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13.05.2016

Kissing Spines: So reiten Sie Pferde mit dieser Diagnose schmerzfrei

Kissing Spines - „küssende Dornfortsätze“ – sind eine gefürchtete und leider immer häufiger diagnostizierte, schmerzhafte Rückenerkrankung vieler Reitpferde. Wie sie entstehen und wie man sein Pferd trotz der Erkrankung schmerzfrei und reitbar halten kann, erklärt Buchautorin Anne Schmatelka.

Kissing Spines im Endstadium: Trotz dieser Diagnose ist der Wallach gut bemuskelt und wird bis hin zu Lektionen der Klasse S geritten. Voraussetzung: korrektes Reiten im klassischen Sinn. © JB Tierfoto
Kissing Spines im Endstadium: Trotz dieser Diagnose ist der Wallach gut bemuskelt und wird bis hin zu Lektionen der Klasse S geritten. Voraussetzung: korrektes Reiten im klassischen Sinn.
© JB Tierfoto
Meist beginnt es so: Das Pferd lahmt, im Schritt geht es Pass, im Trab ist es zügellahm, der Galopp ist kein korrekter Dreitakt mehr. Die Übergänge sind nicht fließend, die Lektionen führt das Pferd nur noch unwillig aus. Viele Pferde klemmen nach dem Aufsteigen, beim Satteln zeigen sie Sattelzwang, beim Putzen sind sie im Rücken empfindlich.

Dann kommt die Zeit, in der sich das Pferd zu Beginn des Reitens erst einlaufen muss, die Hinterbeine treten nicht mehr unter den Schwerpunkt, die Hinterhand ist eher nach hinten hinausgestellt. Eine korrekte Anlehnung ist nicht mehr gegeben. Alles erfolgt mit immer mehr Kraft und Druck durch den Reiter oder die Reiterin. Viele Pferde werden in dieser Phase unwillig oder widersetzlich. Sie buckeln und steigen, denn sie haben Schmerzen. Man ruft den Tierarzt, und dann folgt die Diagnose: Erste Engstände zwischen den Dornfortsätzen oder sogar schon Kissing Spines! Wie eine Breitseite trifft einen die Nachricht vom irreparablen Schaden an der Pferdewirbelsäule. Und jetzt?
Kissing Spines © Ponybox.com
© Ponybox.com

Kissing Spines

Bei Kissing Spines, zu deutsch etwa „küssende Dornfortsätze, berühren sich die Dornfortsätze der Wirbel und reiben aneinander, dadurch entstehen sehr schmerzhafte Entzündungen. In extremen Fällen können sich die Dornfortsätze auch überkreuzen oder sogar zusammenwachsen, betroffen sind meist die Fortsätze vom zehnten Brustwirbel bis zum vierten Lendenwirbel. Besonders anfällig für diese Erkrankung sind Pferde mit Senkrücken und wenig ausgebildeter Rückenmuskulatur.

Eile macht krank

Die heute gezüchteten Reitpferde nehmen uns Reiter durch ihre Sensibilität, ihre große Rittigkeit und ihre exzellenten Reitpferdeeigenschaften (leider) sehr viel ab. Viele Reiter glauben daher, nicht mehr so sorgsam reiten zu müssen, um die Qualität des Pferdes zu erhalten respektive sie zu fördern oder um beim Reiten überhaupt Losgelassenheit zu erreichen. Hinzu kommt, dass immer mehr Reiter auf die eigentliche Basisarbeit, die Dressur, verzichten.

In den allermeisten Fällen entwickeln sich Kissing Spines und andere Rückenprobleme des Pferdes durch fehlerhaftes Reiten und Ausbilden: mit zu viel Handeinwirkung, zu viel Aufrichtung, zu hohem Tempo oder permanentem Untertempo, zu wenig Aktivität aus der Hinterhand, falsch verstandener oder keiner Anlehnung, zu wenig Gymnastizierung. Das Ergebnis sind entweder „auseinandergefallene“, auf die Vorhand gerittene Pferde ohne korrekte Grundausbildung oder aber Pferde, die permanent „oben dran“ gestellt „um ihr Leben strampeln“.

