Array ( [2000] => Home [2005] => Nachrichten [1011] => Marktkurzinfos [1026] => Marktanalysen [1016] => Reportagen [1044] => Über Uns [1046] => Das Team [1045] => Mediadaten [2021] => Impressum [2022] => AGB )
05.03.2015

Herpes-Alarm in Österreich: Bereits drei Pferde tot

In den vergangenen Wochen wurden wieder zahlreiche Fälle der neurologischen Form von Equinem Herpes im Norden und Westen Europas gemeldet. Nun hat die gefürchtete Infektionskrankheit auch heimische Ställe erreicht.

Wie bei allen Viruserkrankungen kann auch eine equine Herpes-Infektion nur symptomatisch behandelt werden. Einen gewissen Schutz gewährt die Impfung – allerdings muss der gesamte Bestand geimpft werden. © Alessandra Sarti
Wie bei allen Viruserkrankungen kann auch eine equine Herpes-Infektion nur symptomatisch behandelt werden. Einen gewissen Schutz gewährt die Impfung – allerdings muss der gesamte Bestand geimpft werden.
© Alessandra Sarti
Wie der Amstettener Reitverein Geiger mitteilte, ist innerhalb seines Pferdebestandes Herpes ausgebrochen - und zwar so schwer, dass bereits drei Pferde gestorben sind. Weitere Pferde wurden mit bestätigter Infektion in die Universitätsklinik in Wien eingeliefert. Der Reitverein steht derzeit unter selbst verhängter freiwilliger Quarantäne, die umliegenden Ställe wurden informiert.

Seltene neurologische Form

Die aktuell betroffenen Pferde leiden an der besonders gefürchteten neurologischen Form, ausgelöst durch das sogenannte EHV-1-Virus. Grundsätzlich kann sie in jedem Alter, bei beiden Geschlechtern und allen Rassen auftreten, laut Vetmeduni Wien zählen jedoch insbesondere ältere Pferde zu den Risikopatienten.

„Im Rahmen des neurologischen Verlaufes zeigen die Pferde manchmal zu Beginn Fieber, die meisten Tiere haben aber eine normale oder zu niedrige Körpertemperatur. Die neurologischen Ausfallserscheinungen treten sehr schnell auf, verschlechtern sich aber nach zwei Tagen nicht mehr“, erklärt Pferdefachtierärztin Dr. Bernadette Linsbichler.

Die von EHV-1 ausgelösten Gefäßschädigungen im Gehirn und Rückenmark zeigen sich häufig als Störungen der Bewegungskoordination und Lähmungen der Extremitäten, wobei die Hinterbeine schwerer betroffen sind als die Vordergliedmaßen. Stolpern, Bewegungsunlust, schwankender Gang und Schleifen der Zehen können beobachtet werden und schließlich in einem Festliegen resultieren. In diesem Stadium haben die Pferde Schwierigkeiten die Blase zu entleeren und auch der Kotabsatz ist gestört. Hält das Festliegen über drei Tage an, fällt die Prognose sehr ungünstig aus - die Pferde werden in der Regel euthanasiert.
Zur Vermeidung des in schweren Fällen auftretenden Festliegens kann das Pferd in der Klinik in eine Aufhängevorrichtung verbracht werden. © Sonja Berger/VUW
Nur etwa zehn Prozent aller mit EHV-1 infizierten Pferde entwickeln die neurologische Form der Erkrankung. Zur Vermeidung des in schweren Fällen auftretenden Festliegens kann das Pferd in der Klinik in eine Aufhängevorrichtung verbracht werden.
© Sonja Berger/VUW

Immer und überall

„EHV-1 tritt in den meisten Pferdepopulationen ständig und häufig wiederholt auf, bei einer Mehrzahl der Pferde - man spricht von rund 90 % - kann im Blut ein Erregerkontakt nachgewiesen werden. Die meisten Pferde infizieren sich bereits im ersten Lebensjahr, meistens schon in den ersten Lebenswochen“, so Linsbichler. Die Ansteckung erfolgt häufig wie bei einer gemeinen Erkältung über Tröpfchen, beispielsweise durch Husten. Aber auch über direkten oder indirekten Kontakt wie über die Futterkrippe und Tränke oder Hände, Kleider und Schuhe von Pflegepersonal und ReiterInnen, kann das Virus übertragen werden. Infizierte Tiere scheiden die Viren für gewöhnlich über die Atemwege für 7 bis 10 Tage aus, aber auch längere Ausscheidungsphasen sind möglich.

