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27.05.2011

Oldies but Goldies

Wir suchten die ältesten Pferde Österreichs – und haben gefunden: 30 Pferde, die älter als 30 Jahresind, einen 44-jährigen Methusalem in Tirol und Österreichs ältesten Norikerwallach.

Zum vierten Mal seit Bestehen der Pferderevue (nach 1996, 2000 und 2003) haben wir zur Suche nach Österreichs ältestem Pferd aufgerufen, und wieder sind wir fündig geworden: An die 40 Einsendungen haben uns erreicht, viele berührende und lustige Berichte und Fotos von Pferden, die alle eines gemeinsam haben: Sie werden innig geliebt und umsorgt, sie werden als Freunde betrachtet und geschätzt, sie wurden meist nicht aufs Altenteil abgeschoben, sondern sind nach wie vor wichtige Familienmitglieder. Sie stehen mitten im Geschehen (das sich nicht selten um sie dreht) und werden vielfach auch noch im hohen Alter täglich mit kleinen Aufgaben, Übungen und gemeinsamen Aktivitäten gefordert.
Wanted Alte Pferde © Antje Lindert-Rottke - Fotolia.com
© Antje Lindert-Rottke - Fotolia.com
Auch wenn die Kräfte nachlassen und mit Spezialfutter und angepassten Haltungsbedingungen auf die geänderten Bedürfnisse alter Pferde eingegangen werden muss, so ist doch eines ganz klar: alte, vertraute Pferde, die manche/n ihrer BesitzerInnen ein Leben lang begleitet haben, werden als Bereicherung empfunden, als wertvoller Teil der eigenen Biographie, den man nicht missen möchte. Wie auch schon bei unseren vergangenen Oldies-Paraden mussten wir auch diesmal aus Platzgründen ein Alterslimit setzen: 30 Jahre alt musste ein Pferd mindestens sein, um in unsere Übersicht aufgenommen zu werden (bis auf eine Ausnahme: Noriker Plischi). Aber anders als früher stellen wir Ihnen diesmal alle über 30-Jährigen vor. Wir denken, sie und ihre BesitzerInnen, die sich so liebevoll um sie kümmern, haben es verdient, vor den Vorhang geholt zu werden.

Und noch etwas ist anders als bei den vorangegangenen Oldies-Wettbewerben: Waren es bisher in der Regel immer die Kleinpferderassen (allen voran Haflinger, Shetlandponys, Islandpferde und New Forest), die das Ranking nach Anzahl und Alter dominierten, so stellen diesmal die Warmblutpferde die stärkste Gruppe und mit Arco (38) auch eines der ältesten Pferde. Da es bekanntermaßen Unterschiede zwischen den Rassen gibt, die sich auch auf die Lebensdauer auswirken, haben wir diesmal die Pferde nach Rassen zusammengefasst. Der besseren Übersicht halber gibt es aber auch noch ein Ranking nach Alter. Unangefochten an der Spitze: Pinggi, ein Shetlandpony aus Tirol, das heuer 44 Jahre alt wurde. Damit ist Pinggi nicht nur das älteste Pferd dieses Oldie- Wettbewerbs, sondern auch das (belegbar) älteste Pferd aller unserer bisherigen Wettbewerbe. Chapeau!

Pferdeoldies: Ranking nach Alter

Alter Name/Rasse
44 Pinggi (Shetty)
39 Reddi (Ponymix)
38 Arco (Warmblut); Bellinda, Hansi, Puppe (Shetties)
37 April (Pony); Aron (Shetty); Belstar Intact (Traber)
36 Jety (Islandpferd); Regalo (Warmblut)
34 Darling (Ponymix)
33 Beauty (Warmblut); Dingo (Shetty); Lucas (Pony); Sigi (Islandpferd)
31 Burgherr, Dolly, Livius, Reigen (Warmblut); Lia, Styx Junior, Winni (Haflinger); Nickel (New Forest)
30 Filou (Shetty); Fuchsi, Maxi, Rambo (Warmblut); Maco Moran (Haflinger)
Die Portraits zu den einzelnen Pferden finden Sie in der Juniausgabe der Pferderevue.
Cover Pferderevue Juni 2011 © Alessandra Sarti
© Alessandra Sarti

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Im nachfolgenden Text beschreibt Pferderevue-Leserin und Besitzerin des 29jährigen Norikers Plischi, Birgit Zimmel, ihre Erfahrungen über das Zusammenleben mit alten Pferden.

Leben mit einem alten Pferd

Die Bedürfnisse eines Pferdes verändern sich im Laufe seines Lebens. Es macht einen Unterschied, ob man jetzt ein Fohlen oder einen Senior pflegt. Nun ist ja nicht so, dass um Mitternacht des 20. Geburtstages plötzlich eine Glocke schlägt, und man hat ein altes Pferd im Stall. Nein, der Übergang ist allmählich, und der Besitzer kann in die veränderte Situation hineinwachsen.

