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27.08.2014

Live-Ticker WEG: Grand Prix und Grand Prix Spécial

Die ersten beiden Dressur-Medaillenentscheidungen dieser Weltreiterspiele sind bereits Geschichte. Wer die wichtigsten Ritte noch einmal nachlesen möchte, für den kommt unser Live-Ticker gerade recht.

Freitag - Grand Prix Kür

Zum Kür-Ticker geht es hier
Charlotte Dujardin und Valegro haben es geschafft: Nach Olympiasieg, Europameistertitel und Weltcupsieg haben die britischen Dressurstars nun auch ihren ersten Weltmeistertitel in der Tasche. © Tomas Holcbecher
Charlotte Dujardin und Valegro haben es geschafft: Nach Olympiasieg, Europameistertitel und Weltcupsieg haben die britischen Dressurstars nun auch ihren ersten Weltmeistertitel in der Tasche.
© Tomas Holcbecher

Mittwoch - Grand Prix Spécial

9.21 Uhr: In wenigen Minuten get es wieder los mit der Dressur, hier im beeindruckenden Stadion D'Ornano. Leider müssen wir heute auf eine weitere grandiose Darbietung von Bella Rose und Isabell Werth verzichten - die Bellissimo M-Stute zeigte gestern Symptome einer Huflederhautentzündung und wurde vom Bewerb zurückgezogen. Das ist bitter für die erfolgreichste deutsche Reiterin und das deutsche Team, aber ein glücklicher zufall für die Veranstalternation, denn Nachrücker sind ausgerechnet Lokalmatador Marc Boblet mit Noble Dream, die gleich als zweite Starter in den Einzelbewerb starten werden.
Vici Max-Theurer und Augustin werden nach ihrem Sensationsritt am gestrigen Dienstag als vorletztes Paar um 16.15 Uhr an den Start gehen, unmittelbar nach Charlotte Dujardin mit Valegro und Helen Langehanenberg mit Damon Hill.
Das Wetter zeigt sich heute von seiner freundlichen Zeite, die Sonne scheint über Caen - hoffentlich bleibt das so!

9.41 Uhr: Die französischen Nachrücker reiten unter lautem Beifall ein. Noble Dream zeigt eine ungemein leichtfüßige Passage, schöne Traversalen, nach links verwirft sich die zwölfjährige Oldenburgerstute von Caprimond etwas. Im Trend liegt das Paar aktuell auf 75 Prozent - das wäre eine deutliche Steigerung gegenüber dem Grand Prix, für den das Paar 70,686 Prozent erhalten hatte. In den Piaffen schwächelt Duo, für die erste gibt es nur 5,6 im Durchschnitt, die zweite ist zaghaft und hat leichte Rückwärtstendenz. Diese Noble Dream ist wirklich eine außergewöhnlich elegante Erscheinung, Marc Boblet sitzt ganz ruhig, wirkt fein ein - da sieht man gerne zu! Nach fehlerfreien Zweierwechseln patzt das Paar ein den Einern. Schade! Damit ist der gute Trend natürlich dahin. Die Wechsel zwischen den Pirouetten waren jetzt aber fehlerfrei. Der Übergang vom versammelten Galopp in den Trab ist verstolpert. Das Publikum bejubelt die Darbietung seiner Lokalmatadoren, bei der sich mit zunehmener Dauer doch die Fehler summiert haben. 70,924 Prozent gibt es dafür von den Richtern.

9.55 Uhr: Führungswechsel. Nach einem guten Ritt setzt sich die schwedische Teamkombination Minna Telde und Santana mit 71,359 an die Spitze der Wertung.

10.31 Uhr: Michael Eilberg und Half Moon Delphi sind das erste von drei britischen Paaren, das heute zu sehen sein wird. Das jüngste Teammitlgied der Briten war nach seinem Grand Prix doch sehr enttäuscht, denn nach einigen Fehlern war das Duo mit 71,886 Prozent deutlich unter seinen Möglichkeiten geblieben. Heute sieht es vorläufig einmal gut aus. Delphi zeigt ihre schöne, leichtfüßige Passage - da gibt es im Durchschnitt eine 8. Mit der optimalen Selbsthaltung hat die großgewachsene Dimaggio-Stute aber auch heute ihre Probleme - immer weider wird sie zu eng und muss von ihrem Reiter ermahnt werden, das Genick oben zu halten. Der Schritt ist gut, Dephi beginnt etwas zu früh mit der Piaffe, Eilberg vibriert mit Zügel und Schenkel um die Stute vorne mehr aufzurichten und hinten aktiv zu halten. Zumindest das hintere Ende macht, was es soll. Das enge Genick trübt die sonst wirklich sehr harmonische Vorstellung des Duos. Die Zweierwechsel gelingen hervorragend, und diesmal auch die Einer - da hatte Delphi im Grand Prix gepatzt. Es folgen eine schöne ruhige Linkspirouette, fehlerfreie bergauf gesprungene Einerwechsel und noch eine schöne Rechtspirouette. Alles gut so weit. Im letzten starken Trab hat die Stute ihr Genick endlich einmal dort, wo es hingehört. Ein zufriedenes Lächeln macht sich auf Michael Eilbgers Gesicht nach einer fehlerfreien Schlusslinie breit. Eine solche Leistung wollte er schon im Grand Prix zeigen. Vom Publikum und den britischen Teamkollegen gibt es viel Applaus. Die Richter berwerten den Ritt mit 75,462 Prozent. Das ist die neue klare Führung vor der Kanadierin Belinda Trussel mit Anton (72,409 %) und Schwedens Minna Telde mit Santana (71,359 %).

11.07 Uhr: Nach einem enttäuschenden Grand Prix, den Edward Gal als Streichergebnis der Niederländer auf Platz 22 beendete geht es für den zumindest bis heute Nachmittag noch amtierende Doppelweltmeister jetzt um alles oder nichts. Nur die besten 15 qualifizieren sich für die Kür. Edward Gal muss damit nicht nur in die vorderen Ränge vorstoßen sondern auch zumindest einen seiner Teamkollegen hinter sich lassen, will er mit Glock's Voice - dem Ersatz für sein verletztes Top-Pferd Undercover - auch im letzten Medaillenbewerb der Dressurreiter antreten. Noch ein Schluck Wasser, jetzt geht es durch den Tunnel ins laute Stadion. Die Oranjes beziehen Stellung in der Kiss & Cry Zone. Los geht's. Guter Halt zum Start. Vor vier Jahren hat Gal hier mit einem anderen Rappen den Spécial souverän gewonnen. Das wird heute nicht drin sein, aber der Trend zum Beginn liegt bei vielversprechenden 77 Prozent. Das rhythmische Schlauchgeräusch verrät die Anspannung bei Voice, der in dieser Saison noch sehr wenig auf turnieren unterwegs war. Nach einer guten Trab-Tour folgt ein mittelmäßiger Schritt. Voice dehnt sich gut an die Hand, aber es fehlt den Schritten an Raumgriff. Die Piaffe gestaltet sich wie gestern schwierrg. Da gibt's nur eine 6. Der Trend fällt auf 72 Prozent. Es folgen zwei schöne geschmeidige Galopptraversalen, gute vorwärtsgerittene Zweirwechsel mit gutem Raumgriff. Jetzt ein Fehler in den Einern, schade (5,2)! Wieder eine grobe Störung in den Einerwechseln zwischen zwei gut gelungenen Pirouetten. Noch ein sehr guter starker Trab, eine gute Passage, eine mäßig gelungene Piaffe und ein Hüpferchen in eine angedeutetes Schlusshalts. Betretene Miene auf Edward Gals Gesicht. Mit Undercover wäre er einer der Medaillenfavoriten gewesen. Heute hat es nur 70,392 Prozent gereicht. Das wird sich für die Kür kaum ausgehen.

11.31 Uhr: Nathalie zu Sayn Wittgenstein und Digby sind jetzt an der Reihe. Digby war nie der großer Bewegungskünstler aber dank Prinzessin Nathalies gewissenhaften Ausbildung zählt der dunkelbraune Dänenwallach seit Jahren zur Weltklasse im internationalen Dressursport. Mittlerweile lässt der 17-Jährige, der bei der EM in Herning 2013 eigentlich das letzte Championat seiner Karriere laufen sollte, schon etwas von seiner ursprünglichen Form vermissen. Dennoch gibt das Paar immer noch ein schönes, harmonisches Bild ab. Bislang sind die Prinzessin und ihr Donnerhall-Sohn fehlerlos unterwegs, auch die Serienwechsel waren diesmal alle sauber. Für die winzige Linkspirouette gibt es eine Durchschnittsnote von 8,4. Im Trend liegen die beiden knapp unter 75 Prozent. Noch eine sichere, makellose Schlusslinie und Prinzessin Nathalie ist völlig gerührt, wie sehr ihr Digby in dieser Prüfung noch einmal alles gegeben hat. Da fließen die Tränen und das Publikum jubelt. So viel Emotion - toll! 75,406 - ein super Ergebnis und Platz zwei hinter Michael Eilberg und Halfmoon Delphi!