Das körpereigene Immunsystem ist bei einer Herpesinfektion meist nicht sonderlich erfolgreich, wenn es um die komplette Eliminierung der Viren geht. Der Großteil der Pferde bleibt lebenslanger Träger. Häufig ist ein Aufflackern von latenten Infektionen für das Auftreten und die weitere Verbreitung von Equinem Herpes verantwortlich, was erklärt, wie Infektionen in geschlossenen Beständen ohne Neuzugänge entstehen können. Bislang wurde angenommen, dass häufig Stress für ein erneutes Aufflammen der Krankheit verantwortlich sei. Eine aktuelle Studie weist aber darauf hin, dass die stressbedingte Ausscheidung eine weniger wichtige Rolle spielt, als vermutet.

Wieso es bei manchen Ausbrüchen eher zu einer neurologischen Manifestation kommt als bei anderen und wieso der Schweregrad der Symptome in den betroffenen Populationen so stark differiert, ist bis heute nicht geklärt. „In einer Studie konnte gezeigt werden, dass Pferde, die geimpft wurden, im Vergleich zu Ungeimpften ein erhöhtes Risiko haben, an der neurologischen Form zu erkranken“, weiß Dr. Linsbichler.

Impfung schützt nur bedingt

Über Nutzen und Risiken der EHV-1-Impfung scheiden sich die Geister. Keiner der momentan erhältlichen Impfstoffe schützt vor der neurologischen Verlaufsform. „Selbst bei Pferden, die alle drei bis fünf Monate geimpft wurden, kam es zu neurologischen Herpesdurchbrüchen“, so Pferderevue-Expertin Dr. Bernadette Linsbichler.  Auch gegen die respiratorische Form und den herpesbedingten Stutenabort schützt die Impfung nur teilweise – und auch nur dann, wenn der gesamte Bestand geimpft ist. Allerdings reduziert die Impfung die Virusausscheidung und führt dadurch zu weniger Infektionen.

In Ställen mit akuten Herpesfällen empfiehlt die Vetmeduni Wien, gesunden Pferden mit aktuellem Impfschutz eine Auffrischungsimpfung zu verabreichen. Diese vermittle einen Schutz vor EHV-1/4-bedingten Atemwegserkrankungen und vermindere das Risiko von EHV-1-bedingten Fehlgeburten. Neuimpfungen hingegen benötigen zu lange, bis eine schützende Immunität aufgebaut wird, um bei einem Ausbruch wirksam zu werden.

Zudem wird empfohlen die klinisch (noch) unauffälligen Pferde räumlich von kranken Tieren zu trennen. Eine Virus-Übertragung durch Personen muss durch strikte Hygienemaßnahmen unterbunden werden (z.B. Schuh - und Überkleiderwechsel). Zudem ist es ratsam den Personenverkehr im Krankenstall möglichst einzustellen. Besonders wichtig ist vor allem die Vermeidung von direkten Pferd-zu-Pferd Kontakten. Nach jedem Pferdekontakt sind sofort die Hände zu waschen und zu desinfizieren.
 
Keiner der derzeit erhältlichen Impfstoffe schützt völlig vor einer Erkrankung, allerdings reduziert eine Impfung die Virusausscheidung und führt so zu weniger Infektionen. © Alessandra Sarti
Keiner der derzeit erhältlichen Impfstoffe schützt völlig vor einer Erkrankung, allerdings reduziert eine Impfung die Virusausscheidung und führt so zu weniger Infektionen.
© Alessandra Sarti

Quarantäne empfohlen

Zwar sind Herpesdurchbrüche weder anzeige- noch meldepflichtig, dennoch sollten freiwillige Quarantänemaßnahmen auf freiwilliger Basis und im Sinne der allgemeinen bürgerlichen Sorgfaltspflicht durchgeführt werden, raten die Experten der Universitätsklinik in Wien. Die empfohlene Quarantänefrist beträgt hierbei möglichst mindestens 21 Tage, in den USA sind bis zu 28 Tage üblich. „Eine Freigabe von Tieren aus der Isolation erfolgt am besten 28 Tage nach dem Auftreten der letzten vermuteten Neuinfektion. Falls keine weiteren klinischen Fälle auftreten, verringert sich das Risiko mit der Zeit, so dass eine kürzere Quarantänezeit von z.B. 21 Tagen ausreicht, wenn während dieser Zeit kein einziges Pferd Fieber oder neurologische Symptome zeigt oder Aborte auftreten. Von den kranken Tieren abgesonderte, gesunde Pferde auf einem Betrieb dürfen innerhalb des Betriebes geritten oder trainiert werden. Eine Kontrolle der Körperinnentemperatur ist zweimal täglich zu empfehlen“, heißt es dazu im Informationsblatt der Vetmeduni Wien.

Das Informationsblatt der Vetmeduni Wien können Sie hier herunterladen.

Einen ausführlichen Artikel von Dr. Bernadette Linsbichler zum Thema Herpes, erschienen in der Pferderevue 10/2012, können AbonnentInnen der Pferderevue jederzeit kostenlos in unserem  Online-Archiv nachlesen.
Passier Skyscraper
  • Passier  Passier
Servus TV AD