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02.09.2015

Lektion mit Tücken: Das Kurzkehrt

Für viele Reiterinnen in den Klassen L und M ist sie die „Untergangslektion“ überhaupt: die Kurzkehrtwendung. Wo es bei dieser Übung haken kann und was man dagegen tut, erklärt Dr. Britta Schöffmann.

Im Unterschied zur Hinterhandwendung wird die Kurzkehrtwendung von der Bewegung in die Bewegung geritten. Wer dabei die Orientierung verliert, kann sich anfangs mit einem Pylon helfen. © www.slawik.com
Im Unterschied zur Hinterhandwendung wird die Kurzkehrtwendung von der Bewegung in die Bewegung geritten. Wer dabei die Orientierung verliert, kann sich anfangs mit einem Pylon helfen.
© www.slawik.com
Selbst geübte Reiterinnen der Klasse S scheinen, wenn es um ein Kurzkehrt oder um eine Schrittpirouette geht, häufig einen Knoten in Hirn und Hilfengebung zu haben. Komischerweise ist dieses Problem bei der Hinterhandwendung viel weniger ausgeprägt, dabei sind die beiden Lektionen beinahe identisch. Der einzige Unterschied: das Kurzkehrt wird aus der Bewegung (Mittelschritt oder Trab) geritten und geht wieder in Bewegung über, die Hinterhandwendung beginnt im Halten und endet im Halten. Alles, was dazwischen liegt, ist gleich.

Auch im Kurzkehrt absolviert das Pferd auf beinahe unsichtbare Reiterhilfe, in Bewegungsrichtung gestellt und gebogen, bei erkennbarer Vorwärtstendenz eine enge 180-Grad-Wendung um sein inneres Hinterbein, bei der sich die Hinterbeine im Takt auf einem kleinstmöglichen Kreisbogen bewegen ohne zu kreuzen, die Vorderbeine dagegen überkreuzen. Wird das Kurzkehrt aus dem Mittelschritt geritten, führt es auch im Mittelschritt wieder heraus, soll es aus dem Trab entstehen, wird kurz zum Schritt pariert, die Wendung geritten und dann umgehend wieder angetrabt. Soweit die blanke Theorie.

In der Praxis lässt sich aber oft beobachten, dass die Reiterinnen bereits in der Einleitung zum Kurzkehrt jede Menge Schwierigkeiten haben. Entweder machen sie zunächst gar nichts und ziehen ihr Pferd in einer Art Mini-Volte plötzlich überfallartig herum – oder sie zögern so lange, bis auch der Schritt vor dem Kurzkehrt problematisch, sprich tastend, torkelnd oder taktgestört wird. Oder aber die Wendung wird viel zu groß – oder zu klein, haftend, drehend oder rückwärtstretend. Oder das Pferd schiebt schon bei der Einleitung die Hinterhand Richtung Bahnmitte. Oder es kommt mit der Schulter nicht nach. Oder, oder, oder. Die Liste der möglichen Fehler ist beinahe beliebig erweiterbar – und fast immer handelt es sich - wie so oft - um Reiterfehler!

Ein Schritt zurück

Ist der Knoten im Reiterhirn erst einmal entstanden, muss zunächst wieder ein Schritt zurück gemacht werden. Am besten ist es, wenn der Reiter einen gute Ausbilder hat, der gemeinsam mit ihm analysiert, wo genau es hakt. Fehlt die Bewegungsvorstellung? Gibt es Schwierigkeiten mit der Hilfengebung? Ist das Zusammenspiel bzw. das Timing der Hilfen unklar? Hat das Pferd diese Lektion überhaupt jemals erlernt?

Ein junges Pferd, das bisher noch nie eine Hinterhandwendung oder ein Kurzkehrt absolviert hat, kann einem unerfahrenen Reiter natürlich nicht das Gefühl für richtig bzw. falsch vermitteln, da es selbst nicht weiß, wie es seinen Körper in dieser Wendung koordinieren soll.

Die erste Grundvoraussetzung ist also ein Pferd, das bereits weiß, wie es auf die (mehr oder weniger) richtigen Reiterhilfen reagieren soll. Die zweite Voraussetzung ist die Bewegungsvorstellung des Reiters von der Lektion (am besten einmal zusehen, wie ein korrekt gerittenes Kurzkehrt aussieht). Und die dritte Voraussetzung ist ein guter Trainer. Sind diese drei Voraussetzungen gegeben, kann’s ans Werk gehen.

Oft ist es aus Trainersicht sogar hilfreich, den Reiter machen zu lassen, ohne viel zu erklären. Manche Reiter, die zum ersten Mal ein Kurzkehrt reiten sollen, machen gefühlsmäßig alles richtig und würden, wenn sie angesichts der doch recht komplexen Übung schon im Vorfeld mit Anweisungen überfallen würden, zu viel nachdenken und sich dadurch verheddern.