11.41 Uhr: Fabienne Lütkemeier (GER) und D'Agostino. Der großgewachsene Fuchs zeigt hervorragende Trabverstärkungen und Traversalen, die Passage wirkt dagegen etwas müde in der Hinterhand. Im Schritt braucht D'Agostino etwas, bis er sich richtig an die Hand herandehnt. Es folgt eine taktsichere Piaffe, allerdings sollte die Hinterhand für bessere Noten hier weiter unter den Pferdekörper fußen. Dafür sind die Zweierwechsel wirklich Spitzenklasse, leider ein Fehler in den Wechseln von Sprung zu Sprung. Die Galoppverstärkung ist mutig nach vorne geritten. Die zweite Pirouette gelingt besser als die erste. Die Wechsel dazwischen sind spitze. Noch einmal Punkte sammeln in der letzten Trabverstärkung. Schlussgruß. Fabienne Lütkemeier ist erleichtert und super zufrieden mit ihrem Daggi. Diese Kombination werden wir am Freitag in der Kür bestimmt noch einmal sehen. 74,118 Prozent bedeuten den vorläufigen 3. Platz.

12.11 Uhr: Die niederländische Überraschung Diederik van Silfhout macht sich bereit für seinen Grand Prix Spécial. Der starke Trab ist ausdrucksstark allerdings hält die Hinterhand noch nicht so ganz, was die beeindruckende Vorhand verspricht. Schöne gleichmäßige Passage, da liegen ganz klar die Stärken des KWPN-Wallachs. Tolle Übergänge zwischen starkem Trab und Passage, unheimlich geschmeidig, sicher im Takt. Im Trend derzeit über 77 Prozent. Der Schritt ist entspannt, allerdings kommt Arlando nicht recht ins Schreiten. Dafür gibt's nur eine 6,3. Die Piaffe ist sehr regelmäßig, allerdings etwas vorhandlastig. Auch in der zweiten kommt der KWPN-Hengst zu tief, da fehlt es dem Neunjährigen noch an der nötigen Kraft. Trend 74 Prozent jetzt. Dei Galopptraversalen sind ruhig und fließend, in den Zweierwechsel schwankt Arlando etwas nach rechts, ähnlich gestalten sich die Einerwechsel, aber beide Wechsellinien gelingen ohne Fehler. Kleine, gut kontrollierte Linkspirouette, sichere Einer und noch eine gute, vielleicht etwas eilige Rechtspirouette. Das war eine sehr harmonische Runde, der Paddox-Sohn zufrieden in der Anlehnung und über den Großteil der Darbietung in vorbildlichem Rahmen. Diederick van Silfhout ballt die Faust und freut sich zurecht über einen super Ritt. Daumen hoch vom Betreuerteam. Das sieht vielversprechend für die Zukunft aus. Mit 75,924 Prozent übernehmen die beiden die Führung.

12.26 Uhr: Der erste 15er-Block ist duch, jetzt steht erstmal Mittagessen auf dem Programm - um 13.55 Uhr geht es mit den besten 15 des Grand Prix weiter.

14.05  Uhr: Noch 13 Paare liegen vor uns. Jetzt sind Carl Hester (GBR) und Nip Tuck dran. Im Grand Prix auf Rang 14 geht es für das Duo heute um den Einzug in die Kür. Das wäre ein großer Erfolg für Hester und seinen zehnjährigen KWPN-Wallach, dessen erster Grand Prix gerademal drei Monate her ist. Ein gutes geschlossenes Halt zum Start. Es folgt eine zaghafte Trabverstärkung. Auf 75 Prozent nach der ersten Traversale. Taktfehler im starken Trab. 7,7 bis 7,8 für die Passagen. Im Schritt entspannt sich der Don-Ruto-Sohn ein wenig besser als gestern, allerdings bleibt er recht knapp. Bessere Piaffen als gestern, 7,1 im Durchschnitt.  Jetzt der Galopp. Hier kann Nip Tuck mit seiner mächtigen Galoppade punkten. Für die Wechsel hat er bei einem seiner Turnier heuer schon einmal eine 10 bekommen. Große, sicher gesprungene Zweier. 8,6! Tolle Einer, schnurgerade und fehlerfrei. 8,3. Einem vorsichtigen starken Galopp folgt eine recht flache, eher groß gerittene Linkspirouette, 8,4 für die Wechsel dazwischen, eine passable Rechtspirouette. Auf der Schlusslinie gibt das Duo noch einmal alles, hier wird um jeden Punkt gekämpft. Der letzte Übergang ist etwas holprig, die Passage läuft schleppend aus in ein Schlusshalt, das die Bezeichnugn eigentlich nicht verdient. Carl Hester atmet tief durch, wirkt erleichtert. Eigentlich zählt der Lektionenaufbau im Spécial nicht zu  Nip Tucks Stärke, aber der unerfahrene Riese hat sich unter seinem erfahrenen Reiter wacker geschlagen. Mit 75,532 % sollte Hester die Qualifikation für die Kür in der Tasche haben. Aktuell liegt er auf Platz zwei hinter Diederick van Silfhout.

14:17 Uhr: Es geht hochkarätig weiter. Hans Peter Minderhoud und Glock's Johnson betreten das Parkett. Nach dem enttäuschenden Abschneiden von Edward Gal und Voice muss nun Johnson für Team Glock in die Bresche springen. Das Duo startet ausdrucksstark, Johnson schmeißt die Vorderbeine im starken Trab, in der Passage ist der schicke Hengst immer wieder nicht ganz regelmäßig. In der Traversale nach links ist die Anlehnung etwas nörgelig. Im starken Schritt dehnt sich der Hengst gut an die Hand, der Übertritt ist gut, der Viertackt bleibt klar erhalten. In der Piaffe muss Hans Peter Minderhoud den Braunen schonmal etwas auffordern, die zweite ist besser. Die Taktunreinheiten in der Passage mehren sich. Sehr schön gerittene Galopptraversalen, tolle Zweier, bergauf und mit gutem Durchsprung, ebenso die Einer. Jetzt der starke Galopp, da gibt Hans Peter Minderhoud richtig Gas. Eine gelungene Linkspirouette, schöne Einer und noch eine gute Rechtspirouette. Nach dem letzten starken Trab liegt das Duo im Trend über 75 Prozent. Eine gute Schlusslinie und das Publikum applaudiert. Mit 75,630 Prozent platziert sich der Niederländer knapp hinter seinem Teamkollegen van Silfhout auf Rang zwei, unmittelbar vor Carl Hester.

14.43 Uhr: Wow! Was für ein toller Ritt der jungen Laura Graves mit ihrem zwölfjährigen KWPN-Wallach Verdades.Eine ruhige gefühlvoll geritten Runde, ein bezauberndes Pferd, das alles gibt, für seine zierliche Reiterin. Toll. Ein wirklich charmantes Paar das mit dieser starken Dabietung die zwischenzeitliche Führung übernimmt: 77,101 Prozent

14:46 Uhr Und gleich das nächste US-amerikanische Paar: Steffen Peters und Legolas. Das Duo zeigt eine starke Passage, im Schritt entspannt sich der Westfalenwallach nicht so gut, wie er solle. Der Übergang aus dem versammelten Schritt in die Piaffe ist fließend, die Hinterhand tritt allerdings etwas unregelmäßig, auch in der folgenden Passage. Die Wechsel sind diesmal fehlerfrei, allerdings zählen sie so, wie die übrigen Galopplektionen eindeutig nicht zu Legolas Stärken. Die Pirouetten sind nicht besser als mittelmäßig, besonders wenn man eben Verdades in dieser Lektion gesehen hat. Wieder Taktunregelmäßigkeiten in der finalen Passage-Piaffe-Passage-Linie. Eine Darbietung ohen echte Fehler, aber mit mehreren Unsauberkeiten. Dafür gibt es wohlwollende 75,770 Prozent.

14.57 Uhr: Auch Morgan Babancon und Painted Black waren eines der Überraschungspaare im Grand Prix. Das Paar beginnt mit einem guten starken Trab, zwischendurch wird der Gribaldi-Sohn aber etwas eng - das war im Grand Prix besser. Heute hat die junge Spanierin deutlich mehr auf ihrem KWPN-Hengst zu tun als gestern. Die Passage ist mit wenig Raumgewinn, das wird ein langer Spécial wenn das so weitergeht. Im Schritt ermutigt die Schülerin von Andreas Helgstrand ihren Rappen sich ans Gebiss zu dehnen. In der Piaffe fußt Painted Black hinten nicht ganz sauber, wieder eine Passage mit minimalem Raumgewinn. Das Paar wirkt heute einfach nicht mehr so frisch wie in der vorangegangenen Prüfung. Immer wieder kommt Painted Black zu tief, auch im Galopp. Fehler gegen Ende der Einerwechsel (4,1), die Zweier waren fehlerfrei. Die Pirouetten sind klein geritten, wirken aber kraftlos. Noch einnmal eine Aufwärtsparade vor dem letzten starken Trab. Nach dieser Leistung muss sie um den Küreinzug zittern. Jetzt ist die Wertung da: 74,902 Prozent, aktuell Platz sieben. Das ist knapp! Aber nachdem nur noch acht Paare kommen, werden sie am Freitag noch einmal antreten dürfen.

