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21.03.2016

Große Freude am kleinen Sprung

Springgymnastik ist abwechslungsreich, wertvoll und ein wichtiger Baustein in der Ausbildung von Pferden. Die staatlich geprüften Reitlehrer Andrea Kerssenbrock und Armin Krenn beschreiben, warum kein Reiter darauf verzichten sollte.

Mit Bodenstangen lassen sich Takt und Gleichgewicht festigen – zudem stärkt dieses Training die Hinterhand und Rückenmuskulatur. © www.slawik.com
Mit Bodenstangen lassen sich Takt und Gleichgewicht festigen – zudem stärkt dieses Training die Hinterhand und Rückenmuskulatur.
© www.slawik.com
Eine komplexe und vielseitige Grundausbildung ist nicht nur die Basis für eine spätere Spezialisierung auf eine Disziplin, sie bringt vor allem Abwechslung in den Ausbildungsalltag des Pferdes und seines Reiters. Eine regelmäßige Springschulung erweitert zudem den reiterlichen Horizont und kann auch zur Verbesserung der Balance des Reiters beitragen – beispielgebend sind jene DressurreiterInnen, die souverän auf ihren Buckelbarden zur Siegerehrung reiten oder Youngsters trainieren, die gerade mal drei, vier Jahre alt sind.

Die international erfolgreiche Dressurreiterin Renate Voglsang, die in jungen Jahren auch Vielseitigkeit geritten ist, ist eine dieser Ausbilderinnen: „Abwechslung in der Grundausbildung ist wie das Salz in der Suppe. Dass meine Nachwuchspferde mal über Stangen traben und regelmäßig ins Gelände gehen, ist total wichtig. Sie sollen richtig zum Galoppieren kommen, dann darf auch schon mal ein Sprung im Weg stehen. Er muss ja nicht hoch sein.“

Ein-, zweimal die Woche Springgymnastik und/ oder Cavalettiarbeit lassen im Training keine Monotonie aufkommen – die Ausbildung über Stangen fordert die Pferde anders, neue Bewegungsmuster werden erlernt, die Aufmerksamkeit des Pferdes angeregt, Hinterhand- und Rückenmuskulatur gestärkt. Mit einfachsten Übungen lassen sich Balance, Takt und Gleichgewicht festigen. Mit dem gemeinsamen Erlebnis wächst auch das gegenseitige Vertrauen. Damit das Stangentraining auch wirklich Spaß macht und den gewünschten Effekt hat, sollte das – junge wie das ältere – Pferd bereits gut dressurmäßig gymnastiziert sein und sicher an den Hilfen des Reiters stehen. Eine geschlossene Reitbahn gibt gerade am Anfang Sicherheit, ebenso wie ein ausgebildeter Reitlehrer, der für jede Übung die passenden Distanzen findet – außerdem hilft es immer, jemanden am Boden dabei zu haben, der heruntergefallene Stangen wieder auflegen kann oder umgefallene Cavaletti aufstellt. Der Reitschüler muss zumindest den Entlastungssitz und den leichten Sitz beherrschen, bevor er sich über erste Stangenreihen wagt. Auf Sicherheitsausrüstung wie Reithelm und Rückenschutz sollte nicht verzichtet werden, dem Pferd sollte vor allem an den Vorderbeinen ein Beinschutz angelegt werden. Damit Entlastungs-, leichter und Springsitz gelingen, werden zudem die Bügel kürzer als beim Dressurreiten geschnallt.
 

Stangenstart

Bodenstangen oder noch besser Cavaletti (da diese nicht wegrollen) haben sich zu Beginn der Springausbildung besonders bewährt. Zuerst im Trab – immer mit für das Pferd passenden Abständen (etwa 1,20 bis 1,30 m) – soll der Reiter ein Gefühl für den schwingenden Pferderücken bekommen. Manche Pferde treten erhabener, was ganz deutlich zu spüren ist. Wenn die Cavaletti auf halbhoch oder hoch gestellt werden, noch mehr.

