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16.03.2016

Kaum artgerechte Haltung für Schweizer Schulpferde

Der Großteil der eidgenössischen Schulpferde lebt in Einzelhaft mit wenig Möglichkeiten zu sozialen Kontakten. Das stellte der Schweizer Tierschutz im Rahmen einer Recherche fest. In 11 von 15 untersuchten Schulbetrieben fristen die Tiere ein tristes Dasein in beengten Einzelboxen.

In rund 70 Prozent der getesteten Betriebe waren die Schulpferde in platzsparenden,  beengten Einzelboxen untergebracht mit wenig bis gar keiner Möglichkeit zu solzialem Kontakt mit Artgenossen. © www.slawik.com
In rund 70 Prozent der getesteten Betriebe waren die Schulpferde in platzsparenden, beengten Einzelboxen untergebracht mit wenig bis gar keiner Möglichkeit zu solzialem Kontakt mit Artgenossen.
© www.slawik.com
Reiten lernt man am besten in einer guten Reitschule. Und diese zeichnet sich nicht nur durch ein angenehmes Klima für Reiterinnen und Reiter aus, sondern vor allem auch durch tierfreundliche Bedingungen für die Schulpferde. Reitschulen nehmen einen Vorbildcharakter ein. Sie bilden zukünftige PferdehalterInnen und ReitsportlerInnen aus, die von der Philosophie des Reitstalles nachhaltig geprägt werden. Nicht zuletzt deshalb sollte ein Reitstall in punkto Haltungssystem, Ermöglichung von Sozialkontakten zwischen den Pferden, Hygiene, Gesundheit, Ablauf der Reitstunde und Umgang mit den Pferden beispielhaft sein.

In wie weit die Ausbildungsbetriebe in der Schweiz diesem Anspruch gerecht werden, wollte der Schweizer Tierschutz in einer 2015 durchgeführten Recherche herausfinden. Dazu besuchte der STS anonym 15 Betriebe und bewertete sie nach Tierschutz-Kriterien.

Große Defizite bei der Haltung

Während Ordnung, Sauberkeit und erfreulicherweise auch der Umgang mit den Pferden bei der Mehrheit der besuchten Reitschulen zufriedenstellend waren, musste bei über zwei Drittel aller Betriebe hinter die Qualität der Tierhaltung ein großes Fragezeichen gesetzt werden. Von fünfzehn der schweizweit zufällig ausgewählten Reitbetriebe boten lediglich vier ihren Pferden zeitgemäße  Haltungsbedingungen in Auslauf-Gruppenhaltung und mit regelmäßigem Weidegang und damit ausreichend Möglichkeit auf ein Sozialleben und freie Bewegung.

In rund 70 Prozent der besuchten Reitschulen wurden die Schulpferde in platzsparenden, beengten Einzelboxen gehalten, teilweise ohne angrenzenden Auslauf. Oftmals war sozialer Kontakt zwischen Pferden höchstens durch die Gitterstäbe in den Boxen-Trennwänden möglich. Weidegang war vielfach nur für Einzeltiere und auf kleinen Flächen vorgesehen, häufig nur an wenigen Tagen, teilweise gar nur an einem Tag pro Woche. Die Zeit zwischen den Reitstunden verbrachten die meisten Pferde in ihrer Box. „Die Realität hierzulande ist offenbar, dass heutzutage noch eine Mehrheit der angehenden Reiterinnen und Reiter ihr Hobby in einem Umfeld erlernen, das klar als nicht tierfreundlich bezeichnet werden muss“, resümierte der STS in seinem Bericht.

Dies sei nicht nur aus Gründen des Tierschutzes bedenklich, sondern auch hinsichtlich der Sicherheit der Reitschüler. „Die verbreitete Einzelhaltung mit eingeschränktem Sozialkontakt und nur wenig freier Bewegungsmöglichkeit stellt jene Haltungsform dar, welche für den Reiter am schadensträchtigsten ist. Derart restriktiv gehaltene Pferde sind oft unausgeglichen, schreckhaft und unberechenbar, was gerade für Reitschüler ein erhöhtes Gefahrenpotential darstellt. Die physisch und psychisch durch die Reitanfänger besonders belasteten Schulpferde sollten vielmehr ein Haltungsumfeld haben, in dem sie sich zwischendurch ausgiebig entladen, aber auch entspannen und unter Pferden Pferd sein dürfen."

Vorbildfunktion im Umgang

Auch wenn im Großteil der getesteten Reitschulen ein ordnungsgemäßer Umgang mit den Schulpferden beobachtet werden konnte, selbstverständlich ist er leider noch immer nicht überall. Drei der besuchten Betriebe irritierten die TesterInnen des STS durch einem groben Umgang mit den Pferden während oder außerhalb der Reitstunden. So wurde etwa allgemein stark an den Zügeln gezogen oder es wurden eng verschnallte Reithalfter und Sperrriemen benutzt. In einem der Fälle schlug eine unerfahrene Reiterin ihr Pferd mehrmals stark mit der Gerte und stieß ihm wiederholt die Fersen in die Seite. Anstelle von Kritik für den rüden Umgang gab's von der Reitlehrerin Lob für die Zurechtweisung des Pferdes. „Ein solcher Umgang ist klar abzulehnen“, kritisiert der STS und appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Reitschulbetriebe in der Schweiz. Sie sollen ihren Schülern als Vorbild  dienen und die treue Arbeit ihrer Schulpferde mit einer pferdefreundlichen Behandlung und einem artgemäßen Leben abgelten. Dies nicht zuletzt auch, um die Sicherheit ihrer Reit-Zöglinge bestmöglich zu gewährleisten. Eltern von pferdebegeisterten Kindern rät der Schweizer Tierschutz, sich bei der Wahl der Reitschule Zeit zu lassen und auf eine gute Pferdehaltung und einen sorgsamen Umgang mit den Tieren zu achten.
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