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11.12.2016

Letzter Parcours für Nino

Steve Guerdat und sein Olympia-Goldpferd Nino des Buissonnets hatten beim hochdotierten CHI von Genf den letzten gemeinsamen Auftritt auf der internationalen Springreiterbühne. Unmittelbar nach dem mit über einer Million Euro dotierten Rolex-Grand-Slam (der mit einem Sieg des Brasilianers Pedro Veniss auf Quabri de l'Isle endete) gab es beim Farewell für die Londoner Olympiasieger nochmals begeisterte Ovationen des Publikums.

Steve Guerdat war der ideale Partner für Nino des Buissonnets. © www.scoopdyga.com
Steve Guerdat war der ideale Partner für Nino des Buissonnets.
© www.scoopdyga.com
Da störte es nur am Rande, dass der braune Wallach nach einem souveränen Nuller im Grundparcours im Stechen am zweiten Sprung vorbeilief und es für Guerdat daher "nur" Platz zwölf gab. Diese Aktion war auch ein wenig typisch für die beiden.

Denn Nino des Buissonnets war immer ein Pferd zwischen Genie und Wahnsinn, so sagt es zumindest sein Reiter! Im Parcours konnte er zur Furie werden und kaum ein anderer Reiter hätte den unkonventionellen Springstil des Wallachs so kanalisieren können wie Guerdat. Auch wenn der 15-jährige Nino immer noch in großer Form ist, wollte ihn sein Reiter dennoch bereits heute aus dem großen Sport nehmen: „Genf war der beste Zeitpunkt, um aufzuhören. Das ist mein absolutes Lieblingsturnier und wir haben hier gemeinsam auch zweimal den Grand Prix gewonnen.“

Drei Tage zuvor hatte der Schweizer ein Buch präsentiert, das über die noch junge, aber bereits so erfolgreiche Karriere des 34Jährigen aus dem Schweizer Kanton Jura zurückblickt. „Vom Jura auf den Olymp“ wurde vom Journalisten Raffi Kouyoumdjian geschrieben, der von Anbeginn als lokaler Redakteur über die Karriere des späteren Olympiasiegers berichtete. Die beiden Männer haben über die Jahre hinweg eine enge, auf gegenseitiger Wertschätzung beruhende Beziehung aufgebaut – keine Alltäglichkeit in der heutigen Zeit!

Das Buch lässt Guerdats Karriere aus origineller Sicht Revue passieren und verzichtet ganz bewusst darauf, die großen sportlichen Leistungen des zwanzigjährigen beruflichen Werdegangs chronologisch aufzulisten. Der Autor entführt die Leserschaft auf eine Weltreise an alle Orte, die das Leben Guerdats geprägt haben. Von seiner Geburt in Bassecourt bis zu den Prüfungen der Olympischen Spiele in Rio hat der Reiter den ganzen Planeten bereist, seine Heimat fand er u.a. im niederländischen Valkenswaard, in Kerzers bei Bern und zuletzt in Herrliberg am Zürichsee.

Diese Weltreise wird von Steve Guerdat selbst kommentiert, seine sehr persönlichen Schilderungen durchziehen das gesamte Buch. In allen Kapiteln scheinen Emotionen durch und erzählen von der erlebten Freude, von Mühsal, Zweifeln und Enttäuschungen. Auch seine Familie, Freunde, Reiterkollegen sowie wichtige Persönlichkeiten aus seinem Umfeld kommen mit bewegenden Aussagen zu Wort.

Harsche Kritik an FEI

Dass Guerdat auch abseits des Vierecks ein unerschrockener Kämpfer ist, bewies er in Genf auch bei der Jahresversammlung des International Jumping Riders Clubs (Interessensvertretung der weltbesten Springreiter), als er die geplanten Änderungen des Austragungsmodus bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften in offenen Worten scharf kritisierte: „Die FEI sollte uns ernst nehmen, aber leider macht sie es nicht. Wir haben einen Brief mit unseren Meinungen geschrieben, aber es gab keine respektvolle Antwort. In allen Angelegenheiten war das in letzter Zeit so: Olympische Spiele, Weltmeisterschaften, Nationenpreise! Die FEI hat uns Springreiter immer wie Clowns dargestellt.“

Auslöser des Konfliktes waren in erster Linie die Änderungen, welche der Weltreiterverband bei seinem letzten Kongress in Tokio beschlossen hatte. Bei Olympia sollen künftig u.a. nur noch Dreierteams ohne Streichresultate an den Start gehen dürfen, was den etablierten Reitern und „großen Nationen“ (wie Deutschland, Frankreich und Schweiz) natürlich sauer aufstößt, da eine solche Regelung Startplätze kostet. Bei den Weltmeisterschaften entfällt künftig der Pferdetausch im Vierer-Finale, das Zeitspringen am ersten Tag wurde ebenfalls eliminiert. Österreich hatte in Japan übrigens für die Änderungen gestimmt, womit sich natürlich auch die Chancen der Teilnahmen rot-weiß-roter Equipen bei den Olympischen Spielen verbessern.

FEI-Generalsekretärin Sabrina Ibáñez nahm Guerdats Plädoyer, das auch den schnoddrigen Umgangston zwischen dem Weltverband und den Reitern zum Inhalt hatte, in Genf zur Kenntnis, verwies aber ihrerseits auf die Vorgaben des IOC: „Der Pferdesport kann nur dann olympisch bleiben, wenn es mehr TV-Zuseher gibt. Und die gibt es nur dann, wenn mehr Nationen an den Bewerben teilnehmen!“ Am Ende der hitzigen Debatte, bei der Guerdat von seinem Freund Eric Lamaze (der Kanadier gewann mit Fine Lady das prestigeträchtige Top-10-Final am Samstagabend) und dem Iren Cian O’Connor starke Unterstützung bekam, stand zumindest ein Angebot der FEI für künftige konstruktive Gespräche.
Mit 15 Jahren in den verdienten Ruhestand: London-Olympiagold-Pferd Nino des Buissonnets. © www.scoopdyga.com
Mit 15 Jahren in den verdienten Ruhestand: London-Olympiagold-Pferd Nino des Buissonnets.
© www.scoopdyga.com
Standing Ovations des Genfer Publikums für ihren "Nino". © Ernst Kopica
Standing Ovations des Genfer Publikums für ihren "Nino".
© Ernst Kopica
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