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08.06.2011

Fit fürs Pferd

Reiten ist Sport. Auch wenn die meiste Arbeit das Pferd erledigt, sollte auch der Reiter eine gewisse körperliche Fitness mitbringen um seinem vierbeinigen Partner die Zusammenarbeit nicht schwerer als nötig zu machen.

Dabei geht es freilich nicht um eine gut trainierte Arm- und Beinmuskulatur. Ein komplexer Sport wie Reiten erfordert vielmehr ein ausgeklügeltes Zusammenspiel aus Balance, Körperspannung, Koordination und Kondition – vier wesentliche Dinge, die es für einen korrekten, nicht störenden Sitz und eine feine, nuancierte Hilfengebung braucht. Viel schlechtes Sitzen während der Arbeit, im Auto oder daheim auf der Couch bei wenig körperlicher Ausgleichsbetätigung begünstigen eine schlechte Haltung, bewirken Muskelverkürzungen und Steifheiten und fördern eine minimierte Körperwahrnehmung. Nicht gerade förderlich für einen geschmeidigen Sitz auf dem Pferd. Um herauszufinden, wie sich regelmäßiges Fitnesstraining auf das Reiten auswirkt haben wir einen Selbstversuch gestartet und eine verlagsbefreundete Reiterin ins Fitnessstudio geschickt. Ihre Erfahrungen und Eindrücke, wird sie ab jetzt Monat für Monat in einer eigenen Kolumne auf Pferderevue Online schildern.

Status quo

Bevor ich Ihnen diesen Selbsttest näher beschreibe, möchte ich mich kurz vorstellen. Ich bin 36 Jahre jung, arbeite sechs bis acht Stunden täglich vor dem PC, reite ca. drei mal pro Woche Dressur (zwei mal pro Woche wird ausgeritten und ein bis zwei mal in der Woche longiert) und betreibe außer reiten – zumindest bislang – keine andere Sportart kontinuierlich. Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber je länger ich reite, umso mehr wird mir klar, wie wichtig ein in allen Belangen korrekter Sitz ist. Allein schön auf dem Pferd zu sitzen ist eine Sache – aktiv zu reiten und dabei aus dem Sitz heraus effektiv einwirken zu können, eine andere. Beides möchte ich nun endlich kombinieren können, damit mein Pferd mich nicht weiter als wackeligen Rucksack mit motorischen Störungen durch die Gegend tragen muss – ein Rucksack, der noch dazu Dinge von dem armen Tier verlangt, die er dann durch seinen steifen Körper wiederum blockiert. Ein Teufelskreis.

Aus diesem Grund habe ich mich kürzlich in ein nahe gelegenes Fitness-Studio begeben. Nicht die körperliche Ertüchtigung an den diversen Fitnessgeräten war mein Ziel, sondern das durchaus vielfältige Gymnastikprogramm, das in diesem Fitnesstempel angeboten wird. Aus der Vielzahl von Aerobic, Dance, Hip Hop, Body & Mind und Wellness-Angeboten habe ich mich für die Kurse Pilates und Bodywork entschieden.

Richtig Atmen trotz Körperspannung

Schnell im Web nachgesehen, findet man dort auch prompt eine knackige Beschreibung für Pilates (das übrigens vom deutsch-US-amerikanischen Körpertrainer Joseph Pilates entwickelt wurde), die auf den Punkt bringt, worum es hierbei geht: "Durch gezieltes Training der tieferliegenden posturalen Muskeln wird Ihr ursprüngliches Muskelgleichgewicht wiederhergestellt. Verkürzte Muskeln werden dabei gedehnt, seit Kindestagen ungenutzte wieder aktiviert."

Schon während der ersten Trainingseinheit wurden mir zwei wesentliche Schwachpunkte in meiner tieferliegenden posturalen Muskulatur deutlich. Zum Ersten erwies es sich als schier unmöglich, eine ruhige und gleichmäßige Atmung während dem Innehalten in den verschiedenen Positionen zu bewahren, die einer Aufbringung der gesamten verfügbaren Körperspannung bedurften – nach kürzester Zeit war ich blau vor lauter nicht atmen und japste in den kurzen Erholungsphasen verzweifelt nach Luft.

