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17.01.2017

Im Galopp durchs Feuer: Spanier trotzen anhaltender Kritik an waghalsigem Brauchtum

Pferde, die für ihre Reiter durch die Flammen gehen -was sonst nur als sehr bildhafter Vergleich für die Loyalität eines Pferdes für seinen Menschen herangezogen wird, ist in Spanien seit 500 Jahren fester Bestandteil eines Brauches, der Jahr für Jahr heftige Kritik auslöst.

Der Ritt durchs Feuer ist Teil einer Tradition zu Ehren des Heiligen Antonius, Schutzpatron der Bauern und Nutztiere. © Partido Animalista - PACMA
Der Ritt durchs Feuer ist Teil einer Tradition zu Ehren des Heiligen Antonius, Schutzpatron der Bauern und Nutztiere.
© Partido Animalista - PACMA
Meterhoch züngeln die Flammen, speien Funken und malen dicke Rauchschaden in den Nachhimmel. In den engen Gassen von San Barolomé de Pinares, einem kleinen 700-Seelen-Dorf 100 Kilometer westlich von Madrid, drängen sich unzählige Schaulustige. Sie alle sind gekommen, um der alljährlichen Feuerreinigung beizuwohnen. Seit gut 500 Jahren wird hier traditionell am Abend des 16. Januars „Las Luminarias“ gefeiert - eine religiöse Zeremonie zu Ehren des Heiligen Antonius, Schutzpatron der Bauern und Nutztiere.

Im Mittelpunkt des Festes steht ein im wahrsten Sinne des Wortes feuriges Spektakel. Eines, das nicht nur Pferdefreunden den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Denn die hohe Feuersbrunst in der Mitte des Dorfplatzes steht hier nicht etwa zur Zierde. Sie ist Gegenstand einer waghalsigen Mutprobe, der sich zahlreiche Männer Jahr für Jahr aufs Neue aussetzen. Und die sie auch ihren Pferden aufbürden.

Während die meterhohe Flammenwand anfangs nur umritten wird, geht es für Mann und Pferd in einem waghalsigen Manöver später sogar mitten hinein. Dieser Höllenritt soll die Tiere reinigen und sie für das kommende Jahr beschützen. Ein unsinniges und gefährliches Ritual, wie viele Tierschützer meinen. „Es birgt überhaupt keine Logik die Tiere einer derart stressigen Situation auszusetzen, die vollkommen gegen ihre eigene Natur geht“, meinte etwa Juan Ignacio Codina, einer der größten Kritiker des Festivals. „Mitten im 21. Jahrhundert ist dieses Ritual ein Relikt längst vergangener Tage. Kein Aberglaube oder religiöser Glaube kann diesen Akt der Tierquälerei rechtfertigen.“

Für Codina und die Mitglieder der Tierschutzpartei PACMA steht „La Luminarias“ im krassen Widerspruch zu gleichwohl regionalen wie nationalen Tierschutzgesetzen, weshalb man 2013 eine öffentliche Beschwerde gegen das Fest einbrachte. Die Landesregierung schickte daraufhin Veterinäre zum Spektakel um den Zustand der Pferde zu beurteilen. Doch es wurde keinerlei Grund zur Beanstandung gefunden, wie die zuständige Behörde angab. Die Pferde trügen keinen Schaden bei ihrem Lauf durch das Feuer davon.

„Keine einzige Brandspur, noch nicht einmal ein verletztes Pferd“, sagte der Bürgermeister Maria Jesus Martin, der darauf beharrt, dass kein Pferd gezwungen werde durchs Feuer zu laufen. „Es macht mich wütend diese Anschuldigungen von Leuten zu hören, die nichts über unsere Tradition wissen“, so Martin. „Sie nennen uns halsstarrig und bezeichnen uns als Hinterwäldler. Sie haben über Social Media sogar dazu aufgerufen, mich, den Bürgermeister, ins Feuer zu werfen!

Ursprünglich gar nicht Tradition

Während Martin Kritik abschmettert und sich mit Händen und Füßen für die Beibehaltung der Tradition einsetzt, sind nicht alle Einwohner San Bartolomé de Pinares’ von ihrer Sinnhaftigkeit überzeugt. Manche wünschen sich eine etwas gemäßigtere Version des Festivals. Früher, so sagen sie, seien die Zweige für das Feuer in kleinen Mengen auf den Rücken von Eseln in die Stadt gebracht worden. Heute würden Berge von Brennmaterial mit Lastwagen herbeigekarrt und die Feuer seien weit größer und der Rauch dicker als noch vor Jahren.

Außerdem sei es ursprüngliche gar nicht Tradition gewesen mit den Tieren direkt durch das Feuer zu reiten. Vielmehr habe man auf eine „Reinigung“ der Pferde durch Umreiten der Flammen gesetzt. Aber das war insbesondere den Herren in San Bartolomé de Pinares vermutlich auf die Dauer nicht spektakulär genug.

Quelle/ps

 
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