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25.08.2014

Fine Feeling trotzte dem Regen

Die beste Leistung aus österreichischer Sicht sah man am heutigen WEG-Eröffnungstag von Pepo Puch und seiner Fine Feeling S. Aber auch Karin Kosak und Christian Schumach konnten mit ihrem WM-Debüt zufrieden sein.

Trotzten auch dem schlechten Wetter: Fine Feeling S und Pepo Puch © Tomas Holcbecher
Trotzten auch dem schlechten Wetter: Fine Feeling S und Pepo Puch
© Tomas Holcbecher
Am Vormittag hatte Pepo noch sorgenvoll zum Himmel geblickt, denn der hatte seine Schleusen geöffnet und es schüttete gewaltig. "Meine Stute ist wahnsinnig wasserscheu, wenn es regnet beißt sie nur aufs Gebiss und geht nach Hause! Da habe ich einfach keine Chance!" Aber als es dann am Nachmittag im Wettkampf zur Sache ging, bewies Fine Feeling S, dass sie ein richtiger Wettkampftyp ist. "Sie liebt so große Stadien und hat bald gemerkt, heute geht es um etwas!" Für die Prüfung erhielt das Para-Traumpaar dann nicht weniger als 76,520 % was den zweiten Platz im Grade Ib bedeutete, der mit 25 Reitern sehr stark besetzt ist. Für Puchs Medaillenchancen hat diese Wertung (die nur für die Teamkonkurrenz zählt) aber noch keine Bedeutung, denn im Individual Championship am Mittwoch wird wieder bei Null begonnen.
Bernd Brugger und sein Denigo sind würdige Vertreter Österreichs bei den WEG 2014. © Tomas Holcbecher
Bernd Brugger und sein Denigo sind würdige Vertreter Österreichs bei den WEG 2014.
© Tomas Holcbecher
Eine kontrollierte Vorstellung gab Mannschaftskollege Bernd Brugger im Grade III, für die der Wahlhamburger 64,789 % kassierte. "Ich habe Denigo vielleicht doch zu lange abgeritten, da er in Herning im Vorjahr bei der EM so heiß wurde. Aber insgesamt war ich zufrieden, das Niveau ist schon ziemlich hoch und jeder Fehler wird hier abgestraft."
Österreichs Schlachtenbummler sind immer vor Ort. © Tomas Holcbecher
Österreichs Schlachtenbummler sind immer vor Ort.
© Tomas Holcbecher
Davon konnten sich auch die beiden österreichischen Mitglieder des Dressurteams im Stade D'Ornano beim Mannschafts-Grand Prix überzeugen. Nachdem Fabienne Lütkemeier als erste von nicht weniger als 100 (!) Dressurstartern mit 73,586 % eine ordentliche Marke vorgelegt hatte (die favorisierte deutsche Dressurequipe hatte für die Startreihenfolge die undankbare Nummer 1 gezogen), ritt die 35jährige Steirerin als Nummer 5 in die Arena und überzeugte trotz kleiner Fehlern in den Einerwechseln. 66,043 % gaben die sieben Richter dafür dem rot-weiß-roten Damenpaar.
Karin Kosak konnte stolz sein auf ihre Lucy"s Day. © Tomas Holcbecher
Karin Kosak konnte stolz sein auf ihre Lucy"s Day.
© Tomas Holcbecher
"Ich bin sehr, sehr zufrieden, Lucy hat keine Nerven gezeigt. Die kleinen Fehler wurden natürlich hier bombig bestraft und die Piaffen sind nicht unsere Stärke. Aber das sind Weltreiterspiele und dabei zu sein ist einfach ein Wahnsinn! Ich wollte als Erste starten, weil ich zu Hause auch immer vormittags reite. Natürlich zählte für mich in erster Linie der olympische Gedanke, aber ich bin wahnsinnig stolz auf meine Stute."
Christian Schumach strahlte nach seinem WM-Debüt auf Auheim"s Picardo. © Tomas Holcbecher
Christian Schumach strahlte nach seinem WM-Debüt auf Auheim"s Picardo.
© Tomas Holcbecher
Ebenso strahlend präsentierte sich Österreichs zweiter WM-Debütant Christian Schumach, der mit Auheim's Picardo 66,786 % erhielt und in der Zwischenwertung nach dem ersten Tag auf dem 27. Platz rangiert. "Ich bin super happy, dass mein Pferd bei diesem Regen so mitgemacht hat, denn solche Bedingungen hatten wir in einem Wettkampf noch nie." Auch bei den beiden haperte es ein wenig bei den Einerwechseln: "Das ist unsere Angstlektion. Vielleicht habe ich mich in der Prüfung schon zu früh gefreut, dass er so gut läuft. Bei der ersten Pirouette war ich dann ein wenig schüchtern, aber ich bin total happy, welchen Job mein Pferd gemacht hat." Das sah man dem Kärntner auch beim Ausritt an, als er übers ganze Gesicht strahlte. "Ich habe die Mittellinie richtig genießen können. Ich lache selten vor einer Prüfung, aber hier schon, denn die Atmosphäre war einfach genial. Der Weg zur WM war ja steinig und meine Nominierung nicht unumstritten. Mit dieser Prüfung konnte ich beweisen, dass ich zu Recht hier bin."
omas Holcbechers Lieblingsfoto von heute! © Tomas Holcbecher
Tomas Holcbechers Lieblingsfoto von heute!
© Tomas Holcbecher
Etwas gedrücktere Stimmung herrschte im Exhibition Center von Caen, wo die Reining-Bewerbe stattfinden. Markus Morawitz gelang mit Dun It Whiz Jerry gleich der erste Spin nicht so ganz und auch später wirkte sein Pferd etwas müde, ernüchternde 210,0 schienen auf der Anzeigetafel auf: "Der erste Dreh war mein Fehler, bei den Stops hatte er keine Luft mehr, da war nicht mehr drinnen. Der Boden ist tief und er hat zu wenig Luft gehabt. Vielleicht weil ich in den letzten Tagen etwas mehr gemacht habe. Hinterher ist man immer gescheiter. Ich geh davon aus, dass ich das Streichresultat bin. Aber Weltreiterspiele sind immer ein Wahnsinn."
© Tomas Holcbecher
Leider nicht so frisch wie sonst: Dun It Whiz Jerry und Markus Morawitz.
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Besser präsentierte Tina Künstner-Mantl ihren Cashn Rooster, mit ihren 214,5 Punkten dürfte aber die Medaillenhoffnung der österreichischen Mannschaft (derzeit Rang 7) dennoch schon nach dem ersten Tag ausgeträumt sein. Und auch für Einzelreiter Klaus Lechner scheint das Erreichen des Finales nach seinen 208,5 außer Reichweite zu sein. Eine Klasse für sich sind die Teilnehmer aus den USA auf den Rängen eins und drei!

