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12.08.2016

Mannschaftsgold an schwarz-rot-gold

Ohne Gegner war die deutsche Dressurmannschaft bei der olympischen Mannschaftsentscheidung, die sich aus den Ergebnissen von GP und GP Spécial zusammensetzte. Silber holte sich Großbritannien, Bronze ging an die USA. Für die Niederlande endete die Konkurrenz mit dem enttäuschenden vierten Platz.

Das deutsche Dressurteam jubelt über Gold: Isabell Werth, Dorothee Schneider, Sönke Rothenberger und Kristina Bröring-Sprehe. © Tomas Holcbecher
Das deutsche Dressurteam jubelt über Gold: Isabell Werth, Dorothee Schneider, Sönke Rothenberger und Kristina Bröring-Sprehe.
© Tomas Holcbecher
Von den Medaillenanwärtern musste Edward Gal mit seinem Voice (Undercover war ja zu Hause geblieben) als erster ins Viereck. Glücklich sahen weder Pferd noch Reiter während der gesamten Übung aus, gerade einmal 73,768 % gab es dafür von den Richtern. Besser ging es im leichten Nieselregen seinem Teamkollegen Diederik van Silfhout, der mit Arlando fehlerfreie 76,092 % zeigte. Hans Peter Minderhoud und Johnson komplettierten die Runde der Niederländer mit 75,504 %. Das sollte am Ende zu wenig gewesen sein.
Cathrine Dufour zeigt mit 24 Jahren bei ihrem ersten Championat kräftig auf und ist ein begehrter Interviewpartner. © Ernst Kopica
Cathrine Dufour zeigt mit 24 Jahren bei ihrem ersten Championat kräftig auf und ist ein begehrter Interviewpartner.
© Ernst Kopica
Die Überraschung des Vormittags war die junge Dänin Cathrine Dufour mit Cassidy. Ganz unauffällig hatte sich die 24-jährige in ihrer ersten Seniorensaison auf den 36. Weltranglistenplatz geschoben und ihr erstes Antreten bei einem Championat hätte auch nicht besser verlaufen können: Im Grand Prix auf Rang 10, heute vereitelte ein kleiner Fehler einen besseren Platz als den 12. (76,050 %), damit wurde sie dennoch beste dänische Reiterin.
Sönke Rothenberger gab mit Cosmo tolles Debüt und hadert mit Reglement. © Tomas Holcbecher
Sönke Rothenberger gab mit Cosmo tolles Debüt und hadert mit Reglement.
© Tomas Holcbecher
Kritik gab es aus allen Lagern an dem neuen Austragungsmodus. Gestern hatte Sissy Max-Theurer bereits auf die Benachteiligung der Einzelreiter hingewiesen. In ihrer Meinung bestärkt wurde sie heute von den Schweizern, deren Marcela Krinke-Susmelj mit Nummer 1 ran musste, entsprechend nur zögerliche Punkte bekam und es mit Rang 24 nicht in die Kür schaffte. Aber auch die Mannschaften waren nicht gerade happy. Der Schwede Patrik Kittel wies etwa darauf hin, dass mit diesen Änderungen (die drei Nationen auf den Plätzen 4 bis 6 kamen vor der Pause, die drei führenden Nationen nach der Pause dran) den Reitern Stress bereite und man die Mannschaftskollegen nicht unterstützen könne.
