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03.09.2014

Nullrunde für Steffi Bistan

Bei den Weltreiterspielen zeigte Stefanie Bistan in der ersten Nationenpreisrunde mit ihrer Stute Bogegaardens Apollonia einen fehlerfreien Traumritt. Scheinbar ohne Nerven meisterte sie die 16 Sprünge auf absolutem Top-Niveau, kämpfte sich unter die Top-50 und ist damit auch in der dritten Runde fix dabei.

Ausrufezeichen für Österreichs Springreiter: Der Nullfehlerritt von Stefanie Bistan und Bogegaardes Apollonia bei den Weltreiterspielen 2014. © Tomas Holcbecher
Ausrufezeichen für Österreichs Springreiter: Der Nullfehlerritt von Stefanie Bistan und Bogegaardes Apollonia bei den Weltreiterspielen 2014.
© Tomas Holcbecher
Die deutsche Equipe, ihres Zeichens Titelverteidiger, wäre froh gewesen hätte sie die junge Wahl-Ebreichsdorferin als Schlussreiterin gehabt, denn Superstar Ludger Beerbaum kam mit vier Fehlern aus dem Parcours, wodurch sein Team vor der letzten Runde auf Platz drei liegt. Es führt Erzrivale Niederlande vor den USA. Für weitere sieben Teams geht es weiter (Frankreich, Brasilien, Kanada, Schweden, Irland, Kolumbien und Ukraine), Mitfavoriten wie Belgien, großbritannien und die Schweiz blieben auf der Strecke. Österreich klassierte sich auf Platz 23.
Aber der Fokus der rot-weiß-roten Fans lag natürlich beim "rising star" Bistan. Die einzigen Schwierigkeiten für sie kamen erst beim Interview in der Mixed Zone als sie ihren Ritt mit "Wahnsinn!" kommentierte, dann flossen aber die Tränen. Und völlig berechtigt, denn der Kurs hatte es wahrlich in sich. Von den gestarteten 144 Reitern blieben neben Bistan nur 19 weitere Teilnehmer ohne Fehlerpunkt. Dabei zitterten die Schlachtenbummler anfangs als Apollonia vor Beginn zweimal kurz stieg ("Das macht sie manchmal"), aber als es zur Sache ging wirkte alles souverän und abgeklärt. Beim sicherlich schwierigsten Parcours, den die beiden je ritten, passte einfach alles. "Als ich die Null sah dachte ich, das kann es jetzt nicht sein, weil sie hat ein paar Mal touchiert, aber das Glück war heute auf meiner Seite. Von den Hindernissen her habe ich noch nie so etwas gesprungen."
Ein Pferd für große Plätze und Championate: Emir vh Moleneind und Dieter Köfler. © Tomas Holcbecher
Ein Pferd für große Plätze und Championate: Emir vh Moleneind und Dieter Köfler.
© Tomas Holcbecher
Das Nervenflattern kam erst später, als sogar das Weiterkommen in Runde drei plötzlich in Reichweite rückte. Paar um Paar wurden überholt und am Ende klassierte sich die Österreicherin auf Platz 49! Als OEPS-Pressesprecher Daniel Winkler, Reitsportnewslady Ruth Büchlmann und ich die 22jährige anriefen, um ihr dies mitzuteilen, wollte sie es erst gar nicht glauben.
Nach 1998 wieder eine tolle WM-Erfahrunge für Astrid Kneifel mit Royal Des Bissons. © Tomas Holcbecher
Nach 1998 wieder eine tolle WM-Erfahrunge für Astrid Kneifel mit Royal Des Bissons.
© Tomas Holcbecher
Im Jubel soll aber nicht auf die anderen drei Mannschaftskollegen vergessen werden, die dazu beitrugen, dass den Österreichern auch in der Teamwertung ein Sprung nach vorne auf Rang 23 gelang. Dieter Köfler steuerte Emir vh Moleneind ruhig und kontrolliert durch das Stadion, ein Abwurf am Oxer und dann leider voll in die Zweierkombination hineingeknallt. Das gab natürlich noch Zeitfehler und Köfler bekannte: "Es waren meine Fehler, ich habe ihm heute die Nullrunde gekostet!" Aber insgesamt konnte der Kärntner mit seinem WM-Debüt auf dem noch jungen Pferd sehr zufrieden sein. Auch Astrid Kneifel strahlte nach ihrem Auftritt mit Royal Des Bissons, der sie in der Gesamtwertung auf Rang 92 brachte. Nur drei Fehler der Oberösterreicherin (Einritt in Dreier, Wasser und Oxer) können sich durchaus sehen lassen, kein geringerer als Michael Whitaker kam nämlich mit seinem Viking auf das gleiche Ergebnis.
Markus Saurugg konnte mit seiner Texas I bei der WM zufrieden sein. © Tomas Holcbecher
Markus Saurugg konnte mit seiner Texas I bei der WM zufrieden sein.
© Tomas Holcbecher
Auch der dritte österreichische Nationenpreisreiter Markus Saurugg enttäuschte seine zahlreichen angereisten Schlachtenbummler aus der Steiermark nicht. Auch für ihn standen am Ende drei Abwürfe zu Buche, dazu kam noch ein Zeitfehler. "Texas war heute sehr entspannt, besonders die schwierige Schlusslinie hat sie toll gemeistert! Die Kulisse war einmalig."
Fast unmittelbar vor Bistans Ritt kam es zu einem schweren Unfall, als der Chilene Tomas Couve Correa nach einem Sturz von seinem Pferd Underwraps auf der Brust getroffen wurde und regungslos liegen blieb. Die anschließenden Rettungsmaßnahmen wirkten amateurhaft, aber Gott sei Dank sah man den Reiter in den Stadion-Katakomben dann bei Bewusstsein.
Routiniert wie die Alten: Die 22jährige Steffi Bistan und ihre 10jährige Apollonia. © Tomas Holcbecher
Routiniert wie die Alten: Die 22jährige Steffi Bistan und ihre 10jährige Apollonia.
© Tomas Holcbecher