Später kann man die Cavaletti auch verschieden hoch aufstellen und so das Pferd zu mehr Aufmerksamkeit anregen. Dafür bietet es sich an, im Entlastungssitz über die Cavaletti zu traben. Das Becken bleibt nah am Sattel und entlastet den Pferderücken. Das Pferd geht dabei in einer lockeren Vorwärts-Abwärts-Dehnungshaltung. Drückt es den Rücken weg und stolpert es bereits über am Boden liegende Stangen, heißt es zurück zur Dressurarbeit. Zudem ist Cavalettiarbeit besonders für das ungeübte Pferd sehr anstrengend, das sollte nie vergessen werden.

Geübte Reiter oder auch Dressurreiter werden mit einem anderen Ziel an die Sache herangehen. Sie möchten vielleicht die Rückenmuskulatur ihrer Pferde stärken und die Hinterbeine aktiver werden lassen. Dazu werden die Abstände der Stangen/Cavaletti etwas verkürzt, der Reiter bleibt im Leichttraben. Das funktioniert auch bei Pferden, die zum Davonlaufen neigen. Durch den vorgegebenen Takt des Reiters im Leichtreiten unterstützt er das Pferd, das Tempo wird gesetzter.

Stangen auf einer Tourlinie aufzulegen, ist eine wunderbare Möglichkeit, um das Pferd gut um den biegenden Schenkel zu formen. Außerdem kann der Reiter bei dieser Variante innerhalb einer Trainingseinheit abwechseln: Entsprechen die Abstände in der Mitte der Stangen den üblichen 1,20 bis 1,30 m, so ergibt sich auf der inneren Kreislinie ein etwas engerer Abstand, außen ein weiterer. Lässt man das Pferd nun abwechselnd mal mittig, mal innen, mal außen über die Stangen gehen, wird dabei Aufmerksamkeit und Rittigkeit des Pferdes gefördert.
Abwechslung bringen Bodenstangen auf gebogener Linie – in der Mitte beträgt der Abstand etwa 1,20 bis 1,30 m. © Pamela Sladky
Abwechslung bringen Bodenstangen auf gebogener Linie – in der Mitte beträgt der Abstand etwa 1,20 bis 1,30 m.
© Pamela Sladky
Wer auch die Schrittpausen nutzen möchte: Der Schrittabstand von Bodenstangen/Cavaletti beträgt 80 bis 90 cm. Man kann beispielsweise auf einer Zirkellinie Schritt- und auf der anderen Tour Trabstangen auflegen und dann abwechselnd beide Touren ins Training einbauen. Jede Veränderung im Ablauf motiviert das Pferd, konzentriert bei der Arbeit zu bleiben – die Möglichkeiten dazu sind vielfältig, wie etwa zuerst vier Bodenstangen auflegen und später die zweite oder dritte Stange entfernen, die Stangen abwechselnd einmal links, einmal rechts am äußeren Ende erhöhen oder die Stangen auf Hufschlagfiguren wie Schlangenlinien oder -bögen auflegen. Das Stangentraining ist außerdem eine gute Übung, das Pferd gut zwischen den Hilfen zu begrenzen. Das ist wichtig, um das Pferd später mittig auf eine Reihe oder ein Hindernis hinzuführen. Besonders bei Pferden, die dazu neigen, seitlich auszubrechen, ist dies eine probate Lösung, mit einfachen Mitteln ein optimales Ergebnis zu erzielen.
Klappen die Übungen im Trab, kann das Stangentraining auch in die Galopparbeit übernommen werden. © www.slawik.com
Klappen die Übungen im Trab, kann das Stangentraining auch in die Galopparbeit übernommen werden.
© www.slawik.com

