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17.08.2016

Olympia: Springreitgold an Frankreich

Auch der Ausfall ihres Leistungsträgers Simon Delestre im Vorfeld hatte die französische Springmannschaft in Rio de Janeiro nicht daran hindern können, die Goldmedaille im Mannschaftsspringen zu gewinnen. In den zwei Nationenpreisrunden musste das Quartett nur drei Zeitfehlerpunkte hinnehmen. Silber blieb für die USA, im Stechen gegen Kanada holte sich die deutsche Equipe noch Bronze.

Nach 40 Jahren wieder Olympiagold für Frankreich: Roger Yves Bost, Pénélope Leprevost, Kevin Staut und Philippe Rozier. © Tomas Holcbecher
Nach 40 Jahren wieder Olympiagold für Frankreich: Roger Yves Bost, Pénélope Leprevost, Kevin Staut und Philippe Rozier.
© Tomas Holcbecher
Am Vortag hatte ihr Bundestrainer Otto Becker noch gemeint: „So einen leichten Umlauf wie diesen habe ich noch nie bei Olympischen Spielen gesehen.“ Diesmal hatte Gulherme Jorge aber noch eine Schippe drauf gelegt. Als erster Sprung wartete eine Mauer über 1.53, auch die Zweierkombination bestand aus zwei diffizilen Steilsprüngen mit jeweils 1.60 Höhe und die letzte Linie beinhaltete die Dreierkombination als schwierigste Klippe des Umlaufes.
Kevin Staut bejubelt den Olympiasieg. © Tomas Holcbecher
Kevin Staut bejubelt den Olympiasieg.
© Tomas Holcbecher
Schon nach den Einzelreitern offenbarte sich aber die wahre Raffinesse des Parcours: die erlaubte Zeit von 82 Sekunden. Allerdings legten es die 18 im Bewerb verbliebenen Einzelreiter eher darauf an, ohne Abwurf zu bleiben und es so unter die Top-35 fürs Finale zu schaffen. Das bisherige Score wird ja dann ohnedies wieder gelöscht. Es dauerte aber bis zur Startnummer 29 der 46 gestarteten Reitern bis es eine Runde in der Zeit und ohne Abwurf (der Wassergraben fehlte heute) gab. Dies gelang der Kanadierin Tiffany Foster mit Tripple X, dem Olympiagoldpferd Ben Mahers aus London 2012. Insgesamt schafften dieses Kunststück dann nur noch weitere vier Paare.
Durch die Ausfälle der vierten Reiter in den Teams der USA (Sehnenverletzung bei Beezie Maddens Cortes), der Niederlande (ohne Jur Vrieling, dessen Zirocco Blue an den ersten beiden Tage offensichtlich von der Rolle war) und Brasiliens (Stephan de Fraitas Barcha durfte nach Disqualifikation nicht mehr antreten) befand sich Frankreich bald auf Goldkurs. Denn auch die Deutschen mussten sowohl durch Christian Ahlmann (Taloubet Z) als auch Meredith Michaels-Beerbaum (Fibonacci) zwei teure Abwürfe hinehmen.
An seinem Stil sollt ihr ihn erkennen: Roger Yves Bost sichert seinem Team mit Sydney une Prince die Goldmedaille. © Tomas Holcbecher
An seinem Stil sollt ihr ihn erkennen: Roger Yves Bost sichert seinem Team mit Sydney une Prince die Goldmedaille.
© Tomas Holcbecher
Roger Yves Bost sicherte seinem Team auf Sydney du Prince mit einem makellosen Ritt, der lediglich durch einen Zeitfehler getrübt war, frühzeitig das souveräne Olympiagold: 3 Fehlerpunkte hatten die Tricolores in zwei Runden gerade einmal angesammelt. Für die US-Amerikaner blieb nach einem Nuller von Ward McLain (Azur) mit insgesamt 5 Punkten die Silbermedaille.
