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07.08.2016

Olympia: Enge Sache beim Eventing

Nach der Dressur ist bei der olympischen Vielseitigkeit in Rio noch überhaupt keine Vorentscheidung gefallen. Im Team liegen die Deutschen gerade einmal 0,2 Punkte vor den überraschenden Franzosen, im Einzel behielt der Brite William Fox-Pitt auch nach dem zweiten Tag die Führung.

Die Stilistin Ingrid Klimke liegt mit Hale Bob nach der Dressur auf Rang 4. © Tomas Holcbecher
Die Stilistin Ingrid Klimke liegt mit Hale Bob nach der Dressur auf Rang 4.
© Tomas Holcbecher
Es grenzt beinahe an ein medizinisches Wunder, dass Fox-Pitt überhaupt an den Spielen teilnehmen konnte. Im vergangenen Jahr hatte er sich nämlich bei einem Sturz ein Schädel-Hirn-Trauma zugezogen, sodass er ins künstliche Koma versetzt werden musste. Die Zwischenführung überraschte ihn selbst und seine Frau ist immer noch nicht sicher, ob sie happy oder sauer sein soll, dass er nach Rio gefahren ist. Eine Augenweide war wieder einmal der Ritt von Ingrid Klimke, die sich mit ihrem Hale Bob als beste Deutsche auf Platz 4 klassierte. Aber in der Vielseitigkeit werden die Karten sicher neu gemischt.
Ausgelassene brasilianische Lebensfreude, volle Tribüne, Klassestimmung bei den Reitbewerben in Rio. © Tomas Holcbecher
Ausgelassene brasilianische Lebensfreude, volle Tribüne, Klassestimmung bei den Reitbewerben in Rio.
© Tomas Holcbecher

Wir geben unser Bestes

Relaxed und entspannt gibt sich Österreichs Dressurequipe am Gelände des National Equestrian Center von Rio. Für 10 Uhr 30 ist eine Trainingseinheit angesetzt, einziges Problem: Seit Beginn der Spiele gibt es strikte Kontrollen beim Betreten der Trainingsanlagen und als Journalist muss man seine Extra-Akkreditierung 24 Stunden im voraus beantragen. Haken dabei ist die Tatsache, dass die Trainingszeiten kurzfristig vergeben werden. Ein Mail um Ausnahmegenehmigung an die Venue Media Managerin bleibt unbeantwortet. Was tun? Auf den Weg gemacht Richtung Veterinärklinik, ein wenig herumspaziert und plötzlich finde ich mich mitten im „verbotenen Gelände!“ Da läuft mir schon Sissy Max-Theurer in die Arme und wir schlendern zu Vici und Della Cavalleria, die in der prallen Sonne ihre Lektionen proben.
So sieht das Stadion aus Sicht der Reiter aus. © privat
So sieht das Stadion aus Sicht der Reiter aus.
© privat
Vici hatte mit Blind Date und Della Cavalleria ja zwei Pferde für Olympia qualifiziert. 12 Tage vor dem Abflug entschied man sich für „Della“: „Wir haben uns für sie entschieden, weil die Futterumstellung (Anm.: in Südamerika ist die Einfuhr von europäischen Futtermitteln verboten) Blind Date Probleme bereitete. Bei ihr stellten sich wiederholt Kolik-Symptome ein. Deshalb mussten wir auf den geplanten Start beim letzten Turnier in Cappeln verzichten. Dem Pferd gegenüber war es nur fair, trotz ihrer großen sportlichen Qualitäten, unter diesen Umständen auf einen Einsatz in Rio zu verzichten. Ich habe das in Abstimmung mit meinem Team und den Tierärzten so entschieden. Das Risiko war einfach zu groß. Wir können uns durch diese Umstände auch nicht so wie für Olympische Spiele erforderlich vorbereiten“, begründete Vici damals die schwere Entscheidung.
Neues Hobby für unsere Dressurreiterin: Pins sammeln. © privat
Neues Hobby für unsere Dressurreiterin: Pins sammeln.
© privat
Nun sitzt sie neben mir im Schatten vor dem Erfrischungsstand und zieht ihr erstes Resümee nach fast einer Woche Rio: „Wir fühlen uns beide recht wohl, ich hoffe nicht, dass noch ein Tief kommt. Auch sonst ist alles bestens, die Ställe sind top, die Böden und alles andere auch. Die Veranstalter bemühen sich sehr, die Bedingungen für Pferd und Reiter angenehm zu machen. Mein Ziel ist es einen schönen Grand Prix zu reiten, über alles andere kann ich mich nicht äußern, weil so erfahren ist Della auf Grand Prix-Niveau noch nicht. Ich bin aber sehr zufrieden wie sie momentan in Form ist. Sie ist sehr motiviert und wir versuchen das auch beizubehalten. Wir werden erst sehen wie sie im Stadion sich verhält.“