Ein weiteres Problem ist heute die Eile in der Ausbildung, die es den Pferden schwer macht, gesund zu bleiben. Pferde sind in jungen Jahren massiv überfordert, müssen sich häufig einem übersteigerten Erfolgsdruck fügen. Die Remonte war früher vier bis fünf Jahre alt, wenn sie unter den Sattel kam. Die Knochen und Gelenke waren dann schon viel stabiler und gefestigter als sie es mit drei Jahren (das heute übliche Alter zum Einreiten) überhaupt sein können. Man ließ sich Zeit bei der Arbeit an der Longe und half dem Pferd damit, die notwendige Basismuskulatur aufzubauen, um später das Reitergewicht ohne Schaden tragen zu können. Nach dem ersten Einreiten ging es ins Gelände. Die Pferde wurden nicht – wie heute schon fast üblich – auf aufwendige Bewegungen gedrillt oder in der Halle mit der Nase vor der Brust abgerichtet, sondern durften sich in zwangsloser Selbsthaltung in allen Gangarten bewegen. Ziel war, Muskeln, Sehnen, Bänder, Knochen und Gelenke zu stabilisieren, die Schwungentwicklung zu fördern und die natürliche Qualität der Grundgangarten zu erhalten. Man begann mit Zügel-aus-der-Hand-kauen-Lassen in den drei Grundgangarten, ersten großen gebogenen Linien und nur grundlegenden Übungen und Lektionen. Die Fähigkeit, das eigene Gleichgewicht zu finden, ergab sich durch diese Ausbildung fast nebenbei. Erst nach rund zwei Jahren, wenn das Pferd gefestigt war, begann die wirkliche Arbeit in der Dressur. Dressurarbeit durchlief jedes Pferd, um erst danach seiner entsprechenden Spezialisierung zugeführt zu werden.

Dieser Weg wird heute kaum noch gewählt – weil er zu viel Zeit kostet und zu viel Geld. Ein Fünfjähriger, der nicht mehr kann als im Gelände bergauf und bergab zu laufen, der nicht mindestens L-Dressur-Lektionen beherrscht oder mindestens ein L-Springen gegangen ist, ist eigentlich nichts wert. Das Ergebnis dieses übersteigerten Erfolgsdrucks sind steife, verkrampfte und fehlbemuskelte Pferde. Es entstehen Sehnenschäden, Fesselträgerentzündungen, Kissing Spines, Genickschäden, Nackenbandreizungen, Entzündungen, psychische Probleme und viele weitere Befunde, die oft schon in den ersten Ausbildungsjahren zu irreparablen Schädigungen führen.

Neue Wege gehen

Sind Rückenprobleme oder Kissing Spines erst einmal vorhanden, ist spätestens dann der Zeitpunkt gekommen, um etwas zu ändern, und das heißt:
  • neue Wege zu gehen,
  • Dinge anders zu machen als bisher,
  • Dinge anders zu machen als andere,
  • auch einmal „nein“ zu sagen,
  • (anscheinend) althergebrachte Methoden zu hinterfragen.
Denn Engstände zwischen den Dornfortsätzen oder Kissing Spines sind ein nicht mehr heilbarer Schaden, der mit großen Schmerzen verbunden sein kann! Haben Pferde Rückenprobleme oder Kissing Spines, dann verändert sich mit der Zeit die Muskulatur. An den notwendigen Stellen wird sie abgebaut und zur Kompensation an den falschen Stellen aufgebaut. Das führt dazu, dass sich das Pferd vom Erscheinungsbild verändert.

