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07.12.2011

Fit fürs Pferd - Teil 5

Seit sechs Monaten hält unsere Autorin nun schon ihr Fitnessprogramm durch. Haben Laufen und die Gymnastikstunden endlich den erwünschten Durchbruch auf dem Weg zum besseren Sitz auf dem Pferd gebracht?

Mein letzter Bericht ist nun doch schon wieder eine ganze Weile her und jetzt, sechs Monate nach meinem ersten Gang ins Fitness-Studio kann ich die Frage, ob mir Gymnastik beim Erreichen eines besseren Sitzes hilft, ganz klar und ohne jegliche Umschweife mit JA beantworten!

Neues - altes Körperbewusstsein

Es ist wie es ist – die Beweglichkeit, die wir als Kinder und Jugendliche naturgegeben haben, verlieren wir spätestens mit Anfang 20. Alle jene, die wie ich die 30 schon weit hinter sich haben, mögen mir verzeihen, aber die Meisten in unserem Alter haben die Beweglichkeit eines Bügelbretts und da und dort schon so manches „Zwicken“.
Lohnt sich die Schufterei im Fitnesscenter? Unsere Autorin ist der Meinung: Ja! © Sonya Etchison - fotolia.com
Lohnt sich die Schufterei im Fitnesscenter? Unsere Autorin ist der Meinung: Ja!
© Sonya Etchison - fotolia.com
In den letzten Wochen habe ich immer wieder an meine Schulzeit denken müssen; Kopfstand, Handstand, Rad, Hürdenlauf, Weitspringen, und dergleichen waren für mich damals kein Problem. Heute? Ich mag mir gar nicht vorstellen, was alles passiert, wenn ich zu einem Handstand ansetzen würde.

Gut, all diese Dinge sind nicht relevant für den korrekten Sitz auf dem Pferd, sie sind aber wohl bezeichnend für die gestörte Motorik und das verloren gegangene Balancegefühl. Und kontrollierte Bewegung sowie Balance sind wichtige Voraussetzungen für einen guten Sitz auf dem Pferderücken!

Genau diese zwei wesentlichen Bausteine erhalte ich jetzt peu a peu wieder zurück. 15 Jahre nur Fingergymnastik am Computer und Schlampigkeit auf dem Pferd können natürlich nicht in fünf Monaten zu 100 Prozent korrigiert werden, aber sie sind ein Anfang.

Knieschluss?

Der Knieschluss ist schon seit längerem umstritten, wenn nicht gar verpönt. In vielen Lehrbüchern lesen wir, dass der Knieschluss eigentlich den Springreitern vorbehalten sein sollte – sie sind die einzigen, die in wirklich brauchen: über einem Sprung. Wohin jetzt mit den Knien? An den Sattel, aber ohne mittels der Adduktoren (innere Oberschenkelmuskel) das Knie an den Sattel zu pressen. Was dann passiert ist auch kein Geheimnis – der Reiter klemmt, hebt sich dadurch aus dem Sattel und blockiert Hüftgelenk, Kniegelenk und Sprunggelenk.

Nun, so schlau war ich auch schon vor meiner neuen sportlichen Karriere. Nur war mir nicht klar, wie ich das Knie an den Sattel bekomme OHNE zu klemmen. Wie kann ich „das Bein lang machen“ ohne schwer in den Steigbügel zu treten? Die Antwort: durch den richtigen Einsatz meiner Muskeln – so einfach ist das! Muskeln, die ich durch „Bodywork“ und Laufen wieder entdeckt habe und die ich nun bewusst einsetzen kann. Die Adduktoren, Schienbeinmuskulatur, Wadenmuskulatur, Oberschenkelmuskulatur, Gesäßmuskulatur und Rückenmuskulatur im richtigen Zusammenspiel (Strecker – Beuger) sind das Rezept zum richtigen Sitz. Klemmen ist das Arsen in diesem Gericht und darf nie mit Körperspannung verwechselt werden.

Zwerchfell oder Brustkorb?

Können Sie sich noch an Ihren Biologieunterricht erinnern? Als menschliche Anatomie gelehrt wurde? Der Mensch hat zwei Möglichkeiten seine Lungen mit Luft zu füllen – über die Dehnung des Brustkorbes und über die so genannte Zwerchfellatmung, bei der sich das Zwerchfell zusammen zieht und so die Luft in die Lungen kommt. Welche Atmung ist beim Reiten die Richtige?

So wie ich die Dinge sehe, spielt die Zwerchfellatmung eine zentrale Rolle beim Reiten. Während eine flache Atmung, die sich nur auf den Brustkorb erstreckt,  häufig einen eingeschränkten Gebrauch des Körpers zur Folge haben kann, ist eine tiefe Atmung, die sich bis ins Becken hineinzieht in der Lage Verspannungen zu lösen. Körper und Geist entspannen sich und lassen eine bessere Haltung und eine feinere Hilfengebung zu. All das nimmt direkt positiven Einfluss auf das Pferd.
Machen Sie einen Test: Halten Sie bewusst die Luft an und beobachten Sie die Reaktion Ihres Pferdes. Hält ihr Pferd vielleicht auch die Luft an und verspannt sich? Blockieren Sie vielleicht ihren ganzen Körper dadurch und können der Bewegung des Pferdes nicht mehr folgen?

Reiten, reiten, reiten ...

.. ist die einzige Möglichkeit, um reiten zu lernen. Alles Laufen und Bodywork nützt nichts, wenn ich mich nicht konzentriert und fokussiert auf den Sitz aufs Pferd setze. Doch das Training hilft bei meinem Kampf gegen alte Bewegungsmuster und löst meine „Klemmer“. Durch dieses bewusste lösen und einfache „nur sitzen“ habe ich sogar meinen inneren Schweinehund überwunden und wieder mit dem Springen begonnen. Ein Meilenstein in meiner persönlichen Entwicklung, da ich durch meinen schlechten Sitz einige unangenehme Erfahrungen dabei gesammelt habe. Und da ich es nun schaffe mein Pferd und mich über dem Hindernis nicht zu blockieren, gelingen geschmeidige und harmonische Sprünge, die mir und meinem Pferd richtig Spaß machen.

Noch bin ich meilenweit von einem perfekten Sitz entfernt, doch ich bin mir sicher am richtigen Weg zu sein. Kein unangenehmer Nebeneffekt, ich fühle mich rund um wohler und bin sicher auch um das eine oder andere Kilogramm leichter geworden, was meiner Stute sicher auch nicht unangenehm ist.
Servus TV AD bis 07.12.2017