15.26 Uhr: Schwedens beste Kombination aus dem Grand Prix, Tinne vilhelmson und Don Auriello, machen sich bereit. Der erste Starke Trab ist mit minimalem Raumgewinn. In der Traversalen kommt Don Auriello seine unglaubliche Schulterfreiheit zugute, die zweite ist etwas eilig im Tempo. Schön entspannt dehnt sich Don Auriello im starken Schritt an den Zügel, der Übertritt ist nicht überwältigend aber in Ordnung. Schöner Übergang in die gelungene erste Piaffe. Auch die zweite ist gut im Takt, mit untergeschobener Hinterhand, allerdings kommt Don Auriello dabei vorne recht tief. Elegante Galopptraversalen, in den Zweierwechseln wird Don Auriello sehr eng, macht aber keinen Fehler. Die einer sind besser. Kraftvoller starker Galopp. Das Schweden-Duo liefert kleine, gut gerittene Pirouetten. Im Trend liegen die beiden auf 78 Prozent nach dem letzten starken Trab. Mehr auf der Stelle als die letzte Piaffe geht nicht. Begeisterter Applaus der schwedischen Fans - das sieht nach der Führung aus. Ja, 78,291 Prozent und vorläufig Platz 1.

15.35 Uhr: Jetzt zittern die Dänen für Anna Kasprzak und Donnperignon. Der Donnerhall-Sohn wirkt heute sehr energiegeladen, zeigt dynamische Passagen und Trabverstärkungen. Dem starken Schritt fehlt es an der letzten Entspannung, die Piaffen sind diesmal gelungen und sicher im Takt, wenn auch mit wenig Lastaufnahme. Au weia - anstelle der der Traversalen setzt Anna Kasprzak zu den Wechseln an. Die Dänin wird abgeläutet, neuer Anlauf. Jetzt passt's. Gelungenen Traversalen folgen fehlerfreie Wechsel. 8,2 gibt's dafür im Durchschnitt. Nach ihrem Verreiter lässt die Dänin nichts mehr anbrennen, reitet voll auf Risiko, kämpft um jeden Punkt. Das war stark geritten. Kopfschütteln bei Anna Kasprzak. Sie kann sich damit trösten, dass sich bei der letztjährigen EM auch Helen Langehanenberg, Charlotte Dujardin und Adelinde Cornelissen im Spécial verritten haben. 77,297 Prozent, vorläufig Platz zwei.

15:47 Uhr: Kristina Sprehe und Desperados reiten ein. Die beiden sind wirklich ein elegantes Duo. Tolle Verstärkungen, in der Passage verwirft sich Desperados manchmal etwas, bleibt aber gut im Rhythmus und fußt sehr gleichmäßig. Tolle Traversalen. Im Trend auf 80 Prozent! Jetzt ein schöner, schreitender starker Schritt, der Hengst dehnt sich schön vorwärts, geht entspannt. Flüssig in die erste Piaffe, die durchschnittlich mit einer 8 bewertet wird, kleine Störung vor der zweiten Piaffe, das kostet. Nur 6,9 für diese Passage. Geschmeidige Galopptraversalen, sichere Zweierwechsel - die beiden sind auf Kurs für eine absolute Topwertung. Tolle bergauf gesprungene Einer. Trend 79 Prozent. Spitzen Linkspirouette, etwas übereifrig vor der Rechtspirouette, aber Kristine Sprehe hat ihn rechtzeitig wieder bei sich. Taktstörungen in der Passage vor der letzen Piaffe, der letzte Übergang nicht 100%ig sauber. Trotzdem: toll! 79,478 Prozent - ganz knapp unter der 80er-Marke aber die vorläufige Führung.

15.56 Uhr: Der Kampf um Spécial-Gold ist eröffnet. Charlotte Dujardin und Valegro reiten ein. Kraftvoller Start, das sieht vielversprechend aus. Wow - was für Trabverstärkung. Wer da keine 10 zückt ist selbst schuld. Na bitte, 9,5 Durchschnittswertung. Gute regelmäßige Passage, noch ein beeindruckener starker Trab. Die Olympiasieger wollen es heute wissen. Geschmeidige Traversalen, ohne Qualitätsverlust im Trab. Bis auf das blecherne Gedudel aus dem Lautsprecher ist es mucksmäuschenstill im Stadion. Klarer Viertakt im Schritt. Oh Mann, Valegro ist auch nur ein Pferd. Eben musste der Wallach vor dem Übergang in die Passage misten und wollte nicht recht weitergehen. Aber jetzt sind sie wieder auf Kurs. Der Übergang in den Galopp ist nicht 100%ig gelungen. Aber die Galopptraversalen sind eine Augenweide. Riesige Zweierwechsel, und - ein Fehler am Ende - nur 4,6 für diese Lektion!!! Die Einer fehlerfrei (9,1). Bilderbuchpirouette, gelungene Einer und noch eine super Pirouette. Wahnsinns starker Trab. In der Passage auf der Schlusslinie geht dem Duo die Hinterhand etwas verloren. Die neue Spitzenwertung: 85,0602 Prozent

16.05 Uhr: Jetzt die größten Konkurrenten. Helen Langehanenberg und Damon Hill. Das Duo startet gewohnt stark. Tolle Passage, feine Anlehung. Super elegant. Wieder ein toller starker Trab. Trend 85,5 %. Taktfehler im Übergang zur Passage. Noch ein kleiner. Jetzt passt's wieder. Auch der Übergang von der Passage in den Schritt nicht perfekt. Dafür ist der starke Schritt kaum besser zu machen. Die Übergänge liegen dem Paar heute nicht so gut, eben  hat's zeimlich zwischen Piaffe und Passage ziemlich geruckelt. Der zweite Übergang dieser Art gelingt deutlich besser. Sehr abrupt in den Galopp. Mit Leichtigkeit geht's in den Galopptraversalen quer durchs Viereck. Fantastische Zweier, auch die Wechsel von Sprung zu Sprung. Raumgreifend im starken Galopp über die Diagonale. Wunderschöne Linkspirouette, Einer und Rechtspirouette. Das wird eng, zwischen Helen und Charlotte. Tolle kraftvolle Passage auf der Mittellinie. Fantastisch. Wie aus dem Bilderbuch. Hoffentlich haben jetzt ganz ganz viele Fotografen den Auslöser betätigt. Wow!  Doch sie bleibt hinter Charlotte: 84,510 Prozent. Platz zwei.

16.15 Uhr: Daumehalten für Vici und Augustin. Das ist schwer, nach diesen beiden Granaten anzutreten. Der Oldenburgerhengst ist heute wieder gut drauf. Schöne elastische Trabtour bisher, tolle Traversalen. Trend 79 Prozent! Oje, Stolperer im starken Trab. Noch eine tolle Traversale, superelegant, gefühlvoll geritten. Jetzt ein besserer starker Trab - vielleicht auch mit etwas weniger Risiko. Augustin macht sich lang für den starken Schritt. Vici klopft Augustin auf den Hals. Das machen sie gut, die beiden. Etwas zu früh in die Piaffe, wahnsinnig elastische Passage. In der zweiten Piaffe schiebt sich der Hengst maximal zusammen, kommt dabei aber auch mit der Vorhand zurück. Wie leicht die Galopptraversalen aussehen bei diesem Paar! Fehelrfreie, raumgreifende Zweierwechsel. Die Einer etwas kurz aber ohne Fehler. Guter starker Galopp, kleiner fehler vor der ersten Pirouette, blitzsaubere Einerwechsel, tolle Rechtspirouette. Noch einmal ein starker Trab, maximales Engagement in der Passage, super Übergang in die Piaffe und wieder retour. Wow, wow, wow! Ganz ganz toll. 77,857 Prozent - vorläufig Platz 5!!!!

16.25 Uhr Schlussreiterin Adelinde Cornelissen. Gewohnt starker Auftakt des Duos. Nach Augustin sieht die Anlehnung schon exrem stramm aus - obwohl sie früher bestimmt noch deutlich strammer war. In den Traversalen spielt das Duo seine Stärken aus, im Trend liegen sie knapp unter 80 Prozent. In den Trabverstärkungen geht es deutlich vorwärts, allerdings ohne jegliche Rahmenerweiterung im Hals. Guter Übergang in den Schritt. Auch sehr früh in die Piaffe, in der Passage sehr unrhythmisch, Parzival sieht beinahe lahm aus. Besser gelingt der zweite Übergang in die Piaffe. Nur noch auf 75 Prozent im Trend. Elegante, leichtfüßige Galopptraversalen. Schnurgerade Zweierwechsel, blitzsauber, auch die Einer - da gibt es ordentlich Punkte. Mutig in den starken Galopp. In der Linkspirouette geht Parzival etwas die Kraft aus, nach rechts geht's besser, Patzer im Ausgang. Noch einmal volles Risiko im starken Trab, auf der Schlusslinie geht die Energie etwas aus aber Adelinde kämpft um jeden einzelnen Tritt. Da kommt man schon beim Zuschauen ins Schwitzen!

Gold und Silber sind mit Charlotte Dujardin und Helen Langehanenberg fix vergeben. Doch wer darf sich die Bronzemedaille umhängen? Kristina Sprehe oder Adelinde Cornelissen?

