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06.12.2016

Ölsaaten in der Pferdefütterung: Gesunde Alternative?

Immer mehr Pferdebesitzer verzichten auf Getreide und füttern stattdessen Ölsaaten. Aber was kann das getreidelose Futter tatsächlich?

Ölsaaten wie Sonnenblumenkerne sind – in Maßen – eine gesunde Energiequelle. © Petra Eckerl - Fotolia.com
Ölsaaten wie Sonnenblumenkerne sind – in Maßen – eine gesunde Energiequelle.
© Petra Eckerl - Fotolia.com
Sonnenblumenkerne, Leinsamen, Kürbiskerne: die kleinen Körner, die viele vom Jausenweckerl oder dem täglichen Frühstücksmüsli kennen, finden sich zusehends auch im Futtertrog wieder: Immer mehr Pferdebesitzer verzichten beim Kraftfutter auf Getreide und steigen auf sogenannte Ölsaaten um. Insbesondere der Leinsamen wird als medizinisches Wundermittelchen gehandelt. Was steckt wirklich hinter der Ölsaatenfütterung? Und welche Vorteile hat sie gegenüber normalem Kraftfutter? Wir haben bei zwei Expertinnen nachgefragt.

Reich an gesunden Inhaltsstoffen

„Ölsaaten sind mineralien-, öl- und proteinreich. Die Eiweiße sind meist sehr hochwertig und reich an essenziellen Aminosäuren“, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin und Fütterungsexpertin Dr. Susanne Weyrauch. Ölsaaten seien daher eine willkommene Abwechslung in der Pferdefütterung. Sie enthalten hochwertige mehrfach ungesättigte Fettsäuren und ähneln in der Nährstoffzusammensetzung reifen Grassamen. Ölsaaten haben einen weitaus höheren Energiegehalt als jegliche Getreidesorte. Da man für den gleichen Energiegehalt weniger füttern muss, können sie in der Fütterung zur Reduktion des Kohlenhydratgehalts eingesetzt werden. Viele Futtermittelhersteller folgen dem Trend und bieten mittlerweile getreidefreie Müslis an. Diese beinhalten beispielsweise Sonnenblumenkerne, Hanfnüsse, Borretschsamen, Schwarzkümmelsamen oder Kürbiskerne.

Besonders populär sind Leinsamen. Ihnen wird häufig eine wundersame Wirkung auf Haut, Immun- und Verdauungssystem nachgesagt. Doch nicht alles in der Leinsaat – egal ob braun oder geld – ist eitle Wonne. Leinsamen enthalten ein Enzym, das bei Kontakt mit Flüssigkeit – also im Magen des Pferdes – giftige Blausäure freisetzt. Dieses Problem kann man umgehen, wenn man Leinsamen vor dem Verfüttern abkocht. Der positive Nebeneffekt: Durch das Kochen wird auch die Freisetzung der in den Samenschalen enthaltenen Schleimstoffe begünstigt. Diese Schleimstoffe wirken sich positiv auf die Verdauung aus, da sie sich schützend über die Darmschleimhaut legen. „Leinsamen – und auch andere Ölsaaten – enthalten relativ viel Fett, daher kann es sein, dass die Pferde an Gewicht zunehmen, was in vielen (medizinischen) Fällen erwünscht ist. Wir empfehlen Leinsamen bei Magenpatienten sehr gerne“, so Dr. Sonja Berger von der VUW.

Die positive Wirkung auf das Verdauungssystem gilt also als nachgewiesen. Auch das Fell werde laut der Veterinärmedizinerin positiv beeinflusst. Leinsamen kann im Fellwechsel unterstützend wirken und bringt die Haare zum Glänzen. Ob der Leinsamen tatsächlich auch gegen allergische Reaktionen oder Ekzeme wirkt, konnte bisher noch nicht wissenschaftlich bestätigt werden. Zwar wurden positiver Ergebnisse beobachtet, allerdings immer in Kombination mit einer Haltungsumstellung und/oder schulmedizinischer Behandlung.

Ölsaaten im allgemeinen sind reich an Vitamin E. Dieses Vitamin wirkt als Antioxidans und trägt zur Gesunderhaltung der Blutgefäße sowie zur Bekämpfung von Entzündungen bei. Besonders reich an Vitamin E sind laut Dr. Weyrauch Weizenkeime. Maiskeime und Sojaschrot hingegen zeichnen sich durch die enthaltene ungesättigte Fettäure Linolsäure aus, eine essenzielle Fettsäure, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Sojaschrot und Bierhefe wiederum enthalten viel Vitamin D, das die Darmflora unterstützt, so Berger.
Leinsamen ist in der Pferdefütterung dank seiner wertvollen Inhalgsstoffe besonders beliebt. © fotolia.com
Leinsamen ist in der Pferdefütterung dank seiner wertvollen Inhalgsstoffe besonders beliebt.
© fotolia.com

Diätetischer Einsatz

Dass immer mehr Pferdebesitzer auf Ölsaaten umsteigen, erklärt Dr. Weyrauch mit „typischen Zivilisationskrankheiten in der heutigen Pferdeszene.“ Ähnlich wie bei den Menschen, könne man auch an Pferden den Wohlstand unserer Gesellschaft ablesen. „Überfütterung bei gleichzeitig zu wenig Bewegung, nicht bedarfsgerechte Mineralisierung sowie relativ hohe Belastung durch künstliche Zusatzstoffe in Bezug auf den überlasteten Stoffwechsel“, lassen laut Weyrauch vermehrt Krankheiten wie EMS (Equines Metabolisches Syndrom), ECS (Equines Cushing-Syndrom), Muskelerkrankungen wie PSSM (Polysaccharid-Speicher-Myopathie) oder Hufrehe auftreten.