Zweitens, auch mit meiner Beweglichkeit war es nicht weit her. Verkürzte Muskulatur vor allem im Rücken-, Schulter- und Bauchbereich machten es mir zeitweise gänzlich unmöglich den Verrenkungen des Trainers zu folgen. Ach ja, auch um meine Balance ist es nicht sonderlich gut bestellt, wie ich leider feststellen musste – und das mir, die ja ausbalanciert auf dem Pferdrücken sitzen sollte. Wie günstig, dass das Pilatestraining genau auf diese Problematiken abzielt. Kontrollierte Beweglichkeit trotz Körperspannung, gleichmäßige Atmung und inneres Gleichgewicht, sprich Balance, finden. Ausgezeichnet, genau das Richtige, um auch auf dem Pferd ausbalanciert zu sitzen und kontrolliert Arme und Beine für eine korrekte Hilfengebung einzusetzen (ohne dabei die Balance zu verlieren).

Schnelligkeit und Koordination

Bodywork – bei diesem schnellen Ausdauertraining wird unter anderem auch die Koordination von links-rechts, sowie von Beinen-Händen trainiert. In der ersten Stunde dieses Trainings musste ich erkennen, dass es bei der Koordination meiner Hände und Beine ein kleines Problem gibt. So sollte ich einerseits mit schnellen Schritten auf den so genannten Step (ein nicht hohe Plastiktreppe mit rutschfester Oberfläche) rauf-runter hüpfen und gleichzeitig mit den Armen langsame, gleichmäßige Kreise ziehen, oder die Arme seitlich ausstrecken und wieder vor der Brust kreuzen. Als Draufgabe wurde dann auch noch abwechselnd mal mit dem linken dann mit dem rechten Bein begonnen, über den Step drübergehüpft und der Oberkörper abwechselnd zu einen und zur anderen Seite verdreht. Unter dem Step durch war in dieser Trainingseinheit aber auch schon das Einzige, das der Trainer nicht verlangte (Wobei es mich allerdings nicht gewundert hätte, wenn auch das noch gekommen wäre und alle Anwesenden, außer mir natürlich, es auch geschafft hätten).

Koordination heißt das Zauberwort bei diesem Kurs. Und beim Reiten kommt einer guten Koordinationsfähigkeit eine Schlüsselrolle zu. Immerhin sollte es bei der korrekten Hilfengebung möglich sein, mit dem linken Bein etwas anderes zu tun als mit dem rechten Bein. Selbiges gilt natürlich auch für die Hände. Bestimmt kennen auch sie derart vergnügliche Reitlehrer-Aussagen wie: Jetzt die linke Hüfte etwas tiefer in den Sattel, gleichzeitig mit den inneren Schenkel zum richtigen Zeitpunkt einen Impuls zum Angaloppieren geben, dabei aber die Hände nicht zurück ziehen, sondern etwas nach vorne dehnen lassen, ohne die Anlehnung zu verlieren und die Position des Oberkörpers zu verändern, das äußere Bein um die berühmte Handbreit nach hinten rutschen lassen, ohne das die äußere Hüfte ihre Position verliert. Und dabei handelt es sich hierbei noch um eine der leichteren Übungen, nämlich um simples Angaloppieren (in Kurzformat).Schwieriger wird es bei Seitengängen, gar auf gebogenen Linien, vielleicht auch noch im Trab oder Galopp! Ohne gutes Koordinationsvermögen und ausreichend Beweglichkeit ist es unmöglich, diese Dinge reell zu erarbeiten. Dann sitzt das Problem im Sattel und läuft nicht darunter…

Doch es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und eines fernen Tages werde ich den Gordischen Knoten in meinen Gliedmaßen hoffentlich lösen und dann ebenso mit eleganter Leichtigkeit auf und über den Step gleiten, wie es dem Rest der Teilnehmer gelang (wobei ich zu meiner Verteidigung doch sagen muss, dass ich nicht die Einzige war, die bereits nach der ersten Hälfte der Trainingseinheit rot wie eine Kirschtomate keuchend am Saalrand Platz genommen hatte um eine Pause einzulegen). Positiv: Sehr zu meinem Erstaunen hatte ich am nächsten Tag zumindest keinen Muskelkater – ein gutes Zeichen!

Das Ziel

Ich habe für die nächsten sechs Monate eine Fitness-Card gelöst und werde viermal pro Woche (zweimal Pilates und zweimal Bodywork) gen Fitnesstempel pilgern. Über die Erfolge – natürlich in Bezug auf Reiten – werde ich Sie einmal pro Monat auf dem Laufenden halten. Vielleicht plagen Sie ja ähnliche Probleme beim Reiten, und meine, sich hoffentlich bald einstellenden Erfolge, ermuntern auch Sie Gymnastizierung nicht nur Ihrem Pferd angedeihen zu lassen.
Fit fuers Pferd © Igor Zakowski - Fotolia.com
" Es erwies sich als schier unmöglich, eine ruhige und gleichmäßige Atmung während dem Innehalten in den verschiedenen Positionen zu bewahren."
© Igor Zakowski - Fotolia.com
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