16.42 Uhr: Es ist Kristina Sprehe! Adelinde Cornelissen muss sich mit 79,328 Prozent ganz ganz knapp der Deutschen geschlagen geben. Verdient, wie ich meine.  Und Vici darf sich über einen Weltklasse 6. Platz freuen, einer der Richter hatte sie sogar auf 4, zwei auf 5!!!

16.44 Uhr: Nach dieser spannenden Entscheidung melden wir uns mit dem Dressur-Live-Ticker ab bis zur Kürentscheidung am Freitag. Wir hoffen, Sie sind auch dann wieder mit dabei. In der Zwischenzeit versorgt Sie unser rasender Reporter in Caen, Ernst Kopica, mit den wichtigsten Infos von den Spielen, Stimmen der österreichischen AthletInnen und persönlichen Eindrücken aus der Normandie. Viel Spaß und weiterhin gute Unterhaltung!
Mit neuer persönlicher Bestleistung auf Platz zwei im Teambewerb: Isabell Werth und Bella Rose. © Tomas Holcbecher
Mit neuer persönlicher Bestleistung auf Platz zwei im Teambewerb: Isabell Werth und Bella Rose.
© Tomas Holcbecher

Dienstag - Entscheidung im Teambewerb

7.52 Uhr: In wenigen Minuten geht es wieder los. Die ersten Starterpaare sind bereits beim Abreiten. Der Himmel über Caen ist der heutigen Teamentscheidung wohlgesonnen - endlich kein Regen! Wenn das kein gutes Omen ist...

7.55 Uhr: Kurz zur Erinnerung: Nach dem ersten Tag liegt Deutschland bereits mit komfortablen Vier-Punkte-Vorsprung in Führung (152,4). Dahinter haben sich auch die Niederländer (147,771) etwas absetzen können. Die Briten sind mit 143,9 Punkte auf Bronzekurs. Nur ganz knapp dahinter haben die Equipen aus Dänemark (141,71) den USA (141,486) und Schweden (140,771) Lauerstellung bezogen.

8.01 Uhr: Jetzt geht's los. Isabell Werth und ihr Shootingstar Bella Rose betreten das Parkett. Erstes Halt, nicht ganz geschlossen. Die Stute beginnt ausdrucksstark, in der ersten Trabverstärlung auf der Diagonalen kommt Bella Rose aber kaum in die Spur der Vorderhufe. Dafür sind die Traversalen typisch Werth - absolute Weltklasse. Kleine Störung in der zweiten Trabverstärkung. Die Piaffe ist gut im Rhythmus, allerdings ohne nennenswerte Lastaufnahme der Hinterhand. Im Schritt gibt sich Bella Rose wie ein alter Hase: entspannt mit viel Übertritt. Zurück in einer tollen Passage, wieder eine ungemein taktmäßige Piaffe, wie ein Metronom. Der Trend liegt bei über 80! Jetzt die Zweier. Noch etwas knapp, dafür ruhig und ohne Fehler. Guter starker Galopp, mit gefühlvoller Rückführung. Die Zick- Zack-Traversalen - das kann diese Bella Rose einfach. Auch die Einer - toll! Unglaublich wie abgeklärt sich dieses erst zehnjährige und noch wenig erfahrene Pferd hier präsentiert. In der Pirouetten wird der Galopp etwas flach, aber Isabell Werth reitet sie klein und kontrolliert. Das war besser als in Aachen. Noch einmal ein starker Trab über die Diagonale, und jetzt die Schlusslinie. Da Punkten die beide nochmal richtig. Jeder Passagetritt ist wie der andere - ein perfekter Schlusshalt in diesem riesigen Stadion und das früh aufgestandene Publikum jubelt. Und natürlich die Betreuerbank mit Bundestrainerin Monica Theodorescu, Jonny Hilberath und Bella Roses Besitzerin Madeleine Winter Schulze. 81,4 Prozent gab's in Aachen - was wird es diesmal sein? Darüber! 81,529 Prozent und die klare Führung vor Teamkollegin Kristina Sprehe und Hans-Peter Minderhoud (NED)!

8.27 Uhr: Eine echte Überraschung lieferten eben Morgan Barbancon (ESP) und der ehemals von Anky van Grunsven gerittene Painted Black. Noch selten hat man den mittlerweile 17 Jahre alten KWPN-Hengst von Gribaldi so gut gesehen. In der Anlehung unheimlich konstant und zufrieden, fast durchgehend vor der Senkrechten (für manchen vielleicht sogar schon zu offen im Genick), nur im starken Schritt wollte der Gribaldi-Sohn die Nase nicht so recht vornehmen. Einer gelungenen Trabtour folgte ein beinahe noch besserer Galopp-Teil und auch auf den letzten Metern ließ das Duo nichts anbrennen. Die Richter vergaben für den wirklich beeindruckenden Ritt der jungen Spanierin 75,143 Prozent (71,7 bis 76,9 %) - das ist vorläufig der dritte Platz in der Wertung - auch für das spanische Team, das damit die Briten - zumindest im Moment - vom Bronzerang verdrängt.
Renate Voglsang und Fabriano haben in den frühen Morgenstunden am Dienstag einen super Ritt im Stadion D"Ornano hingelegt. © Tomas Holcbecher
Renate Voglsang und Fabriano haben in den frühen Morgenstunden am Dienstag einen super Ritt im Stadion D"Ornano hingelegt.
© Tomas Holcbecher
8.37 Uhr: Aber jetzt Renate Voglsang. Fabriano mag es ja, wenn das Publikum nah am Viereck sitzt. Das ist hier im Stadion d'Ornano nicht der Fall. Unsere Daumen sind fest gedrückt.  Super starker Trab des Florestan-Sohnes auf der ersten Diagonale. Ein gelungener Auftakt. In den Traversalen grunzt der Florestan-Sohn. Etwas abruptes Anhalten, gutes Rückwärtsrichten. Von der elatischen vorwärtsgerittenen Passage, kommt das Duo in eine kleine Piaffe. Der Übergang zurück in die Passage gelingt gut im Takt. Im Schritt spielt Fabriano seine Ganggewalt aus. Das ist Schreiten, wie man es sehen möchte: durch den ganzen Pferdekörper, hin zum Zügel. Perfekt! Da muss es ordentlich Punkte geben. Der nächste Passage-Piaffe-Passage-Übergang gelingt fließend, jetzt in den Galopp. Gut durch die Zweier, ein kleiner Stolperer am Ende der Galoppverstärkung. Schade! Nach der Zick-Zack-Traversale gute Einer. Geschafft! Eine winzige Linkspirouette, Fabriano grunzt, wirkt in der Vorhand etwas schwer - auch in der Rechtspirouette. Noch einmal eine ausdrucksstarke Passage, das linke Hinterbein hebt Fabriano immer wieder etwas höher als das braune. Das wird auch den Richtern nicht entgehen. Eine letzte Piaffe, nochmal Passage und jetzt der Schlusshalt. Gut gemacht! Mit 69,371 Prozent bleibt das Duo knapp unter den erhofften 70 Prozent - das wird aus momentaner Sicht für den Spécial, für den sich nur die besten 30 qualifizieren, nicht reichen, denn schon jetzt haben 16 Paare die 70er-Marke überschritten. Renate und Fabriano können dennoch zufrieden sein, denn der Ritt war absolut gelungen!

8.45 Uhr: Es geht Schlag auf Schlag. Der Top-Scorer der Niederländer betritt das Parkett - allerdings ohne seinen bewährten Glock's Undercover, der sich kurz vor der Abreise nach Frankreich an der Halswirbelsäule verletzt hat. Deshalb muss jetzt Glock's Voice ran. Auch ein lackschwarzer Rappe - was sonst. Das Duo startet mit einer guten Trabverstärkung. Die gelingen dem De Niro-Sohn besser als seinem Boxennachbarn Undercover. Nach schönen Traversalen ein guter Halt. Etwas steif beim Rückwärtsrichten. Danach wieder eine kraftvolle Trabverstärkung über die Diagonale. In der Piaffe muss Gal den KWPN-Hengst sehr bitten, zu wenig Tritte, weil sich Voice heraushebt. Das kostet und ist doppelt bitter für den Piaffe-Künstler Gal, der mit Undercover hier sonst doppelt punktet. Jetzt verliert er hier zweifach. Der Schritt ist entspannt, zu Beginn rollt sich Voice allerdings auf, mag sich nicht so reht nach vorne an die Hand dehnen. Die zweite Piaffe gelingt etwas besser, der Übergang in die Passage ist aber wieder stockend. Auch der Übergang in den Galopp gelingt nicht fließend. Gute Zweier, Voice springt raumgreifende Wechsel, nach einer gelungenen Galoppverstärkung geht es in die Zick-Zack-Traversale. Auch die gelingt gut. Ein Patzer in den Einerwechseln wirft das Paar in den Punkten zurück, dafür sind die Pirouetten schön, die Voice mit viel Lastaufnahme springt. In der letzten Piaffe wird Voice eng, die Beine kleben am Boden, noch einmal Passage. Dann ein Schlusshalt das keines ist.  Enttäuschung auf den Gesichtern der Niederländer. Die Oranjes wissen, mit Undercover hätte das ganz anders ausgesehen. Jetzt müssen sie um ihre erhoffte Silbermedaille zittern. 72,414 Prozent - das ist bitter. Damit reiht sich Gal hinter seinen beiden Teamkollegen Hans-Peter Minderhoud und dem jungen WM-Debütant Diederick van Silfhout auf dem achten Rang ein.
Das war nicht der Ritt, den sich Edward Gal und das gleich doppelt geschwächte Team der Niederlande (Ausfall von Gals Top-Pferd Undervocer und Danille Hejkoop mit Kingsley Siro) erhofft hatten. © Tomas Holcbecher
Das war nicht der Ritt, den sich Edward Gal und das gleich doppelt geschwächte Team der Niederlande (Ausfall von Gals Top-Pferd Undervocer und Danille Hejkoop mit Kingsley Siro) erhofft hatten.
© Tomas Holcbecher
10.17 Uhr: Noch ein toller Ritt einer jungen Reiterin. Laura Graves und ihr zwölfjähriger Verdades waren schon in Aachen gut unterwegs, dort hatte es im Grand Prix mit 73 Prozent einen 13. Platz gegeben. Die heutige Performance war nochmal ein gutes Stück besser - ungeachtet dessen, dass der elegante KWPN-Wallach im Schritt einmal stehen blieb um die sich bewegende Fernsehkamera genau in Augenschein zu nehmen. Für eine harmonische, technisch sehr saubere Vorstellung wurde das Duo von den Richtern glatt mit einer neuen persönlichen Bestmarke belohnt. 74,871 Prozent, vorläufig Platz vier und eine gute Wertung für die Amerikaner, die damit ihre Chancen auf eine Medaille am Leben erhalten. Aktuell rangiert das US-Team auf Rang vier hinter Deutschland, den Niederlanden und Spanien.

