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20.11.2014

Harter Knochen oder Jammerlappen: Schmerzreaktionen sind stark von der Persönlichkeit des Pferdes abhängig

Während das eine Pferd mit leichtem Sehnschaden nur noch auf drei Beinen steht, lässt sich ein anderes mit schwerwiegenderem Problem kaum etwas anmerken. Woran es liegt, dass Pferde so unterschiedlich auf Schmerzen reagieren, haben britische Forscher untersucht.

Pferde erleben Schmerz sehr unterschiedlich. © FotoLL - Fotolia.com
Pferde erleben Schmerz sehr unterschiedlich.
© FotoLL - Fotolia.com
Ein Pferd hat sich auf der Koppel vertreten und nun geht es lahm. Weil es nicht sagen kann, wie sehr es weh tut, bleibt dem Pferdebesitzer im ersten Moment vor allem die Beobachtung seines Gegenübers. Dabei wird in der Regel der Schweregrad der Verletzung mit dem Grad der Lahmheit gleich gesetzt: je stärker das Pferd hinkt, desto ernsthafter die Verletzung.

Doch wie wir Menschen erleben auch Pferde Schmerz sehr unterschiedlich. Das eine ist empfindlich und zeigt sofort an, das etwas nicht stimmt, das andere ist hart im Nehmen und lässt sich nichts anmerken. Dieses sehr unterschiedliche Verhalten hat nichts mit Überempfindlichkeit oder Schmerzvortäuschung zu tun. Vielmehr hängt der individuelle Umgang mit Schmerz vom allgemeinen Temperament ab. Das haben britische Wissenschaftler der Queen’s University Belfast jüngst in einer Studie herausgefunden.

Um sich einen Überblick über das individuelle Schmerzverhalten zu verschaffen, wurden 21 Pferde unterschiedlicher Rassen im Alter zwischen 3 und 18 Jahren von einem erfahrenen Diagnostiker untersucht. Die Pferde zeigten entweder Bewegungseinschränkungen oder äußere Veränderungen an den Gliedmaßen, wie etwa eine Schwellung. Ev. Lahmheiten wurden nach einer Ganganalyse in fünf Grade eingeteilt.

Der tatsächliche Schweregrad des Problems wurde mittels üblicher klinischer Diagnoseverfahren ermittelt: Provokationsproben (Beugeprobe), diagnostische Injektionen, Röntgen- und Ultraschall-Untersuchungen. Informationen zur Persönlichkeit ihrer Probanden erhielten die Wissenschaftler von den Pferdebesitzern, die die Gewohnheiten ihrer Tiere mittels Fragebögen dokumentierten.

Bei ihren Untersuchungen zeigte sich sehr bald, dass zwischen der Lahmheit selbst und dem tatsächlichen Schweregrad des Problems nur sehr bedingt ein Zusammenhang bestand. Großen Einfluss nahm hingegen die jeweilige Persönlichkeit des Pferdes. So zeigten Pferde, die aufgrund der Angaben ihrer Besitzer als neurotisch und extrovertiert eingestuft worden waren, weit schneller Schmerzen an und ließen eine deutlich geringere Schmerztoleranz als ihre gemütlicheren Kollegen mit stoischem Charakter erkennen.

Gesteigerte Sensibilität verschafft domestizierten Pferden einen erheblichen Vorteil: Verletzungen und Erkrankungen können durch das deutlichere Anzeigen schneller vom Menschen erkannt und behandelt werden, wohingegen Probleme bei eher ruhigen und introvertierten Pferden häufig übersehen werden. Stoisch zu sein ist für das Pferd in der heutigen Welt demnach ein klarer Nachteil – ganz im Gegensatz zum wildlebenden Pferd, dessen Härte es davor schützt Fressfeinden zum Opfer zu fallen, die es besonders auf kranke und verletzte Tiere abgesehen haben.

Wer also einen Stoiker im Stall stehen hat, sollte seine Augen besonders gut offenhalten und schon kleinste Hinweise seines Pferdes kritisch prüfen, damit er ernsthafte Probleme am Ende nicht übersieht.
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