Klappt es mit dem reinen Fühlen nicht, muss der Trainer eingreifen und die Hilfenabfolge erklären: Mit einer halben Parade das Pferd aufmerksam machen und von hinten heranschließen, Zügel etwas verkürzen, mit dem inneren Zügel in Bewegungsrichtung stellen und herumführen. Der innere Schenkel bleibt am Gurt und treibt das Pferd leicht vorwärts, während der äußere Schenkel verwahrend hinter dem Gurt liegen bleibt und die Hinterhand in Position hält. Mit beiden Zügeln abwechselnd durchhalten und nachgeben, der äußere Zügel begrenzt zudem die äußere Pferdeschulter. Sobald das Pferd in Gegenrichtung angekommen ist, im Schritt oder Trab – je nach Anforderung – geradeaus weiter reiten.

Auch wenn ein Reiter bereits grundsätzliche Schwierigkeiten mit dem Kurzkehrt hat, ist es hilfreich, ihn erst einmal ohne Anweisungen machen zu lassen und zu beobachten, wo das spezielle Problem liegt. Manchmal ist’s nur eine Kleinigkeit, die abgestellt oder geändert werden muss, und schon ist der Knoten gelöst. So kann bereits eine verbesserte Einleitung über ein, zwei Meter Reiten in Stellung oder im Schultervor den Ausschlag über Gelingen oder Nichtgelingen dieser so wichtigen Lektion geben, die ähnlich wie die Hinterhandwendung vor allem auch die Versammlungsfähigkeit des Pferdes verbessert. Übrigens: aus dem versammelten Schritt kommend und versammelt geritten heißt die Übung Schrittpirouette.

Was tun, wenn beim Kurzkehrt…

… das Pferd nach außen von der Linie weicht?
Zunächst das Kurzkehrt auf dem Hufschlag reiten und die Orientierung an der Bande/Umzäunung nutzen, erst später auch in die Mitte der Bahn verlegen.

… Pferd und Reiterin Probleme haben, die Vorhand nach innen zu wenden?
Im Schritt und im Trab am Schultervor und Schulterherein arbeiten.

… wenn das Pferd bei der Einleitung die Hinterhand hereinschiebt?
Mehr an „Schulter vor“ denken.

… das Pferd bereits bei der Einleitung antizipiert und sich selbstständig in die Wendung wirft bzw. schiebt?
Schrittreiten am langen Zügel abwechseln mit Zügel verkürzen und im gleichbleibenden Rhythmus auf gerader Linie weiter Schritt reiten, ohne zu wenden. Das Kurzkehrt erst abfragen, wenn das Pferd gelernt hat, Takt, Rhythmus und Linie auch beim Zügelnachfassen beizubehalten und auf die Reiterin zu warten.

… das Pferd zur inneren Seite hin mit Seitwärtsschritten ausweicht?
Weniger Druck mit dem äußeren Schenkel ausüben, sich vorstellen, die Hinterhand auf einem Teller wenden zu wollen.

… das Pferd mit den Hinterbeinen kreuzt?
Weniger Druck mit dem äußeren Schenkel ausüben, weniger Biegung verlangen und über vermehrten Einsatz des äußeren Zügels die Vorhand auf die Hinterhand einrichten.

… die Reiterin nicht genügend Vorwärtstendenz erreicht?
Aus dem Kurzkehrt vorwärts herausreiten – am besten auf Zuruf einer Helferin.

… die Reiterin immer zu groß einleitet und auch die Wendung zu groß wird?
Einfach das Kurzkehrt vorübergehend vom dritten oder vierten Hufschlag aus beginnend in Richtung Bande/Umzäunung reiten. Die meisten Reiterinnen agieren dann unbewusst richtiger.

… die Wendung zu klein geritten wird?
Das Kurzkehrt „auseinander nehmen“, das heißt: eine große Quadratvolte reiten und die Ecken jeweils als Viertel-Kurzkehrts anlegen und erst, wenn dies problemlos gelingt, wieder ans Kurzkehrt gehen.

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Dieser Artikel aus unserer Ausbildungsserie "Wie Lektionen gut gelingen" wurde erstmals in Ausgabe 1/2012 der Pferderevue veröffentlicht. Pferderevue AbonnentInnen können diese Artikel zusammen mit über 40.000 weiteren in unserem Online-Archiv kostenlos nachlesen. Einfach unter Service/Online-Archiv einloggen und in allen Heften aus 25 Jahren Pferderevue zum Nulltarif blättern!

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