11.14 Uhr: Die dänische Equipe hatte im Vorfeld dieser Weltreiterspiele einige Probleme mit der Zusammenstellung des Teams. Andreas Helgstrand fiel nach den Tierquälerei-Vorwürfen rund um Akeem Foldager aus, zwei weitere Pferde aus gesundheitlichen Gründen. Kurzerhand wurde deshalb der bereits pensionierte Digby von Nathalie zu Sayn-Wittgenstein rekativiert, um vielleicht doch den Sprung in die Medaillenränge zu schaffen. Jetzt reiten die beiden bei ihrem definitiv letzten Championat ein. Das routinierte Duo startet gut in die Prüfung. Ein Fehler in der Passage vor der ersten Piaffe - hier merkt man, dass Digby einiges von seiner früheren Energie abgeht. Dennoch stellt Prinzessin Nathalie den Dänen sehr korrekt und kontrolliert vor. Der starke Galopp wird gegen Ende der Diagonalen ein wenig zu flach, die Zick-Zack-Traversale gelingt gut. In den Einern ist einer der Galoppsprünge nicht ganz durchgesprungen, die Rechtspirouette ist besser als die nach links. Dem letzten starken Trab fehlt es an Dynamik und Übertritt. Noch einmal eine kleine Störung in der vorletzen Passage, eine rhythmische Piaffe und ein schiefes Halt zum Schluss. Nathalie zu Say Wittgenstein weiß, dass das nicht ihr bester Ritt auf dem dänischen Donnerhall-Sohn war, trotzdem gibt es viel Lob für Digby, der sich wacker geschlagen hat. Mit 72,771 Prozent bleibt sie vor ihren beiden Teamkollegen Lars Petersen (70,8 %) und Mikala Münter Gundersen (70,214) - macht einstweilen Platz fünf für die Dänen in der Teamwertung.

11.31 Uhr: Michael Eilberg und Halfmoon Delphi machen sich als dritte Kombination des britischen Teams bereit zum Einreiten. Das Duo war bereits im Vorjahr bei der EM in Herning Teil der britischen Equipe und muss jetzt richtig punkten, soll es wieder eine Teammedaille geben. Das elegante Paar beginnt mit einer guten Trabverstärkung, aber nach der Linkstraversale galoppiert Delphi vor der Rechtstraversale an. Das ist teuer. Im Rückwärtsrichten klopft die Stute an die Bande und zieht das Bein hoch. Einer schönen, leichtfüßigen Passage folgt eine gute, taktmäßige Piaffe. Im Schritt zeigt die Stute einen guten Viertackt, es folgt ein fließender Übergang in die Passage. Leider wird die Dimaggio-Stute über die gesamte Prüfung hinweg immer wieder deutlich zu eng, trotzdem die Anlehnung und Eilbergs Einwirkung denkbar fein sind. Die Zweierwechsel sind ruhig und kontrolliert, der starke Galopp gut, mit einer butterweichen Rückführung.  Fehler in den doppelt zählenden Wechseln von Sprung zu Sprung - entsetzte Gesichter bei Carl Hester und Charlotte Dujardin auf der Tribüne. Gute Pirouetten, aber immer wieder kommt das Genick zu tief. Eilberg ist sichtlich bemüht die Hannoveranerin aufzurichten. Eine sehr elastische Passage zum Abschluss und viel Applaus von Publikum. Betretene Gesichter bei Team GB. Da waren einige Fehler drin - das könnte knapp werden für die Briten, die aktuell nur an fünfter Position liegen. Auf 75 Prozent hatte man gehofft, 71,886 sind es geworden. Jetzt hängt alles von den Olympiaiegern Charlotte Dujardin und Valegro ab.

13.44 Uhr: Von der Mittagspause zurück sind nicht nur die Richter und das Publikum sondern auch der Regen es gießt. Und gleich müssen Helen Langehanenberg und Damon Hill ran.

13.46 Uhr: Stürmischer Applaus. Die deutschen Superstars Helen Langehanenberg und Damon Hill reiten ins Stadion ein. Nachdem Kristina Sprehe und Isabell Werth so gut vorgelegt haben, können die beiden jetzt ohne sonderlich großen Druck reiten. Ein offenes Halt zum Start. Ein fantastischer starker Trab gleich auf der ersten Diagonale, danach eine gute Traversale, etwas wenig Biegung nach rechts, besser nach links. Nach Halt und Rückwärts gehts wieder im starken Trab über die Diagonale. Damon Hill tanzt in einer federleichten Passage, die Piaffe besser als zuletzt in Aachen, der Übergang in die Passage holpert. Der starke Schritt ist ein weiterer Höhepunkt des Dunkelfuchses. Trend 82,5 Prozent. Wieder eine grandiose Passsage und eine gute Piaffe in der der Donnerhall-Sohn schonmal zu tief kommt. Hervorragende Zweierwechsel, die Anlehnung ist fein, der Kandarenzügel hängt leicht durch. Super starker Galopp, saubere Zick-Zack-Traversalen, in den Einern einmal etwas kurz gesprungen. Tolle Pirouetten mit viel Lastaufnahme der Hinterhand! Noch einmal ein kraftvoller raumgreifender starker Trab, eine super Passage, Piaffe sehr gut auf dem Platz aber etwas tief im Hals. Nein, schon wieder! So ein Schlitzohr dieses Damon Hill. Wiedereinmal wollte er zu früh zum Schlussgruß durchparieren. Das ist jetzt richtig spannend. Reicht das zur Führung oder bleiben Isabell Werth und Bella Rose vorne? Teamgold ist den Deutschen auf jeden Fall sicher. Nein, es ist "nur" Platz zwei! 81,357 Prozent, knapp hinter Werth, aber deutlich vor Sprehe.
Passage wie aus dem Lehrbuch: Helen Langehanenberg und Damon Hill © Tomas Holcbecher
Passage wie aus dem Lehrbuch: Helen Langehanenberg und Damon Hill
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14.21 Uhr: Jetzt heißt's Daumen halten für Victoria Max-Theurer und Augustin. Der Oldenburgerhengst ist wie seine Reiterin ein alter Hase was Championate angeht. Mit einer starken Leistung kann die heimische Dressur-Nr-1 das österreichischen Team (momentan auf Platz 15) noch einmal ordentlich nach vorne pushen. Los geht's. Gutes Halt zum Start. Der erste starke Trab gelingt gut, Vici reitet ohne letztes Risiko. Schöne Traversalen, da gibt es ordentlich Punkte, 7,8 und 8. Geschmeidiges Rückwärtsrichten und wieder eine gelungene Trabverstärkung. Von der elastischen Passage geht es in eine kleine Piaffe. Guter, gleichmäßiger Schritt mit viel Raumgriff, Augustin schreitet schön, bleibt sauber im Takt, auch nach dem Aufnehmen. Der Hengst präsentiert sich in zufriedener Anlehnung und Bilderbuchrahmen. Im Trend liegt das Duo bei ausgezeichneten 75  Prozent. Das passt. Deutlich besser ist die zweite Piaffe (7,3 im Durchschnitt), es folgt ein guter Übergang in  den Galopp. Gleich zu Beginn der Zweierwechsel springt Augustin einen Wechsel nicht ganz durch, dafür gibt's nun einen tollen starken Galopp. Auch die Zick-Zack-Traversale gelingt lehrbuchmäßig. Die Einer ohne Fehler, mit dem rechten Hinterbein springt Augustin um einen Hauch kürzer als mit dem linken. Blitzsaubere Pirouetten - das kann er, der August-der-Starke-Sohn. Vici sitzt ganz ruhig, wirkt fein ein, lässt ihren Augustin machen. Im starken Trab geht es über die letzte Diagonale, der Trend liegt weiterhin bei sensationellen 75 Prozent. Noch einmal Kraft sammeln für die abschließende Piaffe, Augustin schiebt sich zusammen und die Lektion gelingt super. Noch ein perfektes Schlusshalt. Wow. Was für ein Ritt. Ganz ganz toll! Vici freut sich und winkt in die Runde. Da gibt es viel Lob für Augustin. Die rot-weiß-roten Fahnen wehen. Mit Spannung werden die Noten erwartet. 77,129 Rang 4 hinter dem starken deutschen Dreierpaket - Wahnsinn!!!!
Victoria Max-Theurer und Augustin im GP, WEG 2014 © Tomas Holcbecher
Großer Jubel bei Victoria Max-Theuer: Nach einem sensationellen Ritt schiebt sich die Achleitnerin mit ihrem Augustin OLD auf den dritten Zwischenrang hinter Isabell Werth und Helen Langehanenberg und vor Kristina Sprehe.
© Tomas Holcbecher
14.40 Uhr: Jetzt geht's für die Niederlande ans Eingemachte. Adelinde Cornelissen und Parzival haben in Aachen ihr Comeback nach monatelanger Turnier-Abstinenz gefeiert, da wirkte der Fuchs allerdings noch etwas matt und nicht ganz auf der Höhe. Aber die Niederländerin ist eine Fighterin. Das zeigt sie schon auf den ersten Metern ihres Grand Prix. Nach einem raumgreifenden starken Trab (in dem Parzival wie so oft das Maul aufsperrt) zeigt das Duo tolle Traversalen, das Kreuzen fällt diesem hochaufgeschossenen Fuchs wirklich leicht. Danach eine federnde Passage, und eine rhythmische Piaffe. Die Richter zücken reihenweise Höchstnoten (8,6 im Durchschnitt). Nach dem guten Schritt geht's wieder in die Passage und in die Piaffe, in der der Jazz-Sohn phasenweise mit der Kruppe nach oben stößt anstatt sich zu setzen. Aber er ist taktsicher wie ein Metronom. Den Richtern gefällt's. Die Zweierwechsel sind gewohnt sicher. Parzival ist recht eng im Hals - vor allem wenn man gerade Augustin gesehen hat. Für den ausdrucksvollen starken Galopp gibt's Achter, es folgen gelungene Traversalen und raumgreifende, schnurgerade Einerwechsel, die im Durchschnitt mit 8,1 bewertet werden. Auch an den Pirouetten gibt es wenig auszusetzen. Noch einmal ein starker Trab und auf die Schlusslinie, wo die beiden um jeden Punkt kämpfen. Geschafft. Das war auf jeden Fall der stärkste Ritt der Niederländer. Mit 79,629 Prozent sprengen Adelinde Cornelissen und Parzival das deutsche Trio an der Spitze und positionieren sich auf dem dritten Zwischenrang.