Psychische Veränderungen
Ein altes Pferd ist meist ruhiger. Wobei „ruhiger“ relativ zu sehen ist. Der 25jährige Araber meiner Freundin hüpft wesentlich mehr herum als mein Verlass-Haflinger in der Blüte seines Lebens. Ein altes Pferd ist gelassener. Wer über hunderte Kanaldeckel gegangen ist, tausende Male den Wind durch die Hecke blasen oder unzählige Schafe blöken und viel zu oft seinen Menschen singen hörte, den erschreckt so leicht nichts mehr. Der Platz in der Rangordnung kann sich mit Schwinden der Kräfte ändern, muss aber nicht. Mein 29jähriger Noriker ist der Chef seiner kleinen Herde, die aus wesentlich jüngeren und stärkeren Mitgliedern besteht.

Körperliche Veränderungen
Wie schnell der körperliche Abbau einsetzt hängt von vielen Faktoren ab. Der Betreuer kann ihn verlangsamen aber nicht verhindern. Fast alle alten Pferde haben Arthrose. Hier gilt neben der richtigen Medikamentation: Wer rastet, der rostet! Gelenke werden nur durch Bewegung „geschmiert“. Regelmäßige Spaziergänge tun außerdem der Lunge, dem Herz und dem Besitzer gut. Auch die Verdauung ändert sich wesentlich. Die Zähne sind abgenutzt und der Darm arbeitet schlechter. Das unappetitliche Kotwasser ist nur allzu oft die Folge. Man kann den Darm unterstützen beispielsweise mit Enteroferment aus der Apotheke, Fermentgetreide, Balance Lebendhefe der Firma Starhorse. Viele Hersteller haben inzwischen spezielle Seniorenmüslis im Programm. Und wenn Pferde Probleme beim Kauen haben, bieten sich eingeweichte Heucobs als teilweiser oder gänzlicher Heuersatz an. Auch mit Maiscobs habe ich sehr gute Erfahrung gemacht, sie haben wieder ein bisschen mehr Fleisch auf die Rippen meines Oldies gebracht. Ebenso müssen sich alte Pferde beim Fellwechsel mehr plagen. Zusatzfutter bereits vor dem Wechsel ist zu empfehlen. Vitaplast vom Tierarzt hat sich bei meinem Pferd bewährt. Außerdem hilft bürsten, bürsten und nochmals bürsten. Zwar finde ich die Pferdehaare nachher sogar in meiner Unterhose, aber es regt die Hautdurchblutung an.

Und nun einige Worte zum Beschlag: Der Hufmechanismus und somit die Durchblutung funktioniert am besten am Barfußhuf. Aufgrund seiner Hufrollenentzündung war mein Pferd mit allem ausgerüstet, was gut und teuer war: geschlossene Eisen, Keilplatte, Silikoneinlage. Als Plischi nicht mehr geritten werden konnte, empfahl der Schmied die Umstellung auf Barhuf. Da er damit gegen sein eigenes Geschäft redete, glaubte ich ihm sofort. Nach einer Gewöhnungsphase fühlt sich mein Oldie sehr wohl mit dieser Lösung – und mir bleibt mehr Geld im Börsel.

Abschied nehmen

Einmal in hoffentlich sehr ferner Zukunft wird es soweit sein – das Einschläfern. Selten genug passiert es, dass das Pferd friedlich im Schlaf stirbt. Wenn dem dampfigen Pferd jeder Atemzug zur Qual wird, wenn die Füße nur noch schmerzen, wenn die Nieren versagen, ja dann muss die Liebe so groß sein, dass der Besitzer sein Tier erlösen lässt. Es empfiehlt sich, dieses Thema rechtzeitig mit Tierarzt und Stallbetreiber zu besprechen. Manchmal stelle ich mir vor, wie es wäre, statt meines Seniors ein junges Pferd zu haben. Ein Pferd, das ich reiten kann. Mein Geld würde ich dann nicht für Heucobs und Seniorenmüsli ausgeben sondern für Kurse und Turniere. Doch als mein Plischi eine Kreislaufkolik hatte, stand ich heulend in einem Winkel und jammerte. „Ich will nicht, dass es schon soweit ist. Ich will, dass er lebt.“ Ehrlich, der Tierarzt hatte mehr Arbeit damit, mich zu beruhigen als damit, meinen Oldie zu kurieren.
Noriker Plischi © Privat
Stolze 29 Jahre ist Birgit Zimmels Noriker Plischi und der lebende Beweis, dass auch Noriker ein schönes Alter erreichen können, wenn man sie lässt.
© Privat
Ein positives Schlusswort
Was ist also das Tolle an einem alten Pferd? Es ist die Vertrautheit, der lange gemeinsame Weg, die vielen Höhen und Tiefen, die wir miteinander erlebt haben. So was verstehen andere Menschen oder sie verstehen es eben nicht. Ich kann ja auch nicht nachvollziehen, warum manche Frauen beim Anblick von ein Paar Schuhen freudig kreischen. Das trifft sich übrigens gut, denn bei meinem begrenzten Budget ist teure Fußbekleidung eh nicht drin. So sitze ich nicht mit eleganten Highheels an den Füßen Cocktail schlürfend in einer noblen Bar sondern stapfe frohgemut in Stiefeln aus dem Lagerhaus mit meinem alten Pferd durch die wunderschöne Landschaft des Mostviertels.

Birgit Zimmel
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