![]() Jährlich fallen in Österreich 120.000 Tonnen Pferdemist mit Spaneinstreu an – genug, um eine Kleinstadt mit Heizwärme zu versorgen. © www.arnd.nl |
Lizenz zum Brennen
Pferdemist als Brennstoff? Wir zeigen Ihnen, wie's geht.
Die Idee, Pferdemist als Heizmaterial zu verwenden, ist nicht neu – doch bisher fehlte es an exakten Daten, die solches in der Praxis auch problemlos erlauben würden. Nun wurde der Brennstoff Pferdemist eingehend untersucht – mit dem Fazit: unter gewissen Bedingungen kann er wertvoller Biomassebrennstoff sein.
Energie für eine Kleinstadt
Zwei Lösungsansätze
Brennstoffqualität
Jeder, der den Pferdealltag kennt, kann sich vorstellen, dass die Zusammensetzung von Mist durch Haltungsart, Fütterungs- und Putzgewohnheit beeinflusst wird. Pferdemist mit Einstreu auf Holzbasis stellt einen verunreinigten Holzbrennstoff dar, dessen variierende Bestandteile folgende sind:
- Einstreu auf Holzbasis
- Exkremente (Urin und Kot des Pferdes)
- Heu (Reste der Pferdefütterung)
- Tierhaare – vor allem im Fellwechsel (Frühjahr und Herbst)
- sonstige Verunreinigungen, z.B. Erde, Steine etc. (durch Abäpfeln von Paddocks und Koppeln)
Die Definition der restlichen Komponenten war schon schwieriger. Sehr viele Faktoren haben Einfluss auf die Brennstoffeigenschaften. Die wichtigsten Parameter, bezogen auf diese Qualitäten, wurden als Best case- und Worst case-Szenarien beschrieben, wobei die Realität meist dazwischen liegt (siehe obenstehende Tabelle).
Am kritischsten zu bewerten ist wahrscheinlich die chemische Zusammensetzung des Pferdemistes. Sie zeigt naturgemäß Unterschiede bei wichtigen Verbrennungsparametern im Vergleich zu reinem, hochwertigen Hackgut. Gegenüber anderen biogenen Brennstoffen (z. B. Rinde, Waldhackgut u. ä.) sind die Analysewerte von Mist aber durchaus vergleichbar. Macht man sich die kritischen Parameter bewusst und bezieht diese in den Planungsprozess einer Heizanlage mit ein, so sind sie mit relativ einfachen verfahrenstechnischen Maßnahmen beherrschbar.
Wassergehalt: Eine wesentliche Funktion der Pferdeeinstreu ist die Aufnahme von Pferdeurin, um die Box trocken zu halten. Naturgemäß ist Pferdemist somit überwiegend nass. Der Wassergehalt im Mist kann, je nach Lagerung, bis zu 70 % betragen und übersteigt somit den von waldfrischem Hackgut (45–60 %). Wird der Mist direkt ohne Vorbehandlung (z. B. Trocknung) eingesetzt, muss die Verbrennungsanlage und die Einrichtungen für die Brennstoffzufuhr für einen sehr hohen Wassergehalt ausgelegt sein. Um Betriebsstörungen weitgehend auszuschließen, sollte von einer Co-Verbrennung mit Hackgut ausgegangen werden, die eine Beimischung von max. 50 Gew.-% Mist nicht überschreitet. Für den Anfahrvorgang einer Anlage ist feuchtes Brennmaterial grundsätzlich nicht geeignet.
Aschegehalt: In den Pferdeexkrementen sind aschebildende, mineralische Komponenten, die die Rückstände einer Verbrennung bilden, angereichert. Zusätzlich kann es bei Verunreinigung des Mistes mit Erde zu einer Erhöhung der mineralischen Komponenten kommen. Bei der Verbrennung von Pferdemist ist daher auf eine entsprechende Kapazität der Ascheaustragung zu achten. Der hohe Aschegehalt wird, verglichen mit dem Dauerbetrieb mit Hackgut, zu erhöhtem Reinigungsaufwand (Ascheentleerung) führen. Die resultierende Asche hat jedoch einen hohen Kalium- und Phosphorgehalt und ist daher als Dünger bestens geeignet.
Ascheschmelzverhalten: Das Ascheschmelzverhalten kennzeichnet die Neigung eines Brennstoffes, bei der Verbrennung große Klumpen zu bilden bzw. sich an den Wänden des Feuerraumes anzubacken. Die Analyse des Pferdemistes zeigt, daß der Ascheerweichungspunkt und die Fließtemperatur im Bereich von Holz liegen. Die Erweichungstemperatur liegt deutlich über 1.000° C, daher sollte es im Verbrennungsprozess zu keinen Störungen aufgrund von Ascheerweichungen kommen. Auch im Praxisversuch konnte keine erhöhte Schlackebildung beobachtet werden.
Korrosion: Die Bestandteile im Mist, die korrosiv wirken (Chlor, Schwefel, Stickstoff) sind im Vergleich zu Hackgut erhöht. Beim unbehandelten, feuchten Brennstoff gilt: je kleiner der Anteil an Verunreinigungen (Pferdeäpfel, Futterreste), desto geringer ist die korrossive Wirkung der Mischung. Insbesondere der Gehalt von Chlor kann zu einer erhöhten Korrosion führen. Dieser Wert sollte vor einer Verwendung von Pferdemist als Brennstoff bei einer ausreichend großen Probenanzahl analysiert werden. So ist es möglich, die maximale Beimischung festzulegen, die die maximal zulässige Chlorkonzentration gemäß Brennstoffanforderung des Anlagenherstellers nicht übersteigen darf. Bei einer feuchten Brennstoffmischung mit einem Pferdemistanteil von über 50 Gew.-% ist mit einem höheren Anlagenverschleiß und auch mit Überschreitungen der vorgegebenen Emissionsgrenzwerte (NOx) zu rechnen.
