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28.09.2017

Nach öffentlicher Kritik: Niederländer legen Beschwerde gegen Dressurrichter ein

Der Niederländische Reitsportverband KNHS hat bei der FEI eine offizielle Beschwerde gegen den dänischen fünf-Sterne-Dressurrichter Leif Törnblad eingelegt. Der Grund: Törnblad äußerte sich öffentlich kritisch über holländische Trainingsmethoden und Dressur-Ikonen wie Anky van Grunsven und Edward Gal.

Der Däne Leif Törnblad ist einer der erfahrensten Dressurricher des internationalen Dressurzirkus. © Tomas Holcbecher
Der Däne Leif Törnblad ist einer der erfahrensten Dressurricher des internationalen Dressurzirkus.
© Tomas Holcbecher
Wie eurodressage.com auf seiner Webseite berichtet, bezieht sich die Beschwerde auf ein Interview, das vom australischen Pferdesportportal The Horse Magazine veröffentlich wurde. Der Däne habe sich darin unmoralisch verhalten, kritisiert das KNHS, und bezieht sich dabei insbesondere auf Törnblads Worte über „die niederländische Trainingsmethode“ und dessen Aussagen, Anky van Grunsvens Pferde hätten immer sehr unter Spannung gestanden und dass es keine Gute Idee für Edward Gal sei, Lehrgänge in Dänemark abzuhalten.

In einem vom australischen Journalisten Christopher Hector sehr kontrovers geführten Interview wurde Leif Törnblad auf einige strittige Themen der kompetitiven Dressur angesprochen, die wir nachfolgenden auszugsweise aus dem Englischen übersetzt wiedergeben:
Christopher Hector: "(Bonfire) war nicht ganz so spannig wie Salinero …"
Leif Törnblad: "Ich dachte, dass sie sich in gewisser Weise ähnelten. In mancher Hinsicht mochte ich Salinero ganz gerne, natürlich war er ein besseres Pferd als Bonfire. Anky ist eine sehr gute Reiterin und sie stellt die Pferde gut vor, aber da sind diese Probleme mit dem ganzen Trainingssystem von
Sjef Janssen (Anky van Grunsvens Ehemann Anm.) …"
Hector: "Es ist furchtbar…"
Törnblad: "Das ist ihre Ansicht. Ich finde Anky reitet sehr gut, aber ich denke, dass die, die versucht haben sie zu kopieren, nicht ganz damit zurechtgekommen sind. Anky konnte sie tief und was auch immer reiten, aber wenn sie ins Viereck eingeritten ist, sahen die Pferde okay aus.“

Zu Edward Gal äußerte sich Törnblad wie folgt:

Hector: "Nein, das ist keine subjektive Angelegenheit, es gibt eine Vorgabe, wie sich Pferde bewegen sollten und die ist zumindest seit den Olympischen Spielen 1936 anerkannt. Reiter im Stuhlsitz mit ultra-spannigen Pferden sind einfach keine guten Dressurreiter. Man kann es daran erkennen, wie viele dieser Pferde kaputtgehen…"
Törnblad: „Das ist ihre Meinung, und das ist auch meine Meinung, aber nicht die eines jeden anderen. Kommenden Monat kommt Edward Gal für einen Lehrgang nach Dänemark."
Hector: "Das ist keine besonders gute Idee…"
Törnblad: „Nein, aber er tut es noch und begeistert auch weiterhin viele Menschen. Überall in Holland und in vielen Teilen Dänemarks stimmt man mit Ihnen oder mir nicht überein.“

Etwas später im Interview nimmt Törnblad auch Stellung zur Rollkur:

Hector: 2Wenn ich in Holland bin, verbringe ich die meiste Zeit mit Johan Hamminga. Sein Training ist wie das der guten Ausbilder in Deutschland (…)."
Törnblad: "Aber er ist einer von der alten Schule. Als Anky mit der tiefen Rollkur herauskam, haben sie damit mehr Drama erzielt, eine höhere Aktion, mehr fantastische Piaffen und all diese Dinge. All das, was sie damit erreicht haben bezeichnen Sie als Spannung, aber die meisten Leute fanden das ganz großartig."
Hector: "Ich habe das einfach nur als hässlich empfunden und unregelmäßig. Wenn das Vorderbein eines Pferdes zweimal so weit nach vorne schwingt wie das diagonale Hinterbein, gibt es immer eines das schneller und eines das langsamer ist. Dann ist der Takt weg und dabei ist das doch die Basis der Ausbildung und eine Art, wie Pferde Verspannung zum Ausdruck bringen …"
Törnblad: "Aber nicht jeder denkt so. Sehen Sie sich dich die Ergebnisse an."
Hector: "Aber wenn einer herkommt und sagt, die Erde ist flach, sage ich ja auch nicht, das ist ihre Meinung also ist es eine zulässige Art die Welt zu betrachten …"
Törnblad: "Wie ich schon sagte, das Pendel schwingt hin und her, auf einmal war es akzeptiert und jetzt wird es eben nicht mehr akzeptiert.“
Hector: "Dann hoffen wir, dass das Pendel für eine Zeit lang aufhört zu schwingen …"

Das gesamte Interview in englischer Sprache können Sie hier nachlesen.

KNHS reagiert

Das KNHS zieht Törnblads Objektivität als Dressurrichter nach diesem Interview stark in Zweifel. „Wir erwarten von Fünf-Sterne-Richtern eine hohe ethische Grundeinstellung. Wie kann ein Richter solche Dinge sagen und dann unabhängig und objektiv ohne Vorurteil gegenüber niederländischen Reitern richten?" Wie das niederländische Reitsportmagazin horses.nl berichtet, hat das KNHS inzwischen eine offizielle Beschwerde bei der FEI gegen den dänischen Dressurexperten eingelegt.

Gegenüber eurodressage.com äußerte Törnblad sein Unverständnis für diesen Schritt. „Ich finde es interessant, dass sie anscheinend jene Passagen im Artikel nicht gelesen haben, in denen ich klarstelle, dass es verschiedene Ansichten dafür gibt, wie die Niederländer (und andere) arbeiten. Meine Botschaft ist, dass wir ein einheitlicheres Verständnis dafür haben müssen, was wir akzeptieren und was nicht.“

Er bedauere es, so Törnblad weiter, dass der niederländische Verband versuche Richter, die ihre Meinung öffentlich kundtun, mundtot zu machen. „Ich finde es spannend, dass die niederländische reiterliche Vereinigung wieder einmal versucht zu beinflussen, wer wie richtet. Das haben wir in der Vergangenheit schon zur Genüge erlebt. Richter sollten nicht nach den Präferenzen der Verbände ausgewählt werden. Ich, jedenfalls, habe keine speziellen Vorbehalte gegenüber niederländischen Reitern oder Reitern einer anderen Nation. Jeder kann sich anhand von (Analyst David) Sticklands Statistiken genau ansehen wie ich richte.“

ps


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