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19.07.2016

Nasenriemen: FEI fordert Stewards zu stärkeren Kontrollen auf

In einem Anfang Juli ausgesandten Anschreiben fordert die FEI ihre Stewards auf, bei der Kontrolle der Nasenriemen besondere Sorgfalt walten zu lassen. Und verwirrt mit einer Angabe zur Überprüfung desselben.

Nasenriemen Kandare Maul © www.slawik.com
© www.slawik.com
Bis zum Anschlag festgezurrte Riemen am Pferdekopf sind keine Seltenheit. Im Gegenteil. Studien zufolge ist das Zuschnüren der Pferdemäuler heute eher die Regel denn die Ausnahme. Das brachte jüngst eine Gruppe australischer und irischer Forscher ans Licht, die auf Turnieren bei 200 geprüften Vielseitigkeits- und Hunterpferden gerade einmal 12 Prozent korrekt verschnallte Nasenriemen vorfanden. Bei knapp der Hälfte der Pferde war das Leder sogar so fest zugezurrt, dass nicht einmal ansatzweise ein Finger zwischen Riemen und Pferdenase gepasst hätte.

Es besteht also Handlungsbedarf um das Wohl der Pferde zu gewährleisten. Diese Nachricht scheint inziwschen auch beim Weltreiterverband angekommen zu sein. In einem jüngst ausgesandten Schreiben erinnerte die FEI deshalb ihre Stewards, bei den routinemäßigen Kontrollen mehr Sorgfalt walten zu lassen.

Wortwörtlich heißt es in dem am 7. Juli ausgesandten Schreiben:

“FEI Stewards of all disciplines are reminded to pay particular attention to ensure that nosebands are not overtightened. It must be possible to place at least one finger between the horse’s cheek and the noseband.”

Die FEI erinnert damit ihre Stewards aller Disziplinen, bei der Überprüfung der Nasenriemen besondere Aufmerksamkeit darauf zu verwenden, dass diese nicht zu fest angezogen sind. Es müsse möglich sein, dass zumindest ein Finger zwischen der Wange des Pferdes und dem Nasenriemen Platz hat, so die FEI.

Überprüfung ohne jeglichen Informationswert

Laut einer 2010 von Prof. Holger Preuschoft und Dr. Kathrin Kienapfel an der Ruhr-Universität in Bochum durchgeführten Studie ist die Überprüfung des Nasenriemens an der Seite des Kopfes allerdings vollkommen nutzlos. Denn selbst bei maximal zugezurrten Nasen- und Sperriemen lassen sich in diesem Bereich immer noch mühelos mehrere Finger einer Hand einschieben. Preuschoft und Kienapfel stuften die Messmethode seitlich am Pferdekopf deshalb als "Überprüfung ohne jeden Informationswert" ein. Als notwendige und einzige wirklich zuverlässige Überprüfung führt das Forscherduo die Messung am Nasenrücken an.

Dass das Zuschnüren des Pferdemauls derart in Mode gekommen ist, daran ist der Weltreiterverband vermutlich selbst nicht ganz unschuldig. Denn während im österreichischen FENA Lehrbuch (Kapitel 5.3, Seite 67) oder in den FN-Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 1 (Kapitel 1.9.2 Aufzäumen), konkrete Angaben zur korrekten Verschnallung von Nasen- und Sperrriemen gemacht werden, gibt es bei der FEI nur schwammige Hinweise. So heißt es im aktuellen Dressurregelwerk der FEI lediglich: „Weder Nasenriemen noch Kinnkette dürfen jemals so eng fixiert werden, dass es dem Pferd schadet.“ Da bleibt viel Interpretationsspielraum offen.

Studie belegt Stress und Unbehagen

Dass ein zu enger Nasenriemen ganz eindeutig negative Auswirkungen auf ein Pferd hat, zeigte eine erst vor kurzem veröffentlichte Studie aus den USA. Demnach führt ein zugezurrtes Pferdemaul zu einem deutlichen Anstieg der Herzschlages und zu einer erhöhten Augentemperatur – beides klare Anzeichen für erhöhten Stress beim Sportpartner. Und auch Durchblutungsstörungen und langfristige Schäden an Gewebe und Knochen sind nicht auszuschließen.

Angesichts dieser Erkenntnisse wäre die verpflichtende Einhaltung der Zwei-Finger-Regel ein deutlicher Schritt hin zur Beachtung des vielzitierten Pferdewohls. Denn nur, wenn sich zwei Finger einer Hand problemlos zwischen Nasenriemen und Nasenrücken einschieben lassen, ist gewährleistet, dass das Pferd noch kauen kann – eine Grundvoraussetzung für ein zufriedenes und losgelassenes Pferd und damit für das Wohlbefinden des vierbeinigen Athlets.

Relativ einfach und standardisiert ließe sich die Zwei-Finger-Regel durch Zuhilfenahme einer von der Internationalen Gesellschaft für Pferdewissenschaften (ISES) entwickelten Messschablone – ein kleines grünes Plastikteil, das, unter den Nasenriemen geschoben, unmissverständlich anzeigt, ob die Verschnallung dem Reglement entspricht oder nicht – umsetzen.
Die ISES Messschablone im Einsatz. © Cristina Wilkins
Die ISES Messschablone im Einsatz: Bei der hier abgebildeten Verschnallung ist der Minimalabstand von einem Fingerbreit gegeben. Für die allgemein geforderten zwei Fingerbreit Abstand müsste die Messschablone bis zur zweiten Markierung weitergeschoben werden können.
© Cristina Wilkins
Darauf angesprochen, warum man nicht auf dieses Hilfsmittel zurückgreife, um zu engen Nasenriemen endgültig einen Riegel vorzuschieben, antwortete ein Sprecher der FEI im Interview mit dem britischen Medium „The Guardian“: „Die FEI lässt relevante wissenschaftliche Untersuchungen laufend durch ihre eigene Veterinärabteilung beobachten. Die FEI respektiert uneingeschränkt die bislang durchgeführten Forschungsarbeiten zur Entwicklung der Messschablone. Allerdings können Pferde bei Wettkämpfen – ebenso wie menschliche Athleten – sehr nervös sein. Aus diesem Grund sind wir der Meinung, dass die (derzeit angewandte Anm.) physische Überprüfung nach wie vor am sichersten und effektivsten ist, um sicherzustellen, dass Nasenriemen korrekt angepasst sind."

Die früher auch bei der FEI geltende Zwei-Finger-Regel hat der Weltreiterverband übrigens irgendwann sang- und klanglos aus dem Reglement verschwinden lassen – mit dem Argument, sie sei zu ungenau.  

ps
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