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25.02.2016

Fohlengeburt: Anzeichen für baldiges Abfohlen

Fohlen halten sich bei ihrem ersten großen Auftritt selten an akribisch berechnete Termine. Umso wichtiger ist es, die Anzeichen für eine bevorstehende Geburt zu kennen und richtig deuten zu können.

Geschafft: Mutter und Fohlen sind wohl auf. © Nadine Hase - fotolia.com
Geschafft: Mutter und Fohlen sind wohl auf.
© Nadine Hase - fotolia.com
Elf Monate - eine schier endlose Zeit. Lange passiert nichts, dann geht alles sehr schnell. Und die wochenlange Vorbereitung auf genau den Moment, an dem das kleine Lebewesen seinen großen Auftritt hat, gerät angesichts der Tatsache, dass sich die Stute an überhaupt keinen Plan zu halten scheint, zur Makulatur.

320 bis 360 Tage oder mehr kann es dauern, bis der Wunsch, ein Fohlen aus der eigenen Stute zu erhalten, Realität geworden ist. In der letzten Phase der Trächtigkeit bedeutet das für den Besitzer vor allem eines: schlaflose Nächte. Schließlich will man nichts verpassen – nein, sollte nichts verpassen. Denn gerade am Beginn des Pferdelebens zählt jede Minute.

Dabeisein ist alles

Zu den wichtigsten Maßnahmen rund um die Pferdegeburt zählt die Anwesenheit des Pferdebesitzers oder einer anderen fachkundigen Person. Bei einem Fenster von über 40 Tagen und Nächten, in denen sich die Geburt ereignen kann, sind gute Organisation und gute Freunde, die zur Not auch einmal einen Nachtdienst übernehmen, gefragt.

Doch die Stute liefert dem aufmerksamen Beobachter eine Vielzahl von Hinweisen, um auf die bevorstehende Geburt aufmerksam zu machen:
  • Eines der ersten Zeichen, dass die Geburt naht, ist das Anschwellen des Euters. Bereits einige Tage vor dem Abfohlen nimmt das Euter der Stute deutlich an Umfang zu.  
  • Etwa drei Wochen vor der Ankunft des Fohlens fallen die Beckenbänder ein – der Bauch der Stute erscheint dann besonders hängend. Dieser Vorgang geschieht allmählich und soll dem Nachwuchs den Austritt durch den Geburtskanal erleichtern.
  • Später werden an den Zitzen sogenannte „Harztröpfchen“ sichtbar. Dabei handelt es sich um eingetrocknetes Vorkolostrum. Das harzen kann 12 bis 36 Stunden vor dem Abfohlen eintreten, aber auch schon eine oder zwei Wochen früher. Manche Stuten zeigen hingegen gar keine Harztröpfchen.
  • 12 bis 48 Stunden vor dem großen Augenblick entspannt sich die Muskulatur rund um die Vulvaspalte als Vorbereitung auf die Geburt. Sie zeigt leichte Fältchen und wirkt langgezogen.
  • Verliert die Stute tröpfchenweise Milch oder geht sie gar in einem Strahl ab, dauert es in der Regel nur noch wenige Stunden bis zur Geburt. Sondert die Stute ungewöhnlich große Mengen ab, sollte die Milch unbedingt aufgefangen und eingefroren werden, damit sie dem Neugeborenen später mit der Flasche verabreicht werden kann. Die als Kolostrum oder Biestmilch bezeichnete Flüssigkeit ist besonders antikörperreich und mitentscheidend für einen guten Start ins Leben.
  • Gegen Ende der Trächtigkeit macht sich bei den meisten Stuten eine zunehmende Unruhe bemerkbar. Aufgeregtes Umhergehen, Scharren und Blicke zum eigenen Bauch sind nicht nur Anzeichen für eine Kolik, sie können auch darauf hinweisen, dass es langsam ernst wird.
  • Mit dem Einsetzen der ersten Wehen beginnt die Eröffnungsphase: Immer wieder legt sich die Stute hin und steht wieder auf. Nun beginnen die meisten Pferdemütter auch zu Schwitzen, insbesondere am Hals und an den Flanken. Mit zunehmendem Fortschritt der Geburt kann sich der Schweiß auf dem gesamten Körper der Stute ausbreiten
Wer sich mit ZüchterInnen über die Anzeichen der bevorstehenden Geburt unterhält, wird feststellen, dass jede Stute in dieser Hinsicht unterschiedlich ist und auch die erfahrensten Pferdeleute noch von Fohlen überrascht werden, die sich ohne offensichtliche Vorankündigung ihren Weg nach draußen gebahnt haben.

Auf Nummer sicher

Damit man auch wirklich nichts verpasst, gibt es verschiedene Systeme zur Geburtenüberwachung. Sie alle haben aber eines gemeinsam: Sie sind nicht fehlerfrei und können ein regelmäßiges Kontrollieren und aufmerksames Beobachten der Stute nicht ersetzen.

Wer auf Nummer Sicher gehen will, kann seine Stute wenige Wochen vor der Geburt in einem Zuchtbetrieb einstellen, wo die Infrastruktur für eine lückenlose Überwachung gegeben ist. Stutenbesitzer, die in Pensionsställen eingemietet sind, nehmen hierfür gerne auch die Dienste der Veterinärmedizinischen Universität in Wien in Anspruch: Etwa 50 Fohlen kommen jährlich auf der Uni zur Welt – überwacht vom aufmerksamsten aller Systeme: StudentInnen der Veterinärmedizin und TierärztInnen.

Sobald das Fohlen in den Geburtskanal eingetreten ist – d. h. die Vulva der Stute öffnet sich und der Fruchtsack ist bereits erkennbar – sollte alles sehr rasch gehen. „Innerhalb von 20 Minuten sollte das Fohlen draußen sein. Sobald man merkt, dass etwas klemmt, dass etwa nur ein Vorderbein herausschaut oder dass die Stute unruhig wird und Schmerzen zeigt, sollte umgehend der Tierarzt verständigt werden“, erklärt Univ. Prof. Dr. Christine Aurich, Fachtierärztin für Gynäkologie an der VetmedUni Vienna und selbst passionierte Züchterin Aurich, die es bedauert, dass viel zu oft „einfach mal abgewartet wird. Darüber kann man diskutieren, wenn das Pferd leicht lahmt, bei einer Geburt darf man aber keine Zeit verlieren. Wenn der Tierarzt zu spät geholt wird, kann das für Stute und Fohlen böse enden." Doch dieses Horrorszenario für jeden Züchter ist zum Glück relativ selten der Fall. 95 Prozent der Fohlengeburten verlaufen - sofern die richtigen Vorbereitungen getroffen wurden - komplikationslos.
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