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24.05.2016

Hitzeferien für Wiener Fiaker

Ab 35 Grad bleiben Wiens Fiaker künftig im Stall. Das hat SPÖ-Stadträtin Ulli Sima und Grünen-Umweltsprecher Rüdiger Maresch am Montag in einer Aussendung erklärt. Das Temperaturlimit ist Teil eines sieben Punkte umfassenden Maßnahmepakets zum Schutz der Pferde.

Was für Bauarbeiter seit 2013 gilt, soll ab Juni auch für Wiens Fiakerpferde möglich sein: Hitzefrei ab 35 Grad. © yasti84 - fotolia.com
Was für Bauarbeiter seit 2013 gilt, soll ab Juni auch für Wiens Fiakerpferde möglich sein: Hitzefrei ab 35 Grad.
© yasti84 - fotolia.com
Seit langem fordern Tierschützer Hitzeferien für die Fiaker in der Wiener Innenstadt. Nun gibt es sie endlich. Die magische Grenze liegt bei 35 Grad. Wird dieser oder ein höher Wert am Stephansplatz gemessen, haben 28 Fiakerbetriebe und deren 375 Pferde hitzefrei. Im Sommer 2015 wäre das an 18 Tagen der Fall gewesen.

„Wir haben in den letzten Jahren schon viele Maßnahmen für die Tiere gesetzt, die Fiakerstandplätze so gestaltet, dass die Tiere im Schatten stehen. Auch die Arbeitszeiten für die Tiere wurden reduziert. Nun wollen wir mit einer Novelle zum Fiakergesetz weitere Verbesserungen herbeiführen, die vor allem auch auf die heißen Sommertage abzielen“, heißt es in einer gemeinsamen Aussendung von Tierschutzstadträtin Ulli Sima und Rüdiger Maresch, Umweltsprecher der Grünen.

Diese umfassen neben den Hitzeferien auch eine Reduktion der Arbeitszeiten. Fiakerpferde dürfen nur mehr jeden zweiten Tag arbeiten und auch die Betriebszeit soll um eine Stunde am Abend verkürzt werden und nur noch von 10 bis 21 Uhr möglich sein. Auf diese Weise wolle man die Stressbelastung für die Pferde reduzieren. Bodenmarkierungen sollen Lage und Anzahl der Stellplätze definieren – das erleichtere Polizei, MA60 (Veterinäramt) und MA65 (Rechtliche Verkehrsangelegenheiten) die Überprüfung, ob alle Auflagen eingehalten werden.

Auch zum Thema Sicherheit für Tier und Mensch hat man sich Gedanken gemacht. So muss der Kutscher künftig vor jedem Fahrantritt nachweislich die Einsatztauglichkeit (inklusive Gesundheitscheck) der Pferde überprüfen und dies in das Fahrtenbuch eintragen. Außerdem dürfen nur noch Tiere eingesetzt werden, die auf Grund ihres Wesens und des Ausbildungs- und Trainingszustandes nachweislich mit dem Einsatz als Fiakerpferd gut zurechtkommen. Neue Pferde will man vor ihrem ersten Einsatz durch Spezialisten auf ihre Eignung prüfen lassen.

Auf tierschutzrelevante Themen will die Stadt künftig noch mehr Augenmerk legen, als bisher. So sollen etwa die Auswirkungen des Tragens des Maulkorbs, das Schweifanbinden und das regelmäßige Füttern künftig verstärkt unter die Lupe genommen werden. Um dies zu gewährleisten setzt man auf besser Aufklärung und mehr Kontrollen.

Fiakerunternehmen schockiert

Die Novelle des Fiaker- und Pferdemietwagengesetzes soll bereits im Juni in Kraft treten. Für reichlich Gesprächsstoff sorgt sie bereits jetzt. Denn die Wiener Fiaker-Unternehmer sind wenig erfreut über das umfangreiche Maßnahmenpaket. Man sei schockiert von der geplanten Novelle, hieß es in einer Aussendung der Wirtschaftskammer Wien. „Wir wurden heute von der geplanten Neuregelung im Wiener Fiakergesetz überrascht. Denn niemand hat uns über eventuelle Änderungen informiert, wir wurden nicht zu Verhandlungen und Gesprächen geladen bzw. wurden unsere Erfahrungen und Kenntnisse nicht in der Reglung berücksichtigt“, kritisiert Martina Michelfeit, Berufsgruppensprecherin der Fiaker-Unternehmer.

Durch die Neuregelung würde den Fiakerunternehmern die wirtschaftliche Grundlage entzogen bzw. würden diese in der Erwerbsausübung massiv beschränkt, erklärt sie. „Seit Jahren kampagnisieren Tierschützer mit oberflächlichen und pseudowissenschaftlichen Unwahrheiten gegen die Wiener Fiakerunternehmer. Damit diskreditieren die vermeintlichen Tierschützer ein ganzes Gewerbe, das seit hunderten Jahren in der Stadt tätig ist, viel Erfahrung mit Pferden hat und maßgeblich zum positiven Wien-Weltbild beiträgt“, so Michelfeit weiter.

Belastung durch Hitze?

Ob die Fiakerpferde tatsächlich unter Hitze leiden oder nicht, darüber herrschen geteilte Ansichten. Eine Untersuchung des Veterinäramtes der Stadt Wien (MA60) etwa kommt zu dem Schluss, dass die Wiener Fiakerpferde keine signifikante Belastungssteigerung an Hitzetagen aufweisen. Dies soll auch eine Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien aus dem Jahr 2008 bestätigen, wie Michelfeit anführt.

Anders sieht das Tierschutz-Ombudsfrau Eva Persy. Demnach besage die Studie zwar nicht, dass Pferde unter der Hitze leiden, allerdings könne sie auch nicht das Gegenteil beweisen. „Es gibt weit mehr Faktoren, die sich negativ auf die Tiere auswirken können: die Reizüberflutung in der Stadt, der Verkehrslärm, das Eingespanntsein und dazu noch die Hitze – das sind alles Stressfaktoren", so Persy.

Aufgrund der unklaren Situation habe man deshalb 2015 Verhaltensexpertin und ehemals grüne Nationalrätin Brigid Weinzinger beauftragt, die Stressbelastung der Fiaker-Pferde an Hitze- wie an normalen Tagen zu untersuchen. Ihre Empfehlungen seien die Grundlage für die nun veröffentlichten Maßnahmen.

ps
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