15.46 Uhr: Noch dreizehn Paare in diesem Dressur-Marathon. Als nächstes ist Steffen Peters für die USA an der Reihe. Das Duo beginnt gut, liegt im Trend bei 78 Prozent. Besonders in der Piaffe-Passage-Tour punktet das Paar, der starke Schritt ist anfangs etwas verhalten, wird dann aber besser. Legolas behält einen klaren Viertackt. Wieder eine starke Passage und Piaffe, die Zweierwechsel sind sicher, wenn auch nicht mit so viel Ausdruck, wie wir das heute schon von anderen Teilnehmern  gesehen haben. Legolas Stärken liegen zweifellos in der Trab-Tour. Nach einem mutigen starken Galopp gibt es Fehler in den Einerwechseln. Das Publikum raunt. Die Pirouetten gelingen fehlerlos, aber gehören nicht zu den besten Lektionen des Wallachs. Auf der Schlusslinie wird der Westfale eng im Hals und kommt zu tief, behält aber den Rhythmus in den Passagen und der Piaffe. 75,843 Prozent gibt es für den amerikanischen Multi-Champion, der damit - wie schon beim CDI in Fritzens - erneut hinter Vici Max-Theurer (derzeit auf Rang 5) bleibt und sich an der 6. Position einreiht. Das US-Teamhat mit Peters Wertung das spanische Team überholt und liegt aktuell auf Bronzekurs. Allerdings sind noch die britischen Superstars Charlotte Dujardin und Valegro ausständig und auch die Dänen und die Schweden sind noch nicht durch. Österreich rangiert aktuell auf Rang 5.

16.42 Uhr: Die letzte Starterin Dänemarks macht sich bereit. Auf dem Weg zum Viereck holt sich Anna Kasprzak noch einmal letzte Tipps bei ihrem Trainer Andreas Helgstrand. Die neutnplatzierten der Weltrangliste beginnen mit einem ausdrucksstarken Trab, allerdings fällt gleich von Beginn weg die sehr enge Kopf-Hals-Haltung des Donnerhall Sohnes auf, der von Christioph Koschel in den GP-Sport gebracht wurde. Geschlossenes Halt vor dem Rückwärtsrichten, allerdings mit etwas herausstehenden Hinterbeinen. Nach einer schönen elastischen Passage kommt Donnperignons Schwachpunkt, die Piaffe. Der Wallach bleibt aber im Rhythmus, wenngleich die Hufe nur schwer aus dem Sand kommen. Im starken Schritt will sich der Dunkelfuchs nicht recht an die Hand herandehnen. Wieder eine kleine Piaffe, bei der sich Donnperignon etwas nach links verwirft. Das Paar zeigt gute Zweierwechsel, im starken Galopp zeigen sie große Sprünge allerdings ohne nennenswerte Rahmenerweiterung im Halsbereich. Ein kleiner Fehler in den Einern. Die Pirouetten sind gelungen. Ein später Übergang in den Trab und noch eine kraftvolle Trabverstärkung. Der letzte Übergang zwischen Piaffe und Passage holpert. Noch eine starke Passage zum Anschluss und Anna Kasprzak lacht zufrieden. Mit 74,457 bleiben die beiden deutlich hinter ihrem Aachen-Ergebnis (76,620 %) zurück. Team Dänemark liegt jetzt auf Rang 5, fünf Zähler vor Österreich.

17.01 Uhr: Jetzt heißt es alles oder nichts für Team GB. Die Anspannung ist Charlotte Dujardin ins Gesicht geschrieben. Noch so ein verpatzer Grand Prix wie in Aachen und die britische Equipe geht im Mannschaftsbewerb leer aus. Das Duo startet mit einem ausgezeichneten starken Trab. Die Traversalen sind wie aus einem Guss und bringen im Durchschnitt Noten über 9. Einem guten Halt bei C, folgt ein gelungenes Rückwärtsrichten. Dann eine leichtfüßige Passage und eine schöne Piaffe mit leichter Vorwärtstendenz. Der Schritt ist nicht Valegros Stärke, das Duo holt trotzdem alles aus der Gangart raus, was möglich ist. Beide wirken unheimlich konzentriert. Was für ein geschmeidiger Übergang in die Passage und noch eine super Piaffe. Gänsehaut! Jetzt kommt der Galopp, hier hatten sie in Aachen ihre Patzerflut. Bis jetzt sind die beiden aber absolut sicher unterwegs. Makellose Zweierwechsel, da muss es Höchstnoten geben, volle Kraft voraus im starken Galopp, geschmeidige Rückführung und in die Zick-Zack-Traversale. Was für ein Genuss. Perfekte Einerwechsel, ein kurzes Lob für Valegro. Pirouetten die kaum besser gehen - im Kopf hört man wieder Big Ben aus ihrer alten Kürmusik dazu schlagen. Noch ein fantastischer starker Trab zum Abschluss. Isabell Werth sieht gebannt zu, ihre Führung ist jetzt ernsthaft in Gefahr. Noch eine wunderschöne Passage, eine Bilderbuchpiaffe, perfekt auf der Stelle. Kurz vor dem Halt raunt das Publikum, Valegro will wie Damon Hill schon etwas früher anhalten aber Charlotte kann ihn überreden noch ein paar Meter weiter zu passagieren. Jetzt steht er. Das muss der überlegene Sieg sein - und Team-Silber für Großbritannien. Vom Publikum gibt's Standing Ovations während alle gespannt auf die Wertung warten. 85,214 Prozent, der klare Sieg und der sichere 2. Platz (231,343) für die Briten hinter Deutschland (241,700) und vor den Niederlanden (227,400).

17.27 Uhr: Tinne Vilhelmson-Silfven ist die letzte der Big Guns dieses Bewerbs. Die Schwedin und ihr Don Auriello beginnen in gewohnter Manier, ausdrucksstark in der Vorhand etwas müde in der Hinterhand. Die erste Piaffe ist sehr gesetzt und schön im Takt. Ein großer raumgreifender Schritt folgt. Wieder eine kleine aber gesetzte Piaffe, dann ein Taktfehler in der Passage. Die Zweierwechsel gelingen nicht ohne Fehler, aber die Einer sidn gelungen. Es folgen zwei sehr klein gerittene Pirouetten. Noch einmal Passage-Piaffe-Passage auf der Mittellinie und der Schlussgruß. 76,200 Prozent bedeuten Platz 7 für Tinne Vilhelmson und fixieren das schwedische Teamergebnis mit Platz 5. Österreich schließt mit 213,229 Punkten auf Rang 8.

