der sich deshalb die am häufigsten gestellten Fragen vorgenommen hat. Seine Antworten dazu lesen Sie hier.

Antworten auf Fragen rund um das Thema Umsatzsteuer neu liefert Dr. Rainer Gehringer, Steuerexperte der LK Niederösterreich. © Jan Schuler / Fotolia.com
Müssen Pensionspferdebetriebe die neue Vowsteuerpauschale in Anspruch nehmen? Für Welche zukünftigen Investitionen kann trotz Vorsteuerpauschale die Vorsteuer geltend gemacht werden? Antworten auf Fragen wie diese liefert Steuerexperte der LK Niederösterreich, Dr. Rainer Gehringer.
© Jan Schuler / Fotolia.com
Wir betreiben einen Gnadenhof. Für unsere Pferde wurden zum Teil Patenschaften übernommen. Sind auch diese Umsatzsteuerpflichtig?
Wird in diesen Fällen eine Gegenleistung für eine umsatzsteuerpflichtige Leistung (Versorgung der Tiere) erbracht, werden auch diese Konstellationen der Umsatzsteuer unterliegen, wobei die Anwendung der Pferde-Pauschal-Verordnung und damit der 24€ Vorsteuerpauschale fraglich ist, wenn die Pferde im Eigentum des Gnadenhofbetreibers stehen (kein Einstellen „fremder Pferde“). Werden lediglich Spenden/Kostenzuschüsse vom Paten erbracht, ohne dass diesen unmittelbare Leistungen zukommen, liegt keine Gegenleistung und damit keine umsatzsteuerbare Leistung vor – die Zuwendung wäre diesfalls umsatzsteuerfrei.

Wann gilt die Kleinunternehmerregelung? Wie wird sie berechnet? Muss ich trotzdem meine Pferde beim Finanzamt melden?
Kleinunternehmer sind Unternehmer bis zu einem Jahresumsatz von 30.000 €, wobei die Einnahmen von sämtlichen unternehmerischen Tätigkeiten des betreffenden Unternehmers zusammenzurechnen sind. Umsätze von vollpauschalierten Landwirten können mit dem 1,5 fachen des Einheitswertes der selbstbewirtschafteten Fläche geschätzt werden. Kleinunternehmer müssen ihre Umsätze aus der Pensionspferdehaltung nicht dem Finanzamt melden, sofern sie nicht freiwillig auf die Kleinunternehmerregelung verzichten.

Muss ich die Vorsteuerpauschale in Anspruch nehmen oder kann ich eine Umsatzsteuerbuchhaltung machen. Wie oft und wann kann ich wechseln?
Die Verwendung der 24 € Vorsteuerpauschale ist nicht zwingend. Wer die Vorsteuerpauschale verwenden will muss bis zur Rechtskraft des Umsatzsteuerbescheides einen schriftlichen Antrag gegenüber dem Finanzamt stellen und ist zwei Jahre daran gebunden. Bei einem darauffolgenden Wechsel zur Verrechnung nach tatsächlichen Ausgaben, besteht eine fünfjährige Bindung.

Wann und mit welchen Formularen müssen Umsatzsteuervoranmeldungen gemacht werden?
Umsatzsteuervoranmeldungen sind über FinanzOnline zu erstellen, bzw. bei technischer Unzumutbarkeit (z.B. fehlender Internetzugang) mit dem Formular U30. Voranmeldungszeitraum ist bis zu einem Vorjahresumsatz von 100.000 € das Kalendervierteljahr, ansonsten das Kalendermonat.

Für welche zukünftigen Investitionen kann trotz Vorsteuerpauschale die Vorsteuer geltend gemacht werden?
Die Vorsteuer für die Neuanschaffung bzw. Herstellung von Gebäuden bzw. baulichen Anlagen (unbewegliches Anlagevermögen: Stallgebäude, Lagerhalle für die Pferdewirtschaft, Reitplatz, Wegebau etc.) kann neben der 24 € - Pauschale geltend gemacht werden.

Was bedeutet die Umsatzsteuererhöhung für die Berechnung meiner Sozialversicherungsbeiträge?
Da die Sozialversicherungsbeiträge grundsätzlich von den Bruttoeinnahmen berechnet werden, führt die notwendige Erhöhung des Einstellpreises zu höheren Sozialversicherungsbeiträgen.

Wie werden die neuen Einstellgebühren berechnet?
Die  Berechnung  der  kostenneutralen  neuen  Einstellgebühren  wird  nach  folgender  Formel  
durchgeführt: alter  Einstellpreis  (brutto)  in  Euro  minus  24 : 0,833 
Eine Liste mit den gängigsten Einstellpreisen vor und nach der Erhöhung können Sie auf der Homepage der Zentrale Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Pferdezüchter (ZAP) herunterladen.

