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19.10.2015

Genetik der Stute beeinflusst Trächtigkeit und Geschlecht der Nachkommen

Auch wenn es meist die Hengste sind, die züchterisch für Furore sorgen – welches Geschlecht ein Fohlen hat und wie lange die Trächtigkeit dauert hängt vielfach von der Mutterstute ab.

Fohlen Geburt © Nadine Hase - fotolia.com
© Nadine Hase - fotolia.com
Das fanden Juliane Kuhl und Christine Aurich von der Veterinärmedizinischen Universität Wien im Rahmen einer Studie am Graf-Lehndorff-Institut für Pferdewissenschaften heraus. Sie untersuchten, wie sehr der mütterliche Stammbaum die Trächtigkeit und die Merkmale der Fohlen mitbestimmt. Gemeinsam mit der Statistikerin Kathrin Stock vom landwirtschaftlichen Rechenzentrum VIT in Deutschland wurden die Daten von insgesamt 640 Trächtigkeiten bei 142 Stuten aus.

Mütterliche Abstammung beeinflusst Trächtigkeitsdauer

Die Zuchtstuten ließen sich in verschieden große Mutterfamilien einteilen. Dabei zeigte sich, dass die durchschnittliche Trächtigkeitsdauer, die bei Pferden zwischen 320 und 360 Tagen liegt, von Familie zu Familie variiert. Es gibt Mutterlinien, die im Schnitt zehn Tage länger tragen als andere. Stutfohlen haben es im Übrigen deutlich eiliger, auf die Welt zu kommen. Wie die Auswertung der Ergebnisse zeigte, ziert sich der männliche Nachwuchs mit dem Auszug aus dem „Hotel Mama“ und wird in der Regel auch länger ausgetragen.

Der genaue Geburtszeitpunkt ließe sich anhand der erhobenen Daten zwar nicht vorhersagen, dafür seien die individuellen Schwankungen zwischen den einzelnen Trächtig zu groß, so Erstautorin Juliane Kuhl, dennoch könnten die Informationen aus der Studie helfen den Zeitpunkt besser einzugrenzen. „Die Tragzeit ist auch für Pferdezuchtbetriebe interessant. Eine Zuchtstute soll idealerweise jedes Jahr ein Fohlen gebären. Bei besonders langen Tragezeiten verschiebt sich die Geburt eines neuen Fohlens jedes Jahr zeitlich nach hinten. Für Zuchtbetriebe sind Geburten zu Beginn des Jahres interessant, da die Tiere dann in ihrem Jahrgang bei Wettkämpfen besser konkurrieren können“, erklärt Kuhl.

Der mütterliche Stammbaum beeinflusst Geschlechterverteilung der Fohlen

Und noch ein interessantes Detail brachte die Studie ans Licht. Anscheinend gibt es Mutterlinien, die eher weibliche Fohlen gebären als Hengstfohlen. Dabei spielt auch das Alter der Mütter eine Rolle. Junge Stuten, die im Alter von drei Jahren zum ersten Mal belegt werden, gebären vermehrt Stutfohlen. Genauso gebären auch ältere Stuten vermehrt weibliche Nachkommen. Bei Fohlen von Stuten mittleren Alters, also zwischen vier und zwölf Jahren, war das Geschlechterverhältnis hingegen nahezu ausgewogen. Eine wichtige Erkenntnis, wie Kuhl findet: „Für die Pferdezucht sind auch diese Ergebnisse von Bedeutung. Je nachdem, welches Geschlecht gerade gewünscht ist, kann auch die entsprechende Stute ausgesucht werden.“

Der Mechanismus, der hinter diesem Phänomen steckt, ist den Forschenden allerdings noch unklar. „Wir vermuten, dass diese Effekte auf die mitochondriale DNA zurückzuführen sind. Diese, nur von der Mutter vererbte DNA, kann beispielsweise den Zellstoffwechsel und damit auch die Plazentafunktion beeinflussen“, mutmaßt Studienleiterin Christine Aurich. „Wir wissen auch, dass weibliche Embryonen widerstandsfähiger sind. Da während der frühen Trächtigkeit etwa 20 bis 30 Prozent der Embryonen absterben, könnte es auch sein, dass es eher die männlichen Embryonen sind, die seltener überleben. Hier könnten beispielsweise die Gründe für die Geschlechterverteilung liegen. Es könnten aber auch Unterschiede in der Plazentafunktion sein, die das Überleben der Embryonen beeinflussen“, so Aurich.

Der wissenschaftliche Artikel “Maternal Lineage of Warmblood Mares Contributes to Variation of Gestation Length and Bias of Foal Sex Ratio” von Juliane Kuhl, K. F. Stock, M. Wulf und Christine Aurich wurde im Fachjournal PLOS ONE veröffentlicht.

Quelle
 
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