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09.08.2016

Frankreich und Jung holen Gold

Die Vielseitigkeit in Rio ist entschieden: Frankreich gewinnt Gold mit der Mannschaft, in der Einzelwertung ist wieder einmal der Deutsche Michael Jung auf Sam eine Klasse für sich.

Mr. Vielseitigkeit Michael Jung holt Gold und Silber. © Tomas Holcbecher
Mr. Vielseitigkeit Michael Jung holt Gold und Silber.
© Tomas Holcbecher
46 Pferde wurden von den Tierärzten nach dem Morgencheck als „fit to compete“ beurteilt und durften nach den Anstrengungen der Geländestrecke auch das abschließende alles entscheidende Springen in Angriff nehmen. Bei drei Teilnehmern bestanden zwar ursprünglich Zweifel, sie wurden aber bei der Re-Inspektion durchgelassen. Zwei Pferde (aus Schweden und Japan), die nach Cross Country noch im Bewerb waren, wurden erst gar nicht präsentiert.
Die Überraschungs-Olympiasieger Frankreich! © Tomas Holcbecher
Die Überraschungs-Olympiasieger Frankreich!
© Tomas Holcbecher
Nach der ersten Hälfte der Mannschaftsentscheidung hatte sich das Feld der Medaillenkandidaten ganz dicht zusammengeschoben. Frankreich führte nun knapp vor Neuseeland, Spitzenreiter Australien rutschte auf Rang 3. Durch die Nullrunde der Weltmeisterin Sandra Auffahrt schnupperte jetzt auch Deutschland wieder an Edelmetall. Einen Publikumsliebling gab es auch: den Brasilianer Ruy Fonseca, der nach einem Sturz im Sand lag, flugs aufstand, die herabgefallene Stange aufhob und sie in die Auflage legte. Riesenapplaus des Publikums für die Unterstützung der Parcoursmannschaft!
Ein Stilist in jeder Disziplin: Michael Jung und Sam. © Tomas Holcbecher
Ein Stilist in jeder Disziplin: Michael Jung und Sam.
© Tomas Holcbecher
Aber dann war Schluss mit lustig! Die nächste Runde brachte erneut einen Führungswechsel, als Neuseeland auf Goldposition lag. Australien schob sich wieder auf Platz 2 vor und Frankreich war Dritter. Aber auch Ingrid Klimke gelang ein souveräner Nuller und hielt Deutschland in Schlagdistanz. Dann der Showdown der letzten vier Reiter, den Michael Jung mit seinem unverwüstlichen Sam eröffnete. Ein drittes Mal Null für die deutsche Mannschaft, der Druck lag jetzt auf den Teilnehmern der Medaillenränge. Astier Nicolas hatte seine Nerven in Zaum und sein Piaf de B’Neville agierte fehlerfrei, damit war den Franzosen vorerst eine Medaille sicher.
Kam noch zu Bronze: Der US-Amerikaner Phillip Dutton auf Mighty Nice. © Tomas Holcbecher
Kam noch zu Bronze: Der US-Amerikaner Phillip Dutton auf Mighty Nice.
© Tomas Holcbecher
Als Mark Todd mit Leonidas einritt, drückten die sentimentalen Vielseitigkeits-Fans dem Neuseeländer alle Daumen. Aber es fiel Stange um Stange, 16 Punkte, vorbei der Traum von einer Medaille. Nun lag alles am Spitzenreiter der Einzelwertung Christopher Burton. Doch dessen noch unroutinierter Santano II kam ebenfalls nicht ungeschoren davon: 8 Fehlerpunkte, aber Australien hatte noch Bronze geholt. Jubel hingegen bei den Franzosen Karim Laghouag, Thibaut Vallette, Mathieu Lemoine und Astier Nicolas, die ebenso wie die doch enttäuschenden Briten keinen Totalausfall verzeichnen mussten und nach 2004 wieder zu Gold kamen! Das deutsche Quartett durfte sich noch über Silber freuen. Für sie war es ein versöhnlicher Abschluss nach Problemen in Dressur und Gelände: „Besser Silber zu gewinnen, als Gold zu verlieren!“
In der Einzelentscheidung ging es dann für die 25 Besten nochmals über neun Hindernisse. Und da bewies Ausnahmetalent Michael Jung einmal mehr, dass er der Beste seines Faches ist. Hochkonzentriert gelang ihm einer von sieben fehlerfreien Finalritten, mit klarem Vorsprung verwies er Astier Nicolas auf den zweiten Platz. Der Amerikaner Phillip Dutton, dessen Mighty Nice beim Vet-Check nicht ganz rein trabte und auch sonst schon sehr müde wirkte, kam dahinter zu Bronze.
Nach den eher publikums- und pferdefreundlichen Parcours der Olympischen Spiele von Athen, Hong Kong und London stellte sowohl die Vielseitigkeitsstrecke als auch die Springprüfung enorme physische und psychische Anforderungen an Pferd und Reiter. Die einzige Mannschaft, die im Gelände unbeeindruckt blieb, war die französische. Und das überrascht nur wenig, hieß der Parcoursbauer doch Pierre Michelet und der kommt aus - Frankreich. Bei den Reitern ist er kein unbeschriebenes Blatt, zeichnete er doch schon bei den Weltreiterspielen in Caen vor zwei Jahren für den damals ebenfalls grenzwertigen Parcours verantwortlich.
Für Vici Max-Theurer kommt der Tag X immer näher. Es stand nur Training im überdachten Viereck am Programm, da es schon ziemlich heiß wurde. Zur Zerstreuung ging es ins Reitstadion zur Entscheidung in der Vielseitigkeit. Startzeit für Della Cavalleria ist am zweiten Tag (Donnerstag) um 11.45 (Rio-Zeit) bzw. 16.45 (Österreich-Zeit).