Zu den Grundlagen gehören:
  • ein schmerzfreies Pferd, was manchmal im ersten Schritt nur mit Hilfe von entzündungshemmenden Mitteln zu erreichen ist. Denn nur ohne Schmerzen kann man an den notwendigen Muskelaufbau denken;
  • die Unterstützung durch einen guten Osteopathen, der die Grundmobilität wiederherstellt und entsprechende Übungen vermittelt, damit man als Reiter oder Besitzer sein Pferd für die Zukunft elastisch halten kann;
  • korrekt gestellte Hufe und/ oder korrigierender Beschlag,
  • der für Reiter und Pferd passende Sattel,
  • ein möglichst korrekt sitzender Reiter, der zum Sitzen und zum Treiben kommt,
  • die Schwungentwicklung aus der Hinterhand, korrekte Anlehnung und eine Pferdenase, die an die Senkrechte gehört!
Dennoch ist ein solcher Befund kein Weltuntergang. Man muss jetzt nur anders an die Dinge herangehen. Und das heißt: die Grundlagen schaffen, damit es für die Zukunft wieder funktionieren und das Pferd ohne Schmerzen leben und geritten werden kann.

Pferdeausbildung anno dazumal

Noch vor 50 bis 60 Jahren war es selbstverständlich, dass beim jungen wie beim alten Pferd während des Trainings mehrere Male über ein paar Minuten Zügel- aus-der-Hand-kauen- Lassen geritten wurde. Dabei kann und konnte sich das Pferd strecken, entspannen. Es gab viel weniger Verspannungen, Rückenprobleme und Folgeerkrankungen als heute – und das, obwohl die Pferde zu dieser Zeit bei weitem nicht die Rittigkeit aufwiesen, die für uns heute so selbstverständlich geworden ist.

Früher ging man sogar soweit, dass die junge Remonte fast ausschließlich am längeren Zügel geritten wurde – und das über den Zeitraum des ersten, teilweise zweiten Ausbildungsjahres. Das vermied Verspannungen. Die Qualität der Grundgangarten blieb erhalten, konnte darüber sogar verbessert werden. Ausschließlich ältere Pferde mit entsprechendem Ausbildungsstand wurden mit kürzeren Zügeln und in Aufrichtung geritten, und auch das nur phasenweise, im versammelten Schritt, versammelten Trab und versammeltem Galopp, mit gesenkter Hinterhand und in korrekter relativer Aufrichtung. Die Pferde beherrschten irgendwann auch alle Lektionen, die wir heute in den höheren Ausbildungsklassen sehen. Nur vermutlich war die Ausführung der Lektionen früher bedeutend losgelassener als heute…

Grundmobilität herstellen

Wenn der Sattel passt, die Hufe korrekt gestellt sind, der Rücken schmerzfrei ist, sollte ein Osteopath Blockaden beseitigen und eine erste Grundmobilität wieder herstellen. Bei den Osteopathen ist es wie bei den Ausbildern: einen wirklich guten zu finden, ist nicht einfach. Einen Könner erkennt man an folgenden Details: Die erste Behandlung sollte mindestens eineinhalb Stunden dauern. Der Osteopath sollte sich das Pferd an der Hand vorführen lassen, sich die Fußfolge in Schritt und Trab genau ansehen, das Pferd an der Longe am Halfter links- und rechtsherum vorführen lassen, enge Wendungen gehen lassen, die einzelnen Schritte der Behandlung und seine Beobachtungen genau erklären können. Die Behandlung sollte er nicht nur auf den Rücken reduzieren, sondern alle Gelenke und Strukturen im Körper des Pferdes checken.

Auch nach den Zähnen schaut der gute Osteopath. Wenn da etwas nicht in Ordnung ist, ist das Pferd in Kiefer und Genick verspannt und in der Folge irgendwann im ganzen Körper. Er sollte vorsichtig mit dem Pferd umgehen, Ruhe vermitteln, damit sich das Pferd entspannen kann. Bei Pferden mit Rückenproblemen oder Kissing Spines können die ersten Behandlungen schmerzhaft sein.

