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19.11.2014

Lange Fresspausen begünstigen aggressives Verhalten

Wenn die Fütterungszeit naht, werden viele sonst verträgliche Pferde zu regelrechten Furien. Dabei läuft die Nahrungsaufnahme bei Wildpferden in der Regel höchst harmonisch ab. Warum das so ist, haben Schweizer Wissenschaftler versucht herauszufinden.

Zur Futterzeit ist mit manchen Pferden nicht gut Kirschen essen. © Sven Kramer - fotolia.com
Zur Futterzeit ist mit manchen Pferden nicht gut Kirschen essen.
© Sven Kramer - fotolia.com
In der Natur sind Pferde 12 bis 18 Stunden mit Fressen beschäftigt. Die Nahrung, die sie dabei zu sich nehmen, ist energiearm und faserreich. Domestizierte Pferde unterscheiden sich in ihren Bedürfnissen, was die Fütterung anbelangt, nur kaum von ihren wildlebenden Artgenossen, dennoch sieht die gängige Futterpraxis in der Regel deutlich anders aus. Angepasst an die Gewohnheiten des Menschen müssen viele Pferde mit zwei bis drei Mahlzeiten am Tag auskommen. Vor allem die Rationierung des Raufutters hat zur Folge, dass Pferde insbesondere vor und während der Fütterung agonistisches Verhalten zeigen. Die Palette reicht dabei von Drängeln, Annähern und bloßem Drohen bis hin zu aggressivem Verhalten gegenüber den Stallkollegen.

Welche Faktoren dieses Fehlverhalten begünstigen und wie es reduziert werden kann, war Gegenstand einer Studie Schweizer Forscher. Als Probanden dienten 390 Pferde, aufgeteilt in 50 Gruppen zu 4 bis 21 erwachsenen Pferden. Die Forscher beobachteten jede dieser Gruppen in den 30 Minuten vor und den ersten 30 Minuten während der Fütterung und notierten alle in dieser Zeit auftretenden agonistischen Verhaltensweisen.

Gefüttert wurde in sieben verschiedenen Systemen: vom Boden, aus der Raufe, aus dem Netz, durch Fressgitter, in Fressständen und in gemischten Systemen. In den meisten Gruppen wurde zwei- bis dreimal täglich Heu oder Heulage gefüttert, wobei die Zeit, in der Futter zur Verfügung stand mit Spannen von eineinhalb bis 24 Stunden erheblich variiierte. Stroh war in den meisten Gruppen ad libitum vorhanden.

Über alle Fütterungssysteme hinweg machten Drohgebärden mit über 60 Prozent den größten Teil des agonistischen Verhaltens aus, nur in 7 Prozent kam es zu echtem aggressiven Verhalten. Dieses trat verstärkt dann auf, wenn die Pferde vom Boden aus oder in gemischten Systemen gefüttert wurden. Insgesamt konnte beobachtet werden, dass sich das Drohverhalten während der Fütterung selbst wieder reduzierte, die deutlichste Verringerung wurde bei Systemen gemessen bei denen die Fressplätze entweder weit entfernt waren (z.B. durch strategisch klug verteilte Heunetze) oder wie bei den Fressständen mit Trennwänden unterteilt waren.

Eine wichtige Rolle spielte auch die Verfügbarkeit von Heu. Je länger das Raufutter zur Verfügung stand, desto geringer wurde vor der nächsten Fütterung gerangelt, gedroht und gebissen.

Eine Fütterung ad libitum sowie Fressplätze, die durch genügend Abstand oder Trennwände unterteilt sind, sind also die wirkungsvollsten Methoden um Futterneid zu reduzieren. Weil gerade bei leichtfuttrigen Pferden die permanente Verfügbarkeit von Nahrung schnell zum Problem werden kann, raten die Forscher zu Slow Feedern, wie engmaschigen Heunetzen. Sie ermöglichen ein Fressverhalten, das jenem unter natürlichen Bedingungen noch am nächsten kommt. Eine Übersicht über die gängigsten und wirkungsvollsten Produkte finden Sie im Artikel "Entschleunigt fressen" (Pferderevue, Juli 2014). Pferderevue AbonnentInnen können ihn zusammen mit über 40.000 weiteren in unserem Online-Archiv kostenlos nachlesen. Einfach unter Service/Online-Archiv einloggen und in allen Heften aus 25 Jahren Pferderevue zum Nulltarif blättern!

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