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19.09.2012

Heimkehr mit Hindernissen: 20 Jahre Wiederansiedlung der Przewalski-Pferde

Urwildpferde galten 1969 als in freier Wildbahn ausgestorben, doch seit dem Start eines Wiederansiedlungsprojekts im Jahr 1992 konnte in der Mongolei trotz einiger Rückschläge wieder eine freilebende Population aufgebaut werden. Heute leben rund 130 „Takhis“ in der Wüste Gobi.

Die Bedingungen in ihrer ursprünglichen Heimat sind hart für die genügsamen und robusten Przewalski-Pferde. © Vetmeduni Vienna / Chris-Walzer
Die Bedingungen in ihrer ursprünglichen Heimat sind hart für die genügsamen und robusten Przewalski-Pferde.
© Vetmeduni Vienna / Chris-Walzer
Seit Jahren begleiten Prof. Chris Walzer und sein Team vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna die Wiederansiedelung der Przewalskis in ihrer ursprünglichen Heimat. Der Erfolg des Projekts hat mittlerweile zu einer Rückstufung der IUCN-Gefährdung von „in Freiheit ausgestorben“ auf zunächst „kritisch gefährdet“ und seit 2011 auf nur mehr „gefährdet“ geführt – ein großer Erfolg für den internationalen Artenschutz. Doch um sicher zu sein, dass die Pferde auch noch die nächsten 100 Jahre überleben, bräuchte es 250 bis 300 Tiere, erklärt Walzer.

Projekt feiert sein 20-jähriges Jubiläum

Genau 20 Jahre ist es her, dass die ersten Przewalski-Pferde in der Wüste Gobi ausgewildert wurden. Sie stammten von ursprünglich nur 13 Tieren ab, die aus der Mongolei nach Europa gekommen waren und in menschlicher Obhut für Nachwuchs gesorgt hatten. Und der Beginn verlief alles andere als vielversprechend. Eine ungewöhnlich hohe Sterberate machte der Population zu schaffen. Untersuchungen der verendeten Tiere brachten ans Licht, dass viele von ihnen an Piroplasmose, einer von Zecken übertragenen Infektionskrankheit gestorben waren. Erst als die Erkrankung durch eine vorbeugende Behandlung unter Kontrolle gebracht wurde, begann die Population endlich stetig zu wachsen bis sie 2009 mit 138 Tieren ihren zwischenzeitlichen Höhepunkt erreichte.

Klimatische Extreme erschweren Wiederansiedelung

Doch der nächste Rückschlag stellte das Projekt neuerlich auf eine harte Probe. Auf einen extrem trockenen Sommer im Jahr 2009 folgte ein ungewöhnlich langer und kalter Winter, dem mehr als die Hälfte der bis dahin mühsam aufgebauten Urwildpferd-Population in der Gobi zum Opfer fiel. Zum Glück sorgte eine Periode günstiger Wetterbedingungen für eine Entspannung der Lage. „Für 2012 erwarten wir überdurchschnittlich viele Fohlen“, so Thomas Pfisterer, Präsident der International Takhi Group. Seit 1999 engagiert sich die in der Schweiz ansässige ITG für die Wiederansiedlung der Tiere in der Wüste Gobi. Sie betreut im Auftrag des mongolischen Staats den Nationalpark Gobi B und begleitet dessen Camp und seine Ranger. Diese Wildhüter und Forschende der Vetmeduni Vienna wachen heute über die langsam wieder anwachsenden Urwildpferdherden, wie Walzer ausführt: „Heute kontrollieren die Ranger die Herden ein- bis zweimal die Woche. In der Vergangenheit haben wir 15 Tiere mit Satellitenhalsbändern überwacht, um eine bessere Vorstellung von den Streifgebieten und Wanderbewegungen zu bekommen und auch den Wildhütern das Suchen zu erleichtern.“
Seit Beginn des Wiederansiedelungsprojektes im Jahr 1992 wurden fast hundert Tiere aus Arterhaltungsprogrammen europäischer Zoos in das Great Gobi B Reservat gebracht. © Vetmeduni Vienna /Petra Kaczensky
Seit Beginn des Wiederansiedelungsprojektes im Jahr 1992 wurden fast hundert Tiere aus Arterhaltungsprogrammen europäischer Zoos in das Great Gobi B Reservat gebracht.
© Vetmeduni Vienna /Petra Kaczensky

Bedrohter Genpool

In der Wüste Gobi sind die Takhis nicht in eine menschenleere Wildnis zurückgekehrt, sondern in eine seit Jahrhunderten auch von Menschen genutzten Kulturlandschaft. Und die Zahl der traditionell halbnomadisch lebenden Menschen und der von ihnen gehaltenen Weidetiere hat seit dem Verschwinden der Urwildpferde zugenommen. „Eine der vielen Herausforderungen ist es beispielsweise, Kreuzungen von Urwildpferden mit Hauspferden der lokalen Bevölkerung zu vermeiden, denn das Urwildpferd ist nicht etwa die wilde Version des Hauspferdes, sondern tatsächlich eine andere Art. Trotzdem können sich die Tiere verpaaren und fruchtbare Nachkommen zeugen. Würde man dies zulassen würde der einmalige Genpool der wenigen Takhis in dem der Hauspferde verloren gehen.“, erklärt Petra Kaczensky vom Institut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna. Zudem ist die Gobi reich an Bodenschätzen, deren Ausbeute in vielen Gebieten großräumige Landschaftsveränderungen nach sich zieht. Im Verbreitungsgebiet der Takhis sind es im Moment vor allem illegale Goldgräber, die mancherorts die Weiden mechanisch zerstören.

Ökosystem und lokale Wirtschaft wichtig

Während sich das Wiederansiedlungsprojekt zunächst rein auf die Przewalski-Pferde konzentrierte wurde bald deutlich, dass man auch die weiterreichenden ökologischen Beziehung im neuen Lebensraum der Tiere und die wirtschaftlichen Bedingungen der dort lebenden Menschen berücksichtigen musste. Mit Hilfe der Takhis, die in ihrer Heimat als heilig gelten, sollen die Menschen der Region dazu gebracht werden, sich für deren gesamten Lebensraum einzusetzen. Dem gegenüber stehen eine schlecht planbare Finanzierung, rechtliche Schwierigkeiten und die wachsende Armut der Bevölkerung, die für Konflikte um die Nutzung der Ressourcen vor Ort sorgen. „Nur in offener Zusammenarbeit mit den örtlichen Weidetierhaltern, Behörden, Gouverneuren und Ministerien der Mongolei können wir letztlich erfolgreich sein“, ist Thomas Pfisterer überzeugt. Ziel seiner Organisation ist es, das Gebiet in und um das Great Gobi B Schutzgebiet als Biosphärenreservat im Sinne der IUCN (International Union for Conservation of Nature) weiterzuentwickeln. Das Przewalski-Pferd spielt in diesem Unterfangen als die Schirmart des Great Gobi B Reservats eine Schlüsselrolle.

Quelle
Servus TV AD bis 07.12.2017