Bei einigen dieser Erkrankungen habe die Fütterung von Ölsaaten positive Auswirkungen, beispielsweise wenn eine Gewichtszunahme erwünscht ist. Auch bei Futtermittelunverträglichkeiten gegen Getreide sind Ölsaaten eine gute Alternative. Es hänge von der Art der Unverträglichkeit im Einzelfall ab: „Die Unverträglichkeit kann sich auch darauf beziehen, dass das Pferd keine Zuckerstärke verträgt wie z. B. bei PSSM. Die Pferde zeigen dann kreuzschlagähnliche Symptome, dürfen aber durchaus Fette zu sich nehmen. Bei EMS- oder ECS-Patienten, die mit Zucker und dem Fettstoffwechsel Probleme haben, würde ich keine Fette geben. Das würde eine Gewichtszunahme begünstigen und das Leiden des Pferdes verschlimmern“, so Berger.

Auch bei Problemen mit dem Insulinspiegel sei von einer Ölsaaten-Fütterung abzuraten. Hier seien unmelassierte Rübenschnitzeln vorzuziehen, da diese kaum mehr Zucker und Stärke enthalten, sich aber auf Magen sowie Dickdarmflora sehr günstig auswirken und als Rohfaserquelle trotzdem Energie bereitstellen.

Als nachteilig kann bei der Fütterung von Ölsaaten der hohe Eiweißanteil von 20 bis 25 % angesehen werden. „Dieser muss unbedingt in der Gesamtfutterration berücksichtigt werden“, so Weyrauch. Außerdem belasten ölhaltige Saaten im Vergleich zu kohlenhydrathaltigem Getreide die Leber mehr, was bei kleinen Fütterungsmengen nicht weiter ins Gewicht falle. „Deshalb spielt bei der Fütterung von Ölsaaten die Fütterungsmenge eine große Rolle. Aus der Humanmedizin weiß man, dass eine vorwiegend protein- und fettbasierte Ernährung langfristig die Leber und dadurch auch den Gesamtstoffwechsel belastet“, erklärt Weyrauch.

Weniger ist mehr

Ölsaaten können aufgrund ihres hohen Energiegehaltes als Kraftfutterersatz dienen. Basis einer ausgewogenen Fütterung sind und bleiben nach wie vor qualitativ hochwertiges Heu und Gras. Berger rät dazu, zunächst abzuwägen, ob das Pferd überhaupt Kraftfutter benötigt: „In Wahrheit brauchen die wenigsten Pferde zusätzliche Energie, wenn sie normalgewichtig sind. Man hat sogar Distanz- oder Rennpferde ausschließlich mit Heu gefüttert, und sie haben dennoch Höchstleistungen erbracht.“ Pferde, die nur freizeitmäßig geritten werden, benötigen nur in den seltensten Fällen tatsächlich Kraftfutter. „Die Energie, die sie benötigen, beziehen sie aus Raufutter und Vitamin- bzw. Mineralstoffergänzern“, so Berger. Viel eher sieht sie den Einsatz von Ölsaaten bei Pferden, die krankheitsbedingt an Untergewicht leiden, angebracht.

Ein Zuviel an Ölsaaten ist auf jeden Fall zu vermeiden, da das Verdauungssystem der Pferde von Natur aus nicht darauf eingestellt ist, große Fettmengen aufzunehmen. Zu viel Öl begünstigt Verdauungsprobleme und belastet zudem die Leber. Berger empfiehlt daher, bei Pferden, die nur freizeitmäßig geritten werden, nicht mehr als eine Handvoll Ölsaaten am Tag zu füttern.

Dr. Weyrauch meint zu diesem Thema: „Beim Pferd kann man mit einer Menge von 200 bis 500 g sicherlich nicht viel falsch machen, vorausgesetzt, das Pferd hat auch einen entsprechend hohen Energiebedarf, da der Energiegehalt von Ölsaaten höher als der von Getreide ist.“ In der Praxis ist es daher empfehlenswert, einen Fütterungsexperten zu Rate zu ziehen und die Futtermenge den individuellen Bedürfnissen des Pferdes anzupassen. Außerdem sei bei der Umstellung auf Ölsaaten auf eine langsame und schonende Gewöhnung zu achten. Die Darmflora brauche einige Zeit, um sich zu adaptieren. Auch andere Organe wie die Galle oder die Bauchspeicheldrüse müssen sich auf die Fütterungsänderung einstellen. Da Pferde nicht über eine Gallenblase als Reservoir für Gallenflüssigkeit (notwendig für den Fettabbau) verfügen, muss die Galle langsam angeregt werden, bei Mehrbedarf mehr Gallensaft zu produzieren. Eine zu rasche Umstellung könne zu Durchfall, Aufgasungen oder Kotwasser führen, warnt Berger.

Ölsaaten können in manchen Fällen eine Alternative zu Kraftfutter aus Getreide sein, in einigen Bereichen haben die ölhaltigen Samen dem Getreide gegenüber Vorteile. Dennoch sollten sie nicht unbedacht und nur bei entsprechendem Energiebedarf verfüttert werden. Falsche Fütterungsmengen können eine starke Gewichtszunahme und Verdauungsproblem zur Folge haben. Und dann wäre die gesunde Alternative bald sehr ungesund.

Stefanie Schiller

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Dezember 2016 Cover © Alessandra Sarti
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