Array ( [2000] => Home [2005] => Nachrichten [1011] => Marktkurzinfos [1026] => Marktanalysen [1016] => Reportagen [1044] => Über Uns [1046] => Das Team [1045] => Mediadaten [2021] => Impressum [2022] => AGB )
28.03.2014

Österreichische Hufschmiede reüssieren

Bei den Nordischen Hufschmiedemeisterschaften in Dänemark konnten sich mit Hannes Hofer und Manuel Madlencnik gleich zwei heimische Hufschmiede bis ins Finale vorkämpfen und überraschten dort mit zwei Top-Ten-Platzierungen inmitten der europäischen Elite.

Insgesamt 92 Hufschmiede aus Dänemark, Finnland , Schweden, Norwegen, Holland, England, Tschechien und Österreich hämmerten Anfang März im dänischen Herning  um die begehrten Titel der Nordischen Hufschmiedemeisterschaften, die für viele Teilnehmer und Länder gleichzeitig als Ausscheidung für die Europameisterschaft im kommenden Juli galt. Mit Hannes Hofer und Manuel Madlencnik gingen dabei erstmals auch zwei Österreicher an den Start.

Hufschmied Austria © Archiv
© Archiv
In vier Bewerben mussten zuvor geübte Überraschungshufeisen in nur 45 Minuten geschmiedet werden – dabei reichte die Bandbreite vom  Fohlenkorrektureisen über verschiedene Sport- und orthopädische Hufeisen bis hin zum Aluminiumbeschlag. Die Zeit war denkbar knapp bemessen und drei Bewerbe an einem Tag erwiesen sich als echte Herausforderung an die Kondition der Teilnehmer.

Im Finale, das den 20 Bestplazierten der Vorbewerbe vorbehalten war, musste jeweils ein Pferd diagonal beschlagen werden. Sowohl Hannes Hofer als auch Manuel Madlencnik überzeugten hier auf ganzer Linie und zählten mit den Rängen fünf und sechs inmitten der europäischen Hufschmiedeelite zu den großen Überraschungen dieses Finales.
Den Sieg ließen sich die Wikinger allerdings nicht nehmen, er ging mit Tommi Riikonen an Finnland. Der erstmals verliehene Sonderpreis für das beste Horsemanship wurde nach England vergeben.

Weiterbildung im Wettbewerb

Hannes Hofer, Beirat des Österreischichen Hufschmiede Verbandes, über moderne Hufschmiedewettbewerbe und deren Nutzen

Hufschmiedewettbewerbe haben sich in den vergangenen Jahren deutlich positiv gewandelt. Neben dem stetig größer werdenen Stellenwert der Hufkorrektur und der Arbeit mit dem Pferd gewinnt auch der länderübergreifende Austausch zusehends an Bedeutung. Das wissen auch die namhaften Hufeisenhersteller, die mittlerweile bei allen größeren Veranstaltungen vertreten sind und diese nutzen um die neu gewonnen Erkenntnisse in die Herstellung und Entwicklung neuer Hufeisen einfließen zu lassen. Gleiches gilt für eine große Zahl der Werkzeughersteller

Ähnlich wie in vielen anderen Sportarten pushen sich die Besten gegenseitig und entwickeln so neue Techniken, die im Alltag den Pferden zugutekommen. So wird beispielsweise beim Bewerb „Adlerauge“ eine Technik angewandt, welche im Beschlagsalltag erhebliche Vorteile beim Aufrichten der Hufeisen bringt.

Doch der Reihe nach:
Im Rahmen eines WEttbewerbs wird die Hufkorrektur vorher mit den Richtern besprochen um eine bestmögliche Balance für das Pferd zu erreichen. Während die Zeiten fürs Schmieden immer kürzer werden (Speed Bewerb bei EM: 2 Vordereisen mit Einhauenden gefeilt in 20 Minuten!) wird bei der Arbeit am Pferd Zeit für Qualität gegeben. Jeder Millimeter zählt. Sohle und Strahl müssen bestmöglich geschont werden um volle Funktion und Schutz für den Huf zu erhalten. Kein auch nur kleiner Schnitt zu viel! Auf der anderen Seite muss alles Horn, das nicht gesund erscheint oder Zerfallshorn ist, entfernt werden.  Es darf nicht zu viel Horn gebrannt werden, schon gar nicht die Sohle. Die Eisen müssen perfekt an den Huf angepasst werden und nicht umgekehrt. Kappen und Nieten werden nach Möglichkeit in die Hornwand eingelassen.

