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26.06.2014

Money makes the Horse fly around

Die Entwicklung der Preisgelder im Springreitsport geht in eine sehr gefährliche Richtung. Immer wahnwitzigere Summen werden ausgeschüttet, das Gefüge der alteingesessenen, traditionellen Turniere geht verloren. Ein Kommentar von Ernst Kopica.

Heutige Spitzenspringpferde machen Jahr für Jahr viele tausende Reisekilometer. © Sibylle Mohn - fotolia.com
Heutige Spitzenspringpferde machen Jahr für Jahr viele tausende Reisekilometer.
© Sibylle Mohn - fotolia.com
Money makes the Horse fly around! Egal, ob es nach Florida geht, nach Calgary, zwischendurch ein Millionenturnier in Hong Kong auf dem Programm steht oder auch schon mal Südamerika lockt: Die besten Springpferde der Welt kennen bereits viele Flugplätze, werden in immer kürzeren Abständen von A nach B geflogen, die Reiter in der Business-Class hinterher und dann sollen noch Championate wie etwa die Weltmeisterschaft Ende August in der Normandie geritten werden. Artgerechte Pferdehaltung?

Für das richtige Preisgeld darf es ruhig auch unbequem sein

Wunderbare Veranstaltungsorte wie etwa St. Gallen in der Schweiz, das heuer von fast allen Weltklassereitern gemieden wurde, könnten bald in der Bedeutungslosigkeit versinken, selbst das letzte 4*-Turnier in Ebreichsdorf litt unter dieser unseligen Entwicklung. Obwohl nicht weniger als 100.000 Euro im Großen Preis warteten, stellte diese Summe im internationalen Vergleich für die ganz großen Namen einen Pappenstiel dar und sie begaben sich stattdessen ins mondäne St. Tropez. Dort, und auch im benachbarten Monte Carlo, gibt es aber nur Reitplätze, die so eng und schmal sind, dass kaum eine vernünftige Galoppade möglich ist. Nichts desto trotz, spielen alle mit, denn die Sponsoren rufen und die Besitzer der Vierbeiner sehen nur die Dollarscheine. Im Interview bekannte einst der Schweizer Olympiasieger Steve Guerdat, dass er solche Plätze hasst. Aber an den Start geht er trotzdem Woche für Woche, das Business ruft!

Reiten für die Ehre ein Auslaufmodell

Scharfe Zungen sprechen schon davon, dass in Caen bei der kommenden WM nur die zweite Garnitur der Springreiter bzw. deren Pferde am Start sein könnte, da in Kanada das Turnier von Spruce Meadows lockt. Die dortigen Preisgelder stellen die von der FEI in Frankreich ausgeschütteten Beträge (im ersten Zeitspringen gerade einmal 30.000 Euro und im Nationenpreis 60.000 Euro) locker in den Schatten. Und für die Ehre reitet schon lange kaum einer mehr. Aber ob dieser Trend lange anhalten kann, darf bezweifelt werden.

Warum hat man seitens der Global Champions Tour einen neuen Geschäftspartner geholt? Sind alle Turniere wirklich ausfinanziert? Liegen die Sponsorengelder wirklich auf der Straße? Auch die Millionen aus der Golfregion werden irgendwann zu Ende gehen, sei es für die Nationenpreis-Serie, deren Reglement derzeit nur Hard-Core-Pferdefans verstehen, oder auch für die diversen Turniere in Doha und sonstwo, bei denen die Zuschauerzahlen mit denen an einem Casino Grand Prix vergleichbar sind. Glaubt die FEI wirklich, dass dieser Weg der richtige ist? Ist das wirklich noch der Sport den Pferdefreunde lieben?
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