Mit Azur zählt Ward McLain als einer der Favoriten auf Einzelgold. © Tomas Holcbecher
Mit Azur zählt Ward McLain als einer der Favoriten auf Einzelgold.
© Tomas Holcbecher
Im Kampf um die Bronzemedaille hielt Eric Lamaze (Fine Lady) die kanadischen Hoffnungen aufrecht. Dann lastete einmal mehr enormer Druck auf Ludger Beerbaum. Mit Casello musste er Null bleiben, um den Deutschen noch die Chance auf ein Stechen mit Kanada zu ermöglichen. Und der Riesenbecker hielt wirklich dieser gewaltigen Nervenanspannung stand. Acht Punkte für Kanada und Deutschland erzwangen ein direktes Duell der beiden Teams. Da hatte die routinierte deutsche Mannschaft aber nur wenig Probleme mit drei Nullern die Bronzemedaille zu gewinnen. Ein einziges Zittern gab es nur bei Daniel Deusser, als beim vorletzten Sprung die oberste Stange wackelte.
Bestens in Schuss: Der Olympiasieger von 2008 Eric Lamaze mit Fine Lady. © Tomas Holcbecher
Bestens in Schuss: Der Olympiasieger von 2008 Eric Lamaze mit Fine Lady.
© Tomas Holcbecher
Das Team der brasilianischen Hausherren schaffte zum Leidwesen des Publikums im fast ausverkauften Stadion nicht den Sprung auf das Podium und landete in der Endabrechnung auf Rang 5. Ein wenig enttäuschend blieb für die Schweizer Mannschaft ihr sechster Platz. Kurios die Ausgangslage der Eidgenossen fürs Einzel: Da alle vier Reiter mit neun Punkten gleichauf liegen, muss bis morgen um 10 Uhr entschieden werden, wer ausscheiden muss. Und für die erfolgsverwöhnte niederländische Pferde-Equipe (regierender Welt- und Europameister) sollte Rio weiterhin eine einzige Enttäuschung sein: Platz 7 ex aequo mit Schweden.
Für Weltmeister Jeroen Dubbeldam und seine Oranjes gab es nichts zu lachen. © Tomas Holcbecher
Für Weltmeister Jeroen Dubbeldam und seine Oranjes gab es nichts zu lachen.
© Tomas Holcbecher
Für die französische Springreit-Equipe ging in Rio eine lange Durststrecke bei Olympia zu Ende. 1992 hatte sie zuletzt in Barcelona 1992 eine Mannschaftsmedaille gewonnen – Bronze hinter Österreich. Die letzte Goldene liegt sogar noch länger zurück, nämlich 40 Jahre. In Montreal war 1976 Marcel Rozier Mitglied der Erfolgsmannschaft. Dessen Sohn Philippe rutschte mit seinem Hengst Rahotep de Toscane erst auf den letzten Drücker nach dem Ausfall Delestres ins Team. Kevin Staut, dem mit Reveur de Hurtebise einer von drei Doppelnullern gelang, strahlte am Podium und bei der Pressekonferenz, während Roger Yves Bost es sachlicher betrachtete. Auf die Frage, wie er mit dem Druck umgegangen sei, meinte er nur: „Ich habe nur meinen Job gemacht!“ Gesprächiger war da Ludger Beerbaum, der auf die gleiche Frage antwortete: „Wenn du ins Viereck reitest, dann darfst du nicht denken, was wäre wenn. Dann musst du nur versuchen, das Beste zu machen.“ Otto Becker schließlich hatte das einfache Patentrezept parat: „Man braucht mehrere Nullrunden!“ Und die hatten einfach die Franzosen, Chapeau!
Am Ende doch noch ein Lachen vom deutschen Team: Christian Ahlmann, Ludger Beerbaum, Meredith Michaels-Beerbaum und Daniel Deußer. © Tomas Holcbecher
Am Ende doch noch ein Lachen vom deutschen Team: Christian Ahlmann, Ludger Beerbaum, Meredith Michaels-Beerbaum und Daniel Deußer.
