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24.08.2011

Fit fürs Pferd – Teil 3

Weitere vier Wochen hat sich unsere Autorin im Fitness-Studio für den besseren Reitersitz abgestrampelt. Dabei hat sie nicht nur ihren Trainingsplan eingehalten sondern ihn sogar noch erweitert.

Vom Faultier zum Bewegungstier. So, oder so ähnlich, könnte man die Änderung meiner Person in den letzten Wochen betiteln. Wo und wann genau diese Metamorphose statt gefunden hat kann ich natürlich nicht genau datieren, Fakt ist aber: Ich habe nun endlich Spaß an der Bewegung und deshalb mein Fitness-Studio-Programm noch um zwei Tage Laufen pro Woche erweitert. Soll ich Ihnen etwas verraten? Ich glaube es selber kaum, wenn ich diese Worte schreibe. Vor noch nicht allzu langer Zeit habe ich immer verständnislos den Kopf geschüttelt, wenn ich jemanden beim Joggen gesehen habe.

Große Fortschritte ...

Was ich eigentlich schon immer wusste, zumindest wenn es um das Training von Pferden ging, erlebe ich momentan am eigenen Körper: Nur wer fit ist, hat auch Spaß an der Bewegung. So viele Dinge werden klarer und verständlicher, wenn man sie selbst erfährt. So z. B. das Thema Takt und Schwung als Punkte der Ausbildungsskala bei Pferden. Die Wichtigkeit des richtigen Taktes habe ich jetzt durch Bodywork und das Laufen erkannt – hat man (egal ob Mensch oder Pferd) den richtigen Takt (Atmung, Bewegungsablauf) gefunden und ist sozusagen„eingetaktet“, fällt plötzlich alles viel leichter und gelingt unter wesentlich geringerem Kraftaufwand.

Dieser Thematik habe ich nun auch bei der Wahl der Trainer in den Bodyworkstunden größere Beachtung geschenkt. Nicht jeder Trainer gibt ein Tempo vor, das dem nahe kommt, eine „unrunde“ Stunde ist durch ein zu hohes Tempo bei den Übungen vorprogrammiert. Mit dieser neuen Taktik konnte ich in den vergangenen Wochen auch wirklich gute Erfolge innerhalb dieser Stunden erzielen. Den Ausdauerteil halte ich schon zur Gänze durch (meine Arme schwingen dabei tatsächlich über weite Strecken hinweg so, wie es verlangt wird) und im Kräftigungsteil geben meine Muskeln nicht mehr so schnell auf.

… kleine Erfolge …

Die Erfolge bei Pilates sind nicht ganz so eindeutig, aber auch hier merke ich stete Verbesserungen. Teilweise gelingen die Übungen schon einfacher und korrekter – Übungen bei denen ich am Anfang überhaupt nicht gewusst habe wie ich das jemals schaffen soll, gelingen zumindest jetzt schon im Ansatz und ich merke, dass das „zentrieren der Kraft im Bauch“ tatsächlich funktioniert. Der grandioseste Nebeneffekt an der ganzen Sachen: von meinen mich seit Jahren plagenden Rückenschmerzen bin ich seit Wochen befreit! Selbst nach einigen Stunden Arbeit vor dem PC kann ich aufstehen ohne dass meine sich meine Lendenwirbelsäule oder mein Nacken schmerzhaft bei mir melden. Für jeden der unter Rückenschmerzen aus einer Fehlhaltung heraus leidet, kann ich Pilates wirklich nur empfehlen.
Fit fürs Pferd © Pétrouche - Fotolia.com
© Pétrouche - Fotolia.com

… und Rückschläge auf dem Pferd

Es wäre schlichtweg gelogen, wenn ich hier überschwänglich von meinen enormen Fortschritten im Sattel berichten würde. Das genaue Gegenteil ist nämlich der Fall. In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Rückschläge und ein mir nur zu gut bekanntes „Ich lern’s sowieso nie!“ drängte sich wieder in den Vordergrund. In seziererischer Doktorarbeit habe ich meinen Sitz Stück für Stück auseinander genommen, überdacht, wieder zusammengesetzt und wieder war es nicht das „Ei des Kolumbus“.

