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27.09.2011

Fit fürs Pferd – Teil 4

Ermöglichen Gymnastikprogramme und Laufen wirklich eine Verbesserung des Reitersitzes? Nach vier Monaten Fitness-Studio und regelmäßigen Training kann unsere Autorin zumindest eines mit Sicherheit sagen: es schadet auf keinen Fall und hilft auf dem Weg zum geschmeidigen Sitz.

In den vergangenen vier Monaten habe ich hart an mir und an meinem Sitz gearbeitet. Hart nicht nur was den körperlichen Einsatz betrifft, sondern auch was Technik und Verständnis anbelangt. Erst seit dem ich, mittlerweile sechs Tage die Woche, regelmäßig Sport betreibe, habe ich erkannt, wie sehr Leistungsfähigkeit von Tagesverfassung und Wohlbefinden abhängig sind.

Leistung auf den Punkt bringen

Leistung auf den Punkt bringen – das bedeutet im richtigen Moment hundert Prozent seines Potentiales zur Verfügung zu haben, ist, nach dem technischen Teil, das Schwierigste am Reitsport. Gilt es beim Reiten nicht nur die eigene Konzentration und Leistung im richtigen Moment zu zentrieren, muss auch noch ein zweites, sehr instinktgesteuertes, Lebewesen bereit sein selbiges zu tun.

Diese wichtige, aber nicht unbedingt neue Erkenntnis, hat auch Einfluss auf die Arbeit an meinem Sitz. Um geschmeidig auf dem Pferd sitzen zu können, muss nicht nur der Mensch in der körperlichen (Tages)Verfassung dazu sein, auch das Pferd muss bereit und willens sein, den Reiter zum Sitzen kommen zu lassen.

Gerade das Joggen hat mir gezeigt, welch große Rolle die (mentale und körperliche) Tagesverfassung und das eigene Wohlbefinden spielen, um volle Leistung zu bringen. Stress, Schmerzen (bedingt durch unpassende Ausrüstung, Verspannungen, ein Zwicken da, ein Zwacken dort, etc.) oder fehlende Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen in hohem Maße Freizeitsportler, wie es wir, aber auch unsere Pferde sind. Ich bin deshalb (noch) etwas gnädiger mit mir selbst aber auch mit meinem Pferd geworden.

Grenzen erkennen

Jedes Lehrbuch, jeder Reitlehrer hat tausende von Tipps parat, um den Sitz zu korrigieren – dabei wird allerdings nur allzu oft die Tatsache außer Acht gelassen, dass Haltungsfehler und falsche/ungenügend ausgebildete Muskulatur nicht allein durchs Reiten korrigiert werden können. Erst durch die Trainingseinheiten im Fitness-Studio wurde mir klar, wie sehr Menschen, und sicherlich auch Pferde, dazu neigen, bei Ermüdung falsche Bewegungsmuster anzunehmen. Ermüdung ist also der schlimmste Feind des Sportlers, egal bei welcher Sportart und egal ob der Sportler vier oder zwei Beine hat. Jeder sollte diesbezüglich seine Grenzen erkennen um Übermüdung bei sich oder seinem Pferd rechtzeitig zu verhindern.

Dieser Erkenntnis trage ich nun auch in meiner Sitzschulung Rechnung - kleine Pausen bzw. „einen Gang zurück“ können wahre Wunder bewirken. Sobald ich die kleinsten Anzeichen von Ermüdung (= Verkrampfen) spüre, lege ich eine Pause ein. Je nach Tagesverfassungkann das schon nach einer halben Tour der Fall sein, weil ich zu krampfen beginne und mich in Ausgleichsbewegungen flüchte. Diese Pausen haben nicht nur einen Vorteil für mich, sondern auch für die Psyche des Pferdes – eine halbe Tour seinen Reiter geschmeidig sitzen lassen = Pause: Ich denke eine bessere Motivation für das Pferd sich losgelassen zu bewegen und seinen Reiter mit schwingendem Tücken entspannt zu tragen gibt es nicht.
Fit fürs Pferd © Pétrouche - Fotolia.com
© Pétrouche - Fotolia.com

Ohne Fleiß kein Preis

Leider muss ich auch zum aktuellen Zeitpunkt bekennen, dass sich der perfekte Sitz noch nicht eingestellt hat. Noch immer kämpfe ich mit alten Gewohnheiten und falscher Haltung, ganz besonders dann, wenn die eigene Losgelassenheit, oder die des Pferdes, zu Wünschen übrig lässt. Doch der Ausgleichssport hat mich viel beweglicher gemacht und ein neues, besseres Maß an Körperspannung zur Gewohnheit werden lassen.

Die gewonnene Beweglichkeit und die verbesserte Haltung im Alltag sind unbestritten wichtige Schritte auf dem Weg zu einem besseren Sitz. Erst jetzt, da es mir etwas leichter fällt über die gestärkte Rückenmuskulatur meinen Oberkörper aufrecht und stabil auf dem Pferd zu halten, wird auch die Zügelführung besser. Ich muss mich weniger über den Zügel ausbalancieren und nähere mich Schritt für Schritt einem echten zügelunabhängigen Sitz.

An dieser Stelle bin ich ihnen noch ein kleines Geständnis schuldig: Die von mir Anfangs so gern besuchten Pilatesstunden habe ich in der Zwischenzeit aus meinem Trainingsplan gestrichen. Irgendwann hat mir Pilates einfach keinen Spaß mehr gemacht – keine guten Voraussetzungen für ein losgelassenes Lernen neuer Bewegungen.

Nach weiteren eingehenden Studien an meiner Person und auch an einigen Reitkollegen ist mir eines ganz deutlich geworden: Unglaublich viele Reiter neigen dazu, nicht nur auf dem Pferd, sondern auch im Alltag, die Schultern und über die Nackenmuskulatur nach oben zu ziehen. Ein Fehler, der oft fatale Auswirkungen hat, da dadurch jegliche Stabilisierung und Einwirkung der Rückenmuskulatur stark behindert wird und die Ober- wie die Unterarme einen bedeutsamen Teil ihrer Beweglichkeit verlieren. Den Fehler zu erkennen ist eine Sache, ihn zu beheben eine andere, denn für jemanden, der diese Haltung sehr häufig einnimmt, ist es ungemein schwer die Schultern einfach fallen zu lassen (vor allem dann, wenn Brustmuskulatur verkürzt und die Rückenmuskulatur zu schwach ist).

Ich erspare Ihnen die detaillierten anatomischen Ausführungen zu diesem Thema, doch beobachten Sie sich im Alltag und auf dem Pferd selbst einmal: Wie steht es um Ihren Hals? Ist er auch einige Zentimeter kürzer weil Sie Ihre Schultern hoch- und nach vorne ziehen? Vor diesem Hintergrund ist „Brust raus – Bauch rein“ eigentlich viel mehr als nur ein militärischer, viel zitierter Befehl…
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