Nach der Behandlung sollte er das Pferd auf die Weide entlassen und nicht die Auflage machen, es für einige Tage in der Box einzusperren oder gar anzubinden. Der Therapeut sollte dem Pferdebesitzer auch verschiedene Übungen zeigen und diese als quasi tägliche Hausaufgabe bis zur nächsten Behandlung mitgeben. Dazu gehören das Aufwölbenlassen des Rückens, gegebenenfalls das Lockermachen der Halsfaszie, Schweifdehnen, Karotten an der Hinterhand abholen lassen, den Widerrist bewegen, das Becken kippen und ähnliches (siehe dazu 8 Übungen für rückengeplagte Pferde). Die erste Nachbehandlung sollte je nach Situation drei bis vier Wochen nach dem ersten Termin erfolgen.
Übungen wie die "Karottendehnung" helfen die Grundmobilität wieder herzustellen. © JB Tierfoto / Cadmos
Übungen wie die "Karottendehnung" helfen die Grundmobilität wieder herzustellen.
© JB Tierfoto / Cadmos

Muskelaufbau an der Longe

Der Freilauf – und sich dabei auch wälzen können – ist für ein Pferd mit Rückenproblemen oder Kissing Spines sehr wichtig. Denn je mehr Bewegung das Pferd hat, umso schneller können sich Verspannungen lösen. Wenn eine Grundentspanntheit erreicht ist, geht es an den Aufbau der Muskulatur. Oft ist es notwendig, dazu mit Longieren zu beginnen, wobei es sehr unterschiedliche Vorgehensweisen gibt.

Die einen longieren ausschließlich mit Kappzaum. Die Pferde sind dabei in der Regel nicht ausgebunden. Sicherlich kann man auf diese Weise sinnvoll arbeiten, allerdings passiert es durch die fehlende Begrenzung schnell, dass die Pferde „auseinanderfallen“ und „auf der Vorhand“ ihre Kreise ziehen, was für den Muskelaufbau nichts bringt, denn das Hinterbein ist dabei im allgemeinen wenig aktiv. Hier ist also besonderes Können und ein gutes Timing gefragt.

Das Longentraining mit Ausbindern oder Zügel ist für die Aufbauarbeit eines Kissing-Spines-Pferdes ungeeignet. Vielfach wird dabei vergessen, wie groß die Belastung von Maul und Genick ist. Zügel geben nicht nach, Ausbinder beinahe genauso wenig. Als Folge erhält das Pferd– so es nicht gelernt hat hinter dem Zügel zu gehen –  bei jedem Tritt einen Ruck im Maul, der sich in weiterer Folge auf das Genick fortsetzt. Das sorgt weder für Losgelassenheit, noch traut sich das Pferd, an das Gebiss heranzutreten oder gar, sich zu entspannen.

Bewährt hat sich insbesondere die Arbeit am Dreieckszügel. Dabei wird dieser so lang geschnallt, dass sich das Pferd an der Longe in die Tiefe strecken kann. Die Nase soll dabei vor die Senkrechte in Höhe des Buggelenks in Dehnungshaltung kommen. Allerdings ist darauf zu achten, die Länge der Zügel so zu bemessen, dass das Pferd – sollte es übermütig sein – nicht hineintreten kann.

Handschuhe und festes Schuhwerk sind bei der Longenarbeit Pflicht. Eine Longierpeitsche dient nicht dazu, das Pferd zu strafen, sondern dazu, das Hinterbein aktiv zu halten und ein mögliches Umdrehen des Pferdes an der Longe zu verhindern.
Pferd an der Longe mit korrektem Durchsprung im Galopp: Longearbeit dient dem unbelasteten Aufbau der nötigen Muskulatur. © JB Tierfotos
Pferd an der Longe mit korrektem Durchsprung im Galopp: Longearbeit dient dem unbelasteten Aufbau der nötigen Muskulatur.
© JB Tierfotos

Arbeit an der Hand

Neben dem korrekten Longieren hilft auch die Arbeit an der Hand. Hierbei kann man erste Lektionen wie Schulterherein, Halten – Rückwärtsrichten, daraus antreten lassen und wieder Rückwärtsrichten üben. Zum einen helfen diese Übungen, Muskeln zu lockern und zu kräftigen, und zum anderen kann sie das Pferd mit Unterstützung der Stimme schon einmal verinnerlichen. Unter dem Reiter lernt das Pferd später schnell, das Kommando mit der Hilfe zu verbinden.