Einfache Vorübungen

Schlussendlich können Bodenstangen/Cavaletti auch in die Galopparbeit integriert werden. Anfangs werden einzelne Stangen auf dem Hufschlag aufgelegt, die in gleichmäßigem Tempo überwunden werden. Dazwischen sollte der Reiter – ohne dass sich das Tempo ändert – auch die Sitzform verändern: im Entlastungs- oder leichten Sitz über die Stange, dazwischen wieder normal einsitzen. Später kann man im Tempo variieren – zulegen und aufnehmen, dazwischen einzelne Bodenstangen spielerisch überwinden. Wenn das Pferd im Außen- oder Kontergalopp landet, wird ruhig durchpariert und neu angaloppiert. Pferde, die den fliegenden Galoppwechsel sicher beherrschen, kann man selbstverständlich auch zum richtigen Galopp umspringen lassen.
Sprünge, die keinen Galoppsprung dazwischen zulassen, nennt man In-Out. © www.slawik.com
Sprünge, die keinen Galoppsprung dazwischen zulassen, nennt man In-Out.
© www.slawik.com
Eine gute Vorübung auf das spätere Reiten eines Parcours bzw. für Dressurreiter, die Versammlungsfähigkeit und Rittigkeit ihres Pferdes verbessern wollen, ist das Reiten von unterschiedlich vielen Galoppsprüngen zwischen zwei Bodenstangen/ Cavalettis: „Dazu legt man zwei Stangen im Abstand von beispielsweise 20 Metern so, dass man sie von der rechten und linken Hand anreiten kann. Zwischen den Stangen zählt man die Galoppsprünge laut mit und variiert die Anzahl der Galoppsprünge. Das fördert einfach und effektiv die Aufmerksamkeit und Rittigkeit des Pferdes“, so Springtrainer Armin Krenn.

Eine weitere überaus sinnvolle gymnastizierende Übung ist es, mit Hilfe von Bodenstangen das exakte Durchreiten von Ecken zu trainieren. Besonders in den Anfängerklassen sieht man auf Springturnieren häufig Pferde, die in Schräglage durch Wendungen laufen, dabei in den Kreuzgalopp springen und erst einige Galoppsprünge später wieder ihre Balance finden. Das ist ein unnötiges Risiko und absolut vermeidbar. Zusätzlich schafft man sich mit einer korrekt gerittenen Wendung Platz und damit möglicherweise eine bessere Distanz auf das folgende Hindernis oder die Hindernisreihe. Je größer der Radius der Wendung anfangs ist, umso einfacher wird es für das Pferd, denn um eine enge Wendung geschlossen und ausbalanciert durchreiten zu können, muss das Pferd gut an den Hilfen stehen, es braucht Kraft und eine gewisse Versammlungsfähigkeit.

Um dies alles zu verbessern, können Bodenstangen parallel zur Bande an der langen Seite vor und/oder an der kurzen Seite nach der Ecke/Wendung helfen: Die äußeren Hilfen begrenzen das Pferd, als optische Begrenzung nach innen, damit Reiter und Pferd nicht schummeln können, leisten die Stangen gute Dienste. Pferde, die im Galopp sicher an den Hilfen stehen und auch in engen Wendungen nicht die Balance verlieren, machen nicht nur im Parcours mehr Spaß, sie sind auch weniger verletzungsgefährdet. Und dem Dressurreiter hilft diese Übung, etwaige Schlampigkeiten beim Durchreiten von Ecken auszumerzen.

Gymnastikreihen

Klappen Bodenstangen im Trab und Galopp, darf man sich an Gymnastikreihen wagen. Die Gymnastikreihe ist eine auf gerader Linie aufgebaute Abfolge von mehreren Cavalettis oder Hindernissen, die in einem Zug überwunden werden. Sie sind für Pferd und Reiter eine sehr komplexe Aufgabe, da sie zusätzlich zu allem anderen noch das Reaktionsvermögen des Pferdes fördern. Gymnastikreihen können anfangs aus dem Trab, später aus dem Galopp angeritten werden, abwechselnd auf beiden Händen. Reihen sollten immer so angelegt sein, dass sie rhythmisch zu springen sind, d. h. dass die Distanzen zwischen den einzelnen Sprüngen an das Pferd angepasst sind und es so zu keinen Rhythmusstörungen in der Reihe kommt.