Die Nachmittagssession eröffnete dann der spanische Einzelreiter Severo Jesus Jurado Lopez. Der in Dänemark lebende Helgstrand-Assistent schob sich mit seinem ausdrucksstarken Lorenzo, der besonders in der Trabtour überzeugte, an die Spitze des Zwischenklassements. Bei der Russin Inessa Merkulova merkte man, dass der Spécial das Stiefkind der Dressurreiter ist und nicht oft geprobt wird: Sie verritt sich einmal, als sie statt zu traversieren mit ihrem Mister X Galoppwechsel sprang. Das kostete der Russin die Teilnahme am Freestyle, womit sie sich in guter Gesellschaft befand: Auch Gal kamen nicht unter die besten 18!
Die letzten zwölf Reiter ritten dann um Gold, Silber und Bronze. Sönke Rothenberger kosteten fehlerhafte Galoppwechsel eine bessere Wertung als 76,401 %, dennoch ein gelungenes Olympiadebüt des jungen Deutschen, den nur die Regel, dass pro Team lediglich drei Reiter in der Kür starten dürfen, das Weiterkommen in die Entscheidung vereitelte. Aber um Gold für die Mannschaft gab es kein Zittern mehr! Dorothee Schneiders Showtime legte eine Show vom Feinsten hin, er schwebte in den Passagen gleichsam, bei den beiden letzten zückten die sieben Richter gleich elf Mal die Höchstnote 10! Trotz einer nicht ganz gelungenen zweiten Pirouette waren es damit 82,619 % geworden. Da konnte es Kristina Bröring-Sprehe ruhiger angehen, ihr Desperados glänzte auch nicht mehr ganz so wie im Grand Prix, immerhin 81,261 %! Als dann Isabell Werth als einziger Reiterin mit Weihegold eine komplett fehlerfreie Runde gelang (83,711 %), konnte auch theoretisch niemand mehr den deutschen Olympiasieg verhindern.
Fehlerfrei, ausdruckstark: Weihegold unter Isabell Werth. © Tomas Holcbecher
Fehlerfrei, ausdruckstark: Weihegold unter Isabell Werth.
© Tomas Holcbecher
So jubelt die erfolgreichste deutsche Dressurreiterin nach Gold! © Tomas Holcbecher
So jubelt die erfolgreichste deutsche Dressurreiterin nach Gold!
© Tomas Holcbecher
Gut, aber diesmal nicht gut genug: Valegro und Charlotte Dujardin. © Tomas Holcbecher
Gut, aber diesmal nicht gut genug: Valegro und Charlotte Dujardin.
© Tomas Holcbecher
Charlotte Dujardin hätte nämlich über 100 Prozent bekommen müssen - unmöglich! Die Spannung war also draußen, das hatte offenbar auch Valegro mitbekommen, der zu Beginn einmal ungehorsam war. Dujardin hatte offensichtlich auch resigniert und so schaffte es eine heute entfesselte Isabell Werth den Spécial zu gewinnen.