Die Arbeit an der Hand ist eine gute Ergänzung zur Arbeit unter dem Sattel. Wenn man sie selbst nicht beherrscht, sollte man sich professionelle Unterstützung suchen, dem Ausbilder dann allerdings erklären, dass es nicht um Piaffe und Passage geht, sondern um die Grundlagen des Lösens.

Das Reiten

Beim Reiten selbst heißt es, zu den Grundlagen zurückzukehren. Dazu gehört als eine der wichtigsten Übungen überhaupt, die man bei jedem Training und auch bei jedem Ausbildungsstand immer wieder einbinden sollte, das Zügelaus-der-Hand-kauen-Lassen.

Um das bis zur Perfektion zu üben, bietet sich auch die Arbeit im Gelände an. Ob auf großen gebogenen Linien, ob auf langen Wald- oder Wiesenwegen: Zügel-aus-der-Hand-kauen- Lassen ist ein unverzichtbares Werkzeug, das jeder Reiter beherrschen sollte und jedes Pferd erlernen muss. Das Pferd lernt dabei, den Rücken herzugeben, aktiv mit dem Hinterbein abzufußen, an die Hand heran zu treten und alle Muskeln korrekt zu belasten. Darüber hinaus kann es sich entspannen.

Bei korrekt gerittenem Zügel-aus-der-Hand-kauen-Lassen kommt das Pferd in eine Dehnungshaltung, bei der sich die Nase in der Höhe des Buggelenks an der Senkrechten oder idealerweise noch ein wenig davor befindet. Das Pferd fußt aktiv mit dem Hinterbein ab, und der Rücken des Pferdes kommt zum Schwingen (der Rücken ist „hergegeben“). Bei einem richtig ausgeführten Zügel-aus-der- Hand-kauen-Lassen werden alle Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke im Körper des Pferdes korrekt belastet, Verspannungen gelöst, innere und äußere Losgelassenheit erreicht.

Da Zügel-aus-der-Handkauen-Lassen ein Kriterium für die korrekte Ausbildung eines Pferdes ist, sollte es zu den ersten Übungen gehören, die man in der Bahn wie im Gelände immer wieder einbindet – und zwar nicht nur zu Beginn und zum Ende des Trainings, sondern auch zwischendurch.

Ob bei der Arbeit im Gelände, auf dem Platz oder in der Halle, es gilt immer:
  • Habe ich mich mit der Versammlung beschäftigt, muss danach ein Zulegen und ein Zügel-aus-der-Hand-kauen-Lassen erfolgen!
  • Habe ich Lektionen geritten, sollte das Rauskauen-Lassen danach als Entspannung dienen!
  • Schrittpausen während des Trainings und zum Abschluss dienen zum Zügelaus-der-Hand-kauen-Lassen bis zur Schnalle.

Im Anschluss gehören Übergänge und Tempounterschiede zu den sinnvollen und gut nutzbaren Trainingsfolgen. Dabei wird der Rücken locker, das Hinterbein aktiv, und das Pferd konzentriert sich auf den Reiter. Beachtet man dabei die stete und feine Anlehnung und sind Sitz und Einwirkung korrekt, so sind Übergänge und Tempounterschiede ideal, um Rückenprobleme zu beseitigen.