Im Finish wird die Hornwand mit Schleifschwamm und neu entwickelten Schleifwerkzeugen völlig glatt gemacht um eine der Deck- und Glasurschichte ähnliche Oberfläche zu erzielen. Diese ist aufgrund der modernen Sandplätze, welche diese Schutzschicht meist ganz abschleifen, nur mehr bei wenigen Pferden erhalten. Eine neue Technik, beim Wettkampf entwickelt und perfektioniert. Ich konnte bereits bei vielen Pferden feststellen, dass dadurch weniger Schmutz und Bakterien auf der Hornwand bleiben. Die Hufe bleiben gesünder und widerstandsfähiger. Bleibt zu hoffen dass sich dieser Mehraufwand durchsetzt, von den Schmieden angenommen, und den Pferdebesitzern honoriert wird.

Nach dem Beschlag wird der Gang von den Richtern kontrolliert. Der Sonderpreis für das beste Horsemanship war ein toller Ansatz und Zeichen für die Wichtigkeit des Umgangs mit den Pferden. BRAVO!

Die beim „Adlerauge“ immer öfters angewandte Technik beruht auf der Tatsache, dass alle Teile des Hufes in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen.  Ähnlich wie Leonardo da Vinci beim Menschen Größenverhältnisse aufgezeigt hat, hat man auch bei Hufen diese Verhältnisse der Hufteile in Größe und Form zueinander gefunden. Diese Erkenntnis nützt man um schneller und besser eine perfekte Balance zu erreichen. Seit Jahren wird diese Methode in England, USA und jetzt auch in Österreichs Berufsschule unterrichtet. Dass effizientes, schnelles, genaues Anpassen der Hufeisen große Vorteile bei jungen und unruhigen Pferden bringt, steht außer Zweifel. (Beim Bewerb Adlerauge wird ein Huf 10 Sekunden aus einer Entfernung von 2 Metern gezeigt. Daraufhin ist ein Hufeisen möglichst passgenau zu fertigen)

Auch in Dänemark waren  Vertreter z.B. einer  der weltweit größten Hufeisenerzeuger (Fa. Werkman) präsent und hatten ein offenes Ohr für unsere Verbesserungsvorschläge. So wird nach Manuels  Vorschlägen bereits ein Einschweissteil für orthopädische Hufeisen verbessert.

Anders als bei Tagungen werden länderspezifische Methoden zur Hufkorrektur, Fertigung und Beschlag gleich in der Praxis von jedem Teilnehmer umgesetzt. Der Lerneffekt ist groß, die gegenseitige Hochachtung enorm.

Viele neue Werkzeuge werden von Wettkampfschmieden entwickelt und erzeugt. Billy Crothers, Jim Keith, Jim Blurton, Derek Gardner oder Antoine Corona mit Aluminiumhufeisen um nur einige zu nennen. Ergonomie, Qualität, Gewicht kommen allen Hufbearbeitern zu Gute.

Ich wünsche mir auch in Österreich mehr Hufschmiede die bereit sind, Zeit und Mühe zu opfern für diese einzigartige Form der Weiterbildung. Noch jeder teilnehmende Hufschmied hat mir bestätigt eine bessere Technik beim Beschlagen, Anpassen, Umformen, Schmieden erlangt zu haben. „Seit ich auf Wettbewerbe fahre, beschlage ich einfach besser“ war nur eine Aussage. Darüber freuen sich in erster Linie die Pferde….

Der erste Hufschmiede Lehrlingswettbewerb Österreichs steht für Herbst 2014 in Planung. Ich hoffe auf zahlreiche Teilnahme und die Unterstützung der Lehrherren.

Hannes Hofer
Passier Skyscraper
  • Passier  Passier