Genehmigung einer Anlage
Um eine „Mistheizung“ genehmigen zu lassen, muss der Pferdemist als verunreinigte Biomasse deklariert und anerkannt sein.
Laut Gesetz (AWG) entscheidet derzeit die Art des Stallbetriebes, ob Pferdemist als Abfall gilt oder nicht, wobei zwischen einem landwirtschaftlichen Betrieb (Mist ist kein Abfall) und einem Reitbetrieb, der kein landwirtschaftlicher Betrieb ist (Mist ist Abfall) unterschieden wird. Im schlimmsten Fall ist der Betrieb keine Landwirtschaft und hat keine eigenen Flächen. Hier müsste der Mist als Abfall entsorgt werden, was nicht nur erhebliche Kosten verursacht, sondern auch eine Verschwendung von Ressourcen bedeutet. Neu ist der Weg, den Mist als verunreinigte Biomasse (Holz) zu betrachten und ihn in einer Biomasseverbrennungsanlage thermisch zu nutzen. Es gibt bereits zwei genehmigte Anlagen dieser Art in Österreich. Die Genehmigung von neuen „Mistheizungen“ wird derzeit abhängig vom Bundesland sehr unterschiedlich behandelt. Fakt ist, dass es sich um Hackgutheizungen handelt, die mit verunreinigter Biomasse betrieben werden. Durch umfangreiche Emissionsmessungen bei den bestehenden Anlagen konnte gezeigt werden, dass die Grenzwerte beim Einsatz von trockenem Mist eingehalten und sogar signifikant unterschritten werden. Im Vorfeld der Genehmigung ist die Kommunikation mit Behörden und AnrainerInnen besonders wichtig. Gelingt es nicht, den Mist als verunreinigte Biomasse zu definieren, so muss er als Abfall eingestuft werden, d. h. es geht bei der Verbrennung um reine Entsorgung ohne das Ziel der Substitution von fossilen Energieträgern. In diesem Fall spricht man von Abfallbehandlung – und man ist mit den Auflagen der Müllverbrennung konfrontiert d. h. mit unverhältnismäßig hohen Investitionen. Wie schon erwähnt, gibt es in Österreich bereits zwei genehmigte Anlagen, bei deren Genehmigung Pferdemist als verunreinigte Biomasse definiert wurde und somit als solche eingesetzt werden darf. Weitere Anlagen sind bereits in Planung.
![]() Trockener Pferdemist hat in etwa denselben Heizwert wie hochwertige Hackschnitzel und kann als Biomassebrennstoff gelten. © Angelika Rubick |
Einfluss der Lagerung
Preiswürdige Forschungsergebnisse
Das gemeinsame Forschungsprojekt der RTS Trocknungstechnik GmbH und des Österreichischen Forschungsinstituts wurde bereits mit zwei Preisen ausgezeichnet.
Am 3. November wurde der RTS Trocknungstechnik GmbH und dem Österreichischen Forschungsinstitut (ofi) in Wien der Kooperationspreis ACRAward 2008 für Chemie und Technik (ofi) für patentierte Mistwärme verliehen. Am 8. November gab es dann in Klagenfurt für die RTS-Pferdemisttrocknung als Draufgabe noch den Forschungs- und Innovationspreis des Landes Kärnten 2008, die höchste Auszeichnung des Landes (2. Rang). Seit Mitte Juni 2008 ist die erste RTS-Pferdemisttrocknungsanlage in Betrieb. Sie befindet sich im Reitsportzentrum Maria Wörth/Reifnitz/St.Anna (www.rszmw.at) und kann dort besichtigt werden. Der Pferdemist wird mit der Einstreu aus der Pferdebox angesaugt und in den RTS-Pferdemisttrocknungscontainer eingeblasen, dort automatisch verteilt, getrocknet und ausgetragen und in den Brennstoffbunker einer angrenzenden Hackschnitzelheizung geliefert. Der trockene Pferdemist samt Einstreu ist Energielieferant für Warmwasser und für die Raumbeheizung. In einem RTSContainer kann täglich der Mist von bis zu 50 Pferden getrocknet werden. In der Jahresenergiebilanz entspricht der Mist von zehn Pferden (angenommen: 50 kg Feuchtware/Tag und Pferd = 25 kg Trockenmist je Pferd) 30.000 Liter Heizöl, ein Pferd kann einen Haushalt mit 24.000 kWh/Jahr versorgen, was 2.400 Liter Heizöl enstpricht. Die CO2-Einsparung je Pferd beträgt bei Ganzjahresbestallung fünf Tonnen (Quelle: RTS).
Einsatz in der Praxis
Die Lösung: Mist vortrocknen
Die Zukunft
Kontakt und Projektmanagement
DI Angelika Rubick,
ofi – Forschungsinstitut,
Tel.: 01/7981601-590,
E-Mail: angelika.rubick@ofi.at


















