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27.10.2011

Ist Dressurreiten ein Blutsport?

Muss man diese Frage überhaupt stellen? Man muss. Denn bei der FEI-Generalversammlung im November werden die Delegierten über diese Frage abzustimmen haben, so grotesk sie auf den ersten Blick anmutet.

Es wird darum gehen, was mit einem Pferd zu geschehen hat, das während eines Dressurturniers im Maul oder an einer anderen Körperstelle blutet. Man möchte meinen, die Antwort wäre klar und daher einfach zu geben: Ein Pferd, das verletzt ist, das blutet, hat in einem Bewerb nichts verloren. So sehen es jedenfalls über 10.000 Menschen, die bis jetzt die Aufforderung an die FEI, die sogenannte „Blood Rule“ abzulehnen, unterzeichnet haben (http://tinyurl.com/6jcvmh4).

Anders sieht das der Internationale Dressurtrainer-Club IDTC. Dieser fordert, dass bei internationalen Top-Turnieren Pferde, die nur geringfügig im Maul verletzt sind und deren Blutung gestillt werden kann, weiter im Bewerb verbleiben dürfen. Diese Forderung, „Blood Rule“ genannt, wurde vom FEI-Dressur-Komitee übernommen und an die nationalen Verbände zur Absegnung weitergeleitet.

Was Lobbying in Sachen Toleranz gegenüber Auswüchsen im Pferdesport bewirken kann, haben wir bereits anlässlich der Umdeutung der „Rollkur“ zu LDR lernen dürfen: Hinter dem Euphemismus von Low, Deep and Round verbirgt sich zwar im wesentlichen noch immer dieselbe abscheuliche Methode, aber im neuen Gewand ist sie anscheinend akzeptabel.

Dasselbe Schicksal droht dem Faktum Blut im Pferdemaul: „Geringfügige Verletzung“ klingt schon viel harmloser und lässt vor allem Raum für Interpretationen. Sollte sich die FEI tatsächlich auf diese Aufweichung des Grundprinzips des Pferdesports, dass das Wohl des Pferdes vor allen anderen Interessen zu stehen hat, einlassen, dann wäre dies ein Sündenfall von ungeheurer Tragweite. Nicht nur würde das Bild des Pferdesports in der Öffentlichkeit nachhaltig beschädigt werden (ein paar tiefe Kratzer hat es ohnehin schon) – auch wäre die Vorbildwirkung der Duldung tierquälerischen Verhaltens desaströs. Schon jetzt bemerkt man, dass Methoden, die laut FEI SpitzenreiterInnen vorbehalten sind, von Hinz und Kunz angewendet werden, zum Leidwesen der Pferde. Schon bei den NachwuchsreiterInnen ist häufig eine respekt- und lieblose Haltung gegenüber ihrem „Partner“ Pferd zu beobachten. Und es wird zunehmend unmöglich, Unschönes schönzuschreiben.

Herzlichst,

Eva Morawetz