Raining und reining

Hut ab für jeden einzelnen Teilnehmer, der heute in den Sattel gestiegen ist. Bereits in den Morgenstunden herrschte auf den Straßen von Caen düstere Herbststimmung. Der Taxifahrer kommentierte den Dauerregen mit einem Achselzucken und "Das ist die Normandie!" Aber die Wettkampfstätten präsentierten sich wenigstens in gutem Zustand und auch der Boden schluckte die Wassermengen. Wenn aber das Wetter bis zur Cross-Country-Prüfung weiterhin so bleibt, dann gute Nacht! Dann heißt es die Gummistiefel anziehen und ab ins Gelände. Im Ausstellungsdorf kann man inzwischen am Range Rover-Stand testen, wie sich ein richtiges Geländeauto bei schwierigen Bedingungen verhält. Für unsereins heißt es aber inzwischen die Wander- oder Laufschuhe anziehen, denn die Wege zwischen den einzelnen Reitplätzen sind doch weiter, als es zu Hause auf "Google Maps" aussah. Da ist man schon dankbar, wenn hilfreiche Geister einspringen: Gestern war es Tierärztin Uschi Barth, heute OEPS-Pressesprecher Daniel Winkler, der als Chauffeur in die Bresche sprang. Wartet man auf die Medienbusse (sie verkehren gerade einmal im Stundenintervall), dann gäbe es hier nur die Hälfte zu lesen, denn die Tagesagenda war am Eröffnungstag wie immer dichtgedrängt: 6:00 Weckerläuten, 8:00 ein Rendezvous im Dressurstadion mit Fabienne Lütkemeier, eine halbe Stunde später der Ritt Karin Kosaks, dann ab zum Interview, Meldung versenden, im Eilschritt zu den Reining-Bewerben, wo um 9:36 Markus Morawitz einreitet, schnell ein paar Bilder geschossen, Fotograf Tomas Holcbecher ist mit dem Licht in der Halle unzufrieden, aber besser als der Dauerregen am Para-Viereck, wo um Dreiviertelelf Bernd Brugger seine Prüfung reitet. Zurück ins Stade D'Ornano, eine halbe Stunde bleibt fürs Mittagessen, 13:49 Startzeit von Christian Schumach, den Ritt von Western-Lady Künstner-Mantl muss ich im TV verfolgen, dann wieder auf die Rennbahn von Caen, wo Pepo im Regen seine Fine Feeling zur Arbeit überreden versucht, dichtes Gedränge um unseren Paralympics-Goldenen, aber ein Interview für uns gibt es immer. Um 17:00 sollte noch Klaus Lechner als Einzelreiter in der Reining dran kommen, aber als ich um 16:45 in die Halle komme, strömen bereits die Leute in Scharen heraus, die Startliste stimmte halt nicht. Das Glas Rotwein wird dennoch schmecken!