Große gebogenen Linien, Zirkel und das Reiten von Achten in der Lösungsphase verbessern nicht nur die Rippenbiegung, sondern unterstützen auch die Geraderichtung. Auch helfen sie dem Pferd, an den äußeren Zügel heranzutreten. Dabei ist es wichtig, dass die äußere Hand so weit vorgeht, dass die Stellung des Halses zugelassen wird, die Verbindung muss jedoch erhalten bleiben. Die innere Hand sollte so fein sein, dass sie weder inneres Hinterbein noch innere Schulter blockiert, aber auch hier muss die Anlehnung erhalten bleiben. Denn die korrekte Anlehnung sorgt dafür, dass das Pferd mit aktiv abfußendem Hinterbein von hinten nach vorne in die Hand schwingen kann.

Adieu Rückenschmerzen

Eigentlich ist es einfach. Man muss nicht unendlich viele Lektionen beherrschen oder reiten, um Rückenprobleme beim Pferd zu vermeiden. Allein Übergänge und Tempounterschiede, Seitengänge (wie Schulterherein, Travers, Renvers langgezogene Traversalen), gebogene Linien und das in Verbindung mit Zügel-aus-der- Hand-kauen-Lassen sorgen dafür, dass das Pferd durch den Körper schwingt, sich loslassen kann.

Diese Übungen in Verbindung mit einem passenden Sattel, einem guten, ausbalancierten Sitz und einer feinen und korrekten Hilfengebung sind die Grundvoraussetzungen für ein rückenschonendes Training, bei dem sich das Pferd loslassen, entspannen und Muskulatur aufbauen kann. Dann verschwinden Rückenprobleme so schnell wie sie gekommen sind, und Kissing Spines haben für die Zukunft keine Bedeutung mehr. Sie sind zwar da und werden es bleiben, aber sie tun dem Pferd nicht mehr weh und es bleibt bis ins hohe Alter zufrieden und reitbar.

Anne Schmatelka/ps
Über den Rücken Schmatelka © Cadmos
© Cadmos

Buchtipp

Über den Rücken
Pferde mit Rückenproblemen richtig reiten

Anne Schmatelka
ISBN 978-3-8404-1014-7
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Mangelnde Durchlässigkeit, Taktfehler, Probleme in den Seitengängen: Diese und viele weitere verbreitete Schwierigkeiten in der Dressurausbildung von Pferden sind auf Rückenschmerzen zurückzuführen. Als Ursache kommen meist Ausbildungsfehler in Betracht – und hier setzt die Autorin dieses Buches an. Denn Pferde mit Rückenproblemen sind nicht zwangsläufig unreitbar, sondern können mit den richtigen Methoden und Übungen trotzdem schmerzfrei und sogar auf hohem Dressurniveau geritten werden. Wird das Pferd konsequent „über den Rücken“ und gemäß den Grundsätzen der klassischen Reitkunst gearbeitet und wird auf die Rahmenbedingungen wie Sattelanpassung, Hufkorrektur und Haltung geachtet, ermöglicht der Muskelaufbau eine sehr gute Leistungsfähigkeit des Pferdes bis ins hohe Alter. Dieses Buch stellt alle wichtigen Informationen rund um das Thema zusammen und zeigt den Weg einer rückengerechten Reitweise auf.

Anne Schmatelka beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Gesunderhaltung des Pferdes trotz Nutzung durch den Reiter und hat zu diesen Themen zahlreiche Beiträge in verschiedenen Fachmagazinen veröffentlicht. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Rückenprobleme bei Pferden. Ihr eigenes Pferd, bei dem im Alter von fünf Jahren die Diagnose Kissing Spines gestellt wurde, hat die Autorin bis zur Klasse S ausgebildet.

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Dieser Artikel von Anne Schmatelka wurde erstmals in Ausgabe 7/2011 der Pferderevue veröffentlicht. Pferderevue AbonnentInnen können diese Artikel zusammen mit über 40.000 weiteren in unserem Online-Archiv kostenlos nachlesen. Einfach unter Service/Online-Archiv einloggen und in allen Heften aus über 25 Jahren Pferderevue zum Nulltarif blättern!
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