Ein Blick nach vorne

Natürlich sollen Journalisten objektiv berichten, andererseits muss man doch ein gewisses Verhältnis zu den Reiterinnen und Reitern aufbauen. Verbrüderung ist allerdings nicht am Platz, die richtige Balance zu finden fällt oft sehr schwer. Darum schicke ich einmal voraus, dass ich mit den vier Reitern der österreichischen Spring-Equipe ein gutes Verhältnis habe, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und gerade deshalb will ich für Dieter Köfler, Astrid Wöss, Markus Saurugg, Stefanie Bistan und Roland Englbrecht heute eine Lanze brechen. Denn ihr 23. Platz ist wirklich kein Beinbruch für ihre noch unroutinierten Pferde (neun, zweimal zehn und elf Jahre alt!), im Gegenteil, diese acht Ritte machten Österreichs Reitsport keine Schande. Blickt man in die Geschichte der Weltreiterspiele, dann erkennt man Erstaunliches.

Waren es bei der ersten Austragung dieser Super-WM 1990 in Stockholm lediglich 16 Teams, die an den Start gingen, verdoppelte sich die Anzahl der Mannschaften hier in der Normandie auf 33! Selbst in Aachen (2006) und Lexington (2010) kamen nur 25 bzw. 27 Nationen in die Wertung. Auch was das Abschneiden der österreichischen Equipen betrifft, ist der Blick in die Vergangenheit oft ein verklärter. Gewiss, 1992 gab es die Sensationssilbermedaille der Olympischen Spiele in Barcelona, aber bei den World Equestrian Games lief es nie so gut: In Stockholm und Jerez (2002) kein rot-weiß-rotes Team am Start, 1994 in Den Haag nur eine Rumpfmannschaft mit drei Reitern und Platz 19 von 20 Teams. Lediglich in Rom (11.) und Aachen (14.) platzierten sich die heimischen Reiter im Mittelfeld, wobei 1998 eine gewisse Astrid Wöss (heute Kneifel) antrat (ihre damaliges WM-Pferd Shades of Luck ist heute 29 und geht noch immer frisch auf der Koppel). Mit den jungen Pferden sind die nach Caen gereisten Fünf auf gutem Weg. Hier konnten sie wichtige Routine sammeln und ihr Antreten war auf alle Fälle eine wertvolle Erfahrung, blicken wir daher nach vorne in Richtung Aachen 2015! Besonders beflügelt wird natürlich Steffi Bistand nach ihrem heutigen Nuller sein.

Zum Abschluss des heutigen Tages noch ein Schwenk zu den immer noch desolaten Arbeitsbedingungen: Gestern dauerte es geschlagene zwei Stunden bis zur Bekanntgabe der Platzierungen in der Mannschaftskonkurrenz der Springreiter. Für die großen Nationen auf den vorderen Plätzen stellte dies nicht so sehr das Problem dar, denn sie konnten die Punkte ihrer Top-Reiter händisch ausrechnen, aber bei 153 Startern, 33 Teams und komplizierter Umrechnung scheiterten alle Kollegen, als sie versuchten den Überblick über das ganze Feld zu gewinnen. Das wunderte einen aber nach dem x-ten Breakdown der Internetverbindungen eigentlich nicht wirklich. Der gemeinsame "Feind" macht jedoch stark: Denn so einen tollen Zusammenhalt zwischen den einzelnen Redaktionen und Verbänden wie hier erlebe ich bei Großveranstaltungen nur selten. Egal ob die Kolleginnen und Kollegen von der Schweizer Pferdewoche, dem Tagesanzeiger, SRG-TV, Reiterrevue, DPA oder SID-Düsseldorf kommen, jeder hilft jedem und weiß eine Geschichte über die erlebten Missstände zu erzählen. Daher verdanke ich es der deutschen FN-Presselady Susanne Hennig, dass ich spätabends nicht ewig auf den Media-Shuttle warten musste, als sie mich mit ihrem Auto mitnahm und direkt vor dem Hotel absetzte, danke nochmals!
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