Das Schwierige dabei ist, dass der über Jahre hinweg verinnerlichte falsche Sitz immer wieder die Oberhand gewinnt, ohne, dass es mir überhaupt bewusst wird. Kaum hab ich einen Teil meines Sitzes in Ordnung gebracht und konzentriere mich darauf diesen zu erhalten, verrutscht irgendwo anders ein Teil – kaum sind meine Beine dort wo sie hingehören, klappt mein Oberkörper wieder nach vorne und ich verkrampfe die Nacken-, Arm- und Bauchmuskulatur …

Aber trotzdem tut sich etwas!

Ich hatte einmal einen Reitlehrer, der einen für mich sehr wichtigen Satz zur mir gesagt hat: "Egal wo du dich mit dem Pferd befindest (ganze Bahn große Tour, Volte, Schulterherein, …), wenn man dir in einer x-beliebigen Situation das Pferd unter dem Allerwertesten wegzaubert, solltest du immer auf deinen beiden Beinen landen.“ Dieser Satz beschäftigt mich seit zehn Jahren, da ich ihn zwar verstanden, aber nicht nachvollziehen konnte. Schließlich hört man doch schon in den ersten Reitstunden von den „Gewichtshilfen“, die, so hab ich das zumindest all die Jahre interpretiert, nur über eine Gewichtsverlagerung bis in den Bügel funktionieren können. Weit gefehlt! Zum ersten Mal in meiner Reiterlaufbahn, kann ich mein Gewicht auf dem Pferderücken verlagern, ohne dabei in einen Bügel mehr hinein zu treten als in den anderen – aus dem Bauch heraus, dank Pilates!

Diese Art der Gewichtshilfe kostet mich derzeit noch immens viel Konzentration und gelingt auch nicht immer, aber die Reaktion meines Pferdes auf eine Gewichtshilfe, die sich nicht bis in den Bügel hinunter zieht, war für mich spektakulär.

Wir alle wissen, dass der korrekte Sitz auf dem Pferd der Anatomie des Menschen nicht gerade entgegen kommt. Richtig kompliziert wird es vor allem dann, wenn auch noch Schenkel und Zügelhilfen dazu kommen. Spätestens hier arbeitet unser eigener Körper oft gegen uns. Die Kombination Pilates und Bodywork konnte mir jedoch bereits ein Stück weiter helfen, weil ich jetzt bewusst Beuger und Strecker (vor allem in den Beinen) einsetzen kann. Auch hier muss ich noch meinen ganzen Fokus auf diese separierte An- bzw. Abspannung der Muskeln legen, aber zumindest phasenweise funktioniert es schon und ich kann damit meinen Sitz stabilisieren und auch teilweise meine Hilfengebung präzisieren.

Den größten Teil meiner Reitzeit der vergangenen Wochen habe ich ohne Sattel auf dem Pferderücken verbracht. Ich habe, was das Reiten ohne Sattel betrifft, ein sehr braves Pferd, denn meine Stute zieht netterweise immer gleich die „Vierbeinbremse“, sobald ich nur ein kleinwenig die Balance verliere. Dies ist bis dato bei jeder Kleinigkeit passiert, ein kurzes Stolpern (oder auch noch wesentlich kleinere Balanceveränderungen) des Pferdes hatten mich schon aus dem Gleichgewicht gebracht. Nun hat sich diese „Unsicherheit“ entscheidend verbessert – ich sitze deutlich stabiler und ausbalancierter auf dem nackten Pferderücken. Auch mein Pferd scheint das zu spüren und verhält sich nicht mehr ganz so übervorsichtig. Ein erster Erfolg der Lust auf mehr macht!