Für die USA sollte es hingegen noch eng werden, da Steffen Peters’ Legolas müde wirkte und zwei Hacker hatte. Aber eine souveräne Laura Graves sicherte mit dem brillanten Verdades (80,644 %) doch noch Edelmetall.
Laura Graves und Verdades sicherten den USA Bronze. © Tomas Holcbecher
Laura Graves und Verdades sicherten den USA Bronze.
© Tomas Holcbecher

Feeling safe

Die erste Woche Olympia neigt sich ihrem Ende zu, es wird daher Zeit eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen. Beginnen wird mit den sportlichen Bedingungen und den Stimmen der Sportler. Von ihnen gibt es meist ein dickes Lob. Die Anlage in Deodoro besticht durch ihre Weitläufigkeit, die Stallungen und Abreiteplätze erlauben eine perfekte Vorbereitung, die Stimmung ist trotz aller Sicherheitsfragen relaxed und entspannt. Für die Pferde wurde alles getan. In der Vielseitigkeit sah man im Gelände hingegen nicht die allerschönsten Bilder, was aber in erster Linie dem französischen Kurssetzer anzulasten war. Die fehlende Publikumskulisse (noch selten musste wohl ein Valegro einen Grand Prix vor so einer bescheidenen Zahl an Besuchern absolvieren wie gestern) trägt nicht gerade zu einer Championatsstimmung bei.
Militärpolizei beim Abendappell oder Abendgebet, so genau konnte man das nicht erkennen. © Ernst Kopica
Militärpolizei beim Abendappell oder Abendgebet, so genau konnte man das nicht erkennen.
© Ernst Kopica
Dass es in der Umgebung immer wieder zu Schießereien kommt, was für eine Pferdesportanlage nicht gerade der Idealzustand ist, hätte man wohl wissen können. Vici Max-Theurer meinte dazu, dass ihre Della Cavalleria von der Knallerei Gott sei Dank unbeeindruckt blieb, aber beim Grand Prix von Fiona Bigwood etwa krachte es ordentlich. General Ramos versicherte in einer Pressekonferenz, dass die Schießübungen eingestellt werden, allerdings habe er nur die Befehlsgewalt für seine 51.000 Soldaten. Die Militärpolizei schießt hingegen munter weiter.
Sicherheit ist ein großes Thema hier. © Ernst Kopica
Sicherheit ist ein großes Thema hier.
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Wenn es wenigstens nur die Militärpolizei wäre, denn die zwei aufgefundenen Projektile im Pressezelt und an einem Zaun bei den Stallungen sollen von einer nahegelegenen Favela abgefeuert worden sein. Damit sind wir wohl bei einem Hauptthema dieser Spiele, der Sicherheit. An die Berichte über Diebstähle und Attacken gewöhnt man sich mittlerweile schon, verrückt lassen darf man sich natürlich nicht. Die deutschsprachige Journalistenrunde bei den Pferdebewerben hat in ihrer WhatsApp-Gruppe dafür zwei Codewörter kreiert: safe oder unsafe. Eine Fahrt mit dem Taxi in ein Restaurant der Umgebung gilt als safe, ein Fussmarsch zur Bahnstation in Deodoro eher als unsafe!
Der Charme des Speisezeltes hält sich in Grenzen. © Ernst Kopica
Der Charme des Speisezeltes hält sich in Grenzen.
© Ernst Kopica
Damit kommen wir zu einem nicht unwichtigen Thema, dem Essen! Die Ausspeisung im Zelt (hier werden Funktionäre und Journalisten verköstigt, zum Olympiadorf der Sportler haben wir keinen Zugang) ist nicht jedermanns Sache. Die Speisen schmecken gar nicht so übel, allerdings lässt das Ambiente nicht gerade Wohlfühlstimmung aufkommen und für die umgerechnet 15 Euro bekommt man in lokalen Gaststätten vorzügliches vorgesetzt. Und dort lernt man auch das wahre Rio kennen, geprägt von der Herzlichkeit der Bevölkerung.
Da schmeckt das Essen im Steakhaus doch viel besser. © Stefan Lafrentz
Da schmeckt das Essen im Steakhaus doch viel besser.
© Stefan Lafrentz
Und das Essen schmeckt einfach: Steaks, Fleisch in allen Variationen, herrliches Obst, exzellentes Bier und natürlich – Caipirinhas. In allen Variationen trinkt man diese brasilianische Spezialität. Bei dem Alkoholgehalt ist allerdings Vorsicht angesagt, bei einem Glas spürt man es, bei zweien wird es schon kritisch, drei habe ich noch nie probiert!
Die Qual der Wahl bei den Caipirinhas. © Ernst Kopica
Die Qual der Wahl bei den Caipirinhas.
© Ernst Kopica
Bleibt abschließend noch das Wetter! Ja, auch über das wird hier gesprochen, weil wir alle zu wenig warme Kleidung dabei haben. Kollegin Monika Schaaf kaufte sich daher eigens einen Olympia-Hoody mit langen Ärmeln und Kapuze! Derzeit frieren wir bei Dauerregen auf der Tribüne. Und die ewig laufenden Klimaanlagen sorgen auch an warmen Tagen für ein Frösteln im Shuttle-Bus.
Dennoch: Möge die zweite Woche nicht schlechter werden als die erste, dann sind alle zufrieden. Vielleicht klappt es sogar für das rot-weiß-rote Team endlich mit einer Medaille, derzeit halten wir Österreicher ja bei mageren vier fünften Plätzen. Obrigado!
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