Wie steht es mit der Berücksichtigung von Vorsteuern aus vergangenen Investitionen (positive Vorsteuerberichtigung)?
Vorsteuern aus Investitionen in Gebäude bzw. bauliche Anlagen (unbewegliches Anlagevermögen), die vor dem 1. 1. 2014 in Verwendung genommen wurden, können aufgrund der derzeit geltenden Rechtslage nicht mehr steuerlich geltend gemacht werden. Für das gesamte zugekaufte, dem Pferdeeinstellbetrieb dienende und am 31. 12. 2013 vorhandene Umlaufvermögen (zugekauftes Heu, Stroh, Kraftfutter, Diesel etc.) kommt beim Wechsel von der Umsatzsteuerpauschalierung zur Regelbesteuerung eine positive Vorsteuerberichtigung in Betracht. Ob dies auch bei Anwendung der 24 € Vorsteuerpauschale möglich ist, wird noch vom Finanzministerium geprüft.

Darf ich als Gewerbebetrieb auch die Vorsteuerpauschale in Anspruch nehmen?
Da die PerdePauschV sowohl für landwirtschaftliche als auch für gewerbliche Pferdeeinstellbetriebe gilt, können auch Gewerbebetriebe die Vorsteuerpauschale in Anspruch nehmen.

Hat eine Deckstation (Zuchtbetrieb) auch Umsatzsteuer für die zum Decken eingestellten Stuten zu bezahlen?
Nach dem Grundsatz der Einheitlichkeit der Leistung ist auf den Hauptzweck einer Leistung abzustellen und darf diese nicht in Ihre einzelnen Teile zerlegt werden. Da in einer Deckstation das Einstellen der Stuten in der Regel nicht Hauptzweck der Leistung ist, sondern das Decken, gibt es hier meines Erachtens keine umsatzsteuerlichen Änderungen.

Welche Aufzeichnungen müssen gegenüber dem Finanzamt nachgewiesen werden (Einstellverträge, Rechnungen, Pferdepässe etc.)?
Wird die Vorsteuerpauschale in Anspruch genommen und werden keine Vorsteuerbeträge in tatsächlicher Höhe (unbewegliches Anlagevermögen) geltend gemacht, bestehen Aufzeichnungspflichten lediglich hinsichtlich der Einnahmen. Die Aufzeichnungen sind chronologisch, vollständig, richtig und zeitgerecht vorzunehmen. Bareingänge müssen dabei täglich einzeln festgehalten werden.

Müssen „gemeinnützige Vereine“, welche Pferde eingestellt haben, auch Umsatzsteuer abliefern?
In der Regel werden „gemeinnützige Vereine“, die selbst einen Pferdeeinstellbetrieb führen, bei strenger Überprüfung wohl nicht als gemeinnützig im Sinne des Steuerrechts zu qualifizieren sein, weshalb in vielen Fällen umsatzsteuerpflichtige Leistungen vorliegen werden.

Muss beim Finanzamt um eine Steuernummer angesucht werden? Was ist eine UID Nummer?
Hat der Steuerpflichtige noch keine Steuernummer, sollte noch vor Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung zwecks Vergabe einer Steuernummer das Formular Verf 24 (für Einzelunternehmer) bzw. Verf 16 (für Gesellschaften) dem Finanzamt übermittelt werden. Bei Regelbesteuerung wird automatisch eine Umsatzsteueridentifikationsnummer ( ATU 12345678) zugeteilt.

Was bedeutet die kleine Beitragsgrundlagenoption für Sozialversicherungsbeiträge?
Mit der kleinen Beitragsgrundlagenoption beantragt der Betriebsführer die Ermittlung der Sozialversicherungsbeiträge für Nebentätigkeiten nach den für diese Nebentätigkeiten im Einkommensteuerbescheid ausgewiesenen Einkünften. Sofern die Einkünfte aus der Pensionspferdehaltung den vollpauschalierten Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft zuzurechnen sind und daher im Einkommensteuerbescheid nicht eigens ausgewiesen werden, bewirkt die kleine Beitragsgrundlagenoption bei der SVA der Bauern eine Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge von der für Nebentätigkeiten vorgesehenen eigenen Mindestbeitragsgrundlage.

Kann für die Vermietung von Pferden auch die Vorsteuerpauschale geltend gemacht werden?
Bei der Vermietung von Pferden kann die Vorsteuerpauschale nach derzeitiger Rechtslage nicht geltend gemacht werden.

Wenn ich meinen Stall vermiete und die Einsteller sämtliche Arbeiten (füttern, ausmisten etc.) selbst erledigen (Selbstversorgerstall) muss dann UST abgeliefert werden?
Wird das Stallgebäude vermietet und erbringt der Landwirt (Vermieter) keine wie immer gearteten Dienstleistungen, wird in der Regel eine umsatzsteuerfreie „Grundstücksvermietung“ vorliegen, die aber gesondert der Einkommensteuer unterliegt. Angesichts der neuen Umsatzsteuerpflicht ist ab 1. 1. 2014 mit einer strengen Überprüfung derartiger Fälle durch die Finanzverwaltung zu rechnen.

Quelle
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