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18.09.2017

Gewerbeordnung neu: Hufschmiede rufen zum Protest auf

In knapp einem Monat gehört das Teilgewerbe Hufschmied endgültig der Geschichte an. Ab diesem Zeitpunkt ist jeder, der einen Hammer halten kann, berechtigt, ein Pferd zu beschlagen – egal, ob er es gelernt hat, oder nicht. Dagegen wollen sich die Hufschmiede nun zur Wehr setzen.

Österreichs Hufschmiede fordern den Huf- und Klauenbeschlag als reglementiertes Gewerbe einzuführen. © Hannes Hofer
Österreichs Hufschmiede fordern den Huf- und Klauenbeschlag als reglementiertes Gewerbe einzuführen.
© Hannes Hofer
In einer Online-Petition ruft der österreichische Hufschmiede Verband zusammen mit der Bundesinnung der Metalltechniker, dem Österreichischen Pferdesportverband, den Österreichischen Pferdefachtierärzten, der Tierärztekammer und der Veterinärmedizinischen Universität zum Protest gegen die völlige Öffnung des als Huf- und Klauenbeschlag bekannten Berufs.

Dieser hätte im Zuge der Gewerbereform vom Teil- in ein Regelgewerbe umgewandelt werden sollen – eine Änderung, für die sich der Hufschmiedeverband schon seit Jahren einsetzt. Doch dazu kam es nicht. Stattdessen wurde aus Sicht der Hufschmiede das Worst-Case-Szenario Realität: die völlige Öffnung des Berufs hin zum freien Gewerbe.

Wer ein solches ausüben will, benötigt keinerlei Qualifikationsnachweis. Das mag für die „Durchführung von einfachen Gartenarbeiten“ oder die „Erstellung von Horoskopen“ auch nicht zwingend nötig sein. Wenn es aber darum geht, am Huf eines Pferdes zu arbeiten, drängt sich die Frage auf, ob man hier auf Seiten der Regierung nicht vorschnell gehandelt hat. „Der Hufschmied bearbeitet ein glühendes Stück Metall so, dass es den Pferdehuf perfekt in seiner Funktion unterstützt und schützt. Handelt es sich um einen kranken Huf, ist noch mehr Expertenwissen gefragt. Wie entferne bzw. bearbeite ich kranke Hufabschnitte, wie passe ich den Stahl an die dadurch geänderten biomechanischen Bedingungen an? Dann ist es medizinisches Kunsthandwerk, wodurch der Patient Pferd wieder ins Leben zurückfinden, oder sein Comeback im Sport geben kann. Die Befestigung der Hufeisen erfolgt durch Hufnägel, welche in geringstem Abstand zu durchblutetem Gewebe und Knochen durch das Hufhorn geschlagen werden. All das soll in Zukunft keine Ausbildung mehr benötigen? Es ist unverantwortlich und tierschutzrelevant, Menschen ohne fundierte Ausbildung eine solch wertvolle und wichtige Arbeit machen zu lassen!“, ist man im Verband der Hufschmiede überzeugt.

Mit dieser Einschätzung stehen die Hufschmiede nicht alleine da. „Für eine fachgerechte Huf- und Klauenbearbeitung ist ein umfangreiches Wissen aus den Bereichen Anatomie und Physiologie unbedingt notwendig. In der orthopädischen Behandlung von Pferden ist der Hufschmied für den behandelnden Tierarzt ein wichtiger Partner, ohne den in vielen Fällen keine erfolgreiche Therapie mit dem Ziel der Schmerzlinderung und Lahmheitsfreiheit erreicht werden kann.“, heißt es aus der Österreichischen Tierärztekammer.

Doch auch wenn die Bedenken der Experten groß sind - zumindest bislang bleiben sie unberücksichtigt. Grund für die Hufschmiede, aktiv zu werden. In einer am Sonntag lancierten Online-Petition fordern sie die Parteien im Österreichischen Parlament auf, den Beruf Huf- und Klauenbeschlag als Gewerbe mit entsprechendem Qualifikationsnachweis einzuführen.

Wer die Petition unterstützen will, kann das hier tun.

ps