18.00 Uhr: Die letzte Reiterin ist durch, morgen geht es ab 9.30 Uhr mit dem Grand Prix Spécial um die Einzelmedaillen und da werden die Karten nochmal neu gemischt. Mit dabei ist nach ihrem Welklasseritt auch Vici Max-Theurer, die den Grand Prix auf dem sensationellen 6. Platz beendet. Renate Voglsang verpasst auf Rang 42 den Einzug in die nächste Runde doch deutlich, Christian Schumach schließt auf Platz 64, Karin Kosak auf 74. Wir freuen uns auf auf morgen!
Karin Kosak und Lucy"s Day haben als Startreiter für Team Austria gut vorgelegt. © Tomas Holcbecher
Karin Kosak und Lucy"s Day haben als Startreiter für Team Austria gut vorgelegt.
© Tomas Holcbecher

Montag - Tag 1 des Teambewerbs

8 Uhr: Das Stadion d`Ornano präsentiert sich in den frühen Morgenstunden regnerisch und düster. Als erste Starterin muss Fabienne Lütkemeier mit ihrem Hannoveranerwallach D’Agostino ran. Die Deutschen gelten auch nach dem Ausfall von Medaillenhoffnung Totilas als ganz große Favoriten auf Team-Gold. Kann Fabinne Lütkemeier, die bei der Europameisterschaft in Herning 2013 ihr Championatsdebüt gegeben hat, diesen Anspruch bestätigen? Die ersten Schritte des großrahmigen Fuchwallachs zeigen: Sie kann. Im Trend zwischenzeitlich über 78 Prozent, zeigt das eingespielte Duo eine gelungene Runde. In den Galoppchangements lassen sie Punkte liegen, da ist der eine oder andere Wechsel nicht ganz durchgesprungen. Deutschlands Starterpaar schließt mit 73,586 Prozent.

8.35 Uhr: Jetzt wird es erstmals für Österreich spannend. Karin Kosak und Lucy’s Day machen für unser Team den Auftakt. Lucy steht beim Gruß-Halt bombensicher, allerdings hat sie die Hinterbeine etwas nach hinten herausgestellt. Das wird dem Richter bei E nicht entgangen sein. Nach der ersten Diagonale im starken Trab packt die Rheinländerstute ihre energiegeladene Passage aus und zeigt, dass sie heute gut drauf ist. Leider gelingt der Übergang aus der mächtig elastischen Lektion in die anschließende Piaffe nicht. Karin Kosak hat Mühe Lucy zum gleichmäßigen treten auf der Stelle zu bringen. Im Schritt entspannt sich Lucy’s Day dafür schön, dehnt sich, tritt weit über und auch der versammelte Schritt passt. Danach wieder eine tolle Passage und diesmal gelingt auch der Übergang in die Piaffe besser. Im Galopp zeigt sich die Dunkelfuchsstute engagiert in schönem Bergauf. Die Zweierwechsel gelingen diesmal ohne Fehler und auch die Galoppverstärkung und die darauffolgenden, zweifach-zählenden Galopptraversalen klappen gut. Bei den Einerwechseln springt Lucy’s Day zwei Mal nicht durch – das kostet Punkte. Umso schöner sind danach die Pirouetten, die das eingespielte Paar superklein mit guter Biegung und viel Lastaufnahme reitet. Dafür gibt’s mehrheitlich die Note Sieben von den Richtern. Damit wäre der Galopp geschafft, jetzt heißt es in der finalen Trabtour nochmal ein paar Punkte sammeln. Nach einer schönen Trabverstärkung geht es mit viel Energie auf die Schlusslinie, aus der Passage geht es in eine kleine Piaffe und mit einem etwas wackeligen Übergang zurück in die Passage. Beim Schlusshalt lässt Lucy’s Day das linke Hinterbein etwas herausstehen. Karin Kosak ist zufrieden. Sie lächelt und klopft ihrer Lucy den Hals. Die Richter sind sich bei der Bewertung etwas uneins – zwischen 64,1 (Richter bei E) und 68,3 (Richter bei C) bewegen sich die Noten, macht in Summe 66,043 Prozent für die Vizestaatsmeister von 2013. Ein gelungener Auftakt für Team Österreich!

8.45 Uhr: Die Niederlande schicken Diederik van Silfhout als ersten des Oranje-Teams an den Start. Der 26-Jährige und sein erst neun Jahre alter KWPN-Hengst Arlando sind die Nachrücker für Danielle Hejkoop und Kingsley Siro, die verletzungsbedingt unmittelbar vor der Abreise nach Caen w.o. geben mussten. Das junge Duo ist sicherlich ein Paar, das man sich für die Zukunft merken sollte. Van Silfhout reitet mit fast unsichtbaren Hilfen, Arlando bewegt sich super im Takt, bei schöner Anlehnung und guter Selbsthaltung. Und unglaublich sicher. In den Trabverstärkungen ist noch einige Luft nach oben, aber die Piaffen und Passagen sind sehr vielversprechend für die Zukunft, ebenso die Übergänge. Größtes Manko ist der Schritt, hier kommt Arlando nie richtig ins Schreiten. Das kostet Punkte. Im Galopp fehlt es dem KWPN-Hengst noch etwas an Raumgriff, besonders in den Wechseln. Insgesamt liefert das sehr junge Duo aber einen klasse Ritt und schließt mit 73,414 Prozent nur ganz knapp hinter Fabienne Lütkemeier und D’Agostino auf Platz 2.

10.29 Uhr: Große Chancen auf eine Team-Medaille rechnen sich auch die Briten aus. Allerdings ist von den Big-Scorern der vergangenen Jahre nur noch Charlotte Dujardin mit ihrem Olympia-Goldpferd Valegro geblieben. Carl Hester hat nach Caen nicht seinen Olympia-Teamgold- und zweifachen EM-Silbermedaillengewinner Uthopia, sondern den jungen Nip Tuck mitgebracht, der dieses Jahr sein Grand Prix Debüt gefeiert hat. Michael Eilberg und Halfmoon Delphi sind ebenfalls noch im Aufbau und kommen nicht an die Noten einer Laura Tomlinson (aka Bechtolsheimer) mit ihrem bereits pensionierten Mistral Hojris heran. Gareth Hughes und Stenkjers Nadonna waren bei der EM im Vorjahr erstmals für das britische Team am Start und machen für die Briten jetzt den Auftakt. Wie im Vorjahr hat die sechzehnjährige dänische Stute auch heuer wieder schwer mit den Nerven zu kämpfen. Bei der Grußaufstellung geht sie rückwärts anstatt still zu stehen. Das ist teuer. Jetzt hat Gareth Hughes seine vierbeinige Partnerin aber wieder bei sich. Das Duo gehört mit zu den harmonischsten bisher. Trotzdem die Stute abgespannt ist, wirkt Hughes unglaublich fein ein. Die Passage ist super elegant und regelmäßig. Beim Halt und Rückwärtstreten zeigt Nadonna dann wieder, wie nervös sie ist - da gibt es von den Richtern im Durchschnitt auch nur eine 4,9. Danach wieder eine gelungene Passage und eine wackelige Piaffe. Im Schritt entspannt sich die Donnerschlag-Tochter gut. Durchatmen für Hughes, der mit seinen Beinen Nadonnas Flanken gar nicht recht berühren will. Die zweite Piaffe gelingt besser, es folgt ein schöner Übergang in die Passage. Die Zweierwechsel sind sicher und kontrolliert, beim starken Galopp hat Hughes die Handbremse angezogen. Sicher ist sicher. Auch die Einerwechseln gelingen ohne Fehler. Nach einer guten Linkspirouette wird die Rechtspirouette zu groß. Zum Schluss gibt's nochmal eine super elegante Passage und den finalen Gruß - Nadonna bleibt wieder nicht  stehen, aber jetzt ist es vorbei. Gareth Hughes bläst die Backen auf und atmet tief durch. Das Duo bleibt mit 69,714 Prozent knapp unter der 70er Marke.

11.37 Uhr: Kristina Sprehe und Desperados reiten als zweites deutsches Paar des Tages ins Stadion ein. Der Gruß-Halt ist nicht geschlossen, aber jetzt geht es richtig los. In den Trabverstärkungen zeigt Desperados, was er kann. Viele Punkte holt das Duo auch in den Traversalen. Ein Stolperer vor der ersten Piaffe, die mit dem Koeffizienten zwei bewertete Lektion selbst ist danach dann aber wieder gut im Rhythmus, schön am Platz. Im starken Schritt macht Desperados dem Namen der der Lektion alle Ehre. Die Passage ist energiegeladen, manchmal etwas unregelmäßig in der Hinterhand, aber lange nicht mehr so deutlich wie noch vor einem Jahr. Die Galopptour ist die beste bisher. Tolle energisch bergauf gesprungene Wechsel, super Pirouetten. Auf der Schlusslinie holen sie noch einmal alles raus - das muss die klare Führung für die beiden sein. Ja, mit 78,814 Prozent setzen sich Kristina Sprehe und ihr Hannoveranerhengst klar an die Spitze und bauen den Vorsprung der deutschen Equipe deutlich aus. Bundestrainerin Monica Theodorescu galoppiert vor Freude (ohne Pferd) ihren Schützlingen entgegen. Die Freude ist riesig - auch bei Kristina Sprehe.

