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29.03.2017

Lahmheit lässt sich am Gesicht eines Pferdes ablesen

Das Gesicht eines Pferdes ist weitaus ausdrucksstärker, als man lange geglaubt hat. Forscher fanden jetzt heraus, dass sich sogar Lahmheiten darin ablesen lassen.

Lahme Pferde ließen in der Studie deutlich mehr Schmerzanzeichen erkennen als gesunde Tiere, dazu zählten zurückgelegte Ohren, eine angespannte Nüstern- und Augenpartie und ein geöffnetes Maul. © www.slawik.com
Lahme Pferde ließen in der Studie deutlich mehr Schmerzanzeichen erkennen als gesunde Tiere, dazu zählten zurückgelegte Ohren, eine angespannte Nüstern- und Augenpartie und ein geöffnetes Maul.
© www.slawik.com
Lahmheiten sind beim Pferd oft schwierig zu erkennen. Vor allem dann, wenn sie sich nicht in starker Ausprägung sondern nur in minimalen Taktverschiebungen zeigen. Vor diesem Hintergrund ist es nicht weiter verwunderlich, dass viele kleinere und gröbere Probleme am Bewegungsapparat des Pferdes häufig unentdeckt bleiben.

Eine 2016 veröffentlichte Studie britischer Forscher bestätigte dies auf eindrucksvolle Weise. In einem Versuch wurden knapp 75 Prozent der von einem Tierärzteteam als (in unterschiedlichen Ausprägungen) lahm beurteilten Pferde von ihren Reitern als völlig gesund erachtet und entsprechend wie gewohnt belastet.

Eine Lösung für dieses Problem bieten insbesondere spezielle Schulungen zur Lahmheitsbeurteilung. Aber auch das Pferdegesicht kann Aufschlüsse über ein mögliches vorhandenes Problem bieten, wie eine aktuelle Studie aus Großbritannien zeigt.

Eine Veterinärin sollte anhand von 519 Fotos den Scherzzustand der darauf abgebildeten Pferde beurteilen. Die Bilder zeigten lediglich Kopf und Hals der Tiere. Von den insgesamt 101 Pferden waren 76 zuvor als lahm bewertet worden. 25 von ihnen hatte ein Tierärzteteam im Vorfeld als frei von Lahmheits- bzw. Gangproblemen eingestuft.

Von sieben lahmen Pferde wurden zudem 30 Bilder vor und 22 Bilder nach einer örtlichen Betäubung angefertigt, die die Lahmheitssymptome vorübergehend verschwinden ließ.

Pro Pferd standen der Veterinärin zwischen drei und 13 Fotos für die Beurteilung zur Verfügung.

Nachdem die Tierärztin insgesamt 27.407 Gesichtsmerkmale identifiziert und diese auf einer Skala von 0 (schmerzfrei) bis 3 (starke Schmerzen) bewertet hatte zeigte sich, dass die registrierten Schmerzanzeichen bei den Pferden mit Lahmheitsproblemen erheblich stärker ausgeprägt waren als bei den gesunden Pferden. Diese Erkenntnisse bestätigten sich bei den Pferden, die extra für den Versuch lokal betäubt worden waren.

Lahme Pferde fielen insbesondere durch zurückgelegte Ohren, einen gekräuselten Nüsternbereich, teilweise oder ganz geschlossene Augen, eine angespannte Augenpartie, und/oder einen intensiv starrenden Blick auf. Außerdem liefen die Pferde vermehrt über dem Zügel, hatten ein geöffnetes Maul und ließen ihre Zähne erkennen.

Gleich weiterlesen: Was das Pferdegesicht über Schmerzen verrät

„Möglicherweise lässt sich das (von uns verwendete) Ethogramm (zur Beurteilung des Gesichtausdrucks) etwas vereinfachen, damit es auch von Pferdebesitzern, Trainern, medizinischen Hilfskräften und Veterinären verwendet werden kann um Schmerzen zu erkennen, die sich nicht in einer Gangveränderung bemerkbar machen oder die mit Lahmheiten einhergehen“, meinte Sue Dyson. Die neu gewonnen Erkenntnisse seien ein bedeutender Schritt hin zu einer effizienteren Beurteilung des Tierwohls beim gerittenen Pferd, ist die Orthopädieexpertin aus Newmarket überzeugt.

Die Studie “Can the presence of musculoskeletal pain be determined from the facial expressions of ridden horses (FEReq)?” von Sue Dyson, Jeannine M. Berger, Andrea D. Ellis, und Jessica Mullard wurde im Journal of Veterinary Behaviour veröffetnlicht und kann hier abgerufen werden.

Quelle

ps
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