© Tomas Holcbecher
In der Einzelkonkurrenz werden nun die Karten neu gemischt. Alle 35 Teilnehmer an der letzten Medaillenentscheidung gehen mit einer weißen Weste und null Punkten in die letzten beiden Umläufe am Freitag.
Bewies mit Casello seine Coolness: Ludger Beerbaum. © Tomas Holcbecher
Bewies mit Casello seine Coolness: Ludger Beerbaum.
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Wohin geht der Pferdesport?

Mein Blog von vorgestern wurde offenbar auch von den offiziellen Funktionären gelesen, denn 24 Stunden später erhielt ich von Presselady Anja krabbe die exklusive Mitteilung, dass bisher von 38 Pferden Dopingproben abgenommen wurden. Aber das war es dann auch schon, über das Ergebnis schweigt man sich weiter aus. Es ist schon eigenartig, welche Transparenz bei den großen Sportverbänden herrscht. Besser gesagt, welche Intransparenz man vorfindet.
Ein ähnliches Erlebnis hatte meine Kollegin vom „St. Georg“, die im Rahmen ihrer Olympiaberichterstattung schrieb, dass in der FEI die Abschaffung des Wassergrabens diskutiert werde und dies eine Lieblingsidee des Vizepräsidenten John Madden (Ehemann von Beezie Madden) wäre. Gaby Pochhammer schrieb wörtlich: „Hat sicherlich nur zufällig damit zu tun, dass seine Frau am Wasser gerne mal ein Problem hat.“ Und was geschah? John Madden war „not amused“ und eine solche Änderung diene nur der Sicherheit der Reiter. Hallo? Sicherheit der Reiter? Klar gibt es auch am Wassergraben Stürze, wie etwa zuletzt in München. Aber die gibt es an jedem Hindernis. Die ironische Schlussfolgerung des St. Georg: „Am sichersten ist der Reiter im Bett und das Pferd auf der Weide.“
Damit kommen wir zur generellen Frage, in welche Richtung sich der Pferdesport entwickeln wird, nicht nur bei Olympia. Für die Spiele 2020 stehen ja alle drei Disziplinen unter Beobachtung und es wird über Austragungsformat und Einbeziehung von mehr Ländern diskutiert. Die Verkürzung der Dressur ist ebenso im Gespräche wie andere publikumswirksame Neuerungen. Ist es das, was der Pferdesport braucht? Generell geht es in der internationalen Reiterei auch immer mehr ins Kommerzielle. Der Streit zwischen Tops Global Champions Tour und der FEI schwelt ja schon längere Zeit. Dahinter stehen auch massive Sponsoreninteressen: Rolex (FEI) gegen Longines (GCT) könnte man auch dazu sagen.
Übers Sportliche muss man ebenfalls reden. In der Dressur schiebt sich die Weltspitze immer mehr zusammen, in der Folge ist man auch bereit für einigermaßen talentierte Grand Prix-Pferde mittlerweile Fantasiepreise zu bezahlen. Positiv daran: die Championate werden immer spannender als noch vor einigen Jahren, als die Sieger meist im Voraus feststanden. Will ein junger talentierter Reiter da mithalten, geht es aber ohne Sponsorenunterstützung nicht – ein Teufelskreis!
Im Springsport sieht man in Rio Bilder, die man nicht für möglich hält. Pressekollegen aus aller Welt schütteln den Kopf, wie manche Pferde hier springen. „Fit gemacht“ sagt man dazu! Positiv ist das Durchgreifen der Jury im Parcours zu beurteilen, auch die sog. „Bloodrule“ wird strikt angewendet. Aber wie sieht es beim Abreiten aus? Der Presse ist ja der Zutritt verboten, Bilder gibt es keine. Ach ja, die FEI will ja keine hässlichen Aufnahmen sehen!
Zum zweiten Mal erklang in Deodoro die Marsellaise. © Tomas Holcbecher
Zum zweiten Mal erklang in Deodoro die Marsellaise.
© Tomas Holcbecher
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