Array ( [2000] => Home [2005] => Nachrichten [1011] => Marktkurzinfos [1026] => Marktanalysen [1016] => Reportagen [1044] => Über Uns [1046] => Das Team [1045] => Mediadaten [2021] => Impressum [2022] => AGB )
03.11.2011

Kandare bleibt ein Muss

Wer gebisslos gerittene Dressurprüfungen auf FEI-Level sehen möchte, wird sich weiterhin gedulden müssen. Und auch für internationale Top-Dressuren auf Trense heißt es nach wie vor: „bitte warten“. Das zeigte eine einschlägige Diskussion anlässlich des Global Dressage Forums 2011.

Das Reiten auf Kandare/Unterlegstrense wird wohl auch in Zukunft die einzig mögliche Zäumung auf FEI-Level bleiben. © Gabriele Arndt - Fotolia.com
Das Reiten auf Kandare/Unterlegstrense wird wohl auch in Zukunft die einzig mögliche Zäumung auf FEI-Level bleiben.
© Gabriele Arndt - Fotolia.com
Neben vielen interessanten Themen und Trainingsdemonstrationen stand beim diesjährigen Global Dressage Forumsein Agendapunkt auf dem Plan, der von vielen mit besonderer Spannung erwartet wurde: Soll es künftig auch international möglich sein, Grand-Prix-Prüfungen wahlweise auf Kandare/Unterlegstrense oder nur Trense gezäumt zu absolvieren? Und wäre vielleicht sogar das Starten mit gebisslosen Zäumungen denkbar?

Die engagierte Darbietung der 24-jährigen Dressurreiterin Alizee Froment aus Frankreich, welche ihr Grand-Prix-Pferd Mistral du Coussoul mit einem selbstentworfenen, halfterähnlichen Zaum vorstellte, endete in einer wenig ernsthaften Diskussion rund um den Verbleib der Kandare-Unterlegstrense-Kombination als einzig mögliche Zäumung auf Topniveau. Wie das Dressursportportal eurodressage.com berichtet, wurde eine dahingehende Regeländerung bislang weder innerhalb des IDTC (International Dressage Trainers Club) oder IDRC (International Dressage Riders Club) thematisiert, noch wurde der FEI ein solcher Vorschlag unterbreitet, obwohl eine derartige Regelung in Großbritannien auf nationaler Ebene bereits existiert.

Dies liegt wohl vor allem darin begründet, dass viele den Wunsch, ein Pferd mit möglichst wenig Metall im Maul vorstellen zu wollen, einfach nicht nachvollziehen können. So gibt es beispielsweise für David Hunt, seines Zeichens Präsident des IDTC, nur einen einzigen Grund, warum jemand auf den Gebrauch der Kandare verzichten wolle. „Meiner Erfahrung nach gibt es nur zwei Gruppen von Reitern, die eine der anderen beiden Varianten bevorzugen. Und beide können nicht mit der Kandare-Unterlegstrense-Kombination umgehen. Mit Trense allein können sie die Nase des Pferdes besser hochholen. Eine gebisslose Zäumung übt Druck auf die Nase der Pferde aus, was diese gar nicht mögen. Die Vorstellung, dass es sich dabei um etwas Harmloses oder besonders Nettes handelt entspricht nicht den Tatsachen.“ Ob Pferde den Druck auf Zunge und Laden so viel mehr schätzen, sei dahingestellt.

In eine ähnliche Kerbe schlug der britische Grand-Prix-Reiter und Generalsekretär des IDRC, Wayne Channon: „Gebissloses Dressurreiten kann durchaus Spaß machen, aber mit der Zeit muss der Reiter mehr Kraft aufwenden um mit seinen Hilfen durchzukommen, die Reiterei wird dann immer unerfreulicher. Durch ein Gebiss kann ich das Pferd superleicht machen, dann ist es auch wieder mit der gebisslosen Zäumung fein zu reiten.

Die alte Weisheit, dass eine Zäumung immer nur so gut oder schlecht ist wie die Hände, die sie bedienen, brachte der australische Verhaltensforscher und ehemalige Vielseitigkeitsreiter Andrew McLean ins Spiel: „Ich denke man kann ein Pferd mit jeglicher Art von Zäumung leicht erhalten. Ein Gebiss kann größere Schmerzen verursachen weil die negative Kraftverstärkung in Extremsituationen einfach größer ist. Dafür ist es sicherer. Es ist alles eine Frage des Trainings.“

Wenig realistische Chance auf Umsetzung

“Bislang haben wir uns mit der Frage, ob man auch nur auf Trense gezäumt einen FEI Bewerb reiten darf, einfach noch nicht beschäftigt,“ resümmierte Wayne Channon, „aber wir können gerne darüber diskutieren.“ Welche Chance eine ernsthafte Diskussion zu diesem Thema hat, kann man sich anhand David Hunts Finalstatement allerdings schon jetzt ausmalen: „Das Reiten auf Kandare ist eine Kunst für sich und Teil der klassischen Dressur. Für uns ist es wichtig daran festzuhalten.“