Das Tempo innerhalb der Reihe reguliert sich durch die passenden Distanzen, stürmische Tiere lernen zu warten, bequeme Exemplare müssen schwungvoll weitergaloppieren, um die Sprungfolge zu bewältigen. Unabhängig davon, dass Distanzen je nach Raumgriff des Pferdes variieren können, gelten folgende gängigen Abstände zwischen Stangen bzw. Sprüngen: im Trab 1,20 m bis 1,30 m, ein Galoppsprung zählt zwischen 3 m bis 3,50 m. Sprünge, deren Distanz 3 m bis 3,50 m beträgt, lassen somit dazwischen keinen Galoppsprung zu und werde In-Out genannt, da das Pferd nach der Landung sofort wieder abspringen muss.
Bei der Gymnastikreihe kommt es nicht auf die Höhe der Hindernisse an. © Pamela Sladky
Bei der Gymnastikreihe kommt es nicht auf die Höhe der Hindernisse an – eine Reihe könnte zum Beispiel wie folgt aussehen: Distanzstange am Boden (aus dem Trab anzureiten), danach ca. 2,60 m Abstand – Kreuz – ca. 3 m Abstand – Kreuz – ca. 3,30 m Abstand – Steilsprung (Höhe: 50 cm) – ca. 6 m Abstand (ein Galoppsprung) – Steilsprung (Höhe: 50 cm) – ca. 10 m Abstand (zwei Galoppsprünge) – schmaler Oxer (Höhe: 60 cm hintere Stange). Die Angaben für Distanzen sind nur eine grobe Richtlinie, die tatsächlichen Abstände sind immer an das Pferd anzupassen!
© Pamela Sladky
Der Sinn der Gymnastikreihe ist es, das Pferd zu gymnastizieren, seine Reaktion zu fördern, sein Auge zu schulen und außerdem dem Reiter das Bewegungsgefühl über einem Sprung zu vermitteln. Die Höhe der einzelnen Hindernisse in der Reihe ist nicht ausschlaggebend, soll aber einen Sprung einfordern. Zu niedrige Hindernisse könnten dazu führen, dass das Pferd nur drüberhopst oder den nötigen Respekt verliert bzw. stolpert.

Die Anzahl der Hindernisse ist variabel, anfangs reichen drei oder vier kleine Sprünge, die Anzahl kann je nach Trainingsfortschritt beliebig erweitert werden. An oberster Stelle steht hier natürlich wie immer: Das Pferd niemals überfordern! Die Gymnastikreihe erst dann erweitern, wenn die bereits vorhandenen Sprünge ruhig und rhythmisch gelingen – und sich auch der Reiter sicher fühlt!

Was die Art der Hindernisse betrifft, so raten wir davon ab, zu viele Kreuze aneinanderzureihen. Bleibt das Pferd in der Reihe mittig, ist alles gut – dann kann es über die niedrigste Stelle der gekreuzten Stangen springen. Kommt das Pferd schief in die Sprunggasse, muss es den seitlichen höheren Rand des Kreuzes überspringen. Besonders am Ende der Reihe kann dies Pferd und/oder Reiter überfordern, denn in der Regel sind nur die hinteren zwei oder drei Hindernisse einer Gymnastikreihe erhöht.

Für den Reiter gilt: ruhiges, mittiges Anreiten der Reihe, in der Reihe Hand tief, leichter Sitz, den Oberkörper in Balance, eine nachgebende Hand über den Sprüngen (ohne die Zügel wegzuschmeißen) und den Blick nach vorne gerichtet.

Am Ende der Gymnastikreihe stehen als letzte Herausforderung noch, soweit es die Bahn zulässt, ein paar Galoppsprünge geradeaus an – auch nach dem letzten Sprung sollte das Pferd noch gut an den Hilfen stehen und sich rhythmisch noch ein paar Galoppsprünge geradeaus reiten lassen.

Bodenstangen-, Cavalettiarbeit und Springgymnastik gehören zur Basisausbildung eines jeden Reiters und jedes Pferdes und bringen außerdem Schwung in den Trainingsalltag. In jedem Fall dient die Springgymnastik der Vertrauensbildung zwischen Reiter und Pferd. Eigenverantwortung, Aufmerksamkeit, Gleichgewicht und Reaktion lassen sich mit springgymnastischen Aufgaben hervorragend trainieren – und das gilt für alle Reiter jeder Disziplin und Pferde jeder Rasse.

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Dieser Artikel von Andrea Kerssenbroch und Armin Krenn wurde erstmals in Ausgabe 2/2015 der Pferderevue veröffentlicht. Pferderevue AbonnentInnen können diesen Beitrag nebst über 40.000 weiteren jederzeit in unserem Online-Archiv kostenlos nachlesen. Einfach unter Mein E-Paper einloggen und in allen Heften aus 25 Jahren Pferderevue zum Nulltarif blättern!

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August 2015 Cover © Petra Kerschbaum
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