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10.03.2011

Klischees auf den Huf gefühlt: Die Vollzeit-Pferdefrau

Für die Vollzeit-Pferdefrau gibt es nur eine Nummer eins, und die hat vier Hufe und wiehert!

Die Vollzeit-Pferdefrau © Sonya Etchison - fotolia.com
Nichts und niemand gerät zwischen die Vollzeit-Pferdefrau und ihren wiehernden Partner.
© Sonya Etchison - fotolia.com
Wenn Pferde Zwergschildkröten wären – sagen Sie jetzt nicht, das sei absurd – wenn also Pferde Zwergschildkröten wären, dann könnte man sie ja auch so behandeln. Im Winter nämlich, wenn es so bitterlich kalt und absolut uneinladend wird und nur einer, nämlich das Pferd, so sehr drauf besteht, dass es just im Schneesturm ausgeführt werden will, dann könnte man sie doch langsam abkühlen: zuerst eine Woche in den Keller stellen, dann in den Kühlschrank, bis die Winterstarre einsetzt – und erst wieder aufwärmen, wenn die Tage länger werden und es endlich wieder einen faktischen Beweis gibt, dass die Sonne noch existiert.
Die Vollzeit-Pferdefrau kennt diesen Gedanken, doch das Pflichtbewusstsein ist viel zu groß, als dass sie den Dienst beim Pferd aufgrund der Wetterlage reduzieren würde. Und so sieht man sie wochentags stets in der Dunkelheit, ihr Pferd hat sich bestens drauf eingestellt und verbringt die Vormittage meist in Seitenlage und angenehm schnarchend. Die Vollzeit-Pferdefrau ist währenddessen in der Arbeit, stets mit Druck bei der Sache, um jede Minute kämpfend, die sie vielleicht doch früher raus kommen könnte. Im Stall schnell in die Reithosen gesprungen – das Auto der Vollzeit-Pferdefrau ähnelt im übrigen einem mobilen Kleiderschrank, der Wechselgewand für alle Anlässe beinhaltet – und dann hingebungsvoll putzen, reiten, pflegen, das ist das tägliche Soll.
Dem Pferd gefällt’s – schließlich weiß es, dass es die eigentliche Nummer eins ist. Der Rest ist gesellschaftliche Konvention, oder einfach die Notwendigkeit, das nötige Gerstl zu verdienen. Mit Genugtuung hat es die Vibes wahrgenommen, die der Partner der Vollzeit-Reiterin dem Pferd entgegengebracht hat. Das ist lange her, denn nach der ersten Kennenlern-Phase war klar: Das Ultimatum „Ich oder das Pferd“ wird immer zugunsten der verhinderten Zwergschildkröte ausfallen. Und Kühlschrank hin oder her, die Vollzeit-Pferdefrau weiß, dass die Abende im Stall den Tag doch erst komplett machen, und es nichts schöneres gibt, als den Geruch eines zufriedenen Pferdes, dessen Winterfell zu später Stunde noch unterm Solarium dampft.
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