Stimmen des Publikums

Schwierig und anspruchsvoll verlief der Cross-Country-Tag für Reiter und Pferde, easy und relaxed hingegen für die (nicht sehr zahlreichen) Besucher. Man war nämlich weit davon entfernt die Zuschauerzahlen von London zu erreichen. Entsprechend locker konnte man durch das hügelige Gelände schlendern. Das bot mir die Gelegenheit einmal die Meinung des Publikums einzuholen. Meinungsbefragungen sind ja nach den letzten Flops bei Wahlen ein wenig in Verruf geraten, weswegen diese sicherlich keine repräsentative Schlussfolgerung erlaubt. aAer es ist schon interessant zu erfahren, wie jemand, der einen nicht gerade preisgünstigen Olympiatrip gebucht hat, über dieses Ereignis denkt.
Idyllisch gelegene Cross-Country-Strecke sah nur wenige Besucher. © Ernst Kopica
Idyllisch gelegene Cross-Country-Strecke sah nur wenige Besucher.
© Ernst Kopica
Den Anfang mache ich mit einer Schweizer Reisegruppe, die vorwiegend für die Pferdebewerbe hergekommen war und ihre beiden Vielseitigkeitsreiter Ben und Felix Vogg anfeuerten. Sie zeigten sich von den Spielen einhellig begeistert: „Heute ist es natürlich besonders interessant, die Vielseitigkeit ist unsere Disziplin. Wir konnten auf einer Stadtrundfahrt auch schon Rio erkunden, es gefällt uns einfach. Wir merken aber leider, wenn wir die Berichte in den Medien und im Internet aus der Schweiz und Deutschland lesen, dass die Stimmung viel kritischer beschrieben wird, als wir es hier erleben.“ Ich konnte es mir nicht verkneifen, dass es auf unserer Homepage eine ausgewogenere Berichterstattung gibt – ein paar Leser dazugewonnen!
Schweizer Fans feuerten ihre Gebrüder Vogg an. © Ernst Kopica
Schweizer Fans feuerten ihre Gebrüder Vogg an.
© Ernst Kopica
Eine deutsche Touristin sieht die Sache ebenso positiv, aber mischt aber doch ein wenig Kritik darunter: „Ich bin nur für die Pferdebewerbe hier. Und zwar mit einer geführten Reise, welche die Deutsche Reiterliche Vereinigung organisiert hat. Wir haben in der Vorberichterstattung in Sachen Sicherheit so viele negative Stimmen gehört und es wurde uns empfohlen nicht raus zu gehen. Aber die hohe militärische und polizeiliche Präsenz vermittelt mir ein ziemlich hohes Sicherheitsgefühl. Rio mal live zu sehen gefällt mir unglaublich gut. Allein diese Stadt in der Bucht mit den Hügeln finde ich wunderschön. Über die Spiele selber kann ich nur hinsichtlich der Reitbewerbe sprechen und da muss ich es deutlich sagen: Wie es halt häufig bei solchen Pferdeereignissen ist wird auf die Bedürfnisse der Besucher zu wenig eingegangen. Die vielen Helfer sind bemüht und nett, sprechen aber kaum deutsch oder englisch und sind leider wenig effektiv. Die Verpflegungssituation im Stadion war in der Hitze bei den Dressurbewerben einfach schlecht: Es gab kaum zu essen und zu trinken, selber darf man ja nichts mitnehmen. In den S-Bahnen gibt es tausende fliegende Händler, welche die Leute wunderbar verpflegen, aber im Stadion selber kriegst du nichts. Das führte auch schon dazu, dass eine Dame von uns mit einem Kreislaufproblem umgekippt ist. Ansonsten sind aber alle freundlich und locker. Der Vielseitigkeitskurs ist schön aufgebaut, für mich ist es toll, dass nicht so viele Leute hier sind und man gut zugucken kann. Ich bereue es jedenfalls nicht hergekommen zu sein.“
Die herrliche Umgebung konnten die Reiter nicht genießen. © Ernst Kopica
Die herrliche Umgebung konnten die Reiter nicht genießen.
© Ernst Kopica
Und auch einen jungen Brasilianer fragte ich über seine Meinung bezüglich der Olympischen Spiele im Allgemeinen und über die Pferdesportbewerbe in Deodoro im Besonderen: „Ich habe zu diesen Themen zwei unterschiedliche Meinungen. Als brasilianischer Student finde ich, dass die Olympischen Spiele in unserem Land eine gewisse Geldverschwendung sind, es geht ja auch immer um die Kosten. Generell haben wir in den internationalen Medien meist nur schlechte Schlagzeilen. Ich muss auch sagen, es sind Spiele des Ausschlusses. Es sind keine Spiele, die wirklich der Stadt nützen, es sind Spiele für die Mittelklasse und für die Eliten des Landes. Aber wenn es um die Pferdesportbewerbe hier geht, die ich eben besuche, dann meine ich, dass alles gut funktioniert. Die Spiele sind jetzt da und wir machen das Beste daraus und wir unterhalten uns einfach.“
Ja, so unterschiedlich sind die Meinungen!
Amerikanisch-brasilianische Freundschaft am Rande der Strecke. © Ernst Kopica
Amerikanisch-brasilianische Freundschaft am Rande der Strecke.
© Ernst Kopica
© Ernst Kopica
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