Lästige Journalisten lassen aber nicht locker, und so kann ich mir natürlich die Frage nach ihren Olympia-Chancen nicht verkneifen: „Über Erwartungshaltungen brauchen wir nicht reden, das bringt nichts. Die Stärken von Della sind sicherlich die Galopptour, derzeit auch Piaffe/Passage. Sie vermittelt sehr viel Leichtigkeit, wie es aber im großen Stadion wird kann ich nicht sagen, weil wir werden das erste Mal gemeinsam drin sein.“

 
Weitläufige perdegerechte Trainingsanlagen. © privat
Weitläufige perdegerechte Trainingsanlagen.
© privat
Die einzige Aufregung, die Della Cavalleria bisher überstehen musste, war ein Aufeinandertreffen mit einem holländischen Schimmel, der eine knall-orangene Decke oben hatte, diese Kombination gefiel der Stute aber schon gar nicht. Vici kommt nochmals auf die schwierige Situation vor der Abreise zu sprechen: „Es liegt in der Verantwortung des Reiters im Sinne seines Pferdes eine Entscheidung zu treffen. Und da konnte man sehen, dass Blind Date das Heu nicht verträgt. Und da kann man als Reiter dem Pferd zusätzlich zu Reisestress und Zeitumstellung nicht auch noch gesundheitliche Probleme zumuten. Daher mussten wir kurzfristig die Entscheidung treffen, „Beate“ zu Hause zu lassen. Ich bin aber sehr froh, dass ich mit Della einen tollen zweiten „Sportpartner“ habe. Und sie ist super gereist, verträgt das Heu super und ist super motiviert. Natürlich verfügt sie noch nicht über die Erfolge und Erfahrungen von Beate. Wieviel wir von dem Potential von Della derzeit schon ausspielen können, werden wir sehen. Aber es ist für mich schon ein großer Erfolg hier zu sein. Ich weiß, wie es in der Olympiaqualifikation zugegangen ist und wie ein jeder um sein Leben geritten ist, um die Qualifikation noch zu schaffen. Und ich bin sehr froh, dass wir diesen Quotenplatz für Österreich erreiten konnten. Wir sind ja mit dem Team auch nur ganz, ganz knapp an einer Teilnahme gescheitert und es ist jammerschade, dass es sich in Aachen bei der EM nicht ausgegangen ist. Wir können aber stolz sein, dass wir da so knapp dran waren, im Team gab wirklich ein jeder sein Bestes.“
Della Cavalleria mit ihrer Pflegerin Simone Oss. © privat
Della Cavalleria mit ihrer Pflegerin Simone Oss.
© privat
Für die 30jährige Oberösterreicherin sind es bereits die vierten Olympischen Spiele, ziemlich ungalant frage ich, ob sie sich als Olympia-Routinier fühle: „Routinier ist relativ, im Reitsport bin ich noch nicht der große Routinier, da gibt es erfahrenere. Auf das österreichische Team bezogen bin ich aber schon eher eine „Ältere“, denn von den 71 österreichischen Sportlern in Rio sind über 40 Olympiadebütanten. Ich war heuer das erste Mal bei der Eröffnungsfeier und beim Einmarsch der Nationen dabei, das war wirklich beeindruckend und ganz toll organisiert. Gemeinsam mit dem Team ins Stadion zu marschieren war echt toll und man lernt viele andere Sportler kennen. Das macht Olympia aus, das es hier so nationen- und sportübergreifend zugeht. Auch im Olympischen Dorf herrscht eine unheimlich gute Stimmung. Es ist alles sehr harmonisch und entspannt, genauso wie hier im Equestrian Center. Jeder bemüht sich und es ist alles sehr relaxed.“
Sightseeing am Zuckerhut: Eltern Hans und Sissy Max-Theurer, Hufschmied Josef Frech, Vici und Trainer-Freund Stefan Lehfellner. © privat
Sightseeing am Zuckerhut: Eltern Hans und Sissy Max-Theurer, Hufschmied Josef Frech, Vici und Trainer-Freund Stefan Lehfellner.
© privat
Wir diskutieren noch ein wenig über Medaillenchancen und die Beurteilung der sportlichen Leistungen durch die Presse. Noch unvergessen sind die Anschuldigungen und Vorwürfe der österreichischen Boulevardmedien, die 2012 nach der Londoner Medaillen-Nullnummer von „Olympiatouristen“ schrieben. Für Vici keine Thema: „Wir freuen uns einfach, dass wir unsere vierten Olympischen Spiele für Österreich bestreiten dürfen. Auch wenn es für uns sicherlich nicht um Medaillen geht. Aber wenn man die Qualifikation unter die besten 60 Reiter geschafft hat, kann man sich freuen und stolz sein, wir werden das auch genießen! Und ich weiß, jeder unserer Sportler gibt hier das Beste.“ Und so kann man es auch keinem Sportler verdenken, dass er auch ein wenig Sieghtseeing betreibt, am Abend nach diesem Interview stand jedenfalls für das Team Max-Theurer der Besuch des Zuckerhuts auf dem Programm.
Die "Schokoladenseite" von Rio: Copacabana. © privat
Die "Schokoladenseite" von Rio: Copacabana.
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