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14.10.2015

Gekocht, geschrotet oder unbehandelt? Leinsamen richtig füttern

Egal ob im Fellwechsel, bei Magenproblemen oder zum Aufpäppeln - Leinsamen ist in der Pferdefütterung ein beliebtes Zusatzfutter, das mit einer langen Liste positiver Eigenschaften aufwarten kann. Doch wie groß ist das Risiko, das von der enthaltenen Blausäure ausgeht? Und wie verabreicht man ihn am besten? Dazu gibt es geteilte Ansichten.

Leinsamen ist vor allem in der Fellwechselzeit ein beliebtes Zusatzfutter für Pferde. © anetlanda - fotolia.com
Leinsamen ist vor allem in der Fellwechselzeit ein beliebtes Zusatzfutter für Pferde.
© anetlanda - fotolia.com
Zumindest in einem Punkt sind sich alle einig: Leinsamen gehört definitiv in die Kategorie Superfood. Die kleinen, meist braunen Samen des Flachses sind vollgepackt mit positiven Inhaltsstoffen, die sich günstig auf die Verdauung, Haut und Haar, das Immunsystem sowie den Blutzuckerspiegel auswirken. Vor allem der hohe Anteil an wertvollen Omega-3-Fettsäuren hat Leinsamen den Ruf als wahres Wundermittel eingebracht. Leinöl besteht zu rund 58 %  aus Omega-3-Fettsäuren. Das macht pro Teelöffel 2,6 g des essentiellen Stoffes, dessen wichtigster Bestandteil wiederum Alpha-Linolensäure ist. Die dreifach ungesättigte Fettsäure neutralisiert Arachidonsäure – ein Auslöser vieler Entzündungsprozesse im Körper  nachweislich, wie zahlreiche Studien belegen.

Doch auch abseits von Omega-3 hat Leinsamen viel zu bieten. Seine in großer Menge enthaltenen Schleimstoffe überziehen die Schleimhaut von Magen und Darm mit einem schützenden Film. Eine Eigenschaft, die sich nicht nur positiv auf Probleme in diesem Bereich (z.B. Magengeschwüren, etc.) auswirkt, sondern auch die Nährstoffaufnahme begünstigen kann. Unabhängig davon ist Leinsamen reich an Eiweiß, den Vitaminen B1, B2, B6 und E sowie Selen, Nicotin-, Fol- und Pantothensäure. All diese Eigenschaften machen die Ölsaat zum beliebten Ergänzungsfutter im Fellwechsel, einer Zeit, in der der Pferdeorganismus auf Hochtouren läuft um ein neues Haarkleid zu bilden.

Problemstoff Blausäure

So einig man sich hinsichtlich der positiven Eigenschaften von Leinsamen ist, so groß ist die Uneinigkeit, wenn es darum geht, in welcher Form man die Ölsaat denn nun am besten ins Pferd bekommt. Grund für die unterschiedlichen Ansichten ist der Gehalt an cyanogenen Glukosiden. Diese Blausäure-Vorstufen werden im Körper durch das Enzym Linase in ihre Bestandteile gespalten. Bei dieser Reaktion wird giftige Blausäure freigesetzt. Vielfach wird deshalb empfohlen, Leinsamen vor dem Verfüttern für mindestens 10 Minuten zu kochen um die Linase zu inaktivieren und damit eine stoßweise Freisetzung von Blausäure im Darmkanal zu verhindern. Weil Omega-3-Fettsäuren hitzeempfindlich sind, wird bei diesem Vorgang allerdings auch ein großer Teil der positiven Eigenschaften des Leinsamens ruiniert.
Gelber Leinsamen enthält weniger blausäurehaltige Glukoside, ist allerdings auch nicht so reich an wertvollen Omega-3-Fettsäuren. © Brian Daly - fotolia.com
Gelber Leinsamen enthält weniger blausäurehaltige Glukoside, ist allerdings auch nicht so reich an wertvollen Omega-3-Fettsäuren.
© Brian Daly - fotolia.com

Die Dosis macht das Gift

Cyanogene Glucoside sind in vielen Nahrungspflanzen enthalten – ein Grund, warum der Körper von Mensch und Tier im Laufe der Evolution durchaus gelernt hat, damit umzugehen. Die aus den cyanogenen Glucosiden freigesetzte Blausäure wird im Körper zu Rhodanid entgiftet und anschließend über den Harn ausgeschieden. Die Gefahr einer schädlichen Wirkung besteht nur dann, wenn entweder die Entgiftung des Körpers nicht mehr ausreichend funktioniert oder solche Massen des Toxins aufgenommen werden, dass der Körper mit der Umwandlung nicht mehr fertig wird.

Im Leinsamen ist die Konzentration an cyanogenen Glucosiden höher, als in vielen anderen Nahrungspflanzen, dennoch sei das Risiko einer schädlichen Wirkung nach Meinung internationaler Experten wie der britischen Ernährungswissenschaftlerin Dr. Clair Thunes gering. Schon der deutsche Pferdefütterungs-Papst Prof. Dr. Dr. Helmut Meyer führte in seinem 1995 veröffentlichten Standardwerk „Pferdefütterung“ aus, dass zumindest eine tägliche Aufnahme von 100 bis 120 g der Ölsaat im Rohzustand für Pferde völlig unbedenklich sei. Doch auch Mengen, die in Maßen darüber hinausgehen, stellen laut Thunes keine Gefahr dar. In einem Gramm Leinsamen befinden sich durchschnittlich etwa 0,2 mg Blausäure. Nimmt man die letale, also tödliche Menge beim Menschen als Maßstab, müsste ein 500 kg schweres Pferd schon zwischen zweieinhalb und fünf Kilogramm Leinsamen fressen um sich ernsthaft zu vergiften. In der Praxis sind derartige Mengen völlig utopisch, zumal selten mehr als 200 g der Ölsaat verabreicht werden. Eine potenzielle Vergiftungsmöglichkeit mit in Leinsamen enthaltener Blausäure sei zudem schon alleine deshalb nicht gegeben, weil das für die Glykosidspaltung verantwortliche Enzym Linamerase durch die Magensäure unschädlich gemacht würde, führt Fütterungsexpertin Thunes in einem Fachbeitrag aus.

Auf Nummer sicher

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann Mengen, die über 120 g täglich hinausgehen, vor dem Verfüttern kurz abkochen – muss sich dabei aber auch im Klaren darüber sein die positiven Eigenschaften der enthaltenen Omega-3-Fettsäuren möglicherweise zu zerstören. Roh sollte Leinsamen stets gequetscht oder geschrotet verabreicht werden, damit die wertvollen Inhaltsstoffe überhaupt aufgenommen werden können – am besten unmittelbar vor dem Füttern, damit sie nicht durch Oxidation verloren gehen.
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