12.14 Uhr: Für die Richter und die Zuschauer vor Ort steht nach über vier Stunden Dressur jetzt erstmal die Mittagspause auf dem Programm. Um 13.40 Uhr geht's wieder los, und dann wird's  besonders für uns Österreicher wieder spannend, denn um 13.46 Uhr werden Christian Schumach und Auheim's Picardo den zweiten Ritt für das rot-weiß-rote Team bestreiten.

13.40 Uhr: Die Dressur meldet sich zurück aus der Mittagspause. Der Regen ist wie schon am Vormittag Dauergast, zum Glück hält der Platz und bietet weiterhin faire Bedingungen für alle Starter. Zumindest das Vorbereitungsviereck ist überdacht, Pferde und Reiter können im Trockenen aufwärmen bevor sie ins nasse Stadion einreiten. Christian Schumach und Auheim's Picardo holen sich hier den letzten Schliff für ihren großen Auftritt in wenigen Minuten.

13.50 Uhr: Jetzt geht's los für das zweite rot-weiß-rote Duo. Der Boden quatscht ganz schön beim Einreiten. Vorbildliches Halt von Picardo - wenn nicht sogar das beste bisher. Im starken Trab zeigt der braune Hannoveranerhengst viel Übertritt, bei den Traversalen wird der Trab hingegen flach. Das Rückwärtsrichten gelingt gut, mit dem Antraben lässt sich Picardo aber etwas Zeit. Nach der ersten guten Passage hat das Duo doch Mühe mit der Piaffe, kommt aber nach und nach immer besser in den Rhythmus. Im Schritt zeigen Christian Schumach und Auheim's Picardo einen klaren Viertakt, der Übergang in die Passage gelingt hervorragend. Die zweite Piaffe ist besser als die erste, Christian Schumach legt sie mehr im Vorwärts an. Jetzt kommen die Wechsel. Die Zweier sind souverän, nach dem gelungenen starken Galopp liegt das Paar im Trend auf 68,6 Prozent. Schade! So sicher die Zweier waren, in den Einern patzt das Duo. Lebensgefährtin Stephanie Dearing, die vor wenigen Wochen aus Verden eine Silbermedaille von der WM der jungen Dressurpferde mit nach Hause gebracht hat, drückt fest beide Daumen und muss mitansehen, wie Auheim's Picardo im Ausgang der sehr kleinen Linkspirouette den Takt verliert und in den Schritt fällt. Die Rechtspirouette klappt besser. Noch einmal ein guter starker Trab auf der Diagonalen und eine schöne Passage auf der Schlusslinie - hier machen die beiden wieder Punkte gut. Nach dem Schlussgruß reißt Christian Schumach zufrieden den Arm in die Höhe, lacht erleichtert. Mit 66,766 Prozent reiht sich der Kärntner auf dem 15. Zwischenrang noch vor Karin Kosak (aktuell Zwanzigste) ein und bestätigt mit diesem Ergebnis seine WEG-Nominierung. Nach zwei Reitern liegt Österreich aktuell auf Rang 14 der Teamwertung.

14.17 Uhr: Die Kamera schwenkt zur Tribüne und macht klar, dass jetzt wieder Oranje-Zeit ist. Hans-Peter Minderhoud geht als zweiter Reiter der Holländer mit Glock's Johnson an den Start. Dieser Ritt könnte entscheidend im Hinblick auf die Medaillenvergabe sein. Entsprechend groß ist der Druck auf den Schultern des Niederländers. Erst seit Ende Dezember stellt Hans-Peter Minderhoud den zwölfjährigen KWPN-Hengst auf Grand-Prix-Niveau vor - nichtsdestotrotz hat sich der braune Jazz-Sohn in dieser Zeit als das beste Pferd des Niederländers herauskristallisiert, der mit Glock's Romanov und Glock's Flirt noch zwei weitere Hochkaräter im Stall stehen hat. Das Duo startet mit einer kraftvollen und ausdrucksstarken Trabtour, die Passage ist ungemein elastisch, allerdings in der Hinterhand immer wieder unregelmäßig. Einen guten Takt zeigt der Hengst in den Piaffen. Der Schritt gehört nicht zu Johnsons Sträken, obwohl sich der Hengst schön lang macht und entspannt, bleiben die Tritte zu kurz. Das ist nicht das Schreiten, das man sich hier wünscht. Die Zweierwechsel reitet Hans-Peter Minderhoud mit Risiko vorwärts und muss prompt einen Patzer hinnehmen. In den Einern bleibt das Duo fehlerfrei. Auf der Schlusslinie ist Johnson erneut unregelmäßig in der Passage. 74,357 Prozent bedeuten aktuell den zweiten Platz hinter Kristina Sprehe und sind die erste echte Richtmarke für alle Nationen, die auf eine Silber- oder Bronzemedaille in der Teamwertung spekulieren.

16.30 Uhr: Der erste Teil des Dressur-Teambewerbs geht in den Endspurt. Noch für acht Reiter steht am heutigen Tag ein Ritt im Stadion d'Ornano an, darunter der britische Team-Silbermedaillengewinner der WEG 2010, Carl Hester. Die Spitze präsentiert sich weiterhin unverändert. Es führt Kristina Sprehe (GER) mit Desperados (78,814 %) vor Hans Peter Minderhoud (NED) mit seinem Glock-Pferd Johnson (74,357 %), Fabienne Lütkemeier (GER) mit D'Agostino (73,588 %) und Diederik Van Silfhout (NED) mit Arlando (73,414 %)

16.59 Uhr: Jetzt wird's für die Briten ernst. Nach den 69,714 Prozent von Gareth Hughes muss das Goldteam der Olympischen Spiele von 2012 nun ordentlich punkten, will es auch hier in der Normandie eine Team-Medaille holen. Beim Grußhalt guckt sich Hesters Pferd Nip Tuck das Stadion nochmal genau an. Kein Wunder, der zehnjährige Wallach, der erst im Mai sein Grand-Prix-Debüt gab, ist noch richtig grün hinter den Ohren. Da war es von Vorteil, dass sich Hester die Gegebenheiten vor Ort mit dem 1,85 m großen Riesen schonmal anlässlich des Testevents Ende Juni angesehen hat. Für die erste Trabverstärkung gibt's von den Richtern durchschnittlich eine 7,6. Halt und Rückwärsrichten gelingen ohne gröbere Probleme. In der Passage ist Nip Tuck manchmal in der Hinterhand nicht ganz regelmäßig, was er auch in die Piaffe übernimmt. Im Schritt fehlt es dem Braunen an Gelöstheit - gut, dass es nun wieder mit Passage weitergeht. Sein Potenzial zeigt der Don Ruto-Sohn in den Zweierwechseln, da kann Nip Tuck seine große Galoppade ausspielen. Dasselbe gilt für den starken Galopp. Nach einer gelungen Zick-Zack-Traversale sind auch die Einer hervorragend und werden mit durchschnittlich 8,3 belohnt.  Die Linkspirouette ist unheimlich klein und kontrolliert, ebenso die nach Rechts. Galopp ist geschafft, jetzt kommt die finale Trabtour. Nach einem recht konservativ gerittenen starken Trab geht es noch einmal in die Passage und die Piaffe, beides gehört noch nicht unbedingt zu den Stärken des Paares. Nach dem Gruß formt sich auf Hesters Gesicht ein breites Grinsen. Team GB jubelt auf der Tribüne, Nip Tucks Mitbesitzerin bricht in Tränen aus. Das war eine gelungene Vorstellung des noch so unerfahrenen Riesen, der bei Hester zu Hause in 24-Stunden-Weidehaltung lebt. Mit 74,214 Prozent schiebt sich Carl Hester noch vor Fabienne Lütkemeier auf Rang drei und bringt sein Team auf Bronze-Position.

17.43 Uhr Schlussreiterin Tanya Seymour aus Südafrika und ihr Oldenburger Ramoneur nehmen Aufstellung zum finalen Halt und beenden damit den ersten Teil des Teambewerbs. Nach neun Stunden Dressur haben sich die sechs Richter Elizabeth Mc Mullen (CAN), Isabelle Judet (FRA), Susan Hoevenaars (AUS), Francis Verbeek (NED), Dietrich Plewa (GER) und Liselotte Fore (USA) ihr Abendessen redlich verdient. Allzu lange sollten sie sich damit aber nicht Zeit lassen, denn morgen geht es wieder um 8 Uhr los mit dem zweiten Teil des Bewerbs, der von den deutschen Medaillenaspiranten Isabell Werth und Bella Rose eröffnet wird. Renate Voglsang und Fabriano folgen kurz darauf um 8.36 Uhr, Vici Max-Theurer und Augustin greifen um 14.21 Uhr ins Geschehen ein.

Alle Ergebnisse im Detail gibt's hier.